Isaac Clarke ist ein Leidensgenosse, den ich nie vergessen werde

Für Tobi ist Dead Space nach wie vor eines der besten Horrorspiele aller Zeiten. Das liegt unter anderem an Protagonist Isaac, der auch ein Grund war, warum er den Titel überhaupt beendete.

von Tobias Veltin,
10.08.2021 10:00 Uhr

Isaac Clarke trifft auf einem Raumschiff auf das pure Grauen. Isaac Clarke trifft auf einem Raumschiff auf das pure Grauen.

Irgendwie scheine ich eine Schwäche für Charaktere mit Helmen zu haben. Der Master Chief aus Halo gehört beispielsweise zu meinen absoluten Lieblingen und auch die Big Daddies in Bioshock finde ich richtig cool.

Stehe ich also nur auf gesichtslose Typen? Mitnichten, denn Isaac Clarke aus Dead Space zeigt sein Antlitz zumindest in Teil 2 und 3 regelmäßig, auch wenn er den Großteil der Spielzeit einen schützenden Ganzkörperschutzanzug trägt. Und eben dieser Isaac Clarke wird mir wohl auf alle Ewigkeiten im Gedächtnis bleiben.

Ein ganz normaler Typ

Und das hängt nicht nur damit zusammen, dass er der Protagonist eines der meiner Meinung nach besten Horrorspiele ist, die jemals entwickelt wurden. Nein, der Grund ist vermutlich der, dass ich mich trotz des SciFi-Settings richtig gut in seine Lage hineinversetzen konnte. Denn Isaac ist einfach nur ein stinknormaler Mechaniker und Allerweltstyp, als er und seine Kollegen auf das Planetenabbau-Schiff Ishimura gerufen werden.

Er will einfach nur nach dem rechten sehen und helfen, stolpert dann aber in eine absolute Necromorph-Katastrophe. Und weil Isaac eben kein ausgebildeter Soldat ist, erwehrt er sich der widerlichen Mutantenbrut erstmal mit seinem Plasma-Cutter, zu dem ich in seiner Situation vermutlich auch gegriffen hätte.

Tobias Veltin
@FrischerVeltin

Für Tobi war das erste Dead Space eine Grenzerfahrung. Selten verspürte er beim Spielen so eine Anspannung und so einen Druck, der beim Ausschalten der Konsole stets wie eine Last von den Schultern fiel. Nicht nur Isaac ist ihm deshalb im Gedächtnis geblieben sondern auch fast alle anderen Elemente des Spiels - wie der furchterregende Hunter.

Dass ich mich so stark mit Isaac identifizieren kann, liegt aber auch daran, dass ich quasi mit ihm das Grauen auf der Ishimura erlebt habe. Ich bin bei jedem Jump Scare zusammengezuckt, habe ungläubig gestarrt, wenn sich mal wieder eine Nekromorph-Gestalt aus dem Dunkel der Ishimura-Gänge schälte und wollte ähnlich wie Isaac wissen, wie es seiner Freundin geht, die ihm eine mysteriöse Nachricht hat zukommen lassen.

Dieser eigentlich recht billige Kniff mit der Sorge um einen geliebten Menschen hat bei mir jedenfalls gewirkt und auch dementsprechend die Spannung bis zum Ende dauerhaft hochgehalten.

Immer wieder neue Necromorph-Kreaturen konfrontieren Isaac auf der Ishimura. Immer wieder neue Necromorph-Kreaturen konfrontieren Isaac auf der Ishimura.

Isaac war dementsprechend auch einer der Gründe, warum ich Dead Space überhaupt beendet habe. Denn seine Motivation war recht klar und ähnlich wie ich, wuchs auch Isaac im Laufe der Spielzeit mit der Situation. Bessere Anzüge und neue, interessante Waffen ließen mich auch später noch in die Dunkelheit der Ishimura zurückkehren. Wäre Isaac dauerhaft so schwächlich geblieben wie am Anfang, hätte ich die drückende Atmosphäre über die komplette Spielzeit vermutlich kaum ausgehalten.

Entwicklung in drei Schritten

Ähnlich wie Isaac machte auch ich beim Spielen der drei Dead Space-Teile eine gewisse Entwicklung durch. Denn während wir beide den Horror des ersten Teils nahezu sprachlos auf uns wirken ließen - Isaac ist in Dead Space 1 nahezu stumm - zweifelten wir beide im Verlaufe des zweiten Teils regelmäßig an unserem Verstand und hatten dann im dritten Teil - der im Vergleich natürlich deutlich abfiel - unseren Frieden mit der Situation gemacht und klopften regelmäßig lockere Sprüche.

Dead Space 3 hatte kaum noch Horror-Elemente, machte mir aber trotzdem Spaß. Dead Space 3 hatte kaum noch Horror-Elemente, machte mir aber trotzdem Spaß.

Isaac Clarke hat jedenfalls etwas geschafft, was ich bislang nur in wenigen Spielen erlebt habe. Denn ich habe das Abenteuer quasi wirklich aus seinen Augen erlebt - was kurios klingt, weil ich ihm ja eigentlich wegen der Third-Person-Perspektive über die Schulter geschaut habe.

Ich habe mit ihm gebangt und gelitten, habe erleichtert aufgeatmet, wenn ich einen nächsten vermeintlich sicheren Bereich erreicht habe und dachte vermutlich ähnlich oft wie er "Och, nein, bitte nicht schon wieder!" Er ist deshalb über meine gesamte Dead Space-Erfahrung ein Leidensgenosse geworden, den ich schon allein deswegen vermutlich nie vergessen werde.

Dieser Artikel ist Teil unserer Held*innen-Themenwoche, die noch bis zum 13. August 2021 läuft und euch täglich spannende neue Artikel rund um das Thema Videospiel-Charaktere präsentiert. Alle Artikel unserer Held*innen-Themenwochen findet ihr hier in der Übersicht.

Und ihr? Wie steht ihr zu Isaac Clarke? Habt ihr ihn ähnlich in Erinnerung wie Tobi?

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