Der Yuffie-DLC beweist, dass Final Fantasy 7 Remake längst kein Remake mehr ist

Die PS5-Version von Final Fantasy 7 Remake kommt mit einem Story-DLC daher, der deutlich macht: Mit dem PS1-Original hat das hier alles nichts mehr zu tun. Aber das ist auch nicht schlimm.

von Hannes Rossow,
10.06.2021 16:15 Uhr

Klar, Yuffie kennt jeder FF7-Fan - ihr Abenteuer im InterMISSION-DLC ist dennoch komplett neu. Klar, Yuffie kennt jeder FF7-Fan - ihr Abenteuer im InterMISSION-DLC ist dennoch komplett neu.

Mit Final Fantasy 7 Remake Intergrade bekam die Neuauflage des JRPG-Klassikers aus dem letzten Jahr nun endlich auch das versprochene PS5-Upgrade. Die Next-Gen-Version hält aber nicht nur technische Verbesserungen bereit, auf die sich PS5-Besitzer*innen freuen können - mit der InterMISSION-Episode rund um Wutai-Ninja Yuffie ist auch ein Story-DLC mit von der Partie.

Und die neue Geschichte ist ein Vorgeschmack darauf, wie es in Final Fantasy 7 Remake: Episode 2 weitergehen wird.

Yuffie ist wieder da: Die Große Materia-Jagd im Ninja-Stil

Die knapp 4-stündige Story-Episode ist PS5-exklusiv und erzählt eine Geschichte, die losgelöst von der Haupthandlung von Final Fantasy 7 Remake abläuft. Statt in Cloud, Tifa und Co. schlüpfen wir hier in die Rollen von Yuffie und dem neuen Charakter Sonos. Die beiden Agenten aus der Nation von Wutai, die sich mit dem Shinra-Konzern mehr oder weniger im kalten Krieg befindet, schließen sich der Widerstandsgruppe von Avalanche an, um die "ultimative Materia" aus dem Shinra-Hauptquartier zu stehlen.

Mehr zur Story könnt ihr euch auch hier im Trailer anschauen:

Final Fantasy 7 - Neuer Trailer zum Intergrade-DLC 3:36 Final Fantasy 7 - Neuer Trailer zum Intergrade-DLC

Aufgeteilt in zwei Kapitel entspinnt sich hier schnell ein klassisches Heist-Szenario, wie man es aus Ocean's Eleven und anderen "kreativen Raubüberfällen" der Popkultur kennt. Falsche Ausweise besorgen, hinterrücks einbrechen und am besten ungesehen wieder entkommen. Das Besondere an dieser knackig kurzen, aber unterhaltsamen Mission ist die einfache Tatsache, dass dieser Vorfall im originalen Final Fantasy 7 nie stattgefunden hat.

Yuffie begegnen wir normalerweise erst viel später im Spiel, als wir Wutai besuchen und den Midgar-Abschnitt längst hinter uns gelassen haben. Dass sich die kleptomanische Materia-Jägerin schon viel früher in die Shinra-Stadt aufmacht und parallel (etwa der ersten Hälfte von Final Fantasy 7 Remake) ihre eigenen Abenteuer erlebt, ist ein neuer Storybogen. Und davon wird es im nächsten Teil des FF7-Remakes wohl einige geben.

Ein Remake, das alles neu macht - auch die Story

Als das Remake im letzten Jahr erschien, zeigten sich viele Fans zwar zufrieden mit dem Aufwand, der betrieben wurde, um das PS1-Original wieder aufleben zu lassen, doch dass wir uns nur in Midgar aufhalten durften, kam nicht überall gut an. Spätestens das große Finale (das ich hier übrigens noch einmal ausführlich erklärt habe) deutet an, dass wir es hier eigentlich gar nicht mehr mit einem Remake zu tun haben. Stattdessen wird ein neues Final Fantasy 7-Universum aufgemacht, in der die bekannten Helden und Schurken neue Schicksale erhalten.

Sonos, der Yuffie auf ihrem Raubzug begleitet, wird neu eingeführt. Sonos, der Yuffie auf ihrem Raubzug begleitet, wird neu eingeführt.

Das ändert natürlich den weiteren Spielverlauf komplett. Selbst die größten Fans, die das Original dutzende Male durchgespielt haben, können jetzt nicht mehr wissen, was als nächstes passiert. Der InterMISSION-DLC hält sich zwar grob an der Charakteristik der Figur fest - Yuffie bleibt weiterhin Yuffie - ansonsten betritt Square Enix hier aber unbekannte Pfade. Überkreuzungen zum Dirge of Cerberus-Spin-off gibt es hier ebenso wie gänzlich neue Charaktere und Hintergrundgeschichten.

Achtung, Spoiler! Ganz am Ende des DLCs wird sogar auf die eigentliche Heldentruppe geschwenkt und wir sehen, wie sich Cloud, Barret, Tifa, Aerith und Red XIII nach den Ereignisses des Remakes auf einen Chocobo-Laster hüpfen. Ebenfalls eine Situation, wie es sie eigentlich nie gegeben hat. Das dann auch noch Zack einen weiteren Auftritt spendiert bekommt, rundet den etwas verwirrenden Remake/Reboot/Remix-Charme des Spiels ab.

Viel Neues, viel Altes

Übrigens: So sehr die Story des Yuffie-DLC übrigens darauf aus ist, die Vergangenheit hinter sich zu lassen, bleibt Gameplay-technisch erst einmal alles beim Alten. Yuffie kämpft zwar etwas anders als Cloud oder Tifa, neue Features bringt der Ninja-Teenie abseits von Wurfsternen aber nicht mit. Schon vorab gab es zu sehen, dass beispielsweise Donnergott Ramuh als neue Esper dazustößt - Wutai-Kollege Sonos agiert hingegen ausschließlich als NPC-Kompagnon.

Wer Dirge of Cerberus nie gespielt hat, lernt mit Nero (und seinem Bruder) neue Figuren kennen. Wer Dirge of Cerberus nie gespielt hat, lernt mit Nero (und seinem Bruder) neue Figuren kennen.

Der InterMISSION-DLC ist genau das - ein DLC. Dementsprechend solltet ihr hier auch nicht erwarten, dass es neben der Geschichte viel Neues zu sehen gibt. Das "Fort Kondor"-Minispiel, eine Art Echtzeit-Strategie mit Tower Defense-Einflüssen, ist allerdings einen Blick wert. In ausgebauter Form wäre das taktische Geplänkel auf für den nächsten Hauptableger des FF7-Remakes eine tolle Ergänzung - auch wenn an Final Fantasy 8's Triple Triad wohl nichts herankommt.

Das neue Final Fantasy 7

Es ist alles eine Frage der Erwartungshaltung: Was möchte man von einem Projekt, das sich Final Fantasy 7 Remake nennt? Über Jahre hinweg hallte die Vorfreude durch das Netz, endlich eine moderne Nacherzählung eines der besten JRPGs der Geschichte zu bekommen. Square Enix macht jetzt allerdings erneut deutlich, dass sie daran nicht interessiert sind. Und das ist selbstverständlich auch nichts grundsätzlich schlechtes. Ich mochte das Remake sehr und ich mag auch den Yuffie-DLC.

Von hier an wird das nostalgische Gefühl beim Wiedererleben großer Final Fantasy 7-Momente aber immer weiter in den Hintergrund rücken. Alles ist irgendwie vertraut und doch ganz anders. Wer weiß, vielleicht wird die neue Final Fantasy 7-Geschichte, die uns jetzt erzählt wird, sogar besser als im Original - vielleicht aber auch nicht. Wirklich wichtig ist aber nur, dass wir nicht zu sehr auf den bekannten Storybögen beharren - denn wer am Purismus fest hält und nichts Neues möchte, könnte in Zukunft schwer enttäuscht werden.

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