Die neue Farming-Sim Moonlight Peaks will Genre-Fans vor allem mit einem für dieses Genre eher ungewöhnlichen Setting auf Switch, Switch 2 und PC abholen. Anstelle eines heimeligen Bauernhofs erwartet euch hier nämlich ein düsteres Städtchen voller Vampiren, Werwölfe und Hexen. Das funktioniert im Großen und Ganzen auch gut, aber ein paar Schnitzer erlaubt sich Entwickler Studio Little Chicken trotzdem.
Dracula statt Großvater
Meine Spielfigur ist ein Kind des berüchtigten Graf Dracula. Nach einem Streit mit dem blutsaugenden Vater ziehe ich schnurstracks aus der Familiengruft aus, um im beschaulichen Örtchen Moonlight Peaks auf eigenen Füßen zu stehen.
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Der erste Ausflug in den Charaktereditor gibt bereits viele Möglichkeiten zur Anpassung meiner Figur, wobei ich mir nicht zu viele Gedanken machen muss. Denn glücklicherweise ist – bis auf den Namen – alles im Nachhinein veränderbar, wenn auch teilweise gegen ein paar Ingame-Münzen.
Auf meinem neuen Anwesen in Moonlight Peaks stelle ich schnell fest, dass das Grundstück schon einmal bessere Nächte gesehen hat. Die Flächen sind überwuchert und das Wohnhaus nur ein kleiner Schuppen. Macht aber nichts, denn mit der Zeit baue ich die Vampir-Farm zu einer prächtigen Bleibe aus, die eines Dracula-Erben würdig ist.
Neben meinem Grundstück erkunde ich außerdem verschiedene Gebiete wie das Stadtzentrum mit Wohnhäusern und Läden, den örtlichen Friedhof mitsamt Höhlen und Gruften, einen Sumpf oder die naheliegenden Wälder. Die Karte eröffnet im Verlauf der Hauptstory neue Areale und ist recht groß, so dass ich viel Zeit mit Erkunden verbracht habe.
Wenn ihr schon einmal eine Farming-Simulation wie Stardew Valley oder Fields of Mistria gespielt habt, werdet ihr euch hier schnell zurechtfinden. Tatsächlich ähnelt Moonlight Peaks in vielen Bereichen mechanisch sehr stark den offensichtlichen Vorlagen entlang und so nutzt ihr etwa Werkzeuge zum Ackerbau, fällt Bäume oder stattet der örtlichen Mine einen Besuch mit der Spitzhacke ab.
Ein wichtiger Faktor sind die vier Jahreszeiten, in denen unterschiedliche Pflanzen wachsen, Feste im Dorf stattfinden und nach regulär 15 Minuten die Sonne aufgeht – was für mich als Vampir Schlafenszeit bedeutet.
An Crafting-Stationen wie Werkbänken, Schmelzöfen oder Marmeladenkochern stelle ich Möbel, Deko und Geschenke her, mit denen ich mich bei den ansässigen NPCs beliebt machen kann – Freundschaften und Romanzen funktionieren ebenfalls wie in anderen Spielen des Genres. Mit steigenden Herzen erfahre ich nach und nach mehr über die einzelnen Figuren und kann sie später auch heiraten.
Beim gewohnten Farming-Gameplay sind mir immer wieder Kleinigkeiten aufgefallen, über die ich mich gefreut habe. In meinem Haus habe ich etwa Zugriff auf ein unendlich großes Lager, an dessen Inhalt sich alle Crafting-Stationen bedienen können.
Außerdem verbrauchen Gerätschaften wie Axt, Gießkanne und Co. keinen Platz im Rucksack und können unkompliziert über ein Kreismenü ausgewählt werden.
Moonlight Peaks fühlt sich durch solche Quality-of-Life-Features zwar insgesamt sehr routiniert, aber eben auch angenehm spielbar und gut durchdacht an.
Coole Sache: Schon früh im Spiel bekomme ich die Fähigkeit, die Länge einer Nacht zu beeinflussen und kann so frei zwischen 10, 15 und 25 Minuten wählen!
Mit regulären 15 Minuten dauert ein Jahr etwa 30 Stunden. Allerdings werdet ihr danach noch nicht alles abgeschlossen haben. Je nachdem, wie viel Zeit ihr mit Dekorieren und Sammeln verbringt, ist also deutlich mehr Spieldauer drin.
Ok ok, aber was macht Moonlight Peaks denn jetzt anders?
Trotz der Nähe zur Struktur von Stardew Valley will sich Moonlight Peaks vor allem über das Setting von der Konkurrenz abheben. Das geschieht schon über Kleinigkeiten – etwa der, dass ein “Tag” hier eine Nacht ist und von 18 Uhr bis 6 Uhr morgens dauert.
Außerdem schläft mein Vampir-Sprössling in einem Sarg, hat eine dreiäugige Haustierkatze und mein kauziger Onkel Viktor schaut regelmäßig vorbei. Letzterer ist permanent in seiner Fledermausgestalt unterwegs, weil er sich darin einfach wohler fühlt.
Die Welt von Moonlight Peaks ist voll mit kleinen und liebevollen “Horror”-Details. Ich sammle etwa allerlei merkwürdiges Getier auf meinen Abenteuern, kann mit der riesigen Kröte Yabbis handeln und sammle Totenköpfe von verstorbenen Seelen ein, die sich verirrt haben.
Ein kleines Highlight ist zudem die klassische Verkaufskiste. Die heißt hier Chester und ist ein gefräßiges, kastiges Lebewesen, das mich wohlig an das “Monsterbuch der Monster” aus Harry Potter erinnert. Dementsprechend kann ich bei ihm nicht nur meine erwirtschafteten Items loswerden, sondern ihn auch streicheln.
Details wie dieses gibt es in Moonlight Peaks viele und die Atmosphäre gehört damit zu den großen Stärken der Farm-Sim. Der Mix aus Grusel und Cozy wird meist stimmig umgesetzt und ist eine schöne Abwechslung zum gewohnten Bauernhof-Standard.
Ein bunter Haufen Charaktere mit düsteren Geheimnisse
Auch die NPCs aus der Nachbarschaft sind Vampire, Werwölfe, Hexen oder Meerjungfrauen, wobei die Designs stets sehr humanoid bleiben. Hier hätte ich mir mehr animalische Darstellungen gewünscht.
Die meisten Charaktere haben familiäre Probleme und nett geschriebene Hintergrundgeschichten, die ich mit der Zeit durch Cutscenes und unvertonte Dialoge in Erfahrung bringen kann. Einige davon sind inhaltlich sogar erstaunlich ernst.
Der örtliche Vampir-Patriarch Orlock hat etwa ein Alkoholproblem, während Hexe Sabrina sich mit den Regeln des Magie-Zirkels schwer tut und eigene Wege beschreiten will. Ein großer Teil der Hauptstory dreht sich außerdem darum, die teils zerstrittenen Spezies miteinander zu versöhnen.
Die Stimmung ist trotz dieser Konflikte meistens gemütlich, entspannt und nicht zuletzt auch niedlich, aber in Moonlight Peaks ist eben nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen und das hat mir sehr gut gefallen, weil es zum etwas düsteren Setting passt.
Tiere und Figuren sind außerdem alle ein wenig monströser als üblich. Irrhühner, Kuhculas und Schweineziegen sehen in meinen Augen super aus, erfüllen aber auf dem Bauernhof letztlich die gleichen Funktionen wie ihre weltlichen Vorbilder.
Auch wenn meine Kuh kleine Teufelsflügelchen hat, gibt sie im Endeffekt eigentlich doch nur Milch, die ich weiterverarbeiten kann. Hier verpasst es Moonlight Peaks, eigene Akzente zu setzen und hat das Entwicklerteam hat einiges an Potenzial liegen lassen, das mit dem coolen Setting möglich gewesen wäre.
Dafür gibt es aber immerhin witzige Monstersaat, die ich auf meinen Feldern anbauen kann. Eine der fleischfressenden Pflanzen muss etwa mit geangelten Fischen gefüttert werden – schöne Idee!
Technik auf Nintendo Switch
Ich habe Moonlight Peaks auf der Nintendo Switch gespielt. Nennenswerte Bugs sind mir dabei nicht aufgefallen, allerdings kam es im Stadtzentrum manchmal zu spürbaren und damit auch störenden Framedrops unter die 30 fps-Grenze.
Wirklich ärgerlich sind allerdings die Ladezeiten, die stellenweise wirklich an den Nerven nagen können. Jedes Mal beim Betreten oder Verlassen eines Gebäudes, sowie bei einem Gebietswechsel muss ich eine lange Schwarzblende über mich ergehen lassen. Hier sollten Patches unbedingt noch nachbessern.
Das gilt nicht nur für die Switch 1, sondern auch für die Switch 2-Version, in die ich ebenfalls einen Blick geworfen haben.
Ein Hauch von dunkler Magie
Spielerisch lockert Studio Little Chicken das gewohnte Farming-Gameplay mit magischen Fähigkeiten auf. Nach einigen Stunden lerne ich die Zauber-Fähigkeit und kann damit etwa übernatürliche Gießkannen oder Spitzhacken die “Drecksarbeit” erledigen lassen, während ich selbst die Füße hochlege.
Insgesamt gibt es 12 Zaubersprüche, die mir in vielerlei Hinsicht das Untoten-Leben erleichtern und Gerätschaften wie Sprinkleranlagen aus vergleichbaren Spielen ersetzen.
Besonders cool ist das Zaubern selbst: Ich wähle die Sprüche nicht einfach nur aus einer Liste aus, sondern muss mit der Maus oder dem Analogstick ein Muster auf einem magischen Kreis nachmalen.
Jeder Spruch hat natürlich ein eigenes Muster, das ich dementsprechend auswendig lernen muss – Zaubern fühlt sich dadurch angenehm immersiv an.
Außerdem lerne ich später noch, mich in verschiedene Tiere zu verwandeln. Als Katze bin ich etwa deutlich schneller unterwegs und kann durch kleine Öffnungen kriechen. Damit ergeben sich teils ganz neue Wege und Entdeckungen, was sehr motivierend ist.
Dank der Kräutergärten kann ich zudem Tränke brauen, die mein Mana wieder aufladen, das sich zum Wirken von Zaubern brauche. Außerdem gibt es im Spiel einiges an Gebräu, das nützliche Überraschungen bereit hält, aber die sollt ihr lieber selbst entdecken.
Ein Vampir, der gar keiner ist
Die größte Schwäche von Moonlight Peaks ist meinen Augen die Abstammung meiner Spielfigur, denn ausgerechnet bei einem zentralen Punkt hat mich Moonlight Peaks wirklich enttäuscht: Dem Vampir-Dasein.
Zwar werde ich anfangs in einer sympathischen Intro-Sequenz als Kind von Dracula etabliert, habe kleine Vampirzähnchen und kann mir ein angemessenes, gotisches Anwesen bauen, aber was das Gameplay betrifft, spielt meine blutdürstige DNA nahezu keine Rolle.
Nichts von dem, was ich im Spiel aktiv tue, ist ein Vampir-spezifischer Skill. Ich kann zwar Magie verwenden und mich in verschiedene Tiere verwandeln, aber das können Hexen und Zauberer doch oft auch?
Regelmäßiges Bluttrinken gibt es als Mechanik nicht. Ich kann auch jedes Gebäude ganz normal ohne explizite Einladung betreten – und andere Figuren mit Gedankenkontrolle zu beeinflussen, ist ebenfalls kein Thema.
Hier hätte Entwickler Little Chicken viel mehr aus dem Thema rausholen können, auch ohne das Spiel zu düster oder morbide werden zu lassen. Wie cool wäre es etwa gewesen, wenn ich Freundschaften und romantische Beziehungen knüpfen MUSS, damit sich meine Liebsten freiwillig dazu bereit erklären, mir einmal pro Woche den Hals freizumachen?
Gerade weil der Rest des Cozy-Horror-Settings so liebevoll und sympathisch umgesetzt ist, fällt dieses offensichtliche Versäumnis umso mehr auf und wäre eine gute Möglichkeit gewesen, die spielerische Nähe zur Konkurrenz mit eigenen Ideen noch etwas mehr aufzulockern.
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