Animal Crossing: Ich bin eine dreckige Cheaterin & bereue es (ein bisschen)

Linda ist in Animal Crossing New Horizons durch die Zeit gereist, um sich selbst zu bereichern. Jetzt fragt sie sich aber: Ist sie dadurch nicht eher viel ärmer geworden?

von Linda Sprenger,
16.05.2020 10:00 Uhr

Zeitreisen ist verlockend, hat aber seine Tücken. Zeitreisen ist verlockend, hat aber seine Tücken.

Wenn ich könnte, dann würde ich jetzt in der Zeit zurückreisen und Vergangenheits-Linda einmal kräftig durchrütteln. Ich würde ihr die Flausen aus dem Kopf treiben und ihr eintrichtern, das Schummeln in Animal Crossing New Horizons tunlichst zu unterlassen. Rückgängig machen kann ich es jetzt aber ohnehin nicht mehr: Ich bin auf ewig als Cheaterin gebrandmarkt, und ich bereue es (zumindest größtenteils).

Die süßen Vorzüge des Zeitreisens

Animal Crossing läuft bekanntlich in Echtzeit ab. Wer die interne Uhr des Spiels aber austricksen möchte, stellt einfach das Datum der Konsole vor oder zurück. Genau das habe ich gemacht, ich bin durch die Zeit gereist. Warum? Darauf gibt es eine einfache Antwort: Ich war zu ungeduldig, um Animal Crossing so zu spielen, wie es sich die Entwickler gedacht haben.

Gerade anfangs wollte ich fix an neue Items, neue Kleider, neue Bewohner kommen. Ich wollte meine Blumen schneller sprießen lassen und Bäume schneller wachsen lassen, wollte meine Insel in kurzer Zeit von einem langweiligen Stück Grün in ein florierendes Urlaubsparadies verwandeln.

Lindi kann man auf dem ersten Blick nicht böse sein, doch der skeptische Teddy auf ihrem Shirt spricht Bände. Lindi kann man auf dem ersten Blick nicht böse sein, doch der skeptische Teddy auf ihrem Shirt spricht Bände.

Zu meiner Verteidigung: Um meine Gier nach dem rasanten Spielfortschritt zu befriedigen, stellte ich meine Uhr lediglich einige Tage vor. Regeltreuen Spielern bin ich jetzt circa eine Woche voraus. Das Wetter am 23. Mai 2020 auf meiner Insel? Sonnig, mit Aussicht auf hübsche blaue Schmetterlinge.

Zu Sterni-Betrügern zähle ich aber nicht. Einige Spieler reisen nämlich bis zu 60 Jahre (!) in die Zukunft, um so viel Zinsen einzustreichen, dass sie (relativ) ratzfatz zu Millionären, wenn nicht sogar Milliardären werden. Die Trickkiste der Zeit-Kriminellen lässt eben Raum für schier unendlich viele kreative Mogeleien. Mit meinem beschleunigten Blumen- und Obst-Wachstum bin ich im direkten Vergleich also nur ein Zahnrädchen im Uhrwerk.

Wie funktioniert das Zeitreisen in Animal Crossing New Horizons?

Seid ihr in Versuchung gekommen? Dann lasse ich jetzt meine unvernünftige Seite sprechen. Ihr könnt selbst entscheiden, ob ihr ihr zuhören wollt oder nicht.

Lindi aus Animal Crossing (erklärt euch, wie man schummelt)
@DieCheaterin

- Beendet New Horizons komplett
- Geht im Home-Menü auf die Systemeinstellungen
- Wählt unter "Konsole" den Punkt "Datum und Uhrzeit", schaltet die Option "Uhr mithilfe des Internets synchronisieren" aus
- Stellt die Uhrzeit manuell um und startet das Spiel erneut

Mehr Infos zum Cheaten und Zeitreisen erfahrt ihr in unserem Extra-Guide.

Na, wieder zur Vernunft gekommen? Dann sagt euch mein gewissenhaftes Ich jetzt klipp und klar: Bleibt im Hier und jetzt, geht nicht vor, geht nicht zurück. Die Nachteile des Zeitreisens überwiegen. Bei mir fing das schon in meinem sozialen Umfeld an.

Ich komme aus der Zukunft und habe schlechte Nachrichten

Aktuell werde ich von meinen Freunden nur schräg angeguckt. Ich bin die Verdrehte in der Gruppe. Die Außenstehende, bei der es nicht mehr richtig tickt.

Wer auf meine Insel kommt, fühlt sich meistens so wie nach einem Überseeflug auf einen anderen Kontinent. Kaputter Bio-Rhythmus und das unbequeme aber gleichzeitig aufregende Gefühl, dass die Dinge hier anders laufen als gewohnt. Plötzlich sind da ganz andere Fische und Käfer, die meine Mitspieler noch nicht kennen. Plötzlich surren die Grillen im sommerlichen Grün, obwohl in ihrer Heimat noch Frühling herrscht.

Meine Freunde wenden sich von mir ab. Und das alles für ein paar Birnen. Meine Freunde wenden sich von mir ab. Und das alles für ein paar Birnen.

Das Schlimmste an der Schummelei aber? Ironischerweise habe ich dank des Zeitreisens selbst jegliches Zeitgefühl verloren. Ist es Dienstag, Donnerstag oder gar schon Sonntag auf meiner Insel? Ich weiß es nicht, komme nicht mehr hinterher. Tage verschwimmen zu einem einzigen Brei, der so bitter schmeckt, als hätte mein Gewissen hineingespuckt.

Dadurch verpasse ich natürlich regelmäßig tägliche Events und Besuche von Spezial-Charakteren. Wenn ich nicht einmal auf dem Schirm habe, wann Sonntag ist, dann übersehe ich die Rübenverkäuferin Jorna eben mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit.

Klar könnte ich einfach auf die Datumsanzeige im Spiel schauen, aber daran denke ich in meiner eigenen Verdrehtheit meistens gar nicht. Klar könnte ich zur Abwechslung einmal Melinda bei ihrer morgendlichen Ansprache zuhören, aber ich traue mich nicht einmal mehr, ihr in die Augen zu schauen. Ich schäme mich. Und doch schäme ich mich nicht genug, um mit dem Mogeln aufzuhören.

Wer hat an der Uhr gedreht? (es war Linda)

Gerade stecke ich mitten im Zeitreisen-Entzug. Seit nunmehr drei Wochen habe ich die Daumen von der Datumseinstellung meiner Switch gelassen und keinen einzigen Tag mehr vorgestellt. Durchaus ein Erfolg! Aber ich bin nicht "clean".

Aktuell hat sich bei mir nämlich die Marotte eingestellt, dass ich stets um 22 Uhr (Echtzeit) vor dem Schlafengehen noch ein Ründchen um meine Insel zische. Aber zu diesem Zeitpunkt haben normalerweise schon alle Läden geschlossen. Nur nicht bei mir.

Lindi betrügt sich selbst und ihre Mitspieler. Und insgeheim, weiß sie es. Lindi betrügt sich selbst und ihre Mitspieler. Und insgeheim, weiß sie es.

Ich drehe die Uhr nämlich stets um zwei Stunden zurück, um dann wieder in Ruhe shoppen gehen zu können. Morgens um 8 Uhr stelle ich sie wieder vor, um dann sofort erneut in Nooks Laden und beim Schneider vorbeizuschauen.

Nennt mich ruhig Konsum-Opfer, aber ich eben auch Inselsprecherin. Mein Fleckchen Land, meine Öffnungszeiten. Außerdem komme ich aus Berlin, und da bin ich es dank Späti-Kultur ohnehin gewohnt, rund um die Uhr zur Einkaufstüte greifen zu können.

Zurück zur Vernunft

Ihr merkt schon, ich fange wieder damit an, mich aus dem ganzen Schlamassel rauszureden. Im Herzen weiß ich, dass ich Mist gebaut habe. Dass ich die Grenzen von Raum und Zeit durchbrochen habe, nur um meinen Garten vor allen anderen Spielern mit ein paar hübschen Birnenbäumen zieren zu können. Das ziemt sich nicht. Geht gegen die Regeln der Entwickler, gegen die Regeln der Natur, gegen die Regel der Gesellschaft.

Ich verspreche, mich in Zukunft zu ändern. Wenn nicht heute, dann vielleicht morgen. Wenn nicht morgen, dann vielleicht Übermorgen. Ich wünschte, ich könnte die Zeit bis dahin beschleunigen.

Ihr wollt noch mehr von meinen Animal Crossing-Schandtaten lesen? Dann verrate ich euch in einer weiteren Kolumne, warum ich meine Bewohner wie Dreck behandle. Und hier lest ihr, warum ich es wohl verdient habe, dass meine Freunde meine Insel in ein Bären-Paradies verwandelt haben.

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