Seite 2: The Outer Worlds im Test - Fallout im All

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Große spielerische Freiheit

Typisch für das Entwicklerstudio stehen wir in den meisten Missionen vor moralischen Entscheidungen, bei denen unsere Taten und Handlungen klare Konsequenzen haben. Spielen wir den skrupellosen Auftragskiller, der nur auf die Belohnung schaut, oder schlagen wir uns auf die Seite der Unterdrückten? Stürzen wir das korrupte Vorstands-Regime oder wollen wir selbst davon profitieren? The Outer Worlds lässt uns immer die freie Wahl und bietet für alle Seiten nachvollziehbare Argumentationen.

Ein Beispiel für diese spielerische Freiheit: Im Gespräch mit den Bewohnern der Raumbasis erfahren wir, dass alle unter der großen Hitze der Station leiden. Die Technikerin sagt, die nötigen Module für die Reparatur befinden sich im Sperrbezirk des Schiffes, das von anarchischen Banditen kontrolliert wird. Natürlich bieten wir uns an, das Modul zu besorgen, denn auf den Anführer der Bande ist zusätzlich ein nicht unerhebliches Kopfgeld ausgesetzt.

Im Zeitlupenmodus können wir gezielt einzelne Bereiche der Gegner anvisieren. Kopfschüsse blenden und Treffer im Knie lassen Gegner zu Boden fallen. Die Dauer für diesen Modus ist allerdings stark limitiert. Im Zeitlupenmodus können wir gezielt einzelne Bereiche der Gegner anvisieren. Kopfschüsse blenden und Treffer im Knie lassen Gegner zu Boden fallen. Die Dauer für diesen Modus ist allerdings stark limitiert.

Vor Ort angekommen tritt der Bandenchef an uns heran und warnt uns, doch lieber auf der Stelle umzudrehen. Wir können nun die Waffe zücken und die Module mit Gewalt an uns nehmen. Alternativ lässt er sich im Gespräch vielleicht durch ein hübsches Bestechungsgeld oder Argumente davon überzeugen, uns passieren zu lassen. In unserem Fall hat sich der naive Kerl sogar überreden lassen, uns obendrein noch sein personalisiertes Feuerzeug zu schenken.

Damit haben wir direkt zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die Technikerin ist glücklich, dass wir die Module gewaltfrei besorgt haben. Der Chefin der Sicherheit übergeben wir das Feuerzeug und lügen sie an, dass der Bandit tot sei - so erhalten wir zusätzlich noch das ausgeschriebene Kopfgeld! Alternativ hätten sich die Module mit etwas Schleichen und Hacking-Skills auch unentdeckt aus dem Lager der Banditen bergen lassen.

Lahme Action ohne Herausforderung

Allerdings lassen sich nicht alle Konflikte gewaltfrei lösen. In manchen Situationen bleibt uns nichts anderes übrig, als mit Waffengewalt zu agieren. Das bringt uns zum schwächsten Aspekt in The Outer Worlds: die Action. Erfahrene Shooter-Spieler sollten auf jeden Fall direkt den höchsten der drei Schwierigkeitsgrade auswählen. Auf "Normal" sind die Gefechte zu keiner Zeit besonders herausfordernd oder spannend, zumal die Begleiter (dazu gleich mehr) uns jede Menge Arbeit abnehmen.

Viele Konflikte lassen sich auch durch Dialoge klären. Egal ob wir Lügen, Leute einschüchtern oder einfach durch Argumente oder ein kleines Bestechungsgeld überzeugen: Gewalt ist nicht die einzige Lösung. Viele Konflikte lassen sich auch durch Dialoge klären. Egal ob wir Lügen, Leute einschüchtern oder einfach durch Argumente oder ein kleines Bestechungsgeld überzeugen: Gewalt ist nicht die einzige Lösung.

Die seichten Kämpfe werden zusätzlich durch einen Mangel an Abwechslung torpediert. Pro Gebiet haben wir es mit den immer gleichen zwei bis drei Gegnertypen zu tun. Auch die Waffenauswahl lässt sich gerade noch als solide beschreiben und besteht aus dem üblichen Sortiment an Schrotflinten, Flammenwerfern, Plasma-MGs, Handwaffen und den typischen Sturm- und Scharfschützengewehren in mehreren Qualitätsstufen. Gerade durch das recht freie Science-Fiction-Setting wären hier inspiriertere Waffenmodelle möglich gewesen, Borderlands 3 lässt grüßen! Über vereinzelte Quests verfügbare Gimmick-Waffen wie eine Schrumpfkanone sind da nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Wenn euch eine Lieblingswaffe so richtig ans Herz wächst, könnt ihr sie theoretisch bis zum Ende des Spiels behalten. An Werkbänken verseht ihr Waffen sowie Rüstungen mit Upgrades oder repariert sie (keine Angst, nervt nicht). Vor allem aber könnt ihr sie durch Tüfteln im Level anheben und so beim Charakteraufstieg "mitnehmen". Das kostet zwar Bits (die Währung in The Outer World), doch wer immer fleißig alle Container sowie erledigte Gegner ausräubert und die Beute verscheuert (am besten noch mit einem Perk für 20 Prozent höhere Preise), der schwimmt bald im Geld.

Zu den Schwächen stehen

Richtig gut gefallen hat uns dafür eine neuartige Idee beim Perks- und Skillsystem: Nehmen wir zum Beispiel im Kampf gegen Roboter besonders viel Schaden oder werden oft von Säureangriffen erwischt, pausiert das Spiel kurz und bietet uns an, unserem Charakter eine Phobie gegen Roboter oder Schwäche gegen diese Angriffe zu verpassen.

Fans von Looten und Leveln werden in The Outer Worlds viel zu tun haben. Alle paar Meter lassen sich Kisten, Schubladen und Mülleimer nach mehr oder weniger wertvollen Schrott durchsuchen. Fans von Looten und Leveln werden in The Outer Worlds viel zu tun haben. Alle paar Meter lassen sich Kisten, Schubladen und Mülleimer nach mehr oder weniger wertvollen Schrott durchsuchen.

Stimmen wir zu, erleiden wir zwar einen Malus und sind in Zukunft noch stärker davon betroffen, bekommen aber als Ausgleich einen zusätzlichen kostenlosen Perk-Punkt. Die so genannten Perks lassen uns zum Beispiel mehr Schaden austeilen, wenn wir alleine unterwegs sind oder erhöhen dauerhaft den Rabatt, den uns Händler gewähren. Oder erhöhen - auch das kennen wir von den Bethesda-Vorbildern - die Tragekapazität unseres Helden.

Nie ohne meine Crew

Auch wenn es einen speziellen Perk für Solisten gibt: Meistens sind wir nicht alleine unterwegs. Insgesamt sechs Begleiter können wir im Laufe unserer Reise finden und anheuern. Je zwei von ihnen nehmen wir optional mit auf Einsätze. Sie helfen uns nicht nur im Kampf, sondern mischen sich auch gerne ungefragt in Dialoge ein und reagieren auf ihrer Meinung nach fragwürdige Entscheidungen.

Klares Highlight des Spiels sind die individuellen Spezial-Missionen unserer Crew. Der schüchternen Technikerin Parvati entlocken wir beispielsweise im Gespräch, dass sie heimlich verliebt ist und helfen ihr über eine herzerwärmende und sehr feinfühlig geschriebene Missionsline hinweg hin zu ihrem ersten Date.

Insgesamt sechs Begleiter können wir im Laufe unseres Abenteuers in die Crew aufnehmen. Jeder von ihnen hat eine eigene Questline mit teils sehr persönlichen Problemen. Insgesamt sechs Begleiter können wir im Laufe unseres Abenteuers in die Crew aufnehmen. Jeder von ihnen hat eine eigene Questline mit teils sehr persönlichen Problemen.

Doch auch ernstere Töne finden in The Outer Worlds ihren Platz. Die Söldnerin Nyoka begleiten wir auf ihren Wunsch hin zum Sterbeort ihrer alten Crew, um den gefallenen Freunden ein ordentliches Begräbnis zu schenken. Die Storylines und Dialoge mit der Crew geben den Charakteren Tiefe und lassen sie uns über den Verlauf der Kampagne regelrecht ans Herz wachsen.

Spielerisch macht es allerdings kaum einen Unterschied, ob wir mit dem Weltall-Taugenichts Felix oder dem kapitalismusgläubigen Vikar Max losziehen. Zwar verbessern die Begleiter einzelne Skills wie Lügen oder Einschüchtern, wenn wir sie in der Party haben, im im Kampfgeschehen sind die Begleiter trotz Spezialattacken aber kaum voneinander zu unterscheiden.

Hoher Wiederspielwert

Im Vergleich zu seinen Vorbildern ist The Outer Worlds ein relativ kurzes Rollenspiel. Nach etwas mehr als 20 Stunden hatten wir ein mögliches Ende der Hauptquest inklusive zwei Begleiter-Missionen das erste Mal gesehen. Will man auch alle Enden, die Nebenmissionen und den restlichen Begleitern helfen, ist man locker noch einmal die gleiche Zeit beschäftigt. Außerdem sind sämtliche Missionen und Aufträge auf unterschiedliche Arten lösbar. Die daraus resultierenden Konsequenzen und die dadurch sehr unterschiedlichen Spielstile rechtfertigen auch problemlos einen zweiten und dritten Durchgang.

Wer lieber unerkannt zum Ziel gelangen möchte, kann auf eine ganze Reihe von Schlag- und Nahkampfwaffen zurückgreifen und seinen Stealth-Skill aufleveln. Wer lieber unerkannt zum Ziel gelangen möchte, kann auf eine ganze Reihe von Schlag- und Nahkampfwaffen zurückgreifen und seinen Stealth-Skill aufleveln.

Wer sich schon immer einen indirekten Nachfolger zu Fallout: New Vegas gewünscht hatte, wird von The Outer Wilds nicht enttäuscht sein. Echte Innovationen lassen sich in der Halcyon-Kolonie zwar nur im Detail finden, aber die toll geschriebenen Dialoge, der warmherzige Humor, die liebenswerten Charaktere und die große spielerische Freiheit sorgen trotz der aufgezählten Defizite für eine klare Empfehlung.

Optionaler Albtraum-Modus
Wer eine besondere Herausforderung sucht, auf den wartet der optionale Albtraum-Modus. Der bringt eine zusätzliche Survival-Mechanik mit ins Spiel, bei der wir unsere Figur regelmäßig ernähren und für ausreichend Schlaf sorgen müssen. Außerdem können unsere Begleiter dauerhaft sterben und Gegner stecken eine ordentliche Portion mehr Schaden ein, bevor sie umfallen. Zusätzlich ist die Schnellreise nur zurück zum eigenen Schiff möglich und das manuelle Speichern funktioniert auch nur an Bord.

Technisch saubere Konsolenumsetzung
In unserer Testversion für die Xbox One X empfanden wir die Ladezeiten bei den Gebietswechseln mit jeweils 30-40 Sekunden zwar in Summe etwas nervig, aber nicht dramatisch störend. Immerhin traten dafür innerhalb der Areale technisch bis auf vereinzelte Clippingfehler keine Probleme auf und auch das Betreten von Gebäuden in den Gebieten ist immer ohne Ladeschirm und Wartezeit möglich.

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