Nach NPC-Mord: Haben die Bürger in Red Dead Redemption 2 ein Gewissen?

Ein besorgter Bürger springt Arthur in Red Dead Redemption 2 bei, als der verprügelt wird. Das ganze endet jedoch tödlich.

von Ann-Kathrin Kuhls,
24.02.2020 19:03 Uhr

Diese Unterstützung hätte Arthur wahrscheinlich nicht erwartet. Diese Unterstützung hätte Arthur wahrscheinlich nicht erwartet.

In Red Dead Redemption 2 gehört Arthur Morgan eigentlich zu einer Bande, lebt aber Dank uns oft wie ein einsamer Wolf. Sämtliche Schlamassel, in die wir ihn im Freeplay reinreiten, muss er alleine ausbaden. Umso seltsamer, dass ihm ausgerechnet in einer Stadt, in der er vorher für Ärger sorgte, ein NPC beispringt. Haben die NPC in Red Dead Redemption 2 etwa ein Gewissen?

Ausschlag zu dieser Diskussion gab ein dreißigsekündiges Video auf YouTube von User dmarlow310, in dem Arthur ein Gebäude verlässt und prompt in einen Bürger hineinläuft, mit dem er bei einem früheren Besuch Stress hatte. Dieser erkennt den Outlaw sofort wieder und fängt eine Prügelei an und hört nach dem ersten Schlag auch nicht auf, obwohl Arthur keine Anzeichen von Gegenwehr zeigt. (via Kotaku)

Blicke töten nicht, Messer schon

Kurz bevor wir erwartet hätten, dass der Spieler als Arthur zurückschlagt, wird die Schubserei auf einmal von einem anderen Mann unterbrochen, der auf uns zu läuft, sich den Kampf ein paar Sekunden anschaut und dann dem Prügler mit einem Messer in der Hand in den Nacken springt. Die Stichwaffe landet in seinem Hals und der Störenfried tot im Matsch zu unseren Füßen.

Hier sind gleich ein paar Dinge seltsam. Zum einen, wie der NPC reagiert. Er kommt angerannt, beobachtet die Situation und anstatt zu rufen oder seine Fäuste sprechen zu lassen, holt er sofort sein Messer raus und sticht den anderen Bürger ab. Zum anderen ist es jedoch auch seltsam, dass er überhaupt reagiert. Denn er war, wenn ihr euch das Video genau anseht, schon fast um die Ecke verschwunden, als er sich entschließt umzudrehen.

Kurz bevor der Angreifer seinen ersten Schlag landet, wirbelt der Helfer herum und macht drei lange Schritte in unsere Richtung. Als hätte er die ersten Anzeichen des Konfliktes mitbekommen und wolle nun sichergehen, dass niemandem etwas passiert. Die Sache ist, dass keiner der anderen NPC zwischen uns und dem Helfer auch nur den Kopf gedreht hat. Der wortlose Schnurrbartträger jedoch wieselt sich gleich an mehreren ignoranten Bürgern vorbei, um uns zu helfen.

Soziales Gewissen oder aggressive Ader?

Hierbei könnte es sich natürlich um einen ganz klassisch definierten spielmechanischen Vorgang handeln. Da die Aggression von dem NPC ausging und nicht vom Spieler, wurde der Schläger vom Spiel als feindlich verstanden und deswegen von anderen angegriffen. Soweit, so sinnvoll. Aber wieso tut dann niemand anderes etwas?

Hier kommt unsere Theorie ins Spiel. Wir glauben, dass alle NPC ein eingebautes Gewissen haben könnten - oder eine Aggressionsschwelle. So, wie nicht jeder auf der Straße eingreift, wenn er andere in Not sieht, so haben vielleicht auch die Bürger in RDR2 einen Punkt, bis zu dem sie friedlich bleiben. Wird der überschritten, wird eingegriffen. Dabei kommt es dann auf den Bürger an, ob das nach einer Beleidigung oder einer Prügelei passiert.

Man bringt keine Pistole zu einem Messerkampf. Aber darf man ein Messer zu einem Faustkampf bringen? Man bringt keine Pistole zu einem Messerkampf. Aber darf man ein Messer zu einem Faustkampf bringen?

So erklärt sich vielleicht auch das Messer. Denn jeder reagiert anders auf Provokation. Manche ignorieren eine Beleidigung und gehen einfach weiter ihren Tagesaufgaben nach. Andere feuern zurück. Und im Wilden Westen gibt es anscheinend ein paar Vertreter, die Schlägereien gerne mit einem Messer beenden.

Vergleichbar wäre das mit anderen Rockstar-Spielen wie der GTA-Reihe, in der die Passanten ebenfalls unterschiedlich reagieren, wenn man ihnen aus dem Nichts ins Gesicht schlägt (wie wir gehört haben). Einige rennen schreiend weg, andere schlagen zurück, und wieder andere zücken ihre Waffe. Genau das gleiche könnte auch in RDR2 passiert sein.

Gewissen oder Glitch?

Obwohl wir finden, dass unsere Theorie durchaus plausibel klingt, können wir das natürlich nicht mit Sicherheit sagen, schließlich haben wir RDR2 nicht entwickelt. Wir haben allerdings mit Rockstar Kontakt aufgenommen und halten euch auf dem Laufenden, wenn wir eine Antwort erhalten. Eine tolle Idee wäre das allemal.

Am Ende ist Red Dead Redemption 2 jedoch immer noch ein Videospiel, und Videospiele haben Bugs. Eventuell hat sich hier einfach ein Fehler eingeschlichen. Denn wenn es wirklich ein Moralsystem der NPC gäbe, hätte dann nicht schon viel früher irgendjemand ein solches Video gepostet? Schließlich spielten diesen Titel unzählige Fans. Ist das ganze am Ende also nur ein Glitch? Diese Option fänden wir ehrlich gesagt nicht halb so spannend wie tiefsitzende, innere Moralvorstellungen.

Was glaubt ihr steckt hinter dem aggressiven Streitschlichter?

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