2018: Es ist der Morgen nach den Game Awards und ich wache zu einem explodierten Gruppenchat auf. Die tapfere GamePro-Nachtschicht wurde mit einem Teaser zum neuen Dragon Age überrascht, aber niemand weiß so wirklich, was er zu bedeuten hat und ruft nach meiner Expertise/ungesunden Obsession. Vor lauter Dread Wolf-Aufregung stolpere ich zu schnell aus meiner Wohnung und stelle erst im Büro fest, dass ich mir nur eines meiner Augen geschminkt habe.
Für den Rest des Tages sehe ich aus, als hätte ich mich für ein Clockwork Orange-Cosplay entschieden. Aber es ist mir egal, weil ich erklären darf, wer der Dread Wolf ist und was er bedeutet und alle sind gezwungen, mir zuzuhören ohne sich über meine vielen Stunden im Dragon Age-Rabbithole lustig zu machen. Ich wusste, dass sie sich eines Tages auszahlen würden.
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Dragon Age: The Dread Wolf Rises - Game-Awards-Teaser stellt Fortsetzung von Inquisition vor - Game-Awards-Teaser stellt Fortsetzung von Inquisition vor
2018: Es wird Zeit für ein Dragon Age-Tattoo.
2019: Im Studio von BioWare Austin bekomme ich die Chance, endlich herauszufinden, was Anthem eigentlich ist. Ich steige in meinen digitalen Javelin und stürze mich erstmals in die Höhen von Bastion. Ich genieße den Freiheitsrausch des Fliegens in einer faszinierenden neuen Welt, die ich bis ins Detail erkunden möchte. Ich bin so abgelenkt von der Welt, dass ich mich zwingen muss, die eigentlichen Missionen mit meinem Team zu spielen und ihnen bei World Events zu helfen. Das Balancing scheint noch etwas off zu sein, Missionen wiederholen sich und ich sehe zu wenig von der Story, um ein klares Bild zu haben. Es ist die Art von Problem, die man gerne bei Previews vorfindet. Der Release ist ja nicht mehr weit weg und das Potenzial ist da. Sicherlich gibt es noch viel Abwechslung abseits der kurzen Zeit, die wir in Anthem verbringen durften und auch das Endgame wird bestimmt einiges zu bieten haben.
2019: Anthem im Test - Eine Hassliebe im Sturzflug. Die Ernüchterung setzt rund einen Monat später ein als Kollegin Linda und ich uns gemeinsam durch den Test leiden. Aus anfänglicher Begeisterung wird schnell Enttäuschung, aus dem Höhenflug ein Sturzflug. Wir ärgern uns über den guten Kern, der in Anthem steckt, dessen Potenzial nur einfach nicht genutzt wird. Immerhin: BioWare kündigt an, noch viele Pläne für Anthem zu haben. Kommende Updates sollen die Probleme beheben. Andere Live-Service-Spiele haben es auch geschafft und so viel Geld und Energie wie in Anthem geflossen ist, werden BioWare und EA es ja wohl kaum fallen lassen.
Zu diesem Zeitpunkt glauben wir das tatsächlich noch.
2020: Nach vielen Monaten schwankender Kommunikation kündigt BioWare endlich die Überarbeitung des Core-Gameplays von Anthem an. Es gibt noch viele Pläne für die Zukunft. Anthem ist gekommen, um zu bleiben.
2020: Wie jedes Jahr feiert BioWare am 7. November den N7 Day — diesmal allerdings mit der Ankündigung einer lange herbeigesehnten Legendary Edition, die drei komplett überarbeitete Mass Effect-Spiele auf die neuen Konsolen bringen soll. Da ich Mass Effect im Laufe der Jahre eindeutig noch nicht oft genug durchgespielt habe, ist es der beste Tag des Jahres.
2020: Die Game Awards überraschen mit einem ersten Trailer zum neuen Mass Effect-Projekt, in dem wir eine alte Bekannte wiedersehen. Um meine Tradition sehr beliebter und absolut nicht kontroverser BioWare-Meinungen beizubehalten, verkünde ich meine Enttäuschung über Liaras Auftauchen und den Gedanken einer Rückkehr zur Shepard-Timeline inklusive Kanon-Ende für Mass Effect 3. Außer es ist das rote Ende aka das einzig akzeptable Ende. Damit könnte ich leben.
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Das nächste Mass Effect hat einen ersten Trailer
2021: Die Entwicklung an Anthem wird eingestellt.
2021: Gerüchte um eine Mass Effect-Serie verdichten sich und mental kotze ich im Strahl.
2021: Commander Shepard kehrt mit der Legendary Edition von Mass Effect zurück und zieht mich abermals in eine Obsession, die ich hinter mir geglaubt hatte. Stattdessen entflammt meine Liebe erneut, noch stärker als beim ersten Mal. Nach über zehn Jahren PlayStation hole ich meine ersten Platin-Trophäen. Dann fange ich die Reihe von vorne an, diesmal auf der Xbox. Und dann dem PC.
2021: Kollegin Eleen hat ein Interview mit Jennifer Hale und Mark Meer aka Commander Shepard und Commander Shepard. Sie spricht mit den beiden über ihre Wünsche für die Zukunft von Mass Effect. Danach überredet sie die beiden Synchronsprecher, einen ihrer bekanntesten Sprüche ein bisschen abzuändern und schickt mir zwei Aufnahmen, in denen jede*r Shepard verkündet:
Rae Grimm is my favorite editor-in-chief on the Citadel
Ich kann glücklich sterben.
2021: Zeit für das nächste Mass Effect-Tattoo.
2022-2023: Es ist erschreckend still im BioWare-Teil meines Lebens. Ich verfolge wechselnd beunruhigende Nachrichten über die Entwicklungen im Studio und den immer gleich klingenden Abgesang auf BioWare, den ich seit meinem ersten Durchlauf von Dragon Age 2 immer wieder zu hören bekomme. Zum Glück beschäftigt mich Baldur's Gate 3 genug und erinnert mich daran, dass ich doch die ersten zwei Teile schon immer mal nachholen wollte ...
2024: Die Neuigkeiten zu Dragon Age: The Veilguard überschlagen sich, im Oktober soll es endlich erscheinen. Und zuvor gibt es einen Anspieltermin bei BioWare in San Francisco. Da absolut noch nie etwas schief gegangen ist, wenn ich mir ein BioWare-Spiel vor dem Release angeguckt habe, entscheide ich mich, den Trip für MeinMMO anzunehmen und gemeinsam mit Kollege Kevin von GamePro und Fabiano von GameStar vorab einen Blick auf mein sehnlichst erwartetes Spiel der letzten Jahre zu werfen. Es ist schließlich nicht so, als wäre es ein böses Omen, wenn ich ein RPG des Studios anspielen kann und mag. Das wäre ja lächerlich.
2024: Ich unterstütze beim Test von Dragon Age: The Veilguard, indem ich mir die Steam Deck-Version für GameStar angucke und bin begeistert. Das Spiel hat seine Schwächen und ich klicke mit den meisten Charakteren nicht so wie zuvor in Inquisition, DA2 oder Origins, aber diese hatten im Laufe der Jahre auch ein paar Chancen mehr als Veilguard. Das wird vielleicht noch kommen.
Dennoch: Ich liebe die Welt und das Kampfsystem und kann Baby-Greife umarmen. Veilguard lässt mich davon träumen, wie ein Mass Effect mit diesem Detailgrad aussehen könnte. BioWare scheint wieder zur Bestform aufgelaufen zu sein und ich atme erleichtert durch.
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In Dragon Age: The Veilguard steckt erstaunlich viel, was wir bei BioWare so lange vermisst haben!
2024: Bis zum offiziellen Release des Spiels. Veilguard spaltet die Community an vielen Punkten, Kulturgrabenkämpfe entstehen und Debatten darüber, wie ein Studio, das schon immer Wert auf Inklusion in Spielen gelegt hat, plötzlich Wert auf Inklusion in Spielen legen kann.
2025: Obwohl der Launch von Veilguard vielversprechend wirkte und für EA sogar Steam-Rekorde brach, erreichte es nicht einmal die Hälfte der erwarteten Spieler*innen in den ersten drei Monaten. CEO Andrew Willson verkündet, dass EAs Singleplayer-Spiele mehr als nur ihre Kernzielgruppe erreichen müssen und entsprechend mehr Live-Service/Shared-World-Features benötigt würden. Eine Ankündigung, die nicht nur mich nach dem Debakel von Anthem müde macht. Nicht einmal ein neuer Run der kompletten Dragon Age-Reihe kann daran etwas ändern.
2026: Die Server von Anthem werden geschlossen. Das Spiel wird somit unspielbar und wird zu einer weiteren Fußnote gescheiterter Gaming-Projekte und einem weiteren Punkt auf der langen Liste an Gründen, warum die Initiative Stop Killing Games so wichtig ist.
2026: Es ist das Teamevent von GamePro und die komplette Redaktion hat sich in Berlin versammelt. Die Stimmung ist ausgelassen und alle freuen sich nach einem langen Workshop-Tag aufs Abendessen. Ein Tweet ändert alles. BioWare wurde geschlossen.
Link zum Twitter-Inhalt
2026: Niemand ist überrascht. Alle sind müde. Für manche ist es eine weitere Studioschliessung, weitere Entlassungen in einem anstrengenden Jahr, in dem wir fast wöchentlich Ähnliches hören. Für manche ist es mehr. Für manche ist es eben BioWare.
2026: Es ist 23 Uhr und ich habe zu viele Gedanken, zu viele Gefühle, die keinen Raum haben. Zu viele Erinnerungen daran, was BioWare bedeutet. Ich fange an einen Artikel zu schreiben, von dem ich nicht weiß, ob ich ihn je veröffentlichen werde. Die Chronologie meiner Liebe zu einem Studio, das mein Leben geprägt und verändert hat wie kein zweites. Eine unvollständige, chaotische, zu persönliche und doch zu oberflächliche, zu zerhackte Aufzählung, die niemals ein vollständiges Bild zeichnen könnte. Die ich mehr für mich selbst schreibe als irgendwen sonst.
2026: Es ist zwei Uhr morgens am ersten Tag nach BioWare. Trotz all dieser Worte glaube ich noch nicht, die richtigen gefunden zu haben, die deutlich gemacht hätten, was BioWare bedeutet hat. Für mich. Für Videospiele sowieso nicht.
Neu entfachte Liebe für ein komplettes Medium. Die Geburt der Leidenschaft eines mir zuvor verschlossenen Genres. Den Beginn von neuen Freundschaften und in einem Fall auch ein Ende. Eine Stütze in Zeiten, in denen ihre Abwesenheit mein eigenes Ende hätte sein können. Ein Begleiter und eine ganze Community voller Gleichgesinnter als ich mich nicht einsamer hätte fühlen können. Eine Inspiration für neue, eigene Geschichten und Wege. Ein sicherer Hafen, an den ich immer wieder zurückkehren konnte.
Und kann.
Denn selbst wenn BioWare nun das lang prophezeite Ende erreicht hat, ist das nicht das Ende ihrer Spiele oder ihres Einflusses. Seit Jahren sehen wir durch BioWare inspirierte Spiele auftauchen, von ehemaligen Studio-Devs und ehemaligen Fans. Die Brücken und Freundschaften, die durch die Spiele entstanden sind, bleiben bestehen.
BioWare mag nicht mehr existieren. Daran, was sie für unser Medium, für Gamer*innen, für mich getan haben, ändert sich nichts. Ebenso wenig wie an meiner Liebe zu diesem kleinen Studio oder ihren Werken, egal wie viele Imperfektionen sie gehabt haben mochten.
Zeit, einen neuen Durchlauf von Mass Effect zu starten. Nun, wo der letzte Song der Trilogie eine neue Bedeutung erhalten hat, nicht nur für Shepard, sondern auch für BioWare.
An end, once and for all.

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