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Maid of Sker im Test: Horror-Highlight trotz Horror-Gameplay?

Inspiriert von Geistergeschichten entführt uns dieser Gothic-Survival-Horror in das 19. Jahrhundert. In einem gruseligen Hotel weichen wir Schattengestalten aus – per trägem Stealth-Gameplay, das ebenfalls aus vergangenen Zeiten stammt.

von Michael Cherdchupan,
04.08.2020 18:35 Uhr

Wir haben das Horrorspiel Maid of Sker für euch getestet. Wir haben das Horrorspiel Maid of Sker für euch getestet.

Maid of Sker schöpft seinen Horror aus der walisischen Folklore: Die Geistergeschichte vom Sker House ist eine tragische Liebesgeschichte zwischen Elizabeth Williams und Thomas Evans. Beide verlieben sich ineinander, doch Elizabeths Vater sperrt sie über eine Zwangsheirat in einem Haus ein und von Thomas weg. Fast zehn Jahre später stirbt die Frau mit gebrochenem Herzen und sucht seitdem als Geist ihr Gefängnis heim. Diese Erzählung kennt in Wales jeder, und sie wurde bereits auf verschiedenste Weise interpretiert.

Das Spiel Maid of Sker für PS4 und Xbox One (Switch-Release Q3 2020) nimmt sich dabei viele Freiheiten und fügt sogar eine Prise griechischer Mythologie hinzu.

Schleichende Langeweile

Die Entwickler reichern die Geschichte mit der neuen Komponente des klassischen Sirenengesangs an. Das House of Sker ist ein Hotel am Meer, und in seinem Umfeld ist das melancholische Klagelied einer weiblichen Stimme zu hören. Die Melodie, die Worte, die Aura haben etwas mit der Hotelbelegschaft gemacht: Wie hypnotisiert wandern sie durch das Gebäude und tragen dabei Lumpen über ihrem Kopf.

Sie sind blind, können aber äußerst gut hören. Sehr zum Leidwesen von Thomas, der das Hotel nach seiner vermisst geltenden Verlobten Elizabeth durchsuchen muss. Schnell stellt sich heraus: Sie hat sich auf dem Dachboden versteckt. Bevor das Paar fliehen kann, muss Thomas an den fremdgesteuert wirkenden Angestellten vorbei schleichen. Zwar findet er nach einer Zeit eine sonderbare Schallwaffe, die Feinde mit einem lauten Geräusch für kurze Zeit lähmt, doch davon abgesehen ist Thomas wehrlos und kann nicht kämpfen. Für die Schallwaffe ist die Munition zudem so rar gesät, dass sie nur im äußersten Notfall zum Einsatz kommt.

Das Gegnerdesign wirkt geerdeter als bei anderen Horrorspielen. Aber: Männer mit Lumpen über dem Gesicht sind auch nicht gerade angenehm. Das Gegnerdesign wirkt geerdeter als bei anderen Horrorspielen. Aber: Männer mit Lumpen über dem Gesicht sind auch nicht gerade angenehm.

Schleichen ist deshalb in Maid of Sker die Hauptspielmechanik. Thomas kann sich ducken, um sich besonders leise fortzubewegen, und sogar seinen Atem anhalten. Das kann er logischerweise nur für begrenzte Zeit und seine Sicht wird dabei zunehmend schlechter. Bei besonders schlechten Luftbedingungen wird Thomas sogar dazu gezwungen: Wenn er sich durch einen besonders staubigen Keller bewegt oder an einem Feuer vorbeiläuft, bringen ihn die Partikel zum Husten. Die sind für uns zwar graphisch deutlich sichtbar, aber natürlich meistens an solchen Stellen platziert, wo man dicht an Gegnern vorbei muss.

Abgesehen von dieser atemlos guten Idee ist das übrige Stealth-System aber ziemlich rudimentär. Um die Ecke oder über den Rand einer Deckung zu schauen ist zum Beispiel nicht möglich. Ablenkung durch Geräusche funktioniert nur an wenigen Stellen, an denen man etwa Portiersklingeln betätigen kann. Je höher der am Anfang des Spiels ausgewählte Schwierigkeitsgrad, desto besser ist das Gehör der maskierten Männer. Auf "leicht" kann man fast vor ihrer Nase auf Zehenspitzen an ihnen vorbei, wohingegen sie auf "schwer" jeder Pups aufschrecken lässt.

Mit etwas Geduld sind die Gegner aber auf keiner Schwierigkeitsstufe ein Problem, denn ihre Laufwege sind trotz kleinerer, zufallsbedingter Variationen leicht zu durchschauen. Maid of Sker verschenkt hier Spannung, vor allem wenn man innovative Klassiker wie Forbidden Siren zum Vergleich heranzieht. Dort gab es vor allem unterschiedliche Gegnertypen mit mannigfaltigen Verhalten. In Wales bleibt's aber vorwiegend bei den immer gleichen maskierten Männern, die sich über das gesamte Spiel ähnlich verhalten.

Horrorhotel zum Verlieben

Der Erkundungsaspekt ist in Maid of Sker hingegen gelungen. Thomas bewegt sich nicht nur durch das plausibel aufgebaute Hotel, sondern auch durch den umliegenden Außenbereich. Hier findet man neben einem Wald zum Beispiel auch einen Friedhof oder eine verlassene Mine. An jedem Ort gibt es etwas über die spannende Hintergrundgeschichte zu erfahren, die sich über Dokumente und Audioaufzeichnungen Stück für Stück offenbart.

Survival-Horror-Veteranen atmen angesichts solch einer Karte auf. Übersichtlich und doch komplex genug, um zur Erkundung einzuladen. Survival-Horror-Veteranen atmen angesichts solch einer Karte auf. Übersichtlich und doch komplex genug, um zur Erkundung einzuladen.

Als optionale Sammelaufgabe kann man kleine Statuen einsammeln, die wie eine Musikbox ein kleines Glockenspiel von sich geben. So hört man sie schon aus einer gewissen Entfernung und man möchte erst recht wissen: Wo finde ich das Ding jetzt? Die Räume sind angenehm verwinkelt und lassen sich in typischer Survival-Horror-Manier erkunden. Schlüssel finden, geheime Wege entdecken, ab und an ein Schalterrätsel lösen - das erfreut nicht nur Genrefans, sondern ist auch ein narrensicheres Konzept.

Schade: Während man sich im Hotel relativ frei bewegen kann, fallen die Außenbereiche ironischerweise ziemlich linear aus. Mehr Verzweigungen hätten der Atmosphäre gutgetan.

Grafik und Technik

Kritik muss sich Maid of Sker auch bei der Grafik gefallen lassen: Sie legt eine Bewegungsunschärfe über das gesamte Bild. In Kombination mit den teils verwaschenen Texturen und der häufigen Dunkelheit wirkt die Grafik schmierig und schwammig.

Gruseltimmung Die Grafik ist nicht auf dem neuesten Stand, erzeugt aber besonders durch die Beleuchtung eine schöne Gruselstimmung.

Licherscheinung Schon in den ersten Minuten begegnet einem noch vor dem Hotel eine mysteriöse Lichterscheinung. Was hat sie zu bedeuten?

Manche Räume überraschen dann aber hingegen mit vielen Details. Da schwappt dann etwas von der PC-Version rüber, die insgesamt klarer wirkt. Dort gibt es auch keine Mikroruckler, die in späteren Abschnitten auf unserer PS4 Pro aufgetreten sind.

Ärgerlich: Die Bewegungsunschärfe konnten wir zum Zeitpunkt unseres Tests nicht in den Optionen ausschalten. Ob ein entsprechender Patch erscheinen wird, ist unklar. Sehr gelungen ist allerdings die gesamte Klangkulisse: Gegner lassen sich durch die gute Abmischung anhand ihrer Schritte gut orten. Richtig toll sind die Umgebungsgeräusche: Schreie oder Hundegebell aus der Ferne sorgen für Gänsehaut, während der Sirenengesang auf emotionaler Ebene berührt. Die ausgezeichneten englischen Sprecher runden das akustische Gesamtbild ab.

Kann man Maid of Sker am Ende empfehlen? Ja und Nein. Es hat zu Recht Fördergelder vom Creative Europe Desk UK erhalten, das gerne künstlerische Projekte unterstützt. Bloß für das Gameplay war gefühlt zu wenig Budget da. Hätte das Spiel weniger technische Probleme gehabt und die rudimentäre Stealth-Mechanik weiter ausgearbeitet, könnte man es generell empfehlen. So bleibt es wegen seiner nicht zu übersehenden Schwächen aber bloß ein kleiner Geheimtipp für geneigte Horror-Connaisseure.

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