The Elder Scrollls Online - Noob-Tagebuch: Alles außer Hauptquest

Obwohl Ann-Kathrin es endlich aus dem ESO-Charaktereditor herausgeschafft hat, wird Elsweyr vermutlich noch lange auf seine Rettung warten müssen.

von Ann-Kathrin Kuhls,
24.04.2020 17:00 Uhr

Hier seht ihr sehr gut, worum ich mich eigentlich kümmern sollte. Mach ich aber nicht. Hier seht ihr sehr gut, worum ich mich eigentlich kümmern sollte. Mach ich aber nicht.

Ihr werdet es nicht glauben, aber ich habe es tatsächlich geschafft! Ich habe den Charaktereditor verlassen und bin mittlerweile wirklich unterwegs in The Elder Scrolls Online: Elsweyr. Aber freut euch nicht zu früh! Obwohl mir ein vertrauenswürdiger Katzensensei einen Zweihänder in die Hand gedrückt und mich fortgeschickt hat, die Welt zu retten, habe ich in den letzten Tagen alles andere gemacht - aber keinen Schritt in Richtung Weltrettung.

Über die Kolumnenreihe
In ihrer Kolumne schreibt Ann-Kathrin jede Woche über ihre Erlebnisse als Noob in The Elder Scrolls Online. Das hier ist schon der zweite Text der Reihe, der erste dreht sich um ihre Abenteuer im Charakter-Editor.

Die erste Ablenkung

Versteht mich nicht falsch, ich hatte wirklich vor, in die nächste Stadt zu reisen und dort mit dem Khajiit-Weisen zu sprechen. Aber dann habe ich eine pummelige Reitkatze in meinem Inventar entdeckt, die auf ihren kurzen Beinen über das Grasland stoppelt und war so begeistert, dass ich erstmal eine Runde ausgeritten (oder -gehoppelt?) bin.

Dabei hat ESO sein Bestes getan, um mich daran zu erinnern, dass Elsweyr eigentlich gerade von Drachen überfallen wird. Tatsächlich wurden meine Knubbelkatze und ich nur fünf Minuten, nachdem wir fröhlich frohlockend losgeritten waren, von einem der riesigen Schuppenwesen gegrillt.

Richtig. Da war ja was. Richtig. Da war ja was.

"Na gut", sagte ich zu mir und meinem medium rare gebratenen Reittier, "vielleicht sollte ich wirklich nach Stromfeste und helfen, dieses Problem in den Griff zu bekommen".

Ich bin nicht nach Stromfeste geritten.

Auch hier bin ich wieder mit den besten Absichten gestartet: Stromfeste auf der Map gesucht, eine ungefähre Richtung festgelegt und nichts wie los. Aber in Open World-Spielen sinkt meine Aufmerksamkeitsspanne regelmäßig auf das Level eines Toastbrotes. Statt meinen Auftraggeber zu finden, entdecke ich eine spannende Felsformation und will unbedingt wissen, was sich auf der anderen Seite verbirgt.

Und renne auf dem Weg dorthin grundsätzlich in andere Personen, die mir ihr Leid klagen. Zum Beispiel eine Witwe, die die Habe ihres Mannes an Wegelagerer verloren hat. Oder eine Khajiit, die nur ein paar Notizen aus einem Gewölbe will, sich aber nicht hinein traut. Die kann ich doch nicht einfach ignorieren! Was wäre ich für eine Heldin, würde ich Notleidenden eiskalt den Rücken zuwenden?

Überall und nirgendwo

Das Problem an meinen Heldentaten ist, dass sie mich meist in eine komplett andere Richtung führen als die, in die ich eigentlich wollte. Während die Wegelagerer sich faul hinter der nächsten Anhöhe verstecken, muss ich für die verlorenen Notizen in den Hort der Schmach. Allein vom Namen her hätte ich mir denken können, dass das kein fünfminütiger Sonntagsspaziergang wird.

Einen Aufstieg und Fall eines nekromantischen Zauberermeisters später habe ich die Notizen - aber auch wieder ein bisschen Zeit vertrödelt, die ich auch zum Drachentöten hätte nutzen können. Aber wenigstens ist die ehemals zweifelnde Khajiit nun frohen Mutes, toten Fröschen wieder Leben einzuhauchen. Während ich daran zweifle, ob ich einer Nekromantin, so liebenswert sie auch sein mochte, wirklich hätte helfen sollen, komme ich endlich in Stromfeste an.

Aber nicht etwa für meine Hauptquest, nein! Die Witwe aus der ersten Nebenaufgabe wartet hier in der Taverne auf mich. Munter den riesigen Hauptmarker ignorierend spreche ich mit der Dame, sacke mein Gold ein (wir sind ja nicht bei der Heilsarmee!) und will dann aber auch tatsächlich zum Questgeber aufbrechen.

Ich bin nie beim Questgeber angekommen.

Stattdessen erspähe ich auf dem Marktplatz einen Khajiit, der so sehr wie der gestiefelte Kater aussieht, dass ich nur ein paar Meter vor der Hauptquest schwungvoll umdrehe, um mich mit ihm zu unterhalten. Sein Name ist Mizzik Donnerstiefel und er ist der schlechteste Privatdetektiv der Welt.

Schaut nur, wie schnieke er aussieht! Schaut nur, wie schnieke er aussieht!

Er bittet mich um Hilfe bei einem Entführungsfall, anscheinend ist eine junge Khajiit spurlos verschwunden und ihr Vater verzweifelt. Und was glaubt ihr denn, natürlich habe ich mich sofort auf den Weg zum Haus des Vaters gemacht!

Der Questmarker für die Weltrettung, der im Haus direkt nebenan steckt, macht mir eine Sekunde lang ein schlechtes Gewissen ... Aber dann betrete ich das Haus des Vaters, in dem vier Hauskatzen an einem Tisch zu Mittag essen, und alle Weltrettung ist vergessen.

Sehr beeindruckende Tischmanieren. Sehr beeindruckende Tischmanieren.

Katzen-Kalamität

Während ich mich noch freue, wie friedlich die Fellbälle ihr Essen schlürfen, klopft ein Gedanke an meinem Haupthirn an: Sollten sich Khajiit Katzen als Haustiere halten? Ist das nicht irgendwie seltsam? Immerhin sind sie, zumindest optisch, sehr nah an ihren Haustieren dran. Das wäre doch, als würde ich winzige Versionen von mir in meiner Wohnung herumlaufen haben.

"Kinder," wirft der smartere Teil meines Gehirns ein, "du meinst Kinder."

Ein guter Punkt, Hirn. Sehen Khajiit Hauskatzen als Kinder? Mich verwirren die Katzenartigen Kreaturen in The Elder Scrolls Online sehr. Manche gehen mir bis zum Knie und haben trotzdem eine beeindruckende berufliche Karriere. Andere, wie meine Hoppelkatze, sind riesig, werden jedoch maximal Reittiere. Macht denen das gar nichts aus? Denn mir ist es immer ein bisschen unangenehm, mich mit Khajiit zu unterhalten, während ich auf einem von ihren Artgenossen throne.

Dieser hier ist so groß, dass ich auf ihm reiten könnte. Aber ich bezweifle, dass ihm das gefallen würde. Dieser hier ist so groß, dass ich auf ihm reiten könnte. Aber ich bezweifle, dass ihm das gefallen würde.

Käme mir jemand auf einem anderen Menschen reitend entgegen, würde mich das zumindest stutzig machen. Wenn beide damit einverstanden sind, ist das ja kein Problem, aber ich kann meinen Stoppelhops nicht fragen, ob er gerne mit mir unterwegs ist. Versklave ich gerade einen Teil eines Volkes, während ich mich locker flockig mit dem anderen Teil unterhalte? Verwirrend! Und potenziell ethisch fragwürdig.

Konzentriert wie ein Toastbrot

Falls ihr euch gerade fragt, was die letzten Absätze mit meinem Auftrag zu tun hatten: Gar nichts. Und genau das ist mein Problem. In jedem Open World-Rollenspiel dauert es vielleicht zwei Minuten, dann verliere ich mein Ziel aus den Augen und wusele durch die Welt.

In Witcher 3 hab ich tagelang Kräuter geerntet. In Skyrim auf einem Felsen gesessen und mit meinen Minipfeilen versucht, einen Riesen zu erledigen. Sogar in Shadow of the Tomb Raider war ich mehr damit beschäftigt, alle verfügbaren Lamas zu streicheln als die Apokalypse aufzuhalten. Ich kann einfach nicht anders.

Schaut mal, ein Dachs! Schaut mal, ein Dachs!

Aber eigentlich spricht das ja auch für das Weltendesign der einzelnen Spiele. Weil sie so lebendig sind, dass ich ganze Geschichten in ihnen erleben kann, ohne die eigentliche Story überhaupt anzufangen. Zugegeben, im Falle der Hauskatzen bin ich mir nicht sicher, was für eine Art Geschichte das wäre, aber ihr wisst schon, worauf ich hinaus will.

Mir ist die Rettung der Welt auf nüchternen Magen, also direkt zu Beginn des Spiels, viel zu monumental. Ich will Elsweyr lieber erst einmal in kleinen Häppchen kennenlernen, seine Geschichte erforschen und die der Leute, die dort leben. Denn nur so habe ich am Ende auch etwas, für das es sich zu kämpfen lohnt.

Nachdem ich mir so eine nette, poetische Ausrede für meine Toastbrot-Aufmerksamkeit zurechtgelegt habe, kommt hier noch eine wichtige Frage an euch. Beim letzten Mal habe ich so tolle Kommentare bekommen, und dachte mir, ich frage euch dieses Mal direkt um Hilfe:

Wie soll ich meine Reitkatze nennen?

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