Animal Crossing-Geständnis: Ich behandle meine Bewohner wie Dreck

Lindas Insel des Nintendo Switch-Hits Animal Crossing: New Horizons wirkt nur von außen so friedlich und idyllisch. Hier regiert das Chaos, und das Chaos ist sie selbst.

von Linda Sprenger,
25.10.2020 12:00 Uhr

Der Teufel trägt Bärchenkapuzen. Der Teufel trägt Bärchenkapuzen.

Lebenssimulationen haben schon immer meine böse Seite zum Vorschein gebracht: Früher habe ich liebend gerne meine Sims zum Schwimmen in den Pool geschickt und anschließend die Leiter entfernt. Oder habe sie ohne Kochfähigkeiten das Abendessen zubereiten lassen, in der Hoffnung, sie würden so das ganze Haus in Brand setzen.

Aber nicht nur in Die Sims gehe ich darin auf, die eigentlichen Spielregeln zu ignorieren und lieber meine eigenen aufzustellen. Auch in Animal Crossing: New Horizons lebe ich mein Leben keinesfalls so, wie es sich das Entwicklerstudio gedacht hat.

Freundlichkeit? Hilfsbereitschaft? Gemeinnützigkeit? Kenne ich in Animal Crossing nicht. Auf meiner Insel regiere ich als Tyrannin, die ihrer Bevölkerung das Inselparadies zur Hölle macht.

Wenn sie keine Betten haben, sollen sie doch auf Strohmatten pennen

(Zugegeben, Kollegin Rae hat Manfred nach einem Besuch auf meiner Insel eingemauert), aber ich habe niemals auch nur ansatzweise in Betracht gezogen, ihn zu befreien. (Zugegeben, Kollegin Rae hat Manfred nach einem Besuch auf meiner Insel eingemauert), aber ich habe niemals auch nur ansatzweise in Betracht gezogen, ihn zu befreien.

Manfred sperre ich schon seit Monaten in seinen eigenen vier Wänden ein, indem ich via Terraforming eine Mauer um sein komplettes Grundstück herum gezogen habe. Warum? Einfach nur, weil mir sein Gesicht nicht passt. Wenn mir langweilig ist, schlage ich Klara solange mit dem Kescher auf den Kopf, bis sie wütend von Dannen zieht. Warum? Weil es bei ihr immer besonders witzig aussieht, wenn sie sich aufregt.

Ich ignoriere grundsätzlich alle Geburtstage. Schwärze Tiere ohne triftige Gründe bei Melinda im Rathaus an. Mache weder Geschenke, noch kümmere ich mich um die Gestaltung der Gärten und Häuser meiner Bevölkerung.

Nicht nur meine Sims sperre ich im Pool ein. Aber Hey: Immerhin hat Vroni Snackautomaten. Nicht nur meine Sims sperre ich im Pool ein. Aber Hey: Immerhin hat Vroni Snackautomaten.

"Ach, du Schreck". Ja, ihr merkt: Ich bin das Böse. Getarnt in einer fürchterlich niedlichen Bärenmütze, die meine wahren Absichten verschleiert. Und dabei kennt ihr noch nicht einmal meine schlimmste Schandtat: Ich rede mit niemandem.

Ich ignoriere meine Inseltierchen bis zur Schmerzensgrenze. Und das in einer pazifistischen Gesellschaft, in der das soziale Miteinander eigentlich im Vordergrund stehen sollte. In der ich geben und nicht nur nehmen sollte. In der ich mit Tieren reden, und sie nicht nur vor sich dahin leben lassen sollte. Aber "leben und leben lassen" ist nun einmal die Devise auf meiner Insel. Und als Inselsprecherin habe ich das Sagen!

Hier wird nicht gegrüßt und auch nicht geplaudert

Irgendetwas stört mich ganz gewaltig an Fritzi - ist es die Frisur? Irgendetwas stört mich ganz gewaltig an Fritzi - ist es die Frisur?

Ganze sechs Monate lang habe ich mit Fritzi kein Wort gewechselt, in der Hoffnung, dass er irgendwann seine sieben Sachen packt und Leine zieht. Dabei hat er mir nicht einmal was getan. Trotzdem hasse ich ihn. Vielleicht wegen seines immergleichen Langarmshirts, das sonst nur furchtbar anstrengende Highschool-Jocks tragen.

Vielleicht ist es seine naive Loyalität mir gegenüber. Denn obwohl ich den kleinen Mäusejungen wie Mist behandle, wohnt er immer noch auf meiner Insel. Lächelt trottelig vor sich hin und schaut mich mit großen Knopfaugen an, wenn mein wortkarges und selbstsüchtiges Ich an ihm vorbeistolziert. Vielleicht hasse ich Fritzi aber auch nur wegen seiner Topffrisur, die nun wirklich aus der Zeit gefallen ist.

Geplaudert wird nur, wenn ich Geschenke abstauben kann. Geplaudert wird nur, wenn ich Geschenke abstauben kann.

Aber auch mit Bella, Vroni, Walli, Tschiwi, Viviane und Angela rede ich eher selten (und ja, ihre Namen musste ich im Spiel nachgucken, weil ich sie mir schlicht nicht merken kann). Ich quatsche sie meistens nur dann an, wenn es sein muss. Beispielsweise wenn ich ein Geschenk wittere, das ich abstauben kann. Oder wenn mir ein Tier mit einem Wölkchen über dem Kopf signalisiert, dass es möglicherweise ausziehen könnte. Denn nach dem bewährten "Gotta Catch 'em All"-Prinzip neue Bewohner*innen zu suchen und sie auf meine Insel zu locken, macht mir in Animal Crossing wirklich viel Spaß (aber natürlich nicht so viel Spaß, wie sie anschließend zu tyrannisieren).

Linda Sprenger
@lindalomaniac

Linda liebt die Kontraste. In Spielen wie Animal Crossing oder Sims, in denen es eigentlich friedlich zugehen sollte, lässt sie gerne die Sau raus und bringt ihre "böse Seite" zum Vorschein, weil es einfach verdammt witzig ist. Komisch: In RPGs wie Mass Effect oder Fallout, in denen sie die Wahl zwischen Gut und Böse hat, entscheidet sie sich hingegen immer für die helle Seite der Macht.

Hoffnung am Horizont?

Zugegeben: Meine schonungslose Ehrlichkeit tut mir gerade selbst ein wenig weh. Sollte ich mich ändern? So spielen, wie es die meisten Menschen aus meinem Freundeskreis tun? Mit Tierchen smalltalken, ihnen hübsche Kleidung und nützliche Möbel schenken? Ihnen verdammt nochmal zum Geburtstag gratulieren?

Hahahaha. Nein.

Der Zug ist abgefahren. Es ist zu spät. Auf meiner Insel regiert das Chaos. Und das Chaos bin ich. Verkleidet in einer fürchterlich niedlichen Bärenmütze. Und mal ehrlich: Wer könnte mir bei diesem Anblick wirklich böse sein?

Ein Engel sondergleichen. Ein Engel sondergleichen.

Ihr wollt noch mehr von meinen Animal Crossing-Schandtaten lesen? Dann verrate ich euch in einer weiteren Kolumne, warum ich eine dreckige Cheaterin bin. Und hier lest ihr, warum ich es wohl verdient habe, dass meine Freunde meine komplette Insel in ein Bären-Wunderland verwandelt haben.

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