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Seite 2: This War of Mine: The Little Ones im Test - Erfolgreich deprimierend

Nachtschicht in den Trümmern

Nachts werden Aufgaben verteilt. Wer bewacht den Unterschlupf vor Banditen? Wer darf schlafen? Und, am wichtigsten, welcher Überlebende wird zum Plündern ausgeschickt? Über eine Stadtkarte schicken wir den Plünderer in verwüstete Krankenhäuser, Hotels oder Wohngebäude. In Trümmern finden wir Holzscheite für den Ofen, in Medizinschränken Verbandszeug, Konserven in Supermarktregalen. Doch wir müssen vorsichtig sein, denn durch den nächtlichen Kriegsnebel sehen wir nie, ob schon jemand anderes in den Ruinen unterwegs ist. So treffen wir zwangsläufig auf andere Überlebende, Händler oder bewaffnete Banditen, die wir bekämpfen oder uns vorbeischleichen können. Zurück im Unterschlupf informiert eine einfache Übersicht über andere Ereignisse der Nacht, und die gefundenen Ressourcen werden dem Lager hinzugefügt.

Tagsüber verrichten unsere Figuren in Echtzeit ihre Aufgaben: Sie kochen, bauen oder bessern die Wohnung auf. Tagsüber verrichten unsere Figuren in Echtzeit ihre Aufgaben: Sie kochen, bauen oder bessern die Wohnung auf.

Spielt man This War of Mine als pures Survival-Spiel mit dem Zähler für überlebte Tage als Highscore, dann ist es kein besonders gutes Spiel. Eine ganze Reihe von Designentscheidungen führen zu einer frustrierenden Spielerfahrung. Das fängt beim Beginn an: This War of Mine erklärt nichts. Weder wie Ressourcen funktionieren noch wie wir Gegenstände einsetzen. Nicht mal wie gekämpft wird, ist eine Erwähnung wert. Dabei sind die Warenketten und das Ressourcenmanagement eigentlich relativ simpel. Nach ein paar Stunden hat man im Prinzip alles gesehen. Weil es aber keine Möglichkeit gibt, die Zeit zu beschleunigen, während man beispielsweise darauf wartet, dass der Wasserfilter durchgelaufen ist, entsteht Leerlauf.

Spürbarer Fortschritt braucht dadurch eine ganze Weile. Dafür können wir, sobald wir einen Spieldurchlauf hinter uns haben, die Parameter unseres nächsten Spiels selbst bestimmen. Wir entscheiden, wer zu Beginn im Haus lebt, die die Ressourcen auf der Karte verteilt sind, wann der Winter einbricht und sogar, wie lange der Krieg dauert. Dadurch verliert das Spiel allerdings die Unsicherheit, die die zufällig generierten Unwägbarkeiten mit sich bringen. Wissen wir zum Beispiel, dass der Krieg nach zwanzig Tagen endet, können wir ab Tag 17 unsere überzähligen Waren gegen luxuriöses Essen beim wandernden Händler eintauschen und das Ende des Krieges gemütlich abwarten. Wem das zu viel Atmosphäre zerstört, kann aber auch weiterhin mit zufallsgenerierten Umgebungen und Gruppen spielen.

Überleben ist hart

Dafür reicht eine Situation, um alles Erreichte wieder zunichte zu machen. Stirbt ein Überlebenskämpfer, können wir keinen Spielstand laden: This War of Mine ist ein Permadeath-Spiel. Das ist im Genre üblich, fühlt sich aber vor allem durch die Kämpfe unfair an. Die Steuerung ist in Teilen ungenau, unsere Figuren rennen gerne mal die Treppe hoch anstatt hinunter. Besonders störend ist es, wenn wir einen Dialog starten wollen, stattdessen aber Wasser filtern, weil unser Gesprächspartner genau hinter der Auswahlmöglichkeit stand. Dementsprechend sind auch die Gefechte hektisch und unübersichtlich. Und schon der Tod einer Figur kann für die ganze Gruppe das Ende bedeuten - alles nur, weil wir übereilt einen Knopf gedrückt haben. Kurz: This War of Mine ist gemein und unfair.

Die Reihenfolge ist wichtig: Zuerst müssen die Löcher im Haus gestopft werden, dann kann der Sessel in Angriff genommen werden. Die Reihenfolge ist wichtig: Zuerst müssen die Löcher im Haus gestopft werden, dann kann der Sessel in Angriff genommen werden.

Doch genau so soll es auch sein. This War of Mine ist ein Spiel darüber, sich machtlos und verloren zu fühlen. Jedes auf den ersten Blick verkorkste Designelement unterstützt es dabei. Die unvollständigen Informationen, die es über den Status der Spielfiguren preisgibt, erzeugen Unsicherheit. Wie lange überlebt ein Charakter, der »sehr hungrig« ist? Was macht man mit einem depressiven Feuerwehrmann? Wie lange braucht eine Wunde, um zu verheilen? Das Erlernen des Spiels ist schmerzhaft. Fehler werden gnadenlos bestraft. Die Kampfsteuerung, die keinen Platz lässt für Finesse, macht jeden Schlagabtausch mit Banditen unberechenbar und vor allem: unerwünscht. Würde ein Tutorialfenster freundlich erklären: »Hey, Mord ist nicht gut für die geistige Verfassung deiner Überlebenden!«, dann wäre der Moment, wenn die Spielwelt auf den Tod so hart reagiert wie kaum ein anderes Spiel, nicht so schockierend.

Die meisten Spiele erlauben das Meistern ihrer Mechaniken und vermitteln ein Gefühl des Könnens, der Macht. This War of Mine tut das nicht. Gut sein in diesem Spiel bedeutet, genug Nahrung für zwei Tage zu haben, statt entscheiden zu müssen, wer hungrig bleibt. In einem Interview antwortet Designer Pawel Miechhowski auf die Frage, ob This War of Mine Spaß machen soll: Nein, es soll eine Erfahrung sein. Das ist es. Es ist eine unangenehme Erfahrung. Aber eine, die es wert ist, erlebt zu werden.

This War of Mine: The Little Ones - Entwickler-Video zu den Kindern im Anti-Kriegsspiel 3:07 This War of Mine: The Little Ones - Entwickler-Video zu den Kindern im Anti-Kriegsspiel

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