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Red Dead Online nimmt sich viel zu ernst, um wirklich Spaß zu machen

So wie Red Dead Redemption 2 kein Grand Theft Auto 5 ist, soll Red Dead Online auch kein GTA Online sein. Dabei würde dem Multiplayer-Modus etwas mehr Verrücktheit sehr gut zu Gesicht stehen, findet zumindest Hannes.

von Hannes Rossow,
09.09.2019 09:48 Uhr

Red Dead Redemption 2 ist immer dann am Besten, wenn es absurd wird. Red Dead Redemption 2 ist immer dann am Besten, wenn es absurd wird.

In der Zeit nach dem Release von Red Dead Redemption 2 habe ich mich sehr auf den Launch von Red Dead Online gefreut. Mit dem Hauptspiel hatte ich viel Spaß und in meinem Kopf hatte ich mir den dazugehörigen Multiplayer-Modus sehr unterhaltsam ausgemalt. Die Beta war dann aber eher ernüchternd und nach der anfänglichen Neugier ließ ich den Online-Part schnell wieder hinter mir.

Es gab zu wenige Aktivitäten, eine viel zu präsente Ingame-Wirtschaft, in der selbst die simpelsten Items vollkommen überteuert waren und überhaupt war alles einfach nur chaotisch. Anders als bei GTA 5 und GTA Online, die sich recht ähnlich spielen, kam das Spielgefühl von Red Dead Redemption 2 zu keiner Zeit auf. Die folgenden Updates zu Red Dead Online habe ich dann nur noch zur Kenntnis genommen.

Vom Zwang, ein einfacher Cowboy zu sein

Die aktuellste Neuerung sind nun also verschiedene Spezialrollen, die ähnlich wie Klassen funktionieren, und Spieler mit spezifischen Aktivitäten und Fortschrittsystemen versorgen sollen. Der Gedanke daran, in Red Dead Online als Händler oder Sammler unterwegs zu sein, könnte für mich aber kaum langweiliger klingen.

Aber Rockstar scheint den Rollenspiel-Faktor ausbauen zu wollen, in dem jeder Spieler eine Aufgaben hat und sich die Online-Erfahrung wie ein authentisches Wild-West-Erlebnis anfühlt.

Red Dead Online in a Nutshell from r/reddeadredemption

Aber Red Dead Online braucht meiner Meinung nach das komplette Gegenteil. Denn was ich tun möchte, und auch sehr viel getan habe, ist Blödsinn anzustellen. Und ich kann mir vorstellen, dass das vielen Spielern so geht, wenn ich mir die vielen Griefer, Trolle, Stuntmänner und Stuntfrauen anschaue, die sich auf den Servern tummeln.

Meine These lautet daher wie folgt: Der realistische Ansatz von RDR2 lässt sich grundsätzlich nicht auf Red Dead Online übertragen.

Wild West + Aliens + Geister

In Red Dead Redemption 2 ist die Spielwelt glaubwürdig genug, um eine fesselnde Story von Outlaws zu erzählen, die sich mit moralischen Konflikten herumschlagen und die voll in der melancholischen Atmosphäre des Spiels aufgehen und sich entfalten. Aus den gut erzählten NPCs werden im Online-Modus aber anonyme Spieler aus aller Welt, die sich eben nicht wie komplexe Charaktere des 19. Jahrhunderts aufführen sondern einfach nur wie Hooligans.

Daher mein Wunsch: Ein Abschied von den Versuchen, an der Seriosität des Hauptspiels festzuhalten und etwas mehr Mut auf dem Weg zu einem Wild-West-Spielplatz. Und das Gute hier ist ja, dass es all diese Elemente schon längst gibt. Denn Red Dead Redemption 2 ist vollgepackt mit Ideen und Ansätzen, die in Red Dead Online endlich richtig zur Geltung kommen könnten. Oder habt ihr den sprechenden Killerroboter vergessen? Oder den Geisterzug?

Schon seit der Ankündigung von Red Dead Redemption 2 wünschen sich Fans ein Comeback von Undead Nightmare, dem beliebten Horror-Add on vom ersten Red Dead Redemption. Was aber, wenn das kein DLC für den Singleplayer wird, sondern plötzlich Zombies durch die Online-Steppen schlurfen? Ohnehin gibt es keinen Mangel an Horror-Elementen in Read Dead, die Rockstar erneut aufgreifen könnte.

Red Dead 2
Wir brauchen einen Story-DLC mit Sadie als Heldin & Zombies

Wer sich richtig umschaut, kann mit Arthur Morgan auf den "leibhaftigen" Teufel treffen oder gar einem "echten" Werwolf treffen. Habe ich den blutsaugenden Vampir in Saint Denis schon erwähnt? Mit diesem Sinn für das Absurde könnte die Abwechslung in Red Dead Online jedenfalls nur profitieren. Und wenn die rückständige Technologie des 19. Jahrhunderts im Weg steht, gibt es ja noch immer die Aliens und ihr ganzes Sci-Fi-Zeug.

Ich hätte schon gern ein Roboter-Pferd mit Laseraugen.

Blödsinn zahlt sich immer aus

All dieses verrückte Zeug ist in der Welt von Red Dead Redemption 2 schon längst etabliert und Spieler sind fasziniert. Warum also nicht darauf aufbauen und der Community damit die Möglichkeit zu geben, auf den Putz zu hauen und kurzweiligen Spaß zu haben, der nicht darin besteht, eine Fleischerei aufzumachen. Und das könnte sich auch für Rockstar auszahlen, schließlich dürften auf diese Weise viele neue Spieler angezogen werden.

Ähnlich wie die GTA-Reihe erreicht Red Dead Redemption 2 immer dann am meisten Leute, wenn wieder mal irgendetwas sehr verrücktes passiert ist und ein kurzer Clip viral durchstartet. Unfälle, KI-Aussetzer und Physik-Spielereien bieten sich dafür bestens an - und die würden durch übernatürliche Elemente nur noch verstärkt.

Ein bessere Eigenwerbung kann es kaum geben.

Wer all das nicht möchte und wer wirklich einen Wild-West-Cowboy spielen will, der sich an alle Wild-West-Regel hält, der bekommt ja vielleicht einen RPG-Server von Rockstar gestellt, bei dem es all dieses bizarre Zeug nicht gibt. Dann wäre allen geholfen und ich könnte mein heißersehntes Red Dead Online-Comeback starten. Vielleicht stehe ich damit aber auch ganz allein, dann ignoriert mich einfach.


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