Das ursprünglich für die PlayStation 3 konzipierte The Last Guardian hat zum Release auf der PS4 viel Kritik für seine veraltete Technik geerntet. So sind beispielsweise die Texturen des Rätsel-Adventures niedrig aufgelöst, wodurch sie äußerst matschig wirken. Mangels Kantenglättung flimmern kleinteilige Objekte wie Bäume zudem unentwegt und auf der PS4 sowie der PS4 Pro kommt es ständig zu Rucklern.
Im Vergleich zu damals aktuellen Spielen wie Uncharted 4 und Horizon Zero Dawn zog The Last Guardian ganz klar den Kürzeren. Aber es gibt eine Sache an dem Spiel, die mich bis heute zutiefst beeindruckt: die sowohl optisch als auch spielerisch für mich unerreichte Darstellung der mystischen Vogelkreatur Trico.
Kein anderes Videospiel-Tier ist so detailliert gestaltet wie Trico
Falls ihr The Last Guardian nicht kennt, ein paar Worte zum Spiel selbst: Ihr übernehmt die Rolle eines namentlich nicht genannten Jungen, der neben einer mysteriösen Kreatur aufwacht. Sie schaut ihn mit glänzenden Katzenaugen an und fächert wild mit ihren gefiederten Flügeln umher.
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The Last Guardian - Neuer Trailer & Infos zur Spielzeit - Neuer Trailer & Infos zur Spielzeit
Und in diesem Moment hat mich das Spiel dann auch direkt gekriegt, denn Trico – so der Name, den der Junge dem Wesen gibt – wirkt von der ersten Sekunde an unheimlich glaubwürdig. Er strampelt aufgescheucht umher, weshalb sich einzelne Federn aus seinem Gefieder lösen. Sie flattern von ihm weg und sinken langsam zu Boden.
Die Federn sind auch das mit Abstand wichtigste Grafik-Feature: Jede einzelne von ihnen wird in Echtzeit animiert und reagiert auf die Bewegungen des Katzen-Vogel-Mischlings.
Team ICO beziehungsweise später GenDesign (der Name des Studios und Teile der Belegschaft wechselten während der Entwicklung) hat für das Gefieder auch ein cleveres System genutzt. Bei der Fin-Methode verhalten sich die Federkiele der Kreatur ähnlich wie Grashalme – kurze und starke Stöße lassen sie sofort wieder erstarren, während längere Windzüge die Federn kontinuierlich locker wehen lassen:
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Typisch für Haare (oder auch Federn) sind damals wie heute eher sogenannte "Karten", die Strähnen zu zweidimensionalen, beweglichen Texturen zusammenfassen. Allerdings wirken sie im Vergleich zu der Fin-Variante statischer und es kann auch zu Darstellungsfehlern kommen. An Trico werden die Kärtchen daher nur für kleine Haare an seinem Schnabel oder seinen buschigen Ohren verwendet.
So richtig genial wirken seine Federn dann bei der Interaktion mit Licht
Dass Tricos Federkleid so fluffig animiert ist, ist an sich schon verdammt cool. Noch atemberaubender wird es jedoch, wenn Sonnenlicht darauf scheint. Die Federn an seinem Körper werden dann nämlich leicht transparent und lassen das Licht hindurch.
Da die Entwickler*innen akribisch darauf geachtet haben, dass jede Feder, die nicht direktem Licht ausgesetzt ist, realistisch schattiert wird, entsteht eine kontrastreiche und damit unglaublich hübsche Silhouette um das Wesen herum.
Sie lässt Tricos Federn so richtig schön muckelig weich und warm erscheinen:
Dieses Maß an Perfektion, sowohl in Sachen Beweglichkeit und Beleuchtung der Federn, habe ich seither in keinem Spiel mehr gesehen. Dragon's Dogma 2 kam im letzten Jahr zwar sehr nah heran, da die Greifen im Spiel ein ähnliches System einsetzen, es wurde aber nicht jeder Aspekt der Fabelwesen auf diese Weise animiert. An ihren Schwingen bewegen sich große Teile beispielsweise nicht und sie sind auch nicht so lichtdurchlässig:
Die Grafik von Trico ist aber noch längst nicht alles, was das Federtier in Sachen Technik anstellt
Neben der tollen optischen Umsetzung ist es vor allem die physische Präsenz, die mich an dem Fantasiewesen fasziniert. Um Trico bei der Entwicklung zum "Leben" zu erwecken, wurde sein Körper beispielsweise in mehrere Partien aufgeteilt, die einzeln berechnet werden und einer eigenen Logik folgen.
Daher kann Trico unter anderem seinen fast schon schwanenhalsigen Kopf unabhängig vom Rest des Körpers in jede erdenkliche Richtung drehen. Zusätzlich ist es ihm möglich, seine ledrigen Gliedmaßen bündig auf Plattformen jedweder Höhe abstellen, wodurch sich sogar seine Rückenhaltung anatomisch nachvollziehbar verändert:
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Ein interessantes Detail im Video ist übrigens auch, dass sich Tricos Bauch beim Atmen ausdehnt und wieder zusammenzieht. Im Spiel ist das nicht so deutlich zu sehen, aber ebenfalls vorhanden. Fällt euch ein Spiel ein, bei dem ihr so etwas schon einmal gesehen habt? Mir nicht!
Berühmt wie berüchtigt ist Trico jedoch auch wegen seines Verhaltens: Er reagiert nämlich absolut widerborstig. Nach einiger Zeit kann der Junge Trico zwar rudimentäre Befehle, wie Richtungsangaben oder Sprünge erteilen, wie Trico diese Kommandos interpretiert, liegt aber ganz bei dem Fabelwesen.
Vor allem zu Beginn der gemeinsamen Reise kommt es zu allerhand Fehldeutungen, da die Bindung der beiden noch nicht gefestigt ist. Eine gewisse Frustresistenz ist also Voraussetzung, um The Last Guardian nicht irgendwann genervt abzubrechen.
Mir hat diese Widerspenstigkeit aber Trico sogar noch näher gebracht, da sie mich viel eher an meine eigenen Hauskatzen statt typischer Videospielmaunzer erinnerte. Sein realistisches Äußeres und seine wuchtige Darstellung tun dann ihr Übriges.
The Last Guardian ist für mich damit ein perfektes Beispiel dafür, wie einzigartig ein Spiel mit clever eingesetzter Technik sein kann, auch wenn es damit gegen viele Konventionen verstößt.
So könnt ihr The Last Guardian heutzutage spielen:
The Last Guardian ist in PlayStation Plus Extra enthalten, ihr könnt also ohne Probleme reinzocken. Auf der PS5 läuft der Titel in 30 fps bei 1890p via Checkerboard Rendering, er sieht also angenehm scharf auf. Zudem wird HDR unterstützt, wodurch die Beleuchtung noch einmal eine Spur intensiver wird.
60 fps gibt es aber lediglich mit einem Trick: Holt ihr euch die Disc-Version des Spiels (kostet etwa 10 Euro gebraucht) und blockt jegliche Patches, läuft The Last Guardian aufgrund eines Fehlers mit freigeschalteter Framerate, also weitgehend 60 fps auf der PS5.
Allerdings gibt es an drei Stellen Probleme mit Crashes. Diese Passagen müsst ihr zwangsweise in 30 fps auf dem aktuellen Patch erledigen, nur um dann per Neuinstallation wieder auf 60 fps zu wechseln. Version 1.00 unterstützt darüber hinaus kein HDR.
Habt ihr auch schöne Erinnerungen an Trico oder hat euch sein Freigeist vom Zocken abgehalten?
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