Nier Replicant: Endlich bekommt eines der besten JRPGs eine zweite Chance

Nier bekommt mit Nier Replicant eine Neuauflage für PS4 und Xbox One. Wir erklären, was euch in Sachen Story und Gameplay im Nier Automata-Vorgänger erwartet.

von Linda Sprenger,
21.01.2021 10:00 Uhr

Nier Replicant ist eine Neuauflage des originalen Niers. Nier Replicant ist eine Neuauflage des originalen Niers.

Genre: Action-RPG Entwickler: Toylogic Plattform: PS4, Xbox One, & PC Release: 23. April 2021

Nier ist den meisten Spieler*innen erst dank des sehr erfolgreichen Nachfolgers Nier: Automata ein Begriff. Das Original kennen und schätzen bis heute aber nur einige wenige Fans skurriler JRPGs. Im Mainstream ging der Titel hingegen sang- und klanglos unter, und das nicht ohne Grund.

Das erste Nier erwies sich im Jahr 2010 bei den meisten Kritiker*innen nämlich eher als mittelprächtig. Schuld waren der (schon damals) detailarme, verwaschene und teils wirklich hässliche Look. Hinzu kamen Gameplay-Eigenarten, die das Spiel an vielen Stellen nur schwer zugänglich machen.

Tatsächlich aber steckt im allersten Nier ein in vielerlei Hinsicht besonderes Spiel: Denn das Action-RPG lebt weniger von seinem Gameplay und seiner Optik, sondern vielmehr von seiner komplexen, tieftraurigen Geschichte und den charmant-schrulligen Charakteren. Und wer das Action-RPG damals verpasst hat oder wer das Action-RPG schlicht noch einmal erleben möchte, der bekommt im April 2021 die Gelegenheit dazu: Mit Nier Replicant V. 1.22474487139. erwartet uns eine Neuauflage für PS4, Xbox One und den PC.

Was macht Nier so besonders?

Nier - Ankündigung für PS4 & Xbox One 1:14 Nier - Ankündigung für PS4 & Xbox One

Darum geht's: Im Jahr 2049 findet wir uns als junger Held Nier mit unserer kranken Schwester Yonah in einer zerstörten, verschneiten Stadt wieder und werden von bösartigen Kreaturen, den sogenannten Schatten, terrorisiert. Um seine Schwester zu beschützen, verkauft Nier seine Seele an ein magisches Buch namens Grimoire Weiss, das die Schatten bekämpfen kann. Einige Jahre nach dem Prolog machen wir uns auf die Suche nach einem Heilmittel und durchstreifen dabei eine karge Fantasy-Welt.

Die Prämisse der Geschichte klingt zunächst schwer nach "typisch JRPG", doch Nier ist mehr als das: Ganz genau wie beim gefeierten Nachfolger Automata entfaltet sich die Story des Spiels nämlich erst, wenn wir es in mehreren Durchläufen abschließen und jedes der insgesamt vier Enden (A, B, C und D) erleben. Jeder Durchlauf gewährt uns eine frische Perspektive auf die Story und kommt mit einer neuen, teils schockierenden Wendung daher.

Die Hauptcharaktere von links nach rechts: Emil, Nier und Kaine. Die Hauptcharaktere von links nach rechts: Emil, Nier und Kaine.

Die Faszination von Nier besteht also darin, sich die Geschichte mit dem neuen Run selbst zusammenzubauen. Bis wir letztendlich wissen, was es wirklich mit der zerstörten Welt, den Charakteren und ihren Beziehungen zueinander auf sich hat.

Nier Gestalt vs Replicant - Falls ihr euch fragt, was hinter den Namen "Gestalt" und "Replicant" steckt, hier die kurze Aufklärung: In Japan ist das Spiel in zwei verschiedenen Versionen erschienen. Nier Gestalt ist die auf den westlichen Markt zugeschnittene Xbox 360-Version, Nier Replicant die auf den japanischen Markt zugeschnittene PS3-Version. Außerhalb Japans wurde lediglich eine Version veröffentlicht, die auf Nier Gestalt basiert. Die Unterschiede belaufen sich auf das Alter des Hauptcharakters und seiner Beziehung zur Figur Yonah: In Gestalt spielen wir Yonahs Vater, in Replicant hingegen ihren Bruder.

So spielt sich Nier

Rein spielerisch erwartet uns wie in Nier Automata ein Mix aus Hack&Slay mit RPG-Elementen. Heißt: Wir prügeln in einem rasanten direkten Kampfsystem mit dem Schwert auf unsere Feinde ein und hauen sie mit verheerenden Kombos zu Klump. Einen guten ersten Eindruck davon vermittelt euch der Gameplay-Trailer:

Nier Replicant - Gameplay-Trailer zeigt, wie die Action verbessert wurde 1:04 Nier Replicant - Gameplay-Trailer zeigt, wie die Action verbessert wurde

RPG-Elemente: Im Laufe des Abenteuers finden oder kaufen wir unterschiedliche Waffen für unseren Recken, die seine Angriffskraft aber auch die Geschwindigkeit seiner Attacken beeinflussen: Ein Großschwert ist zwar wuchtiger aber auch langsamer, ein Kurzschwert schneller, aber eben weniger durchschlagskräftig.

Aufgelockert wird das Ganze durch Bullet-Hell-Passagen, die ihr womöglich schon aus Nier Automata kennt: Im Gameplay-Trailer sehen wir beispielsweise Bossgegner, die rote Kugeln auf uns feuern, denen wir springend ausweichen müssen. Diese rasanten Bullet-Hell-Reibereien sorgten im ersten Teil zwar für spielerische Abwechslung, steuerten sich teilweise aber auch etwas hakelig, was zu Frustmomenten führte. Ob sich das mit der Neuauflage ändert, wird sich natürlich erst zeigen, wenn wir sie selbst spielen.

Das sind die Neuerungen der Neuauflage

  • überarbeitete Optik
  • neue Charaktere
  • neu aufgenommene Songs aus dem Original-Soundtrack
  • komplett vertont mit neuen Sprachaufnahmen
  • der Soundtrack wird mit neuen Stücken erweitert
  • neue Enden könnten kommen, darüber wird noch entschieden

Für wen ist Nier Replicant interessant?

Somit dürfte sich Nier Replicant insbesondere für Fans blitzschneller Hack&Slays eigenen, die gleichzeitig ein Faible für tiefgründige und tieftraurige Geschichten haben.

Einen großen Wert auf die Optik dürft ihr bei Nier Replicant aber nicht legen: Zwar wurde die Grafik im Vergleich zum Original leicht verbessert, die Umgebungen wirken allerdings immer noch trist und detailarm. Doch wer sich davon nicht abschrecken lässt, der erlebt hier eine JRPG-Erfahrung, die er/sie so schnell nicht wieder vergessen wird.

GamePro-Einschätzung

Linda Sprenger
@lindalomaniac

Auf diese Neuauflage warte ich schon ewig: Ich habe das originale Nier damals gespielt und war von der Story und den Charakteren schlicht begeistert. Das Abenteuer jetzt in (leicht) verbesserter Optik, neu aufgelegtem Soundtrack und sicherlich mit einigen weiteren Überraschungen für Fans neu erleben? Ja, da bin ich sowas von dabei.

Schade ist, dass die optischen Sprünge den ersten Trailern nach zu urteilen nicht ganz so groß ausfallen, schlimm ist das aber nicht: Letztendlich passt die karge, leblose Welt sogar perfekt zur melancholischen Story. Zu guter Letzt ein Shoutout an den Soundtrack: Die von Emi Evans gesungenen Stücke sind allesamt wunderschön und gehören zu den musikalisch besten Tracks, die es in der Videospielwelt so gibt.

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