Kids der 90er werden sich noch gut daran erinnern: Damals haben wir stundenlang vor der PlayStation oder am Game Boy knackige Level gemeistert oder uns viel zu lang an einem absurden Rätsel die Zähne ausgebissen – mal eben am Handy einen Guide nachschlagen ging damals noch nicht.
Heute funktionieren Spiele da merklich anders. Und das beeinflussst auch, welche Bereiche des Hirns besonders junger Spieler*innen beim Zocken trainiert werden.
Spiele in den 90ern haben das Hirn anders trainiert
Die Psychologin und Therapeutin Veronica Lichtenstein hat kürzlich in einem Interview mit Newsweek darüber gesprochen, wie sich die Veränderungen in Videospielen in den letzten 30 Jahren darauf auswirken, wie sich die Gehirne von Kindern entwickeln und wie sie mit Herausforderungen und Belohnungen umgehen.
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Lichtenstein erklärt dabei, dass Spiele in den 90ern noch deutlich mehr darauf ausgelegt waren, langanhaltende Befriedigung auszulösen. Einen Titel zu beenden, habe sich damals noch wie "ein echter Sieg" angefühlt:
"Man hat sich durch die Level gekämpft, sich Muster eingeprägt und dann endlich das Ende gesehen. Das hat einem das Gefühl gegeben, wirklich etwas geschafft zu haben. Dein Gehirn hat dir eine ordentliche, langanhaltende Dosis Befriedigung gegeben, wie wenn man ein schwieriges Projekt beendet."
Ein wichtiger Punkt dabei sei auch, wie Spiele damals kritisches Denken gefordert und gefördert haben – da sich die Lösung für ein Problem nicht mal fix auf Google nachschauen ließ. Wir mussten uns stattdessen durch Lösungsbücher wühlen, Freund*innen um Hilfe bitten oder es einfach so lange versuchen, bis es endlich klappte.
Lichtenstein vergleicht das mit vielen modernen Spielen, die oft einer ganz anderen Formel folgen. Ein großer Punkt sind hier Mikrotransaktionen. Viele Systeme seien heutzutage darauf ausgelegt, "leichte Unannehmlichkeiten" auszulösen, um zum Ausgeben von Geld anzuregen. Gleichzeitig sollen Spieler*innen dazu bewegt werden, möglichst lange weiterzuzocken. Die Folge:
"All das erschafft einen perfekten Kreislauf für Sucht. Es gibt kein echtes "Ende", weshalb man nie das Gefühl bekommt, abschließen zu können. [...] 90er-Spiele sind eine Herausforderung, um Fähigkeiten aufzubauen. Heutzutage sind Spiele eher ein Test für psychologische Widerstandsfähigkeit."
Dieses "Fast-Food-Dopamin" trainiere Kinder effektiv darauf, dauernd neue Reize zu brauchen – anders als in den 90ern, wo Spiele das Streben nach langanhaltender Befriedigung gefördert haben.
Die klinische Sozialarbeiterin Melissa Gallagher fügt gegenüber Newsweek hinzu, dass Spiele damals besser darin gewesen seien, gesunde Grenzen zu stärken und Selbstvertrauen aufzubauen, statt Vergleiche mit Anderen und Konkurrenz in den Fokus zu stellen:
"Alles ist [heute] ein Spiel oder eine Aufgabe und sich in einer Rangliste einordnen zu müssen, gibt [Kindern] einen Minderwertigkeitskomplex. Das erzeugt Druck, erratisches Schlafverhalten und zu viel Lärm im Gehirn."
An dieser Stelle müssen wir natürlich anmerken, dass der Fokus bei den modernen Spielen hier offensichtlich stark auf Multiplayer-Titel gesetzt wird. So wie es damals mit Arcade-Spielen schon Systeme gab, die mehr auf Frust als Befriedigung ausgelegt waren, gibt es auch heutzutage Titel, die primär auf das Meistern von Fähigkeiten setzen, oder eine abgeschlossene Story ohne Mikrotransaktionen und Co. bieten.
Wie steht ihr dazu, wünscht ihr euch die Videospielerfahrung von "damals" zurück?
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