Viele kleine Open Worlds mit massenweise Loot
Die Fähigkeiten von Emma und Koo helfen mir aber auch abseits der Kämpfe aus, denn die Haare der Protagonistin eigenen sich auch perfekt als Enterhaken und Koos Gespür hilft mir bei der Erkundung der Welt, in dem er Feinde oder Fundsachen auf der aktuellen Karte markiert.
Von denen gibt es übrigens reichlich, denn in Beast of Reincarnation gibt es keine große, zusammenhängende Open World, sondern viele einzelne offene Level, die wir pro Kapitel durchstreifen und frei erkunden können.
Unterwegs verfolgen wir nicht nur unsere Hauptquest, sondern finden auch allerhand Loot, wie neue Schwerter, Rüstungen oder Materialien zum Verbessern oder Herstellen von Items. Das wirkt anfänglich noch recht belohnend, schnell fühlt sich das ganze Loot-System aber ziemlich überflüssig an.
Verschiedene Schwerter kommen zum Beispiel mit unterschiedlichen Boni, die aber oftmals so gering ausfallen, dass sie kaum einen Unterschied machen. Kurz nach dem Einstieg finde ich etwa ein Schwert, das mich für perfekte Paraden belohnt und nach jeder erfolgreichen Abwehr meinen ausgehenden Schaden für einige Sekunden steigert. Leider merke ich von der 3%-Erhöhung unterwegs aber schlicht nichts und selbst auf der höchsten Ausbaustufe, ist der Bonus maximal ganz nett.
Das sorgt schnell dafür, dass sich die Erkundung der Welt für mich schon bald nur noch wenig belohnend anfühlt und ich noch etwas später sogar regelrecht genervt davon bin. Unterwegs werde ich nämlich noch mit haufenweise Wertobjekten, Items, Crafting-Materialien und mehr überschüttet, von denen ich auch nach dem Ende noch nicht alle ihren jeweiligen Funktionen zuordnen kann.
Zumindest konnte ich die meisten Loot- und Crafting-Systeme aber die meiste Zeit einfach ignorieren, denn ich bin auch so ganz gut durchs Spiel gekommen – auch dank des dann doch verzeihlichen Schwierigkeitsgrades.
Schwierigkeitsgrad: Es gibt drei verschiedene Schwierigkeitsgrade und auf der mittleren Einstellung sind die Kämpfe fordernd, aber nicht so taff, wie im Vorfeld von vielen angenommen. Das Zeitfenster für Paraden ist zudem sehr verzeihlich. Zum Ende hin gibt es ein paar Schwierigkeitsspitzen, die sich vom Rest des Spiels abheben, meiner Einschätzung nach ist Beast of Reincarnation aber dennoch leichter, als die meisten Souls-Titel – auch, weil durch den Tod nichts verloren geht und die Speicherpunkte in der Regel sehr großzügig gesetzt sind.
Accessibility: Abseits der gängigen Einstellungen, wie der Aktivierung von Untertiteln, einfachen Kameraeinstellungen (z.B. Empfindlichkeit, Kamerawackeln, Invertierungsoptionen) und verschiedenen Zielhilfen, bietet das Spiele keine besonderen Accessibility-Optionen.
Sprache: Das Spiel verfügt über eine japanische und englische Sprachausgabe. Die Texte sind vollständig in Deutsch verfügbar.
Leider war das Loot-System aber nicht das Einzige, das es mir echt schwer gemacht hat, über die gesamte Spielzeit am Ball zu bleiben.
Beast of Redundancy
Das allergrößte Problem von Emmas Abenteuer sind nämlich weder die wenig gelungene Story oder das über weite Strecken belanglose Loot- und Crafting System – sondern die mangelnde Abwechslung.
In den mehr als zehn Kapiteln mache ich unterm Strich nämlich immer wieder dasselbe und das auf einem teilweise absurden Niveau.
In Kapitel 1 betreten wir eine Karte, suchen nach Hinweisen zum ersten gesuchten Nushi und finden es schlussendlich. Daraufhin treten wir gegen den korrumpierten Riesenelch an und sobald wir ihn besiegen, flüchtet er. Dann spielen wir noch etwas weiter, um das Kapitel wenig später mit einem weiteren Duell abzuschließen.
Soweit, so gut. Doof nur, dass wir das dann im nächsten Kapitel wieder machen. Und dann nochmal und nochmal und nochmal. Die Wiederholung geht dabei sogar so weit, dass bestimmte Dialoge immer wieder nach demselben Muster ablaufen.
Dass die allgemeine Gegnervielfallt dazu ebenfalls sehr überschaubar ist, wir die Bosskämpfe gegen die cool aussehenden, aber spielerisch sehr abwechlungsarmen Nushi in jedem Kapitel immer mehrfach spielen müssen, viele Bosse extrem oft recycled werden und sich auch generell nicht nicht viel am Spielerlebnis ändert, kommt noch dazu.
Hätte Beast of Reincarnation vier oder fünf Kapitel und damit rund acht bis zwölf Stunden weniger Spielzeit – es wäre vermutlich ein wesentlich besseres Spiel gewesen. Erst recht, wäre die eingesparte Arbeit dann in die verbleibende Spielzeit geflossen. Schade.
Schön gestaltet, aber technisch veraltet
Beast of Reincarnation ist ein durchaus hübsches Spiel, was aber vor allem an der Gestaltung der Welt liegt. Von der Natur zurückeroberte Ruinen, lauschige Wälder oder auch Wüstenabschnitte die von ebenfalls stylisch designten verdorbenen Tieren und Maschinen bewohnt werden, sehen wirklich toll aus.
Leider sehen wir das alles, wie durch eine beschlagene Brille. Selbst auf nativen 4K am PC wirkt das Bild ständig verwaschen und scharfe Texturen finden wir höchstens an Emmas Charaktermodell.
Auch Weitsicht, Umgegbungsanimationen und Detailgrad können nicht mit anderen aktuellen Titeln mithalten und wirken teilweise sogar ganz schön aus der Zeit gefallen – etwa wenn flache 2D-Grasplatten sehr auffällig zur Seite wegklappen, dickes Gestrüpp und Bäume stillstehen und nicht mal eine Kollisionsabfrage haben und wie durch Magie verschwindende Bäume so aussehen, als würde jemand im Hintergrund einfach den Zoom des Modells langsam nach unten drehen.
Zeitgleich ist die Performance aber auch nicht angemessen und besonders hinten heraus hatten sowohl ich, als auch Kollegin Natalie von der GameStar trotz starker Hardware mit ruckelnden Bosskämpfen und Zwischensequenzen – teilweise sogar kurzzeitig mit einstelligen fps-Zahlen – zu kämpfen.
Auf der PS5 Pro läuft das Spiel über weite Strecken flüssig, aber auch hier gibt es gelegentliche Framedrops. Die hinteren Bereiche des Spiels, die am PC spürbar schlechter wurden, konnten wir allerdings noch nicht testen.
Dazu kommt, dass wir allesamt den Eindruck hatten, dass das Spiel hin und wieder Eingaben verschluckt und Aktionen einfach nicht auslöst. Auch fühlt sich nicht immer alles besonders responsiv an. Nach Zwischensequenzen und Dialogen dauert es etwa immer noch einen kurzen, nicht nachvollziehbaren Augenblick, bis ich wieder die Kontrolle über die Spielfigur bekomme.
Auch kleinere Bugs gibt es hier und da, auf einen wirklich schwerwiegenden Fehler sind wir jedoch nicht gestoßen.
Diese Probleme sorgen unterm Strich nicht dafür, dass das Spiel aktuell unspielbar ist – ein Patch während der Testphase hat das Erlebnis sogar etwas verbessert – dennoch ziehen wir vorerst 3 Punkte von unserer eigentlichen Wertung ab und würden euch bei Interesse am Spiel zumindest empfehlen, noch ein paar Patches abzuwarten.
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