Es gibt keine Liste der besten Koop-Spiele, auf der die beiden Hazelight-Titel It Takes Two und Split Fiction nicht vorkommen. Es ist daher wenig überraschend, dass das Studio auch viele andere Entwickler zu kreativen Ansätzen im Genre inspiriert hat.
Orbitals aus dem Hause Shapefarm ist eines davon. Während das gemeinsame Spielerlebnis den großen Vorbildern von Hazelight stark ähnelt, besticht das Sci-Fi-Abenteuer aber zusätzlich mit einem nostalgischen und richtig schicken Retro-Anime-Look.
Wir haben Orbitals für den GamePro-Test komplett durchgespielt und sind uns einig: Orbitals kann locker mit Split Fiction mithalten und ist in einem Aspekt sogar ein Stückchen besser.
Was genau ist Orbitals eigentlich?
Bevor wir starten, klären wir kurz auf, was für ein Spiel Orbitals überhaupt ist.
Bei dem exklusiven Nintendo Switch 2-Titel handelt es sich um ein Koop-Adventure mit Sci-Fi-Setting, Rätseln und einer leichten Prise Weltraum-Shooter-Action. Das Ganze bekommt ihr verpackt in einem schicken Look der 80er- und 90er-Animes wie Dragon Ball, Mobile Suit Gundam, Ranma ½, oder den Ghibli-Filmen.
Gespielt wird zu zweit. Und zwar entweder lokal im Splitscreen, online oder über Gameshare. Kaufen müsst ihr euch Orbitals übrigens nur einmal und könnt euch die 50 Euro also einfach teilen.
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Orbitals: Die Koop-Überraschung der Game Awards sieht aus wie Split Fiction mit 80er-Jahre-Anime-Optik
Worum es in der Geschichte von Orbitals geht
Orbitals erzählt die Geschichte eines anstehenden galaktischen Sturms, der droht, die komplette kleine Weltraum-Siedlung unserer Hauptfiguren Maki und Omura, sowie Kinakoko und Togen zu zerstören.
Bereits vor 15 Jahren hat ein solcher galaktischer Sturm unzählige Leben gefordert und jetzt kommt der nächste.
Die junge Mechanikerin Maki und der verträumte Karto Omura, in deren Rollen wir übrigens schlüpfen, werden nun in den Weltraum entsandt, um einen Weg zu finden, die Schilde des beschädigten großen Raumschiffs der Siedlung wiederherzustellen.
Nur mit den reparierten Schildern des Raumschiffs lässt sich die anstehende Bedrohung abwehren.
Orbitals spielt sich wie ein echt guter Anime-Sci-Fi-Film
Uns hat die in 12 Kapitel unterteilte Story trotz der kurzen Spielzeit von 5 Stunden sehr gut gefallen. Abseits der unterhaltsamen Dynamik zwischen den Hauptfiguren hat uns besonders der düstere Unterton der Geschichte überrascht.
Was wir mit dem düsteren Unterton meinen, zeigt sich gleich zu Beginn des Intros, wo stark impliziert wird, dass Maki, Omura und sämtliche Charaktere der Kolonie bereits vom ersten galaktischen Sturm getötet wurden.
In Orbitals funktioniert der Tod jedoch etwas anders, denn Körper und Bewusstsein sind quasi durch die Seele, voneinander getrennt. Solange die Seele und das Bewusstsein sicher aufbewahrt sind, kann der Körper durch eine bestimmte Technologie immer wieder “gedruckt” werden – wie bei einem 3D-Drucker.
Der düstere Unterton zeigt sich bei Maki und Omura besonders, wenn es um die Einstellung gegenüber dem Tod geht. Beide scheren sich nämlich nicht besonders darüber, was mit ihren Körpern passiert – ob sie nun verbrannt, zerquetscht oder wie im Prolog von einem galaktischen Sturm getötet werden.
Diese Gleichgültigkeit gegenüber ihren eigenen Körpern haben auch sämtliche andere Charaktere. Nicht zu schweigen, dass der Tod über alle Orte der Geschichte verstreut ist, aber nicht sofort ins Auge sticht, da wir anstelle von Leichen, zerstörte Seelen-Gefäße finden.
Auf den ersten Blick fällt das vielleicht gar nicht richtig auf, sondern erst bei näherer Beobachtung und längerem Nachdenken, aber eines können wir euch sagen: Beobachten wir die Umgebung von Orbitals, ist der allgegenwärtige Tod nicht zu ignorieren.
An einem bestimmten Punkt kontrollierte ich sogar einen anderen Körper und musste diesen selbst als Stromleiter benutzen, nur um eine Tür für meinen Partner zu öffnen. Dass der Stromschlag dabei der Kreatur und diesem bestimmten Körper wehtut, wird auch deutlich gemacht.
Darüber hinaus gibt es natürlich noch andere Momente im Spiel, die zeigen, wie düster die Welt von Orbitals wirklich ist, aber das wollen wir euch aufgrund von Spoilern nicht vorwegnehmen. Der düstere Unterton hat die für uns gelungene Geschichte noch um einiges besser gemacht.
Orbitals Geschichte an sich ist nämlich wie ein guter Sci-Fi-Anime mit emotionalen Höhepunkten, Plot-Twists und epischen Zwischensequenzen, der richtig begeistert. Die visuelle Präsentation und der Soundtrack haben natürlich ebenfalls ihren Teil zur guten Geschichte beigetragen, aber dazu kommen wir später.
So steht um die Technik
Frameeinbrüche, Abstürze oder sonstige technische Schwierigkeiten haben wir während unseres Tests auf der Nintendo Switch 2 nicht erlebt. Orbitals lief abseits eines winzigen visuellen Bugs in der UI, wo ein Button-Prompt erst nach dem Neuladen des letzten Speicherpunkts verschwunden ist, einwandfrei.
Die Optionen für Barrierefreiheit
Im Vergleich zu Split Fiction oder It Takes Two bietet Orbitals weniger Optionen für Barrierefreiheit an.
- ZL und ZR miteinander vertauschbar
- Y und X miteinander vertauschbar
- A und B miteinander vertauschbar
- Invertierung der Achsen
- Einstellung für Kamerawackeln
- Einstellung für Spielübelkeit
- Untertitel für Gehörlose und Hörgeschädigte
Abwechslungsreicher Koop-Spaß
So viel zur Story und zu den Einstellungen, aber spielt sich Orbitals genauso gut, wie es aussieht? Die kurze Antwort: Ja.
Die Rätsel- und Puzzle-Elemente in Orbitals sind zwar recht einfach und die Welt ist linear aufgebaut, das macht die 12 Kapitel aber keineswegs langweilig und wir wurden spielerisch immer auf Trab gehalten – denn auch hier gilt: Ohne Kommunikation und Zusammenarbeit wird’s nichts.
Beispielsweise wurden wir in einem Gebiet voneinander getrennt. Als Maki musste ich mich durch eine Lavaschicht bewegen, die nur von meinem Partner als Omura von der Unterseite mit einem Flüssigkeitswerfer abgekühlt werden konnte.
Dabei gab es auf meiner und seiner Ebene unterschiedliche Hürden, womit wir erst durch gute Kommunikation durchgekommen sind. Das Level war dabei so gestaltet, dass mein Partner nicht immer einfach auf die Lavaschicht schießen konnte, sondern erst eine tödliche Hürde vor mir beseitigen oder einen komplett anderen Winkel suchen musste.
In einem anderen Gebiet mussten wir wiederum eine Melodie zur Freischaltung eines Eingangs nachspielen. Während ich kleine Teekannen erhitzen und mit einem Strahl befeuern musste, um eine bestimmte Note zu erzeugen, musste mein Partner an unterschiedlichen Metallplatten ziehen. Zwar ist das Rätsel an sich nicht lang, aber trotzdem toll gestaltet.
Ansonsten gibt es außerhalb der Puzzles auch kleine Action-Sequenzen, wo wir uns den Weg freischießen mussten – einer musste das Raumschiff steuern und ausweichen, der andere musste schießen, die Schilde der Gegner mit Raketen ausschalten oder auf uns zu steuernde Flugkörper mit gezielten Salven zurückschleudern.
Bei einigen Action-Sequenzen wurden wir sogar verfolgt. Während ich also das Raumschiff durch Hindernisse lenken musste, hat mein Partner die Verfolger ausgeschaltet.
Genre-Änderungen oder kleinere Minispiele, die während der Reise durch das Weltall vorkommen, gibt es ebenfalls und bieten dabei eine schöne Abwechslung.
An einer Stelle wechselte das Spiel plötzlich in einen 2D-Sidescroller und aus einem Gefecht im Weltraum wurde plötzlich ein Twinstick-Shooter oder ein Bullethell-Spiel. Andere Passagen waren dann unter anderem ein rhythmisches Musikspiel oder einer von uns war kein Mensch mehr, sondern eine komplett andere Kreatur.
Ihr merkt schon, uns war nie langweilig und es gab über die komplette Spielzeit hinweg immer spaßiges zu tun.
Einen kleinen Kritikpunkt haben wir hier jedoch zum Gameplay: Die Checkpoints sind oftmals nur zu Beginn eines neuen Kapitels oder Gebiets gesetzt. Eine manuelle Speicherfunktion gibt es nicht.
Haben wir also mitten in einem Kapitel eine kurze Pause eingelegt und das Spiel beendet, so kam es öfter vor, dass wir das Kapitel von vorn beginnen oder einige Passagen noch einmal spielen mussten.
Das war bei einer Kapitellänge von 15 bis 20 Minuten jetzt wahrlich kein Dealbreaker, aber etwas gewundert hatten wir uns über die spärlich gesetzten Speicherpunkte dennoch. Damit meinen wir nicht die Rücksetzpunkte innerhalb eines Levels an sich, sondern die automatischen Speicherpunkte, an denen wir nach dem Beenden des Spiels oder einer Pause fortsetzen konnten.
Ein absoluter Augenschmaus für jeden Anime-Fan und ein Soundtrack, der nicht perfekter sein könnte
Aber, was Orbitals so richtig gut drauf hat – und ihr erkennt es an den tollen Bildern – ist die wunderschöne Präsentation des Spiels. Besonders für Anime-Fans ist das Koop-Abenteuer ein absoluter Augenschmaus und die bezaubernde handgezeichnete Retro-Anime-Optik zieht sich auch komplett durch das ganze Spiel.
Hier könnt ihr auf dem offiziellen Orbitals-X-Account sehen, wie ein solcher Hintergrund auf Papier entsteht, bevor er digitalisiert wird:
Link zum Twitter-Inhalt
Ein weiterer Punkt, den wir unbedingt hervorheben möchten, ist der hinreißende Soundtrack. Genauso schick wie sich Orbitals visuell präsentiert, ist auch der Soundtrack des Spiels perfekt an den Retro-Anime-Vibe der 80er und 90er Jahre angelehnt und erinnert auch an die alten Anime-Intros wie Mobile Suit Gundam, Dragon Quest oder City Hunter – insbesondere Sci-Fi-Anime-Fans werden den OST lieben.
Die Musik im Menü “Accelerating Destiny” von der japanischen Sängerin Mami Ayukawa ist zudem ein absoluter Ohrwurm und wir wollten manchmal einfach nur den Soundtrack anhören, anstatt weiterzuspielen.
Das Theme von Orbitals könnt ihr euch auf YouTube schon anhören:
Link zum YouTube-Inhalt
Die extrem gelungene deutsche Synchro mit einem Spitzen-Cast aus Synchronsprecher*innen wie Franciska Friede (Momo Ayasa aus Dan Da Dan), Tim Knauer (Loid Forger aus Spy x Family) und Vincent Fallow (Clive Rosfield von Final Fantasy 16) ist das Sahnehäubchen obendrauf.
Zusammenfassend lässt sich also festhalten: Orbitals ist durch und durch ein gelungener und spaßiger Koop-Titel mit solider Sci-Fi-Story, die zum Nachdenken anregt und wunderschöner Anime-Optik.
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