Ist simuliertes Glücksspiel legal? Das sagt die USK

Simuliertes Glücksspiel in Games gilt nach deutschem Recht nicht als 'echtes' Glücksspiel. Doch die Spielmechaniken werden von der USK heiß diskutiert.

von Ann-Kathrin Kuhls,
09.09.2019 15:37 Uhr

Solange wir kein Echtgeld gewinnen können, enthält das GTA-Casino kein echtes Glücksspiel. Solange wir kein Echtgeld gewinnen können, enthält das GTA-Casino kein echtes Glücksspiel.

Kinder dürfen nicht ins Casino. Abgesehen davon, dass sie kaum mit der Nase über den Roulette-Tisch kommen, kann der Kontakt mit Glücksspiel in jungen Jahren extrem schädigend sein. Deswegen hat der Jugendschutz klare Regeln festgelegt, an die sich alle Institutionen und Unternehmen in Deutschland zu halten haben: Glücksspiel ist immer ab 18.

Es sei denn, es passiert in Videospielen.

Dort handelt es sich nämlich meistens um simuliertes Glücksspiel, weil kein 'echtes' Geld gewonnen werden kann. Zwar zahlen wir etwas ein, um die Chance auf einen Gewinn zu erhalten, der wiederum vom Zufall abhängt, allerdings sind weder Gewinne noch Investition real.

Auch Lootboxen können als eine Art von Glücksspiel gesehen werden. Aber so lange auch hier kein realer Gewinn existiert, fallen sie nicht unter das entsprechende Gesetz. Auch Lootboxen können als eine Art von Glücksspiel gesehen werden. Aber so lange auch hier kein realer Gewinn existiert, fallen sie nicht unter das entsprechende Gesetz.

Egal ob Ingame-Währung, Items, Erfahrungspunkte oder kosmetische Veränderungen: Solange nichts davon Euros, US-Dollar oder andere Währungen enthält, fällt die Spielmechanik nicht unter Glücksspiel, sondern simuliertes Glücksspiel - und unterliegt damit auch keiner Altersbeschränkung.

Fließender Übergang

An sich logisch, irgendwo muss ja eine Grenze gezogen werden. Allerdings sei gerade in den letzten Jahren eine Veränderung im Bereich der Videospiele aufgetreten, wie die USK in einem Posting auf ihrer Webseite bemerkt. Immer mehr Titel bilden Glücksspielmechaniken so nah an der Realität ab, dass Experten hier die gleiche entwicklungsbeeinträchtigende Wirkung befürchten wie bei den "echten" Versionen.

Aktuell diskutiert wird zum Beispiel NBA 2K20, dessen Lootbox-System nicht nur mechanisch, sondern auch optisch an einen einarmigen Banditen erinnert. Fans stieß der so genannte MyTeam-Modus sauer auf, und 2k hat den Trailer, in dem Gameplay des Modus zu sehen war, mittlerweile entfernt.

Der Automat in MyTeam sieht stark nach einem einarmigen Banditen aus. Der Automat in MyTeam sieht stark nach einem einarmigen Banditen aus.

Sogar PEGI, die Vereinigung für europaweite Alterseinstufung, sah sich zu einem Kommentar gezwungen: So lange es die Spieler nicht ermutigen würde, auch in der echten Welt Glücksspiel zu betreiben, wäre keine besondere Warnung nötig, heißt es da. Allerdings sind die Automaten in MyTeam so nah an echten Automaten, dass es durchaus strittig ist, ob sie nicht doch zum Glücksspiel verleiten.

Das sagt die USK

Jetzt hat sich auch die USK geäußert. Und zunächst erst einmal klargestellt, dass die Institution selbst nicht festlegen kann, was als Glücksspiel gelte und was nicht. Das sei im Glücksspielstaatsvertrag geregelt, der Mechaniken wie Lootboxen oder den MyTeam-Modus rechtlich noch nicht bewertet habe. Ohne eine gesetzliche Regelung kann die USK hier nicht handeln.

Ein weiteres Hindernis in der Vereinheitlichung möglicher Regeln stellt die Online-Anbindung dar. Genau wie bei Werbung in Spielen hängt die Kategorisierung der Mechaniken eigentlich davon ab, ob sie auf einem Datenträger oder online zur Verfügung stehen.

Werbung in Spielen - Wie funktioniert sie, was darf sie & warum mögen wir sie? 7:06 Werbung in Spielen - Wie funktioniert sie, was darf sie & warum mögen wir sie?

Für die Datenträger gilt das Jugendschutzgesetz, online der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag. Aber worunter fallen Spiele wie FIFA 20 oder NBA 2K20, die zwar auf einem Datenträger verteilt werden, für manche Modi aber eine Online-Anbindung benötigen?

Hier liegt die Verantwortung zum großen Teil bei den Anbietern selbst. Die USK hat nur bei den Unternehmen eine Handhabe, die sich der Prüfstelle freiwillig angeschlossen und sich zu konformen Verhalten verpflichtet haben. Sprich: Auch hier können sie eigentlich nicht durchgreifen.

Und der Jugendschutz?

Aber was ist mit der Altersbeschränkung? In GTA Online gibt es schließlich auch ein Casino, allerdings ist der Titel auch ab 18. NBA 2K20 hat jedoch keine Altersbeschränkung, denn aktuell ist simuliertes Glücksspiel noch kein Teil der USK-Leitkriterien. Die Mechaniken werden nicht als entwicklungsbeeinflussend gesehen.

Im GTA-Casino können nur virtuelle Preise gewonnen werden, trotzdem ist GTA Online erst ab 18 freigegeben. Im GTA-Casino können nur virtuelle Preise gewonnen werden, trotzdem ist GTA Online erst ab 18 freigegeben.

Allerdings bleibt das vielleicht nicht so, wenn wir ein Statement der USK in Betracht ziehen:

"Der USK ist die Diskussion jedoch bekannt und wir werden dies in den entsprechenden Gremien und Ausschüssen evaluieren."

Was das genau bedeutet, können wir aktuell noch nicht einschätzen. Allerdings entstehen die Leitkriterien der USK laut eigener Aussage in Zusammenarbeit mit den obersten Landesjugendbehörden, Mitgliedern des USK-Beirates und unter Berücksichtigung der Spruchpraxis der BPjM, was sehr viele Teilnehmer und womöglich auch sehr viel Bürokratie bedeuten kann.

Was sagt ihr zu simuliertem Glücksspiel?


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