Mein Herz für Klassiker - Ich, Crimson Skies & der Traum vom Fliegen

Kein Flugspiel vor und kein Flugspiel nach Crimson Skies: High Road to Revenge hat Tobi jemals so umgehauen.

von Tobias Veltin,
27.06.2017 09:00 Uhr

Crimson Skies: High Road to Revenge ist für Tobi eines der Abstand besten Xbox-Spiele überhaupt. Crimson Skies: High Road to Revenge ist für Tobi eines der Abstand besten Xbox-Spiele überhaupt.

Die Ankündigung der Abwärtskompatibilität für ausgewählte Xbox-Spiele auf der Xbox One zählte für mich zu den absoluten Highlights der Microsoft-Pressekonferenz auf der E3 2017. Weniger wegen der Tatsache selbst - auch wenn das schon ziemlich cool ist -, als vielmehr wegen der Spielszenen, die hinter Xbox-Chef Phil Spencer über den großen Screen flimmerten. Sie zeigten Crimson Skies: High Road to Revenge, einen meiner absoluten Xbox-Lieblinge und zogen mich in einen unerwarteten Nostalgiestrudel. Zumal ich ohnehin vor hatte, meine erste Xbox für genau dieses Spiel noch einmal zu entstauben.

Hintergrund:Ausgewählte Xbox-Spiele bald auf Xbox One abwärtskompatibel

Herbst 2003: Ich bin auf der Suche nach einem neuen Xbox-Spiel, möchte die geschenkte Kohle zu meinem 18. Geburtstag ein paar Wochen zuvor sinnvoll in neue Software für meinen schwarzen Microsoft-Klotz investieren. Zu diesem Zeitpunkt sagt mir Crimson Skies: High Road to Revenge noch ziemlich wenig, der Name ist mir nur von einem älteren PC-Spiel geläufig. Und ich weiß bis heute nicht, warum ich damals zugegriffen habe, denn Flugspiele waren bis dahin nicht so wirklich meins - bis auf Pilotwings 64 vielleicht. Aber ich verließ unseren örtlichen Media Markt mit eben diesem Crimson Skies. Und verliebte mich nur später vor dem heimischen Fernseher.

Dabei gibt es ehrlich gesagt gar kein bestimmtes Merkmal, das Crimson Skies für mich so herausragend macht. Es ist vielmehr die Verschmelzung seiner einzelnen Elemente. Da wäre zum Beispiel die Story mit dem neckischen und draufgängerischen Luftpiraten Nathan Zachery, den ich heute am ehesten mit Nathan Drake (ist derselbe Vorname nur Zufall?) aus Uncharted vergleichen würde.

Wie der hat er nämlich immer einen flotten Spruch auf den Lippen und ist Dreh- und Angelpunkt der Geschichte in den alternativen 1930er Jahren rund um Nathans Gang und dem bösen Wissenschaftler von Essen, dem die Luftpiraten das Handwerk legen müssen. Die Geschichte ist zwar kein absoluter Renner, aber mit viel Witz und Charme erzählt. Überhaupt hat das ganze Setting dieses leichte und unheimlich einnehmende Indiana-Jones-Abenteuer-Flair, das traf bei mir damals genau den richtigen Nerv.

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Und dann diese grandiose Spielbarkeit. Anders als beim PC-Crimson Skies ist die Steuerung eher arcadig, aber komplex genug, um auch anspruchsvolle Manöver wie Korkenzieher oder Loopings zu fliegen. Das Ganze hat sogar leichten Open-World-Charakter, in den offenen Gebieten kann ich an bestimmten Stellen landen, um zum Beispiel neue Missionen und Aufträge anzunehmen.

Hin und und wieder muss man auch in Geschütztürme hüpfen, um von dort angreifende Gegnergeschwader auszuschalten. Ebenfalls sehr präsent in meiner Erinnerung sind auch die grandiosen Endgegnerkämpfe, zum Beispiel gegen eine riesige Metallspinne, und die vielen verschiedenen Flugzeugmodelle, die sich jeweils unterschiedlich steuerten und dank variabler Bewaffnung wie Maschinengewehren und Lenkraketen ihren ganz eigenen Charme hatten.

Vor allem erinnere ich mich aber an die Grafikpracht des Spiels. Riesige, abwechslungsreiche Gebiete zum Beispiel ein Inselatoll, ein Wüstengebiet oder eine riesige Stadt mit etlichen kleinen Details auf dem Boden. Hitzeflimmern hinter den Rotoren und Motoren des eigenen Fliegers, aber auch effektvolle Explosionen gegnerischer Flugzeuge, die danach brennend dem Erdboden entgegen trudelten. Das verschlug mir damals ebenso die Sprache wie feine Details wie an Fallschirmen hängende Gegner nach einem Abschuss oder Gischt, die auf die virtuelle Kamera spritzte, wenn man nah über der Wasseroberfläche flitzte. Zu meinem absoluten Glück fehlte damals nur eine Cockpitperspektive, auch wenn die Third-Person-Perspektive stets genügend Übersicht bot.

Kein Flugspiel davor und kein Flugspiel danach hat mich je so beeindruckt wie Crimson Skies: High Road to Revenge, keins spielte ich so schnell in einem Rutsch durch wie das Meisterwerk der Fasa Studios. Es ist bis heute der wahr gewordene virtuelle Traum vom Fliegen. Und bei wohl keinem anderen Spiel wünsche ich mir so sehr einen zweiten Teil wie von Nathan Zacherys Abenteuer. Ein Crimson Skies 2 mit noch größeren Gebieten, einem Vierer-Koop und 4K-Grafik auf der Xbox One X - das wär's doch. Aber bis es so weit ist - ich glaube nach knapp 14 Jahren ehrlich gesagt nicht mehr wirklich daran -, muss ich mich noch einmal mit dem abwärtskompatiblen ersten Teil zufrieden geben. Wenigstens muss ich jetzt meine alte Xbox nicht mehr entstauben. Immerhin.

Habt ihr Crimson Skies gespielt? Wie fandet ihr es?

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