LCD-Displays sind eigentlich eine geniale Erfindung: Sie sind sehr günstig und bieten ein, im Verhältnis zur platzsparenden Bauweise, großes Bild. Seit jeher haben sie aber auch eine gewaltige Schwäche –Bewegungen wirken auf ihnen im Vergleich zu OLED- und CRT-Bildschirmen sehr unscharf. Verhindern lässt sich das lediglich mit einem cleveren Trick und den bringt Nvidia gerade auf das nächste Level.
Der steinige Weg zum scharfen LCD-Bild
Das ist das Problem: LCD-Bildschirme nutzen das sogenannte "Sample & Hold"-Verfahren. Dabei wird so lange ein Bild gehalten, bis ein neuer Frame ins Signal eingespeist wird. Da die Pixel des Displays nicht schnell genug auf die neuen Farbwerte umschalten, kommt es zu einem verwaschenen Eindruck bei sich bewegenden Bildschirmobjekten.
Ein besonders aggressives Beispiel für die aus der Sample & Hold-Methode entstehenden Schlieren ist das Nintendo Switch 2-Display. Unter anderem in Mario Kart World seht ihr den Effekt bei Drehungen der Kamera sehr gut:
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Auch Mario Kart World zieht sichtbare Schlieren auf dem Switch 2-Display
Um das Nachleuchten der Pixel zu verringern und die Schlierenbildung zu unterbinden, kann aber auch die Hintergrundbeleuchtung des Displays so geschaltet werden, dass lediglich ein Streifen von oben nach unten durchläuft.
Das nennt sich in der Praxis Backlight Strobing und wird von Nvidia folgendermaßen dargestellt:
Bisherige Backlight Strobing-Technologien haben jedoch einen gigantischen Nachteil: Sie sind bei Monitoren in der Regel lediglich mit festen, nicht aber mit variablen Frequenzen (VRR) kompatibel, da diese zu ungleichmäßig verteilten, schwarzen Zwischenbildern führen – und damit zu einem Übelkeit erregenden Stroboskop-Effekt.
VRR ist für die meisten Zocker*innen heutzutage allerdings kaum mehr wegzudenken, da es schwankende Framerates ausgleicht und nerviges Bildzerreißen (Tearing) vermeidet. Backlight Strobing gilt somit schon immer eher als ein netter Bonus, nicht aber als gesetztes Feature.
Nvidia Pulsar kombiniert jetzt endlich beide Techniken, die Bewegungsklarheit von Backlight Strobing kann also mit aktiviertem VRR ohne Nebenwirkungen auf einem LCD-Bildschirm genossen werden. Seit mehreren Jahren war die Technik bereits angekündigt, nun hat sie es aber endlich zur Marktreife geschafft, wie der GPU-Hersteller bestätigt.
So könnt ihr euch selbst von dem Strobing-Effekt überzeugen
Falls ihr Backlight Strobing an eurem PC austesten wollt, dann solltet ihr euch diese Demo der Display-Experten von Blur Busters anschauen. Achtet dabei zum Beispiel auf die Schrift auf dem Feuerhydranten im Vordergrund. Sie sollte in dem links platzierten Feld glasklar lesbar sein.
Zudem wird der Effekt von der kostenlosen App Shader Beam auf Software-Basis simuliert:
Link zum YouTube-Inhalt
Ihr braucht dafür allerdings einen Monitor mit hoher Bildfrequenz (120 Hertz und aufwärts für Spiele in 60 fps) und solltet eine zweite Grafikkarte im PC verbaut haben, auf der Shader Beam dann mit möglichst geringer Latenz läuft. Eine echte Alternative zu Pulsar ist das Programm daher nicht, aber ein interessantes Experiment.
Pulsar hat zum Launch ein Verfügbarkeitsproblem
Nvidia betrachtet Pulsar als neue Funktion von GSync, also dem hauseigenen VRR-Standard. Monitor-Hersteller müssen die Technik auf Hardware-Ebene unterstützen, sie kann also nicht von jedem Bildschirm genutzt werden.
Zum Launch gibt es gerade einmal vier Monitore mit Pulsar-Support:
- Acer Predator XB273U F5 (1440p, 360 Hertz)
- AOC AGON PRO AG276QSG2 (1440p, 360 Hertz)
- ASUS ROG Strix Pulsar XG27AQNGV
- MSI MPG 272QRF X36 (1440p, 360 Hertz)
Im Gegensatz zu den ersten GSync-Versuchen ist aber immerhin kein speziell von Nvidia gefertigtes Modul erforderlich, stattdessen wird die Pulsar-Technik in Display-Chips von MediaTek integriert. Die MediaTek-Bauteile werden von einem Großteil aller Monitor-Hersteller genutzt, die Integration ist bei Pulsar also ein geringeres Problem.
Abwärtskompatibel oder sogar frei nutzbar ist die Technologie aber eben nicht, ein neues Display muss für Pulsar also zwangsweise her. Auch wird sie nicht mit AMD-Grafikeinheiten kompatibel sein.
Zudem ist noch nicht ganz klar, wie gut Pulsar die dunklere Bildwahrnehmung, die durch das zum Teil abgeschaltete Backlight entsteht, kompensiert. Unsere Augen registrieren nämlich unterbewusst die schwarzen Bildbereiche.
Das könnte insbesondere bei niedrigen Framerates zu einem verfälschten Bild führen, kann aber auch mit angepassten Helligkeitseinstellungen, insbesondere unter HDR, umgegangen werden.
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