Marvel's Wolverine im Test: Ein brutal gutes Singleplayer-Exclusive für die PS5

Insomniacs Wolverine-Spiel erinnert an die Spider-Man-Spiele, ist gleichzeitig aber auch ganz anders. Und deutlich brutaler. Was es aber kein Stück schlechter macht.

Marvels Wolverine in der GamePro-Review. Marvel's Wolverine in der GamePro-Review.

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Mit den Spider-Man-Spielen hat Insomniac Games bereits bewiesen: spaßige, familienfreundliche Superhelden-Spiele können sie. Mit Marvel's Wolverine geht’s jetzt aber in eine etwas andere Richtung. Statt Open World und sprücheklopfendem Netzschwinger gibt es diesmal richtig brutale Action à la God of War.

Nicht umsonst bekommt Marvel’s Wolverine ein USK 18-Rating. Doch das Spiel hat deutlich mehr zu bieten als nur literweise Blut und abgetrennte Körperteile! Und eignet sich dank umfangreichen Anpassungsmöglichkeiten auch für alle, die es nicht so brutal mögen.

Eine filmreife Story

Das einmal vorab: Wolverine ist kein X-Men-Spiel. Von Professor X, Magneto und Co. fehlt also jede Spur. Ein paar bekannte Gesichter wie Jean Grey, Sabretooth und Mystique sind natürlich trotzdem dabei.

Die Geschichte fokussiert sich aber ganz klar auf den grummeligen Klauenmann Wolverine, seines Zeichens Antiheld. Oder auch Logan, wie er mit bürgerlichem Namen heißt.

Video starten 16:51 Mehr als nur das beste Wolverine-Spiel aller Zeiten!

Zu Beginn des Spiels werde ich mit ihm direkt in eine Mission geworfen: Es gilt nämlich, seinen alten Freund Nathaniel Essex zu retten, der vom Mutantenhasser Trask entführt wurde. Essex hatte den verwildert lebenden Logan vor Jahren bei sich aufgenommen, weshalb der die Schuld jetzt natürlich begleichen will.

Daraus entwickelt sich dann schnell ein Konflikt, der das Leben tausender Menschen und Mutanten gefährdet und in den Logan mal mehr, mal weniger freiwillig verstrickt wird. Das ist filmreif inszeniert und klingt sowohl in der englischen als auch deutschen Sprachausgabe sehr gut.

Logan kann manchmal sogar lächeln! Wirklich! Logan kann manchmal sogar lächeln! Wirklich!

Manch Comic-Fan dürfte sich hier schon allein anhand der Charaktere einige Handlungspunkte denken können, das tut dem Spaß aber keinen Abbruch. 

Die Story strickt sich nämlich smart um ihre Charaktere, allen voran Logan selbst, der nicht nur immer wieder mit seinem Gedächtnisverlust, sondern auch unkontrollierten Wutausbrüchen ringt.

Verfolgungsjagd Gelegentlich gibt es Auflockerung durch Action-Setpieces, etwa mit einer Verfolgungsjagd ...

Flugzeugabsturz ... oder indem Logan es zurück in ein abstürzendes Flugzeug schaffen muss, während ein Ninja-Kult ihm gleichzeitig an den Kragen will.

Wuchtiges und blutiges Gameplay

Diese Wutausbrüche bekomme ich dann auch ziemlich schnell zu sehen. Sobald sich Logan nämlich einmal mit stylischen Kampfanimationen durch seine Gegner  prügelt, spritzt das Blut nur so umher und die abgetrennten Gliedmaßen fliegen. Und ja, das macht Laune!

Die Kämpfe sind brutal und deutlich wuchtiger als beim flinken Marvel-Kumpel Spider-Man, was vor allem an Wolverines ausfahrbaren Adamantium-Klauen liegt. 

Die rammt er nicht nur in seine Gegner und schützt seinen Kopf vor Kugeln und Pfeilen, wenn er auf Fernkämpfer*innen zurennt. Er pariert damit natürlich auch Angriffe, was sich sehr befriedigend und einen Zacken präziser als das ebenfalls vorhandene Ausweichen anfühlt!

Yay, Blutfontäne! Yay, Blutfontäne!

Auch ohne Netzschwinger ist er dabei recht mobil: Per Knopfdruck auf Dreieck springt er etwa über weite Distanzen auf Gegner zu und mit R2 lässt er im Sprint selbst professionelle Läufer vor Neid erblassen.

Zusätzlich gibt es eine dreistufige Wutleiste, die sich mit erfolgreichen Kombos füllt. Auf der höchsten Stufe zerhäckselt er die meisten Feinde mit einem Instant-Finisher.

Gewaltgrad und Accessibility:

Zwar ist das Spiel grundsätzlich sehr explizit bei der Gewaltdarstellung, die lässt sich in den Optionen aber auch runterregeln. So können dynamisches Blut und Verstümmelungen für das Gameplay ausgeschaltet werden. In Zwischensequenzen werden sie dann nur verschwommen angezeigt.

Daneben bietet Wolverine eine wirklich fantastische Auswahl an Barrierefreiheitsoptionen. Neben 5 Schwierigkeitsgraden (im niedrigsten kann man nicht sterben) gibt es einen Screenreader, zahlreiche Optionen für Gehör, Bewegungsempfindlichkeit und motorische sowie visuelle Einschränkungen.

Besonders cool auch: Die Bewegungsgeschwindigkeit von Zielen bei Verfolgungsjagden kann runtergesetzt werden und ihr könnt einschränken, dass Töne über oder unter einer bestimmten Frequenz nicht abgespielt werden.

Schon sobald die erste Stufe gefüllt ist, bekomme ich aber einen nützlichen Vorteil: Geht Logan zu Boden, hämmere ich auf eine Taste und er verbraucht die Wutleiste, um sich mit vollem Leben wieder aufzurappeln.

Sobald Logan genug Wut angesammelt hat, ändert sich seine Sicht und er kann viele Feinde per Knopfdruck mit einem Schlag erledigen. Die Leiste sinkt allerdings auch schnell wieder. Sobald Logan genug Wut angesammelt hat, ändert sich seine Sicht und er kann viele Feinde per Knopfdruck mit einem Schlag erledigen. Die Leiste sinkt allerdings auch schnell wieder.

Auch mehrere seiner insgesamt sechs Spezialfähigkeiten, von denen ich vier gleichzeitig ausrüsten kann, beschleunigen Logans Heilung. Andere lassen ihn etwa Flächenangriffe einsetzen oder Feinde rammen. Die haben nach der Nutzung allerdings einen Cooldown.

Die vielen Heiloptionen sind hin und wieder auch nötig, denn die Kämpfe sind ziemlich chaotisch und Logan steckt oft unweigerlich Hiebe ein. Ich bekomme es fast immer mit ganzen Gegnerhorden zu tun, die gern auch mal gleichzeitig auf mich einhacken und schießen und auch dann Schaden verursachen, wenn der Mutant gerade in einer Animation feststeckt.

Später helfen durchs Aufleveln freigeschaltete Fähigkeiten, dank denen ich etwa mehrere Angriffe gleichzeitig parieren kann. Nervig kann es aber auch dann noch werden, wenn ich an einer Wand eingekesselt werde oder mir die Kamera keinen ordentlichen Winkel geben will, um eingehende Angriffe zu sehen.

Nicht selten greifen mich mehrere Feinde gleichzeitig an. Steckt Logan dann grad in einer Animation fest, gibts auf die Mütze. Nicht selten greifen mich mehrere Feinde gleichzeitig an. Steckt Logan dann grad in einer Animation fest, gibt's auf die Mütze.

Leider fehlt es den grundsätzlich spaßigen Kämpfen auf Dauer auch ein wenig an Abwechslung. Immerhin schnetzle ich mich von Anfang bis Ende ausschließlich mit meinen Klauen durch. 

Neben den bereits genannten Spezialfähigkeiten schalte ich zwar noch neue Moves, wie einen Dropkick oder einen Betäubungsangriff frei und bekomme es immer mal wieder mit neuen Gegnern zu tun, die sich etwa unsichtbar machen oder mit riesigen Keulen um sich schlagen, die so groß wie Logan selbst sind – am Ende ist die Lösung aber immer dieselber: Krallen wetzen, bis nichts mehr steht.

Dazu kommt, dass sich die Gefechte häufig auch ein klein wenig zu sehr in die Länge ziehen, um kurzweilig zu bleiben. Das gilt insbesondere für die Bosskämpfe.

Das sieht schon ziemlich cool aus, wenn Logan den gigantischen Arm dieses Riesen-Roboters einfach locker pariert. Das sieht schon ziemlich cool aus, wenn Logan den gigantischen Arm dieses Riesen-Roboters einfach locker pariert.

Die sind fantastisch inszeniert, wenn ich etwa an einem riesigen Roboter hochklettere, um ihm dann brutal die Robo-Augen rauszureißen. Aber auch sie dauern mir schlicht einen Zacken zu lang, sobald ich all ihre Moves einmal (und dann im Verlauf des Kampfes noch ein dutzend Mal) gesehen habe.

Persönlich kann ich deshalb nur empfehlen, Wolverine in kleineren Dosen von etwa 2 Stunden am Stück zu genießen. Dann kommt auch keine Monotonie auf. Und: Ihr habt dann ein Weilchen etwas vom Spiel, mit knapp 15 Stunden Spielzeit ist es nämlich eher kurz – was meiner Meinung nach aber eine gute Länge für den Titel ist.

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