So spielen die Pros - Ein Einblick in die kompetitive Szene von Pokémon

Gastautorin Janna gibt euch einen Einblick in die kompetitive Szene der Pokémon-Spiele und verrät, mit welchen Taktiken die Pros an Turnieren und Weltmeisterschaften teilnehmen.

von Janna Tillmann,
23.02.2018 18:00 Uhr

Ash will der Allerbeste sein - aber weiß er auch, was Evs sind?Ash will der Allerbeste sein - aber weiß er auch, was Evs sind?

Pokémon-Spiele machen Spaß, ganz egal, wie ihr sie spielt und aus welchen Gründen ihr euer Team zusammenstellt. Wenn allerdings die Liga hinter euch liegt und das Spiel nichts mehr zu erzählen hat, gibt es noch einen großen Bereich zu entdecken, der ganz anderes von euch fordert: Die kompetitive Szene.

Hier kämpft ihr mit euren Pokémon nicht gegen die NPCs der Spiele oder Freunde, sondern gegen Trainer aus dem ganzen Land oder sogar der ganzen (realen) Welt. Es gibt verschiedene Turniere und sogar eine Weltmeisterschaft, in der ihr eure Stärke gegeneinander messen könnt, um herauszufinden, wer wirklich der beste Trainer ist.

So beginnt der Weg zum Pokémon-Pro


Bevor ihr euch aber auf solche Turniere wagt, gilt es erst einmal ein optimales Team zusammen zu stellen. Die passenden Pokémon hierfür solltet ihr natürlich nicht einfach nach eurem persönlichen Gefallen auswählen. Stattdessen gibt es eine ganze Reihe von Kriterien, die ihr im Auge behalten solltet.

Für den Anfang ist es sinnvoll, sich mit den Typen auseinanderzusetzen. Euer Pokémon-Team sollte so aufgebaut sein, dass ihr mit jedem der 18 Typen einigermaßen zurecht kommt. Nehmt euch also kein Beispiel an Arenaleitern und ihrer Neigung, immer den gleichen Typ einzusetzen. Um eine gute Auswahl an passenden Pokémon zu finden, lohnt sich ein Blick in die aktuellen Ligen. So könnt ihr herausfinden, welche Pokémon, Attacken und Strategien aktuell beliebt sind und was davon ihr selbst nutzen könntet oder kontern müsstet.

Seid nicht wie Rocko, seid ein Pro! Seid nicht wie Rocko, seid ein Pro!

Habt ihr euch für eure sechs Pokémon entschieden, beginnt das Training aber noch nicht, sondern erst einmal die Zucht. Die wichtigen Stichworte dafür sind Ei-Bonus-Attacken und Vererbung von Attacken, das Wesen und die Individual Values, IVs. Das kann bedeuten, dass schon die Auswahl der Eltern oder sogar früherer Generationen wichtig für das gewünschte Baby ist.

Die gewünschten Werte hängen außerdem davon ab, was ihr mit dem jeweiligen Pokémon vorhabt. Soll es mehr Richtung Verteidigung oder Angriff gehen, braucht es Geschwindigkeit oder einfach nur extrem viele KP? Die Antworten sagen euch, welche IVs besonders im Fokus stehen sollten und ebenso, welches Wesen für das Pokémon am besten passt, denn auch dadurch kassiert euer Schützling noch mal einen 10%-igen Bonus auf den Statuswert eurer Wahl - verliert aber auch bei einem anderen Wert.

Von der Zucht geht es ins Training


Die Zucht kann Nerven kosten, denn das Ausbrüten frisst Zeit und mit ein bisschen Pech braucht ihr viele Versuche, bis ihr das perfekte Baby bekommt. Aber irgendwann ist es geschafft und ihr habt eure sechs Wunsch-Pokémon beisammen. Als nächster Schritt folgt die Aufzucht, bei EVs eure wichtigsten Verbündeten sind. Diese Effort Values sind ein zusätzlicher Boost auf die einzelnen Statuswerte, die ihr beim Gewinn gegen einen Gegner bekommt. Jedes Pokémon gibt euch eine bestimmte Anzahl von Punkten auf einen oder mehrere Werte. Durch gezieltes Kämpfen gegen bestimmte Pokémon könnt ihr so genau die Werte zusätzlich steigern, die für euch am wichtigsten sind.

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Eine weitere Frage ist die nach dem notwendigen Level. Je nach Turnier gibt es andere Anforderungen, auf welchem Level die Pokémon gegeneinander kämpfen werden, typisch sind 30, 50 und 100. Wenn notwendig kann das Level eurer Pokémon entsprechend angepasst werden. Daher ist es besonders sinnvoll, euer EV-Training vorauszuplanen, um auch für solche Meilensteine in etwa die Werte eurer Pokémon zu kennen und für das jeweilige Level möglichst gute Statuswerte zu besitzen.

Der große Turnierausrichter


Wenn euer Team zusammengestellt ist und ihr endlich in den Kampf ziehen wollt, habt ihr zwei große Ausrichter, zwischen denen ihr euch entscheiden könnt: auf der einen Seite die VGC, die Videogame Championship Series und auf der anderen Seite die Smogon-Community, die ebenfalls eigene Turniere ausrichtet.

Die VGC ist von The Pokémon Company offiziell unterstützt und daher die bekannteste Anlaufstelle für Turniere. Es gibt die ganze Saison über Turniere, an denen jeder teilnehmen kann. Dazu kommt einmal jährlich der Pokémon World Championship, zu dem ihr nur zugelassen werdet, wenn ihr bis dahin auf anderen Turnieren genug Championship Points gesammelt habt, um zur Teilnahme zugelassen zu werden.

Die Turniere der VGC sind für jeden zugänglich. Für den ?Pokémon World Championship braucht ihr aber genügend Championship-Punkte.Die Turniere der VGC sind für jeden zugänglich. Für den ?Pokémon World Championship braucht ihr aber genügend Championship-Punkte.

Turniere der VGC werden immer nur mit den Pokémon gespielt, die in der aktuellen Edition vorhanden sind, aktuell also in Sonne und Mond. Zusätzlich sind Pokémon von Promotion-Events zugelassen. Das Level aller Pokémon muss 50 sein, allerdings kann hier eine automatische Anpassung erfolgen. Ihr müsst euer Team selbst im Spiel zusammengestellt haben und diese dürfen nur auf legalem Weg erhalten worden sein.

Ihr spielt mit eurem eigenen Handheld und nutzt das ganz normale Setup für Kämpfe, das die Pokémon-Spiele mit sich bringen. Alle zusätzlichen Regeln werden im Vorfeld des Turniers festgelegt und müssen natürlich eingehalten werden. Das System selbst prüft das aber nicht. Die prominenteste Eigenheit der VGC-Turniere ist aber noch etwas anderes: Ihr tragt nur Doppelduelle aus und dürft von euren sechs Pokémon nur vier aktive für jeden Kampf auswählen, die anderen zwei dürfen nicht eingewechselt werden.

Die VGC-Turniere finden weltweit statt, es gibt regionale, genauso aber landesweite und kontinentale Turniere, an denen ihr teilnehmen könnt. Diese Turniere erfordern meist eure tatsächliche Anwesenheit, ihr müsst also zum Austragungsort reisen. Es gibt aber auch Turniere, die online ausgetragen werden und daher von überall aus mitgespielt werden können.

Der Community-Ausrichter

Die Smogon-Community richtet ebenfalls Turniere aus, geht dabei aber ein bisschen anders vor. Das beginnt damit, dass die Turniere großteilig mithilfe eines eigenen Kampfsimulators ausgetragen werden. Das bedeutet, dass ihr euer Team virtuell zusammenstellt und euch entsprechend nicht mit der Aufzucht auseinandersetzen müsst. Stattdessen geht der Simulator davon aus, dass sowieso alle mit perfekten Pokémon (also vollen IVs und sinnvollem Aufleveln mit EVs) antreten.

Für jedes Match gibt es erst einmal ein Regelset, das immer greift und beispielsweise bestimmte Attacken von vornherein ausschließt, um den Kampf in einem sinnvollen Rahmen zu halten. Das betrifft beispielsweise Attacken, die das Ausweichen erleichtern. Wären diese Attacken erlaubt, würden Kämpfe schnell zur reinen Glückssache verkommen, wer eben gerade einmal einen Treffer kassiert.

Geschichten aus der kompetitiven Szene
- Nicht schön, aber wertvoll: Sleimok ist durch seine (gestalterisch eher eigenwillige) Alola-Form mit einem Mal beliebt in der kompetitiven Szene. Das liegt auch daran, dass er als Gift-Typ wunderbar mit den allgegenwärtigen Feen umgehen kann und dazu mit dem Unlicht-Typ die Schwäche gegen Psycho-Pokémon verloren hat.
- Relaxo ist seit 2017 groß im Kommen und das ist einem Deutschen zu verdanken: Markus Stadter hat damit in Leipzig das Regional Championship-Turnier ohne eine einzige Niederlage für sich entschieden. Seitdem steigt das Interesse an dem Langschläfer.
- Pachirisu sieht eigentlich nicht wie ein Pokémon aus, das wirklich viel leistet. Aber das kleine Ding ist trotz seines zierlichen Aussehens ein richtig guter Tank. Deshalb hat es Se Jun Park 2014 zum Gewinn der Pokémon World Championships verholfen.
- Fiaro ist ein tragischer Held der Szene. 2014 war es eines der beliebtesten Pokémon und hat sogar eigene Memes und einen Subreddit bekommen. Doch die siebte Generation hat Fiaros Fähigkeiten so generft, dass es praktisch nutzlos geworden ist. Und dem Schaden folgte natürlich einiger Spott für das mit einem Mal gar nicht mehr beliebte Pokémon.

Neben diesen Grundregeln gibt es weitere Einschränkungen, die jeweils für den Rang hinzukommen, auf dem gekämpft wird. Diese werden von der Community durch Auswertung der Kämpfe der letzten Saison gebildet und definieren, welche Pokémon oft bis nie in einem Kampf eingesetzt werden. Das erlaubt es, auch einmal ein Team aus vermeintlich schwachen Pokémon auszuprobieren und gegen einen Gegner zu kämpfen, der dagegen eben nicht mit einem Team antritt, das gerade die letzte Meisterschaft gewonnen hat.

Die kompetitive Szene steht grundsätzlich jedem offen. Wenn ihr also schon immer eine neue Herausforderung in der Welt von Pokémon gesucht habt und eure Pokémon sowieso gegen jedes Team eurer Freunde gewinnen, wird es vielleicht Zeit, den nächsten Schritt zu wagen. Es ist in jedem Fall eine gute Möglichkeit, dem Gameplay der Spiele weit mehr Tiefe zu verleihen.

Dieser Artikel ist Teil unserer Pokémon-Themenwoche. Alle weiteren Texte findet ihr hier.


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