Rust, Sexismus & die Twitch-Community: Die aktuelle Situation erklärt

Ein Rust-Event vieler Twitch-Streamer*innen wird durch Sexismus überschattet. Die daraus entstandene Debatte ist vollends eskaliert.

von David Molke,
14.01.2021 15:40 Uhr

Rust sollte eigentlich schon 2020 für PS4 und Xbox One erscheinen, kommt aber wohl demnächst. Rust sollte eigentlich schon 2020 für PS4 und Xbox One erscheinen, kommt aber wohl demnächst.

Rund um Rust und Twitch entfaltet sich momentan ein extrem unangenehmes Geschehen. Aber eines nach dem anderen: Rust erlebt aktuell ein Revival. Die Aufmerksamkeit verdankt das Survival-MMO vor allem einem großen Twitch-Event vieler bekannter US-Streamer*innen. Etwas ähnliches wollten auch deutschsprachige Streamer*innen aufziehen, kurzerhand wurde also ein Server eröffnet und viele bekannte Gesichter eingeladen. Dabei kam es zu sexueller Belästigung und darauf folgte eine öffentliche Debatte, die mittlerweile völlig eskaliert ist.

Twitch-Event zu Rust eskaliert nach Sexismus-Skandal völlig: Darum geht's

Der Anfang: Eigentlich sollte nur der Erfolg des US-Events auf Deutsch wiederholt werden. Viele bekannte Leute streamen und spielen gemeinsam, theoretisch gewinnen alle. Mehr Zuschauer*innen, mehr Follower, mehr Abos, Einnahmen und so weiter. Aber in der Praxis hat ein verbaler sexistischer Übergriff letztlich dafür gesorgt, dass eigentlich alles den Bach runter ging.

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Das ist passiert: Der Twitch-Streamer Rumathra hat einen eigenen Rust-Server gestartet und viele andere Menschen eingeladen, ihre Follower mitzubringen und dabei zu sein. Direkt am ersten Tag des Events kam es dann zu dem Vorfall, dass der Streamer daanyy die Streamerin Tinkerleo verbal sexuell belästigt hat. Die Sache soll zwischen den Betroffenen geklärt worden sein, daanyy hat sich entschuldigt und Tinkerleo die Entschuldigung wohl akzeptiert.

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Die Debatte danach: Direkt im Anschluss und seitdem wird wie so oft diskutiert, ob das Ganze nicht einfach nur ein Scherz gewesen sei, aber auch, was generell im Bereich des Sagbaren liege und ob solche Aussagen (die wir hier nicht reproduzieren wollen) online nicht generell üblich beziehungsweise "Insider" wären. Selbstverständlich tauchen auch die üblichen Bemerkungen auf, die Betroffene solle sich nicht so anstellen und dergleichen mehr.

Diskussion verselbstständigt sich & eskaliert: Während sich einige bekannte Streamer*innen gegen Sexismus, Belästigung und Cyber-Mobbing einsetzen und positionieren, machen sich viele andere Menschen auf Twitter, Twitch und Co vor allem über die ganze Sache mit geschmacklosen Memes lustig, betreiben Victim-Blaming oder attackieren selbst ebenfalls andere Leute auf übelste Art und Weise.

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Auf der einen Seite tut sich zum Beispiel HandofBlood hervor, der selbst zwar gar nicht am eigentlichen Event dabei war, sich aber öffentlich gegen Sexismus ausspricht und deswegen seitdem extrem hart angegangen, belästigt und bedroht wird. Auf der anderen Seite fällt beispielsweise der kontroverse Streamer MontanaBlack wieder einmal negativ auf, weil er sich offenbar über die ganze Angelegenheit lustig machen will, indem er die sexistischen Ausfälle einfach wiederholt.

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Nazi-Trolle & Polizei werden eingeschaltet: Mittlerweile ist das alles so krass eskaliert, dass HandofBlood aufgrund seiner Zivilcourage von einem rechten Troll-Netzwerk bedroht und belästigt wird, die sämtliche Register ziehen. Das bedeutet unter anderem, dass von seiner Telefonnummer aus andere Streamer*innen angerufen und bedroht werden. Adressen werden genutzt, um massenhaft Lieferdienst-Bestellungen zu tätigen und so weiter. Bei Tinkerleo läuft genau dasselbe ab:

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Selbstverständlich wurde deswegen schon die Polizei informiert und HandofBlood sowie andere greifen zu den in diesen Fällen üblichen Maßnahmen. Das heißt zum Beispiel, dass massenhaft Accounts geblockt oder Strafanzeigen gestellt werden und dergleichen mehr. Hier gibt es einige Infos dazu und Stellen, an die ihr euch wenden könnt, falls ihr zum Ziel solcher krimineller Aktivitäten werdet:

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Wo stehen wir jetzt? Aktuell bleibt der Rust-Server vorerst offline. Laut Rumathra geht es damit entweder Freitag oder Samstag wieder weiter. Zwischenzeitlich hieß es, alle würden gebannt, die sich scheiße verhalten und die Community um Mithilfe gebeten. Aktuell würden Meetings zum Server, dem Skandal und dem Regelwerk abgehalten, um zu klären, wie er zurückkehren kann.

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Das könnt ihr tun: Lasst euch nicht einschüchtern und setzt euch gegen Belästigungen aller Art ein, macht den Mund auf, egal ob on- oder offline und egal ob es um rassistische Beleidigungen oder sexistische Kommentare geht. Zumindest dann, wenn ihr euch sicher fühlt und genug Energie habt, euch damit auseinanderzusetzen.

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Wie wir dazu stehen

Die GamePro-Redaktion setzt sich für einen respektvollen und wertschätzenden Umgang in der Gaming-Community ein und lehnt jede Form von Belästigung sowie Drohgebärden grundsätzlich ab. Wir zeigen uns solidarisch mit den Betroffenen und tolerieren keinen Humor, der darauf basiert, Menschen zu erniedrigen. Das gilt in diesem Fall für Sexismus und sexuelle Belästigung, aber auch für alle andere Arten von Diskriminierung.

Mehr dazu findet ihr in unserem Statement für Toleranz und Vielfältigkeit, sowie der "Hier spielt Vielfalt"-Initiative des game-Verbands, dem auch die Gamepro angehört.

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