Mass Effect-Fans müssen sich schon seit einer ganzen Weile in Geduld üben. Bereits vor sechs Jahren wurde der nächste Teil mit einem Trailer angekündigt und trotzdem liegt der Release noch in weiter Ferne. The Expanse: Osiris Reborn könnte uns diese Wartezeit aber versüßen.
Das Spiel von Owlcat Games trägt seine BioWare-Inspiration nämlich stolz auf der Schulter und wird eine Mischung aus Sci-Fi-RPG und Third-Person-Shooter mit Fokus auf Companions und Story – genau wie sein großes Vorbild.
Mich hatte neben dem Mass Effect-Vergleich aber vor allem eines neugierig gemacht: Der Fokus auf Realismus. The Expense versucht, wie auch seine gleichnamige Buchvorlage, die Regeln der Weltraum-Physik ernst zu nehmen. Reisen durch das All brauchen also schon mal Monate.
Das eher kompakte Osiris Reborn (rund 30 Stunden soll die Story dauern) will das zwar in kurzen Cutscenes abfrühstücken, damit wir uns nicht langweilen, an anderen Stellen in der Beta merke ich dem Spiel seinen realistischen Ansatz aber an. Und habe meinen Spaß damit.
Das konnte ich spielen: Ich konnte vorab die rund einstündige Closed Beta zum Spiel zocken, die ab dem 22. April für alle Vorbesteller*innen der Founder-Editionen verfügbar ist, und den Entwickler*innen Fragen stellen.
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The Expanse zeigt Kämpfe, Kameraden und Raumschiffe: Das Rollenspiel Osiris Reborn ist bald spielbar
Da kommen direkt Mass Effect Vibes auf
Zu Beginn der Beta wähle ich, ob ich einen männlichen oder weiblichen Charakter spielen möchte und ob ich ein Hacker oder Offizier, und Gürtler oder Erder sein will. Falls euch die letzten beiden Begriffe schon verwirrt haben: Ihr werdet im Spiel noch so einigen unbekannten Begriffen über den Weg laufen.
The Expanse zeichnet nämlich ein durchaus komplexes, politisches Universum mit vielen Fraktionen. Buch- und Serienfans kennen das bereits, Owlcat will das Spiel aber auch für Neulinge zugänglich machen.
In der Beta muss mein Companion mir deshalb etwas plump erklären: "Protogen… ist eine private Sicherheitsfirma, genau wie Pinkwater" – was ich als Pinkwater-Söldnerin eigentlich wissen sollte. Bleibt zu hoffen, dass das fertige Spiel hier auch einen Codex zum Nachschlagen bietet.
Meine Charakter ist direkt vor dem Start der spielbaren Sektion mit ihrem Zwilling von einer Raumstation entkommen, nachdem die von Söldner*innen angegriffen und mit einer unbekannten Substanz infiziert wurde.
Also begeben wir uns zu einer Station der Pinkwater Security-Sicherheitsfirma, um unserem Boss Bericht zu erstatten, während der Söldnertrupp uns dicht auf den Fersen ist.
Hier muss ich nach wenigen Minuten auch direkt die erste große Entscheidung treffen: Versuche ich, meinen Boss zu überreden, uns zu helfen? Dann greifen die Leute auf der Station tatsächlich zu den Waffen, auch wenn sie Gameplay-technisch nicht einmal als Kanonenfutter durchgehen. Unterwegs finde ich meist nur noch ihre Leichen. Oder versuche ich doch, mich allein durchzuschlagen und so vielleicht Leben zu retten?
Die Wahl entscheidet darüber, ob die Station am Ende der Beta in die Luft gejagt wird oder ihre Bewohner*innen überleben. Auch bei solchen Entscheidungen und Konsequenzen kommen Mass Effect-Vibes auf – wobei Entwickler Owlcat Games mit seinen cRPG-Titeln wie Pathfinder: Kingmaker längst bewiesen hat, dass sie das können.
Ob die Story samt der dazugehörigen Entscheidungen letztendlich gut wird und mit den Erzählungen der Buchvorlage mithalten kann, kann ich nach der kurzen Spielzeit schlicht noch nicht abschätzen. Die meiste Zeit verbringe ich in der Beta ohnehin mit Feuergefechten.
Sprachausgabe und Animationen: In der Beta gibt es nur eine englische Sprachausgabe mit deutschen Untertiteln. Die Performance wirkte hier bei einigen Charakteren ziemlich steif. Generell hat mir der weibliche Spielercharakter deutlich besser gefallen als der männliche.
Auch die Gesichtsanimationen sind mir beim Spielen noch etwas störend aufgefallen. Besonders bei den weiblichen Charakteren mit ihren bislang durchweg üppigen Lippen sehen die Bewegungen für mich noch unnatürlich aus. Hier kann sich bis zum Release 2027 aber noch einiges tun.
Und plötzlich ist die Wand der Boden
Ganz gleich, welche Entscheidung ich treffe, meine Flucht führt mich letztlich auf die Außenseite der Station und in die Schwerelosigkeit – mit einem unglaublich hübschen Weltraum-Ausblick!
Den kann ich aber nicht lange genießen, weil ich mir jetzt Gefechte mit der Söldnertruppe in Zero-G liefere.
Wer Mass Effect kennt, wird auch hier Parallelen entdecken: Ich ballere mit Pistolen, SMGs und Scharfschützengewehren drauf los, sprinte von Deckung zu Deckung während Gegner versuchen mich zu flankieren und setze Fähigkeiten wie Brandgranaten oder einen Scanner ein, der die Position der Feinde kurzzeitig markiert.
Mit der taktischen Ansicht kann ich das Spiel pausieren, um meinem Zwilling Anweisungen zu geben und in Ruhe mein nächstes Ziel auszuwählen.
Das Gameplay fühlt sich dadurch direkt wie aus 2012 an – ein bisschen altbacken, aber wohlig nostalgisch für alle, die Lust auf einen guten alten Deckungs-Shooter haben.
Übrigens nimmt sich das Spiel hier mit den eingangs erwähnten Regeln der Physik eine kleine Freiheit: Schüsse sind nämlich auch im Vakuum des Weltalls zu hören. Einfach, weil das sonst ziemlich unspektakulär wirken würde.
Davon ab spüre ich den Fokus auf Weltraum-Realismus aber und bin direkt fasziniert davon. Wenn ich mit den Magnetschuhen gleichzeitig wie in Zeitlupe und fast gewichtslos sprinte, fühle ich das regelrecht – die dazugehörige Animation wurde übrigens von Eiskunstlauf inspiriert, wie die Entwickler*innen verraten.
Leichen schweben durch die Schwerelosigkeit, an anderer Stelle muss ich mit meinen Schubdüsen zur nächsten Luftschleuse fliegen, ohne abzudriften. Oder wie mein Charakter es so schön zusammenfasst: "Das ist einfach. Wir müssen nur die Corioliskraft und die Rotation der Station beachten…"
Meine liebste Stelle ist aber die, wo ich einem Kabel zu einem Schalter folge, damit ich eine Tür öffnen kann. Dabei laufe ich wortwörtlich an Wänden und auch einmal an der kompletten Außenseite eines Rohres entlang – im Weltraum gibt es schließlich kein oben und unten, aus meiner Perspektive dreht sich effektiv nur die Welt um mich herum.
Das wirkt ein bisschen psychedelisch, macht aber definitiv Spaß. Ich hoffe, das fertige Spiel bietet mehr davon – denn ich für meinen Teil könnte mich wahrscheinlich stundenlang mit der Weltraum-Physik beschäftigen.
Vorbesteller*innen der Founder-Editionen können die Beta ab sofort selbst ausprobieren. Alle anderen müssen sich wohl noch bis Frühjahr 2027 gedulden, wenn The Expanse: Osiris Reborn für PS5, Xbox Series und PC erscheinen soll.
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