Unsere Enttäuschungen des Jahres: Die GamePro-Flops 2021

Das Jahr 2021 hielt so einige Enttäuschungen bereit und die Videospielbranche kann sich davon nicht ausnehmen. Wir verraten euch, was unsere Lowlights des Jahres waren.

von Hannes Rossow,
29.12.2021 10:00 Uhr

Unsere Enttäuschungen 2021 reichen von verbuggten Spielen bis hin zu Problemen in der Branche. Unsere Enttäuschungen 2021 reichen von verbuggten Spielen bis hin zu Problemen in der Branche.

Das Jahr 2021 hatte viele Highlights zu bieten, aber darüber haben wir ja schon für euch geschrieben. Die letzten 12 Monate waren aber ebenso gespickt mit Titeln, die zu wünschen ließen und unsere Herzen brachen und Entwicklungen in der Branche, die vielleicht nicht überraschend aber trotzdem erschreckend waren. Wir haben für euch zusammengefasst, was unsere Flops des Jahres 2021 waren.

Dennis kann Biomutant noch immer nicht fassen

Wo soll ich bei Biomutant anfangen, ohne einigen von euch, die Biomutant eventuell gemocht haben, auf den Schlips zu treten. Am besten ihr überspringt was ich jetzt sage, denn es wird euch nicht gefallen.

Meine Erwartungen an Biomutant gingen in die Richtung „nettes, kompaktes Open World-Spiel, mit einem coolen Waschbär in der Hauptrolle, der mit abgedrehten Waffen pelzigen Gegnern eins auf die Omme gibt“. Was ich vorgefunden habe ist das schlechteste Spiel, das ich (Achtung, wichtig!) je durchgespielt habe.

Biomutant ist wie ein recht schickes Gemälde, das sobald man es bewegt in seine Einzelteile zerbröselt. Bedeutet: Stelle ich mich mit dem kleinen Kung-Fu-Wiesel in eine grüne Wiese, schaue auf die Spielwelt, dann hab ich Lust dieses Spiel zu spielen. Sobald ich aber auch nur fünf Meter gehe, fällt auf, dass hier hinten und vorne nichts stimmt.

Dass die offiziellen Trailer dann noch suggerieren, dass einen hier Gameplay-Spaß und ein Action-Feuerwerk der Extraklasse erwartet, grenzte dann schon an Täuschung. Oder sagen wir es so: Hier wurden mit durchchoreografierten Clips Erwartungen turmhoch aufgebaut, die von Sekunde eins an wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen. Biomutant ist daher für mich noch vor der GTA-Trilogy der Reinfall des Jahres. 

Hannes brach mit eFootball 2022 das Fussballherz

Die Entscheidung, die Pro Evolution Soccer-Marke neu zu denken und auf ein Free to Play-Modell zu setzen, das über Jahre hinweg mit Updates versorgt wird, wurde direkt kontrovers aufgefasst. Tatsächlich finde ich den Ansatz aber weiterhin spannend, immerhin sind jährliche Premium-Release mit minimalen Anpassungen auch nicht gerade das Gelbe vom Ei. Also blieb ich optimistisch und hoffte auf einen Überraschungserfolg, der gleichzeitig auch das Release-Modell von EA unter Druck setzen würde.

Ja.. also das ist nicht passiert. Schon vor dem Launch von eFootball 2022 (so ein furchtbarer Name) leakte erstes Gameplay, ein Technik-Test machte Fans Sorgen und der dürre Release-Umfang gab der Vorfreude den Rest. Der eigentliche Launch war dann so katastrophal, dass mir das Herz zerbrach. Die PES-Reihe hat mich seit locker 15 Jahren jährlich begleitet und ihr dann live beim Sterben zuzuschauen, war ein harter Moment. Jegliches Potenzial des Reboots scheint verloren zu sein.

Vielleicht muss man Konami aber auch nur Zeit geben. Vielleicht gibt es hier den No Man’s Sky-Moment und in zwei Jahren wischt eFootball mit allen Fußballsimulationen den Boden auf. Vielleicht rede ich mir das unausweichliche Ende aber auch nur schön. Wer weiß das schon so genau.

Die GTA Trilogy war für Annika ein Schlag in die Magengrube

Mir war von Anfang an bewusst, dass meine schönen Erinnerungen an GTA 3 und GTA San Andreas nostalgisch verklärt sind, ich also nicht zu viel von der GTA: The Trilogy - The Definitive Edition erwarten sollte. Dass mich die Remaster dann aber mit zahlreichen Bugs und hölzerner Optik so stark enttäuschen, hätte ich wirklich nicht erwartet. 

Gut, das liegt vorrangig an der versauten Umsetzung durch Grove Street Games und nicht an der Nostalgiebrille, aber so bekamen die Spiele erst recht keine Chance, in mir nochmal wohlige Gefühle aufleben zu lassen. Stattdessen verflog meine Vorfreude sofort, als das Ausmaß der Katastrophe deutlich wurde.

Dementsprechend wollte ich die Trilogie auch gar nicht mehr anfassen, aber die ganzen Memes und Reaktionen haben mich doch wieder neugierig gemacht. Ein bisschen “Katastrophentourismus” kann ja nicht schaden, dachte ich mir, nur um die Enttäuschung dann trotz erster Patches am eigenen Leib zu erfahren. Es darf halt einfach nicht sein, dass mir das Spiel ständig abstürzt und mir ein kunterbunt texturierter CJ über den Bildschirm flimmert. Die GTA Trilogy ist damit ein Paradebeispiel für Spiele, die so einfach nicht auf den Markt kommen dürften.

Eleen wollte von Back 4 Blood mehr

Back 4 Blood ist kein schlechtes Spiel, bei Weitem nicht. Um zusammen mit Freunden einen schönen Koop-Abend zu verbringen, ist der geistige Nachfolger der Left 4 Dead-Reihe absolut geeignet. Aber da ist eben auch schon die Krux, denn egal wie sehr ich es versuche, ich komme als riesiger Left 4 Dead-Fan nicht um den Vergleich mit der Vorlage umher. Denn was simple aber ungemein spaßige Koop-Action angeht, sind die L4D-Spiele für mich noch immer unangefochten an der Spitze - und da kommt der geistige Nachfolger eben auch nicht ran. 

Ein komplizierter Einstieg, schlechtes Balancing und flache Charaktere lassen den Titel für mich im Vergleich zu Left 4 Dead einfach abstinken. Ein wenig muss ich mir aber auch selbst an die Nase fassen, denn meine Erwartungen vorab waren riesig. Ich wusste von vornherein, dass Back 4 Blood kein Left 4 Dead 3 ist… aber irgendwie wollte ich, dass es das trotzdem wird. Ich wollte einfach wieder ein Spiel, in das ich ohne große Vorbereitung reinspringen und zusammen mit Freunden hunderte Stunden verbringen kann. Aber der Funke wollte bei Back 4 Blood einfach nicht so ganz überspringen und so blieb die Enttäuschung zurück. Dann bleibe ich vorerst eben doch bei Left 4 Dead.

Tobi sah eine seiner Lieblings-Serien sterben

Die Überschrift klingt sehr melodramatisch, aber genau dieses Gefühl habe ich, wenn ich an eFootball 2022 denke. Mit der PES-Reihe verbinde ich so viele schöne Erinnerungen, tolle Tore, spannende Events und schlicht Spaß, dass ich wirklich schockiert war, als Konami die Neuausrichtung präsentierte. Es gibt sicher gute Gründe für das Free2Play-Konzept, aber nicht für diese hanebüchene, unausgereifte Technik. Und das, nachdem man angekündigt hatte, extra ein Jahr Kreativpause zu machen, um dann wieder neu anzugreifen.

Vor diesem Hintergrund erscheint eFootball tatsächlich nur noch kümmerlicher und all die positiven Gefühle, die ich einstmals mit der Serie verband, haben mit diesem Teil eine herbe Schlagseite bekommen. Wie Hannes hoffe ich zwar innerlich, dass Konami hier das Ruder noch irgendwie herumreißen kann, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie das gelingen soll. Ruhe in Frieden, geliebtes PES, es war sehr schön mit dir.

Und, damit es ebenfalls Erwähnung findet: Von Twelve Minutes hatte ich mir auch deutlich mehr erhofft. Bekommen habe ich nur ein hakelig spielbares und durch sein Trial&Error-Prinzip an einigen Stellen unfassbar frustrierendes Adventure, das ich niemanden guten Gewissens empfehlen kann.

Linda ärgert sich über fehlende Infos zum TloU 2-Multiplayer

Okay: Da bin ich wohl selbst Schuld. Ich war das ganze Jahr über der festen Überzeugung, dass Naughty Dog endlich Infos zum Multiplayer-Part von The Last of Us 2 preisgibt, und wurde am Ende enttäuscht. Denn es gab keine Ankündigung, keinen Teaser, kein Wort. Naughty Dog hüllte sich in Schweigen und ließ Fragezeichen bei mir und weiteren etlichen Fans entstehen. 

Womöglich gibt’s ja im kommenden Jahr 2022 endlich Infos zum Multiplayer, der ja offenbar so ambitioniert ist, dass er als Standalone-Spiel erscheinen soll. Ich will mehr aus dem Universum sehen, mehr Geschichten erfahren, mehr Charaktere kennenlernen! Ach Mist, jetzt fange ich schon wieder an, mich so sehr in “Factions 2” hineinzusteigern… Notiz an mich selbst: Abwarten und Tee trinken.

Max hätte sich gerne wieder in GTA verloren

Die 3D-Trilogy von GTA ist ein nicht unwesentlicher Grund dafür, dass mich Videospiele nachhaltig faszinieren. Ich habe alle drei Originale geliebt und mich nach der Ankündigung wirklich sehr darauf gefreut Liberty City, Vice City und Los Santos in etwas zeitgemäßerer Form noch einmal zu besuchen. 

Warum das nicht geklappt hat, brauche ich wohl kaum zu erklären. Die GTA: Definitive Edition hat zum Start viele Probleme und während sich einige davon vielleicht mit Patches noch beheben lassen, bin ich mir nicht sicher, ob ich mich mit dem gewählten Grafikstil noch anfreunden kann. Ich behalte die Trilogie im Auge, denn grundsätzlich habe ich immer noch Lust darauf, aber das, was hier unter Rockstars Namen veröffentlicht wurde, ist definitiv enttäuschend.

Kai hat nichts erwartet und wurde deswegen nicht enttäuscht

Hm, was hat mich 2021 besonders enttäuscht? Da ein bestimmtes Spiel zu nennen ist schwierig, denn ich hatte keine wirklichen Erwartungen an Spiele, die sich dann als Enttäuschung entpuppten. Klar könnte ich die üblichen Verdächtigen nennen ... Biomutant oder die GTA Trilogy. Doch von beiden hatte ich mir bereits im Vorfeld nicht wirklich viel versprochen.

Was mich wurmte, war vielmehr der generelle Zustand der Spielewelt im Jahr 2021. Das war einfach nichts Halbes und nichts Ganzes, was den Generationenwechsel angeht. Doch darauf komme ich in einem späteren Artikel noch zu sprechen. Na gut, wenn ich einen Titel nennen muss, der mich enttäuschte, dann ist das wohl Ninja Gaiden: The Master Collection. Und zwar, weil wieder einmal nur die Sigma-Versionen von Teil 1 und 2 enthalten sind. Es kann doch nicht so schwer sein, mal die Xbox-Originale neu aufzulegen. Oder doch?

Rae ist weiter müde vom Status Quo der Spielebranche

Kurz hatte ich überlegt, einfach meinen Eintrag aus unseren Enttäuschungen 2020 zu kopieren, den ich fast 1-zu-1 hier hätte übernehmen können. Denn auch letztes Jahr war meine größte Enttäuschung nicht ein einzelnes Spiel oder Ereignis, sondern der anhaltende Wachstumsschmerz der Gaming-Branche. Dinge wie Crunch, (Mord)Drohungen gegen Entwickler*innen, Sexismus, Sexual Misconduct-Vorwürfe und mehr haben immer wieder Schlagzeilen gemacht und daran hat sich (wie antizipiert) auch 2021 nichts geändert. Fast wöchentlich kamen weitere Informationen und Vorkommnisse ans Tageslicht, die mich mehr als einmal haben fragen lassen, ob wir jemals ein Licht am Ende des Tunnels sehen werden. 

Ähnlich wie letztes Jahr versuche ich hier optimistisch zu bleiben, dass die wachsende Aufmerksamkeit auf die Probleme bei Activision, Ubisoft, Quantic Dreams und Co. langfristig dafür sorgen werden, dass diese (und andere) Unternehmen gezwungen sind, strukturelle Änderungen durchzuführen, um die Situation ihrer Angestellten zu verbessern. Allerdings mache ich mir auch keine Illusionen, dass der Weg dahin nicht lang und steinig und gerade für die Betroffenen schmerzhaft sein wird. Und gepflastert mit Rückschlägen. 

Das haben wir dieses Jahr mehr als einmal erlebt, sei es der rasche Rücktritt von Blizzards frisch ernannter Co-Chefin Jen Oneal, den Anschuldigungen gegen Activision-CEO Bobby Kotick, der offenbar schon seit Jahren von den schwersten Anschuldigungen wusste, oder die anhaltenden Beschwerden und daraus resultierenden Abgänge von Mitarbeiter*innen von Ubisoft. 

Für jeden Schritt nach vorne scheinen wir einen Schritt zurück zu machen und jedes Vorankommen ist zermürbend langsam. Oft wirkt es so als würde die komplette Spielebranche einfach nur auf der Stelle treten, anstatt sich tatsächlich in Richtung einer inklusiven und fairen Zukunft zu bewegen. Wenn sich diese ernüchternden Gedanken aufdrängen, dann versuche ich mich daran zu erinnern, wie wichtig es ist Geduld und langem Atem zu bewahren, selbst wenn ich meine Frustrationen gern in die Welt schreie(n würde). Nachhaltige Verbesserungen sind, wie mein geschätzter Kollege und GameStar-Chefredakteur Heiko Klinge gern zu sagen pflegt, schließlich “ein Marathon und kein Sprint”. 

Das Rennen um eine bessere, gesündere Gaming-Branche wird auch 2022 noch nicht beendet sein und vielleicht lest ihr nächstes Jahr an dieser Stelle ähnliche Worte von mir. Allerdings hoffe ich – wie auch schon 2020 – dass sie nicht ohne einen Hoffnungsschimmer daher kommen werden. Denn auch wenn sich Dinge quälend langsam bessern, sie bessern sich. Und daran halte ich weiter fest.

Jetzt seid ihr dran: Was sind eure Enttäuschungen des Jahres?

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