The Elder Scrolls Online - Mein Noob-Tagebuch: Nacktkatzen im Charakter-Editor

In ihrer Kolumnenreihe berichtet Ann-Kathrin jede Woche von ihren Erlebnissen in Elsweyr - oder davon, wie sie drei Stunden lang in der Charakterauswahl feststeckte.

von Ann-Kathrin Kuhls,
17.04.2020 17:30 Uhr

Wie gut verstehen sich Katzen und Drachen? Wie gut verstehen sich Katzen und Drachen?

Altuell bin ich wahrscheinlich nicht die einzige, die ein mulmiges Gefühl hat, wenn sie ihre Wohnung verlässt. Deswegen habe ich mich dazu entschlossen, meine Spaziergänge in die Welt von The Elder Scrolls Online zu verlagern. Das Problem? Ich habe seit 2005 kein MMO mehr gespielt, schon gar nicht eins, in dem man sich in Echtzeit bewegt (dazu komme ich später).

Deswegen habe ich mir überlegt, meine Erfahrungen mit euch zu teilen. Nicht nur, um vielleicht Nicht-MMO-Spielern zu zeigen, was einen in so einem Spiel erwartet. Sondern auch in der Hoffnung, dass auch ein paar ESO-Veteranen meine Kolumne lesen und mir beim Spielen mit guten Ratschlägen unter die Arme greifen.

Über die Kolumnenreihe
In ihrer Kolumne schreibt Ann-Kathrin jede Woche über ihre Erlebnisse als Noob in The Elder Scrolls Online. Das hier ist der erste Text der Reihe, im zweiten Text widmet sie sich allem - außer der Hauptquest , im dritten merkt sie, dass ihr Singleplayer-Grummeltum vielleicht bald enden könnte und im vierten muss sie zugeben, dass sie ein riesiger Feigling ist.

Denn, und das muss ich einfach zugeben: Meine letzte MMO-Erfahrung ist schon einige Jahre her. 15, um genau zu sein. Damals habe ich aber nicht, wie viele jetzt vielleicht denken, World of Warcraft gezockt. Das kostete ja Geld! Nein, ich habe stattdessen zusammen mit meinem Papa ein MMO namens freewar gespielt, das ganz umsonst war, aber auch ein bisschen anders als das "typische" MMO, denn es sah so aus:

Wenn ich den Screenshot so sehe, könnte ich direkt wieder anfangen. Wenn ich den Screenshot so sehe, könnte ich direkt wieder anfangen.

Simpel aber wundervoll

Mit dem Koordinatenfeld auf der rechten Seite könnt ihr euch immer ein Feld bewegen, am unteren Bildschirm findet ihr den Chat und direkt im Zentrum eine kurze Beschreibung des Feldes, auf dem ihr euch gerade befindet inklusive möglicher Feinde.

Freewar ist die technisch wahrscheinlich unaufwendigste Version eines MMO und ich habe es geliebt. So sehr, dass meine Mama regelmäßig das Passwort unseres Familien-PCs umstellte, um meine Spielzeit einzugrenzen.

Ich hatte einen wundervollen Clan (die Raben) einen Namen, wie er nur vom unschuldigen Geist einer Teenagerin erdacht werden konnte (Nudel, wie mein Pferd) und wirklich, wirklich viel Spaß. Als die Schule mich irgendwann zwang, meine Aufmerksamkeit auf Abschlussprüfungen zu verlagern musste ich aufhören und habe seitdem kein MMO mehr angefasst.

Zum einen, weil ich ein bisschen Sorge hatte, wieder komplett zu versumpfen. Zum anderen, weil ich mittlerweile ein Singleplayer-Griesgram geworden bin und beim Zocken nicht mit anderen reden will.

Die Geschichten in Spielen erlebe ich am liebsten allein. Die Geschichten in Spielen erlebe ich am liebsten allein.

Und dann kam ESO. Als erwiesener Singleplayer-Griesgram hat mich Skyrim damals stundenlang beschäftigt, und jetzt kommt es quasi wieder! Aber nicht als vierhundertste Deluxe-Remaster-Edition auf meiner Mikrowelle, sondern mit richtig neuen Inhalten. Das einzige Problem war jedoch, dass es innerhalb eines Online-Rollenspiels versteckt ist, vor dem ich schlichtweg Respekt habe, weil es so riesig und umfangreich ist.

Aber letzte Woche war es plötzlich kostenlos.

Und wie ihr weiter oben vielleicht schon gemerkt habt, stürze ich mich wie ein Habicht auf Dinge, die ich gratis spielen kann, warum also nicht einmal ausprobieren?

Auf nach Tamriel!

Ich gehe absichtlich unvorbereitet an die ganze Sache ran. Statt ellellanger DPS-Analysen möchte ich lieber mit euch darüber sprechen, wie drollig Bankierskatze mit ihrem kleinen Hut aussieht. Oder wie ich die ersten Spielstunden komplett im Charaktereditor verbrachte, weil ich mich einfach nicht entscheiden kann.

Ich habe nachgeschaut: Sein Name ist Ezabi und er ist tatsächlich Bankier. Ich habe nachgeschaut: Sein Name ist Ezabi und er ist tatsächlich Bankier.

Eigentlich fing mein Abenteuer in Elder Scrolls Online ganz zielgerichtet an. Ich hatte mich von Anfang an heimisch gefühlt, weil meine Geschichte in Tamriel wieder einmal mit einer Kutschfahrt beginnt, die rüde von einem Drachenangriff unterbrochen wird. Dann ging es an die Charakterauswahl.

Mit der Wahl meines Charakters und dessen Profession habe ich so lange kein Problem, wie ich Klassen rein nach ihren Attributen auswählen kann. Dann schnappe ich mir in der Regel Allrounder mit einem Hang zur Magie: In der einen Hand ein Kurzschwert, in der anderen einen Feuerball. Sobald jedoch Hintergrundgeschichte hinzu kommt, bin ich aufgeschmissen.

Moralische Fallstricke

Und in ESO gibt es nicht nur drei Bündnisse, zwischen denen ich wählen muss, sondern auch noch Klassen und Rassen, die alle ihre eigene Geschichte und Moral haben. Das hat mich schon in Mass Effect fertig gemacht, als ich ewig versucht habe, mich für eine Hintergrundgeschichte zu entscheiden. Und dieses Mal geht es ja nicht nur um mich, sondern auch die anderen, mit denen sich mein Bündnis zusammengeschlossen hat. Für mich wird damit eine spielmechanische zu einer ideellen Entscheidung.

Und ja, das klingt vielleicht übertrieben, und vielleicht sollte ich rein nach den spielerischen Vorzügen gehen. Aber was ist denn, wenn ich mir den für meinen Spielstil passenden Charakter heraussuche, sich aber dann herausstellt, dass seine Rasse nur aus richtig unsympathischen Sackgesichtern besteht, die niemand im ganzen Land mag? Mich beschäftigt sowas.

Wer seine Nase stetig hoch trägt, hat später am Hals weniger Falten. Wer seine Nase stetig hoch trägt, hat später am Hals weniger Falten.

Eigentlich wäre ich für die Aldmeri Dominion. Aber für schleichende Khajit bin ich zu ungeduldig, die Waldelfen haben mir zu wenig Magie und die Hochelfen zu viel. Außerdem kamen die Hochelfen in Skyrim immer ein bisschen arrogant rüber und einen Schnösel will ich auch nicht spielen. Orks finde ich mit ihren winzigen Stoßzähnchen richtig niedlich, aber ich will nicht nur auf physische Angriffe setzen, das gleiche gilt für die Nord (die Angriffe, nicht die Zähnchen).

Agonier sind wegen ihrer Heilkräfte spannend, aber die haben so gar keinen Gesichtsausdruck, das macht mich irgendwie nervös. Die Dunkelelfen klingen gemessen an ihren Perks nach dem perfekten Volk für mich, aber der Ebenherz-Pakt ist von Selbstsucht und Machthunger geprägt, was genau nach den Sackgesichtern klingt, die ich eigentlich vermeiden wollte.

Mittlerweile wurde ich übrigens automatisch ausgeloggt.

Moral versus passive Skills

Wie entscheidet ihr euch bei sowas? Ich hab mal bei meinen Kollegen von mein-mmo nachgeschaut, die einen ganzen Haufen ESO-Guides angesammelt haben, aber auch da wird meistens nach den Perks und passiven Fähigkeiten aussortiert.

Als hätten sie meine Meckereien gehört, hat mein-mmo übrigens mittlerweile ein Quiz online, dass meiner Persönlichkeit eine Rasse zuordnet.

Mein Blick fällt auf die kleine, digitale Kerze im Auswahlmenü, die eigentlich schon lange abgebrannt sein müsste. Vielleicht ist es ja doch nicht so wild? Irgendwann muss ich ja auch anfangen zu spielen, sonst passiert ja gar nichts in meiner Kolumne (oder meinem Tamriel-Abenteuer).

Während ich Wikis zu den einzelnen Völkern wälze, schmeißt mich das Spiel zum wiederholten Male raus. Wahrscheinlich hat auch ESO mittlerweile die Nase voll von meiner Unentschlossenheit.

Haben Khajit Zitzen wie Katzen? Oder sind sie die coolere anthropomorphe Version von Cats? Haben Khajit Zitzen wie Katzen? Oder sind sie die coolere anthropomorphe Version von Cats?

In der Hoffnung, dass ich mir vielleicht die Optik der einzelnen Völker hilft, klicke ich mich durch die Optionen und bleibe bei den Khajit hängen. Genauer, in der "Nackt-Vorschau", die eine Extra-Option ist und die anthropomorphe Katze im Bikini zeigt. Das verwirrt mich. Müsste eine Khajit nicht eigentlich vier Bikinis tragen, weil sie wie Katzen auch vier paar Zitzen hat?

Mitten in meinen Überlegungen, ob bei acht Zitzen ein Badeanzug nicht die bessere Wahl wäre, erreicht mich die Nachricht eines Freundes, dass ich später das Volk mit Tokens auch wechseln kann, wenn ich nicht zufrieden bin. Toll. Hätte ich das mal vor zwei Stunden schon gewusst.

Finales Urteil: Dunkelelfin

Am Ende habe ich mich dann für eine Dunkelelfin und die Hüterklasse entschieden, weil mir der Drachenritter zu sehr nach dem klang, was ich bereits aus Skyrim kannte und die Möglichkeit, tödliche Tiere zu beschwören, ziemlich cool klingt. War ja eigentlich ganz einfach.

Nach drei Stunden habe ich mich dann auch mal entschieden. So sieht mein Charakter jetzt aus. Nach drei Stunden habe ich mich dann auch mal entschieden. So sieht mein Charakter jetzt aus.

Zusammen mit den optischen Entscheidungen hat mich das ganze nur drei Stunden gekostet, fast genau so viel wie der Charakter-Editor von Dragon Age: Inquisition. Und so gespannt ich gerade auch auf Elsweyr bin, mittlerweile ist es nach ein Uhr nachts und ich muss morgen arbeiten. Mein Abenteurerleben muss also auf einen anderen Tag verlegt werden.

Wonach sucht ihr eure Avatare in MMOs aus?

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