Gefechte, die einfach Laune machen
Der zweite Punkt , warum die Gefechte in E-Day so großartig sind, ist die Vielfältigkeit der Gegner und deren Verhalten. Wer die Reihe kennt, wird einige Gegnertypen wie die kräftigen zweibeinigen Standardgegner (Drohnen) und die flinken, Gollum-ähnlichen Wretches natürlich kennen, wie die Gegnertypen aber nach und nach eingeführt werden, dürfte auch Veteranen ein Grinsen ins Gesicht zaubern.
Während manche Gegnertypen recht clever Deckung suchen, stürmen andere auf euch zu, vernebeln die Sicht mit Rauchgranaten oder versuchen von der Seite anzugreifen, was dafür sorgt, dass ihr immer wieder unter Druck gesetzt werdet und eure Herangehensweise anpassen müsst, was auch spätere Gefechte ziemlich abwechslungsreich macht.
Glücklicherweise lässt E-Day euch dabei auch ausreichend Möglichkeiten zu reagieren, denn die Levels erlauben meist mehrere Angriffsoptionen oder Wege zum Vorstoß.
Dabei wirkt sich besonders positiv aus, dass viele Areale jetzt deutlich vertikaler sind und Marcus und Co. dank dediziertem Sprungknopf und einer Slide-Animation auch etwas agiler sind als zuvor, aber natürlich immer noch muskelbepackte Panzer in einer fetten Rüstung. Die Erkennung von Deckungsmöglichkeiten ist zwar hier und da etwas hakelig, grundsätzlich funktioniert die Steuerung der Gears aber ganz hervorragend.
Accessibility und allgemeine Einstellungen
Gears of War: E-Day bietet eine ganze Reihe von Unterstützungen an, die unter dem Reiter "Erleichterte Bedienung" im Einstellungsmenü zusammengefasst sind. Dabei sind unter anderem:
- Menü-Erläuterung
- Anpassungsmöglichkeiten für Textgrößen und Erwachseneninhalte
- Farbenblindmodus
- Option zur Vergrößerung oder Verkleinerung des Sichtwinkels (FoV)
Auch die Steuerung lässt sich vielfältig anpassen, etwa mit Neubelegungen jeder Taste sowie der Sensitivität von Blick- und Zielempfindlichtkeit – vorbildlich.
Es gibt kotzende Frösche. Und schwebende Hodensäcke
Auf diese Weise kann man dann auch den neuen Abscheulichkeiten in E-Day beikommen, wie etwa den von mir liebevoll getauften Kotzfröschen, die ätzende Emulsion auf euch spucken oder schwebende Hodensäcke – so nennen Marcus und Co. tatsächlich die fliegen Fleischbatzen, die euch ab Akt 3 gehörig auf den Keks gehen können.
Das liegt allerdings auch daran, weil sich die Gefechte gerade gegen die neuen Feinde spürbar in die Länge ziehen. Denn Frösche, Testikel und Co. schlucken erhebliche Mengen an Munition, wenn man nicht direkt ihre Schwachstellen trifft. Das gilt übrigens ebenso für die Bosskämpfe, die zwar überragend inszeniert sind, den Spielfluss durch die widerstandsfähigen Riesenviecher jedoch phasenweise etwas hemmen.
Dieser Kritikpunkt wird im Koop-Modus mit bis zu vier Personen etwas abgemildert, denn treffsichere Mitstreiterinnen und Mitstreiter können die Kill Times auch von dicken Brocken erheblich verkürzen. Überhaupt ist E-Day im Koop eine Mords-Gaudi, weil es einfach spaßiger ist, den Locust zusammen in den Hintern zu treten und taktische Absprachen zu treffen.
Spielt ihr hingegen alleine, steuert die CPU die anderen drei Charaktere. Und obwohl die ganz passabel treffen und euch auch immer wieder auf die Beine helfen, bleibt der Großteil der Arbeit an euch hängen, was die Spielzeit künstlich strecken kann.
Das größte Problem: Der Spielfluss in Akt 2,3 und 4
Ein Aspekt, der mein Gesamterlebnis nicht nur getrübt, sondern auch gestört hat, betrifft das Pacing des Third-Person-Shooters. In drei der insgesamt fünf Akte verlässt das Spiel seine gewohnte Geradlinigkeit und schickt das Bravo-Team in etwas größere Hub-Areale, unter anderem das Stadtzentrum von Kalona. Statt echten Mehrwert zu bieten, erweisen sich diese frei erkundbaren Gebiete mitsamt optionalen Nebenaufgaben und Sammelobjekten leider als Bremser für den Spielfluss, es wird also unnötiger Leerlauf erzeugt.
Bei den Nebenaufgaben müsst ihr meist anderen Trupps oder Zivilpersonen helfen und etwa ein Autohaus oder einen Glockenturm verteidigen. Als Belohnung gibt es dafür Mods, mit denen ihr eure Knarren oder euren Anzug aufbrezeln könnt.
Beispielsweise gibt es diverse Visiere, größere Magazine, aber auch Buff-Effekte wie verbesserte Verteidigung bei niedriger Gesundheit. Genau diese Mods oder zusätzliche Slots stecken auch in den überall versteckten Koffern und Kisten und ich muss auch gestehen, dass mich das anfangs immer wieder getriggert hat, auf die Suche zu gehen und die neuen Mods einzusacken.
Sobald man allerdings ein bisschen herumexperimentiert und sein bevorzugtes Setup gefunden hat, verliert das System rasch an Reiz. Statt spielerischer Tiefe regiert dann eher Masse statt Klasse und die Fülle an vernachlässigbaren Buffs bläht das Inventar unnötig auf.
So lang war noch keine Gears-Kampagne
Zwar bleiben Nebenaufgaben und Sammel-Items komplett optional, doch die ausgedehnten Laufwege zwischen den eigentlich Story-relevanten Einsatzorten in den offeneren Gebieten bremsen die Dynamik merklich aus.
Anders als in den packenden, linear designten und mit eindrucksvollen Momenten durchsetzten Abschnitten fehlt es in den weitläufigen Arealen schlicht an dynamischen und interessanten Feindbegegnungen. Das schadet dann letztendlich dem Pacing – auch wenn das Ausmaß nicht ganz so groß ist wie noch in Gears 5.
Bedingt durch den Leerlauf kommt die Kampagne von E-Day auf eine Spielzeit von rund 15 bis 16 Stunden und ist damit die längste der Seriengeschichte, ungefähr drei Viertel erledigte Nebenaufgaben und gefundene Sammelobjekte sind da mit eingepreist.
Was auf dem Papier nach viel Umfang klingt, fühlte sich beim Test in der Praxis aber keineswegs wie ein Vorteil an. Eine gestrafftere und fokussiertere Inszenierung ohne die künstlich gestreckten Hub-Passagen hätte der gewohnt intensiven Kernmechanik deutlich besser zu Gesicht gestanden.
Eines der technisch stärksten Xbox Series-Spiele
Technisch verdient sich Gears of War: E-Day ohne jede Diskussion die Bestnote und setzt sich für mich auch serienintern an die Spitze. Das zerfallende Kalona ist unglaublich detailliert und stilsicher in Szene gesetzt, es gibt beeindruckende Bauten wie die imposante Allvater-Brücke und ganz generell ist es interessant, durch eine noch halbwegs intakte Stadt auf dem Planeten Sera zu laufen. In früheren Teilen liegt die Welt der Menschen ja bereits komplett in Schutt und Asche.
Auch in Sachen Animationen, Beleuchtung und Gegnerdesigns fährt E-Day ordentlich auf und kann sich locker mit den aktuell schönsten Spielen messen. Bei den Schießereien bröckeln zudem Teile der Umgebung weg und auch die Gore-Effekte sind so detailliert wie selten zuvor in der Serie.
Auch die deutsche Sprachausgabe ist ordentlich gelungen, wobei manche Passagen ein wenig gekünstelt wirken und fast schon zu cool eingesprochen wurden. Hier und da ist die Vertonung zudem etwas zu leise abgemischt.
Das schmälert den Soundeindruck aber nur wenig, denn mit den wuchtigen Waffensounds und Effekten sowie der atmosphärischen Musikuntermalung hat E-Day auch akustisch einiges auf dem Kasten.
Grafik-Modi der Xbox Series X-Version von Gears of War E-Day
- Quality: Interne 1224p-Auflösung mit 30 fps
- Balanced (nur verfügbar bei 120hz-Displays): Interne 1080p-Auflösung mit 40 fps
- Performance: Interne 1000p-Auflösung mit 50-75 fps
In jedem Modus wird die Auflösung möglichst weit hochskaliert, im Quality-Modus etwa auf 4K.
Die Xbox Series X-Version leidet allerdings unter deutlich spürbaren Laderucklern beim Durchqueren der Spielwelt, also einem typischen Unreal Engine 5-Problem. Komplett sauber läuft das Spiel zudem auch im Performance-Modus nicht, gerade bei einigen sehr actionreichen Szenen sinkt die Framerate merkbar ab, wenn auch nur kurzzeitig.
Außerdem hatte ich beim Test den ein oder anderen Bug. Nach einem Bildschirmtod und dem Neuladen des letzten Checkpoints war beispielsweise das komplette Bild rot gefärbt, an anderer Stelle waren plötzlich keine Waffengeräusche mehr zu hören. Ein Neustart des Spiels behob diese Probleme zwar jeweils, nervig waren sie aber trotzdem.
Wertungstendenz: 82-92
Gears of War: E-Day begeistert mit packenden Gefechten und fulminanter Inszenierung, hängt aber hier und da auch ein bisschen durch.
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