Genshin Impact ist viel mehr als nur ein Zelda BotW-Klon

Genshin Impact sieht aus wie Zelda Breath of the Wild und galt lange als simpler Klon. Wir sehen uns den Open World-Hit genauer an und klären, was da dran ist.

von David Molke,
11.10.2020 10:00 Uhr

Genshin Impact hat nicht nur ein bisschen bei Zelda BotW gespickt, wenn es um Open World- und Gegner-Design geht. Genshin Impact hat nicht nur ein bisschen bei Zelda BotW gespickt, wenn es um Open World- und Gegner-Design geht.

Genshin Impact wirkt auf den ersten Blick genau wie The Legend of Zelda: Breath of the Wild. Der überdeutliche Einfluss sorgt dafür, dass das Open World-RPG seit seiner Ankündigung als BotW-Klon bezeichnet wird. Als bekennender Fan des Nintendo-Originals sehe ich mir Genshin Impact jetzt mal etwas genauer an.

Dabei wird klar, dass sich der Überraschungshit zwar teilweise sehr stark an Zelda orientiert, aber noch jede Menge andere Vorbilder hat. Deren Einflüsse werden hier so kombiniert, dass das Ganze mehr als nur die Summe seiner Teile ergibt. An Breath of the Wild kommt Genshin Impact meiner Meinung nach aber trotzdem nicht heran.

Ist Genshin Impact ein Zelda Breath of the Wild-Klon?

Die Antwort lautet klar "Jein". Teilweise wirkt es fast dreist, wie stark sich GI am Vorbild orientiert. Aber einige Elemente, die Zelda zu einem Meisterwerk machen, fehlen bei Genshin Impact. Dafür gibt es wiederum Dinge, die BotW so nicht zu bieten hat.

Das ist in Genshin Impact wie bei Zelda:

Die Frage, ob alles geklaut oder einfach Inspiration ist, muss im Endeffekt jeder für sich selbst entscheiden. Es gibt allerdings wirklich verblüffende Ähnlichkeiten und insbesondere am Anfang fühlt sich das für viele Breath of the Wild-Fans sehr seltsam an.

  • Ausdauer-System: Ihr bekommt mit der Zeit immer mehr und braucht sie zum Schwimmen, Klettern usw.
  • Klettern ist überall möglich, ihr könnt theoretisch an allen Oberflächen hochkraxeln, solange sie keinen Überhang haben.
  • Open World-Look: Genshin Impact hat hier nicht nur ein bisschen bei Zelda BotW gespickt. Ruinen, Klippen, Dörfer, Dornen, Truhen, und Lager sehen teilweise fast identisch aus.
  • Gegner: Hier gilt dasselbe. Es gibt quasi Bokoblins, Pyromagi sowie die Entsprechung der Schleime und die jeweils anderen Elementarversionen.
  • Kochen: Funktioniert fast genau wie bei BotW, allerdings in Verbindung mit einem kleinen Minispiel. Die Speisen geben euch auch Boni.
  • Türme: Ihr deckt Teile der Karte auf, wenn bestimmte Statuen berührt werden.
  • Statuen anbeten: Ihr dürft bestimmte Materialien gegen mehr Ausdauer eintauschen.
  • Der Gleiter: Ihr bekommt sehr früh die Möglichkeit, von jedem höher gelegenen Punkt herabzusegeln.

Genshin Impact hat auch Gegner-Lager, die sehr an die Bokoblin-Camps aus Breath of the Wild erinnern. Genshin Impact hat auch Gegner-Lager, die sehr an die Bokoblin-Camps aus Breath of the Wild erinnern.

Das macht Genshin Impact anders als BotW:

Nach kurzer Spielzeit wird klar, dass sich Genshin Impact auch bei vielen anderen Spielen bedient. Die Einflüsse reichen von Dragon Quest über Final Fantasy bis hin zu World of Warcraft und darüber hinaus. Die meisten Elemente dürften euch bekannt vorkommen, wenn ihr (J)RPG-Fans seid.

  • Die Kämpfe: Wir steuern zwar immer nur eine Figur, können aber während des Kampfs zwischen vier Trupp-Mitgliedern hin- und herwechseln.
  • Elementar-Kombos: Dabei spielen vor allem die Mischung der Elemente und die daraus resultierenden Wechselwirkungen eine große Rolle.
  • Party-Management: Ihr könnt alle Charaktere einzeln ausrüsten und hochstufen. Waffen, Artefakten und Fähigkeiten leveln ebenfalls.
  • Loot: Es gibt überall unfassbar viel Kram. Ihr sammelt fast ununterbrochen Materialien, Waffen, Artefakte, Geld, Erfahrungspunkte oder eine der unzähligen In Game-Währungen ein.
  • Waffen gehen nicht kaputt.
  • Multiplayer: Ab einer Abenteuer-Stufe von Level 16 könnt ihr auch gemeinsam durch die Welt von Genshin Impact stromern.
  • MMORPG-Elemente: Das öffnet Tür und Tor für klassische MMO-Tugenden wie zum Beispiel Raid-artige Herausforderungen in Sphären oder mächtige Welten-Bosse.
  • Städte & Fraktionen: Hier gibt es nicht nur Ruinen und vereinzelte Dörfer, sondern auch große und recht lebendige Städte mit eigenen Fraktionen

Fast alles kostenlos: Genshin Impact ist ein Free2Play-Spiel und kostet nichts, solange ihr kein Geld fürs Lootbox-artige Gacha-System ausgebt. Leute, die für derartige Verlockungen empfänglich sind, sollten sich am besten diesen Artikel von den Kollegen der GameStar zu Gemüte führen:

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Alles in Bewegung: Aktuell befindet sich Genshin Impact noch in der Version 1.0, dafür läuft das alles sehr gut und rund. Für die Zukunft sind diverse Updates geplant und schon jetzt scheint klar zu sein, dass die Reise eindeutig in Richtung Service-Game geht. Neben neuen Charakteren und Story-Erweiterungen sind wohl auch ganze neue Gebiete und Städte geplant.

Genshin Impact bekommt in Zukunft wohl auch neue Items, Waffen, Figuren und Gebiete. Genshin Impact bekommt in Zukunft wohl auch neue Items, Waffen, Figuren und Gebiete.

Was fehlt Genshin Impact, was Zelda hat?

Es ist natürlich kein Zufall, dass Genshin Impact streckenweise genau wie Zelda aussieht. Breath of the Wild zählt zu den erfolgreichsten und beeindruckendsten Spielen der letzten Jahre, hat vielen anderen den Weg geebnet und unzählige Titel inspiriert. Wir haben es in diesem GamePro-Artikel sogar zum wichtigsten Spiel des Jahrzehnts gekürt:

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Da fehlt noch was: Genshin Impact kopiert zwar den Look der Welt und das Design einiger Gegner, schafft es aber nicht ganz, den Zauber von Breath of the Wild einzufangen. Da fehlt das letzte gewisse Etwas, die Magie, die Zelda: Breath of the Wild zu so einem Meisterwerk macht.

Die Open World: Zelda Breath of the Wild lebt vom Mysterium, dem Aufbruch ins Ungewisse und von der Erkundung. Bei Genshin Impact klappern wir größtenteils Symbole auf der Map ab und werden zum Teil förmlich mit der Nase auf bestimmte Dinge gestoßen. Hier gibt es (wenn überhaupt) nur sehr selten das Gefühl, wirklich selbst etwas entdeckt zu haben.

Physik-basierte Rätsel & Experimente: Zelda BotW lebt auch vom Herumexperimentieren mit den einzelnen Runen und deren Effekten auf die Spielwelt. Dazu kommt das Verhalten von Felsbrocken, Baumstämmen, Gras, Feuer, Wind oder Wasser und deren Zusammenspiel. Das gibt es hier so nicht. In Genshin Impact musste ich bisher auch noch nie darauf achten, warm genug angezogen zu sein oder nicht vom Blitz getroffen zu werden.

Die besondere Atmosphäre: Klar, Genshin Impact ist nun mal kein Zelda. Aber mir fehlen hier nicht nur die bekannten Charaktere und die damit verbundene Nostalgie. Mir fehlt auch die Liebe zum Detail, die ganz besondere Musik-Untermalung, die Stimmungen und das feine Gespür für deren Komposition. Selbst ein Sonnenuntergang sieht hier einfach nicht so zauberhaft aus.

Was nicht heißen soll, dass Genshin Impact nicht hübsch wäre. Was nicht heißen soll, dass Genshin Impact nicht hübsch wäre.

Das macht Genshin Impact besser/schlechter als Zelda BotW

Meckern auf hohem Niveau: Genshin Impact ist keinesfalls ein schlechtes Spiel. Aber es tut sich mit dem imitieren von Zelda: Breath of the Wild keinen Gefallen, weil es so automatisch damit verglichen werden muss. Dabei ist Genshin Impact sehr viel mehr als einfach nur ein Zelda-Klon und hat viele, ganz andere Qualitäten.

Die Party-Kämpfen machen wirklich Spaß und auch die offene Spielwelt hat vor allem viel Content zu bieten. Es ist cool, durch Städte laufen zu können und die Story hält euch eine ganze Weile bei Laune. Es gibt überraschend abwechslungsreiche Story-Missionen, die sämtliche Gameplay-Register ziehen. Teilweise wird aus Genshin Impact zum Beispiel sogar eine Art Shooter.

  • Erklärungen: Während euch einige Dinge zu sehr erklärt werden (zum Beispiel, wie ihr jeden einzelnen Gegner besiegen könnt), bleiben viele Systeme untererklärt. Es dauert eine ganze Weile, bis der Wust aus Materialien, Währungen und Hochlevel-Möglichkeiten langsam durchschaubar wird.
  • Die Story: Es gibt insgesamt mehr Story als bei Zelda, sonderlich einfallsreich ist sie aber nicht. In BotW gab es gute Gründe für den Zustand der Open World, bei GI wirkt das alles recht standardmäßig für JRPG- und Anime-Verhältnisse. Dafür gibt es überraschend witzig geschriebene Texte und jede Menge (englischsprachige) Sprachausgabe sowie eine mangelhafte Übersetzung ins Deutsche.
  • Die Charaktere: All das ist manchmal Fluch und Segen: Paimons Gepiepse klingt auf Dauer unfassbar nervig. Die Charaktere bleiben zum Teil sogar viel blasser als manche aus BotW, obwohl sie deutlich mehr Text haben.
  • Das ewige Anime-Kindchenschema mit der gleichzeitig so krass übersexualisierten Darstellung der weiblichen Figuren finde ich extrem problematisch. Warum sind die alle so gekleidet und warum sehen sie gleichzeitig so jung aus?
  • Das Monetarisierungs-System: Genshin Impact kostet eigentlich nichts. Aber ihr werdet dazu animiert, Geld auszugeben. Wer gute Charaktere mit fünf Sternen will, hat verschwindend geringe Chancen, die bei einem Gebet zu ziehen. Das kann dazu animieren, sehr viel Geld auszugeben, was ihr euch wirklich gut überlegen/bleiben lassen solltet.
  • Zensur: Allem Anschein nach werden im In Game-Chat von Genshin Impact nicht nur Schimpfwörter und Beleidigungen zensiert, sondern auch Wörter wie "Taiwan" oder "Hong Kong".

Wie gefällt euch Genshin Impact? Was sagt ihr zum Breath of the Wild-Vergleich und sind euch noch andere Ähnlichkeiten oder Unterschiede aufgefallen? Wie weit seid ihr und werdet ihr wohl noch länger spielen?

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