Legend of Mana im Test: Ein Remake wäre besser gewesen

Das 22 Jahre alte Legend of Mana ist in mancherlei Hinsicht progressiver als viele heutige Rollenspiele. Nun ist ein Remaster des innovativen Square-Titels erschienen, ein komplettes Remake wäre aber besser gewesen.

von Alex Ney,
28.06.2021 18:00 Uhr

Legend of Mana im Test für PS4 und Nintendo Switch. Legend of Mana im Test für PS4 und Nintendo Switch.

Rollenspiele legen uns so einiges zu Füßen, aber eine modulare Spielwelt, die wir nach Gutdünken zusammenbauen und erforschen können? So ein Geschenk macht uns vielleicht nur Legend of Mana - und es offeriert noch mehr.

Wie wär's zum Beispiel mit einem nichtlinearen Spielverlauf, dynamischen Quests und formbaren Gebieten? Dürfen es vielleicht auch noch etwas Farm-Simulation, Crafting und ein "Ring Ring Land"-Minispiel obendrauf sein?

Ja, echt: All dies hatte das 1999 in Japan und Nordamerika erschienene PS1-Fossil auf Lager - bis auf das Minispiel. Die nun nachgeschobene internationale Version erweitert das Paket zudem um HD-Hintergründe und zeitgemäßen Sound, liefert am Ende aber trotzdem zu wenig.

Keine tragischen Helden

Zu Spielbeginn wählen wir eine von zwei unbeschriebenen, kindlichen Hauptfiguren aus und entscheiden, womit wir vorläufig zuschlagen wollen. Geboten werden klassische Nahkampfwaffen wie Schwerter oder Hämmer; magische Waffen (interessanterweise sind das Musikinstrumente) stehen uns noch nicht zur Verfügung.

Obwohl auch die Bosse nicht mehr die jüngsten sind, beeindrucken sie doch mit mächtigen Fähigkeiten. Dieses "Stachelauge" zum Beispiel verfügt über einen höchst gefährlichen Laser-Blick. Obwohl auch die Bosse nicht mehr die jüngsten sind, beeindrucken sie doch mit mächtigen Fähigkeiten. Dieses "Stachelauge" zum Beispiel verfügt über einen höchst gefährlichen Laser-Blick.

Die nächste Station ist eine optisch schlichte Weltkarte: Hier bewegen wir einen quadratischen Gebietsbegrenzer an die Stelle der Karte, an der wir unsere Welt errichten wollen. Das funktioniert nicht stufenlos, und natürlich können wir uns auch nicht zu Arielle ins Meer gesellen. Ein Mangel an Bauorten ist dennoch nicht zu beklagen.

Legend of Mana HD: Was ist neu?

  • 16:9-Unterstützung: Das Remaster unterstützt Full-HD-Auflösung.
  • Hochauflösende Levelhintergründe: Die ursprünglich recht pixeligen Hintergrundgrafiken sehen nun sprichwörtlich malerisch aus, stehen so aber auch im starken Kontrast zu den originalen Sprite-Figuren.
  • Neu gemasterter Soundtrack: Die versprochenen neuen Arrangements der 55 Originalstücke sind nicht vorhanden, sie wurden lediglich neu gemastert. Im Pausenmenü kann jederzeit zwischen den alten und neuen Versionen umgeschaltet werden.
  • "Ring Ring Land"-Minispiel: Das neue PocketStation-Minispiel bietet verschiedene Herausforderungen, mit denen sich die Stärke von Begleitern erhöhen lässt.
  • Kämpfe: Die Feindbegegnungen können nun im Pausenmenü deaktiviert werden.
  • Neue Benutzeroberfläche: Das gesamte UI ist an heutige Spielsysteme angepasst worden, inklusive Optionen für die Bildschirmeinstellung.
  • Galerie: Im Pausenmenü ist nun außerdem eine Galerie mit Konzeptzeichnungen und Dokumenten zur Spielwelt zu finden.

Ich bau mir die Welt ...

Ein Kernelement von Legend of Mana ist das "Land Make"-System, eine isometrische Kartensicht unseres recht überschaubaren Baugebiets. In diesem Modus geht es um das Platzieren von Artefakten, die sich in begehbare Orte verwandeln.

Die Weltkarte geht nur geringfügig über diesen Ausschnitt hinaus, bietet aber trotzdem genügend Bauplätze. Die Weltkarte geht nur geringfügig über diesen Ausschnitt hinaus, bietet aber trotzdem genügend Bauplätze.

So wird ein Briefkasten-Artefakt zu unserem Zuhause, wo wir, sobald wir über »monströse« Begleiter verfügen, eine Monsterfarm und Gartenbau betreiben können. Tierische Weggefährten braucht es auch für das erwähnte Minispiel im PocketStation-Stil. Moment, PocketStation? Daran erinnern sich wohl nur die Wenigsten: Die PocketStation war eine PS1-MemoryCard mit LCD-Screen, auf dem man Minispiele spielen konnte. Andere Artefakte nehmen die Gestalt von belebten Dörfern, halb zerstörten Landstraßen, etwas eintönigen Höhlen und kargen (aber sehr hübschen) Sandwüsten an.

Wo wir die Artefakte positionieren, steht uns innerhalb der maximal 27 Felder nahezu frei. Zu beachten ist aber, dass die Feinde eines Gebiets umso stärker werden, je weiter es von unserem Heim entfernt liegt. Artefakte erhalten wir entweder mit dem Spielfortschritt oder zuweilen als Questbelohnung.

Im Dschungel müssen wir unter anderem herausfinden, was es mit dieser seltsamen Mischkreatur auf dem Thron auf sich hat. Im Dschungel müssen wir unter anderem herausfinden, was es mit dieser seltsamen Mischkreatur auf dem Thron auf sich hat.

Außerdem gilt es im Land-Make-System, die den Feldern zugeordneten Elemente (zum Beispiel Feuer, Wasser, Luft) zu ändern, und so die darauf liegenden Gebiete zu manipulieren. Wozu? Nun, auf diese Weise triggern wir Events, entsperren Quests oder machen ein eingeschränkt begehbares Gebiet vollständig begehbar.

Dieser Vorgang ist an eine Art Logikrätsel gekoppelt, da sich die Elemente der Felder nicht einzeln, sondern nur in Gruppen verändern lassen. Damit können wir vor jedem Gebietswechsel experimentieren, zumal das Land-Make-System unseren Heroen auch als Reisekarte zwischen den "Modulen" dient.

Die Artefakte, hier eine verdorrte Rose, lassen sich nur auf dafür vorgesehenen Orten platzieren. Die Artefakte, hier eine verdorrte Rose, lassen sich nur auf dafür vorgesehenen Orten platzieren.

Doof: In der separaten Spielanleitung wird das Element-System - wie auch einiges andere - unzureichend erklärt. Nachdem wir die Schose aber durch Ausprobieren verstanden hatten, machten wir von dem System gern und häufig Gebrauch.

Der Weg ist das Ziel

Wenn Legend of Mana dann so richtig beginnt, könnten weniger retroaffine Spieler*innen einen "Grafikschock" erleiden. Das liegt freilich nicht an der wunderbar fantasievollen Levelumgebung, und auch nicht an den detaillierten Dialogporträts im Vintage-Manga-Stil. Bizarr ist eher, dass sämtliche Charaktere und Monster als originale PS1-Sprites über den Bildschirm wabern.

Ein No-Go könnte für manche ferner sein, dass keine echte Hauptgeschichte vorhanden ist. Gut: Es gibt eine kryptische Hintergrundstory, die uns aufträgt, einen vor 900 Jahren abgebrannten Manabaum zu finden. Auch gesellen sich drei längere Queststränge hinzu.

Nicht in allen Dörfern und Städten scheint die Sonne: Hier sind wir wohl im bevorzugten Urlaubsort der Addams Family gelandet. Nicht in allen Dörfern und Städten scheint die Sonne: Hier sind wir wohl im bevorzugten Urlaubsort der Addams Family gelandet.

Doch im Wesentlichen lebt das Spiel von Entscheidungen und kleinen, witzigen Geschichten, die wir während unserer Reise durch Fa'Diel erleben. Angeleiert werden diese etwa von einer süßen, kleinen Pelikan-Postbotin oder einer Schar Piraten-Pinguine mit einem Walross-Kapitän (Alice im Wunderland lässt grüßen).

Womit quasi gesagt wäre, dass sich die Reise trotz der auf das Nötigste beschränkten Dialoge lohnen kann. In Ermangelung eines starken Zugelements wussten wir anfangs zwar kaum etwas mit dem Spiel anzufangen, mit Beginn der zweiten Geschichte zog uns Legend of Mana jedoch zunehmend in seinen Bann.

Juwelenjagd

Aufgrund der latent schwammigen Steuerung, die uns ungewollt so manches Mal aus dem aktuellen Bildschirm befördert, ist das Echtzeitkampfsystem nur bedingt zu genießen.

Die Möglichkeit, frei zu speichern, wirkt zwar angstlösend, doch die Gegner sind selbst in Begleitung nicht ohne: Soldaten-Enten werfen pflichtbewusst mit Granaten um sich, fliegende Knochenköpfe braten uns per Laserblick, und eindrucksvolle Bosse wie der Yeti durchbohren uns etwa mit riesigen Stalagmiten. Das können wir uns auch wenn wir wollten nicht leichter machen, denn es gibt nur einen Schwierigkeitsgrad.

Ab und an müssen wir uns in Dialogen für eine Person entscheiden oder unsere Antworten abwägen. Im ungünstigsten Fall kann uns so eine Quest durch die Lappen gehen. Ab und an müssen wir uns in Dialogen für eine Person entscheiden oder unsere Antworten abwägen. Im ungünstigsten Fall kann uns so eine Quest durch die Lappen gehen.

Immerhin haben wir den Torturen satte 217 Kampftechniken entgegenzusetzen, die wir durch häufiges Ausführen vorhandener Skills erlernen. Allerdings belaufen sich viele Fähigkeiten auf einen optischen Effekt, gefolgt von einer mächtigen Sprungattacke auf einen oder mehrere Gegner.

Es wäre aber gelogen, zu sagen, dass wir keinen Spaß beim Kämpfen hatten. Besonders gefiel uns, dass ein Stufenaufstieg, der stärkere Offensivfähigkeiten und Resistenzen mit sich bringt, durch das Einsammeln bestimmter Gegner-Drops erfolgt. Diese verschwinden nach kurzer Zeit nämlich wieder, sodass die nächste Charakterstufe doppelt erkämpft werden muss.

Fazit: Kompromisslos "retro"

Legend of Mana ist ein innovatives, 22 Jahre altes Rollenspiel mit HD-Hintergründen, neuem UI und ein paar Goodies - nicht mehr und nicht weniger. Die Remaster-Lösung statt eines echten Remakes wirkt ziemlich billig. Wer ein klassisches JRPG im Stil von Breath of Fire oder Alundra 2 zu schätzen weiß, könnte mit dieser Neuauflage aber glücklich werden.

Zu verzeihen wären dann jedoch Schwächen bei der Steuerung sowie die Abwesenheit eines echten Hauptplots; auf der Haben-Seite stehen neben einem interessanten Spielweltbaukasten immerhin viele unterhaltsame Minigeschichten.

1 von 3

nächste Seite


zu den Kommentaren (12)

Kommentare(12)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.