Lost Words: Beyond the Page verarbeitet Trauer und Verlust in einem fantastischen Setting

Das 2D-Plattformer-Adventure erweckt das Tagebuch eines Mädchens zum Leben, während wir ihr mit ihren Sorgen helfen und selbst zu Schriftsteller*innen werden.

von Nele Wobker,
01.04.2022 11:00 Uhr

Lost Words: Beyond the Page erzählt eine rührende Geschichte mit Feingefühl. Lost Words: Beyond the Page erzählt eine rührende Geschichte mit Feingefühl.

Genre: Plattformer-Adventure Entwickler: Sketchbook Games Plattform: Stadia, Nintendo Switch, PlayStation 4, Xbox One, PC Release: 06. April 2021 Mental-Health-Thematik: Tod, Trauer, Depression

Lost Words: Beyond the Page handelt von Izzy, die Tagebuch führt und selbst eine Schriftstellerin werden möchte. Aus Sicht ihrer Oma, der das Mädchen sehr nahe steht, ist Izzy dies bereits, denn eine Autorin ist eine Person, die schreibt - und das tut ihre Enkelin. Dieser Aspekt des Spiels dürfte vielen Schreibenden besonders ans Herz gehen.

Die Vermittlung von Inhalten über Bücher und die von der Hauptfigur gesprochenen Sätze, welche in der Spielwelt mitgeschrieben werden und im Bild auftauchen, sind es, was Lost Words auszeichnen. Stilistisch lässt das etwa an What Remains of Edith Finch denken, während Optik und Spielmechaniken an Ori and the Blind Forrest erinnern.

Contentwarnung: Die Artikel der Mental-Health-Woche befassen sich mit verschiedenen Aspekten mentaler Gesundheit und beinhalten mitunter auch Beispiele negativer Emotionen und ungesunder Verhaltensweisen, die bei manchen Menschen negative Reaktionen auslösen können. Bitte seid vorsichtig bei Texten, die potenziell triggernde Themen für euch enthalten.

Wichtiger Hinweis: Falls ihr selbst Depressionen oder selbstzerstörerische Gedanken habt: Ihr seid nicht allein. Holt euch bitte Hilfe. Zum Beispiel bei der Deutschen Depressionshilfe unter 0800/33 44 533 oder bei kostenlosen Beratungsstellen.

Darum geht es in Lost Words

Lost Words: Beyond the Page - Trailer zum Plattformer-Abenteuer 1:49 Lost Words: Beyond the Page - Trailer zum Plattformer-Abenteuer

Im Spiel bewegen wir uns in zwei Welten: Izzys realer Alltag wird über ihre Tagebuchseiten vermittelt. Dort erzählt das Mädchen viel von ihrer Oma und ihren gemeinsamen Erlebnissen, bis die alte Dame einen Schlaganfall erleidet. In diesen Passagen gibt es einfache Rätsel, bei denen wir einzelne Wortschnipsel über das Papier schieben und zuordnen sowie andere schön animierte, simple Tagebuchinteraktionen. Eine gezeichnete Miniaturausgabe der Protagonistin muss dabei in Jump’n’Run-Manier über die Sätze hüpfen und für uns umblättern.

Der andere Teil von Lost Words spielt in Izzys ausgedachter Welt Estoria. Hier steuern wir eine Heldin, deren Namen, Aussehen und Interessen wir aus je drei Optionen wählen können und die dann im weiteren Verlauf der Story berücksichtigt werden, jedoch nichts am Ausgang verändern. Diese Heldin ist die neue Hüterin ihres Dorfes, nachdem die Dorfälteste diese Aufgabe an sie weiterreicht.

Estoria existiert nur in Izzys Gedanken. Dort steuern wir eine fiktive Figur. Estoria existiert nur in Izzys Gedanken. Dort steuern wir eine fiktive Figur.

Was der Heldin in Estoria widerfährt, spiegelt den emotionalen Zustand von Izzy wider: Zu Beginn ist die Welt Estoria sehr harmonisch (wie auch Izzys echtes Leben). Doch dann wird ihr Dorf von einem Drachen angegriffen und die fiktionale Welt gerät ins Wanken - zum gleichen Zeitpunkt als Izzys Oma ins Krankenhaus muss. Während es dieser in der realen Welt immer schlechter geht und sich Izzy zudem noch mit ihrer Mutter streitet, muss sich auch die Protagonistin von Estoria durch eine düstere Flammenwelt kämpfen und andere Bedrohungen meistern.

Wie geht das Spiel mit der Mental-Health-Thematik um?

Das Spiel ist mechanisch sehr leicht und geht stets positiv mit dem Thema Verlust um. Es ist empathisch, lebensbejahend und beschreibt die verschiedenen Phasen der Trauer anhand von Izzy und ihren Eltern. Izzys Verarbeitung über ihr Tagebuch und die Ausflüge nach Estoria geschehen feinfühlig und verständlich.

Izzy lernt, dass sie sich ihren Gefühlen stellen muss, um nicht weiter von ihnen verfolgt zu werden. Izzy lernt, dass sie sich ihren Gefühlen stellen muss, um nicht weiter von ihnen verfolgt zu werden.

Einige der Realweltszenen sind aber auch sehr bedrückend und lassen uns mitfühlen. Diese sind jedoch meist eher kurz gehalten, weil sich Izzy danach schnell in ihre fiktionale Geschichte flüchtet. Wobei “Flucht” eigentlich das falsche Wort ist, denn Estoria hilft ihr aktiv bei der Aufarbeitung ihrer Gefühle.

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Für wen ist dieses Spiel geeignet?

Wer die recht bunte Gestaltung mag und sich selbst auf irgendeine Art mit dem Verlust eines geliebten Menschen beschäftigt, könnte Trost in Lost Words finden. Aber auch alle, die einfach nur eine wunderschöne Geschichte erleben wollen, werden Gefallen an Lost Words finden. Durch die warme, liebevolle Inszenierung ist es außerdem auch für jüngere Spieler*innen geeignet. Das Spiel ist mit einer Spielzeit von fünf Stunden angenehm kurz. Leider ist es, trotz seiner kindgerechten Ausrichtung, nur in englischer Sprachausgabe (mit deutschem Text und Untertiteln) verfügbar.

Pro
  • Empathische Geschichte
  • Gut zur Trauerbewältigung
  • Zugängliches, simples Gameplay
  • Schöne Gestaltung
Contra
  • Nur englische Sprachausgabe

Fazit der Redaktion

Nele Wobker
@ElenRekbow

Bei diesem Spiel war ich zunächst etwas abgeschreckt, weil es auf den ersten Blick ein wenig wie ein Kinderspiel aussieht. In nur einer Nacht habe ich es dann aber durchgespielt und war dabei ständig am Dahinschmelzen. Nicht nur Izzys Geschichte an sich ließ mich mitfühlen und die ein oder andere Träne vergießen, auch das, was über das Leben als Autorin gesagt wird, berührte mich, weil es einfach so wahr ist.

Ich höre immer wieder Schreiber*innen über sich selbst Dinge wie “angehende*r Autor*in” sagen, was ich in den meisten Fällen für falsch halte, denn was Izzys Oma zu sagen pflegt stimmt: Sobald man Texte verfasst, ist man ein*e Autor*in. Auch auf Izzy trifft dies zu. Je besser ich das Mädchen und ihre großartige Oma kennenlernte und feststellte, wie viele ähnliche Interessen wir teilen (Meeresbiologie, Wikinger*innen, Umweltschutz, Schreiben), desto mehr mochte ich auch Lost Words. Ich habe den Ausflug nach Estoria sehr genossen.

Eine wichtige Bitte: Da es sich bei unseren Artikeln aus der Mental Health-Woche um sensible Themen handelt, die uns beim Schreiben teilweise viel abverlangt haben, bitten wir euch an dieser Stelle ganz besonders um eine freundliche und verständnisvolle Kommentarkultur. Vielen Dank und viel Spaß beim Lesen!

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