Assassin's Creed Valhalla: Warum Eivor der bessere Ragnar Lodbrok ist

AC Valhallas Eivor und Ragnar Lodbrok aus der TV-Serie Vikings haben vieles gemeinsam. Nele erzählt, warum sie Eivor aber wesentlich lieber mag.

von Nele Wobker,
27.07.2021 16:00 Uhr

Eivor und Ragnar aus Vikings haben mehr als nur das Aussehen gemeinsam. Eivor und Ragnar aus Vikings haben mehr als nur das Aussehen gemeinsam.

Achtung!: Diese Kolumne enthält Spoiler zu Assassin's Creed: Valhalla und der Serie Vikings.

Die Parallelen zwischen Eivor aus Assassin's Creed: Valhalla und Ragnar Lodbrok aus der Fernsehserie "Vikings" sind kaum zu übersehen. Insbesondere der männliche Eivor weist optisch eine frappierende Ähnlichkeit zur TV-Hauptfigur auf.

Ihre Ähnlichkeiten: Beide haben einen stechenden, dramatischen und manchmal auch herausfordernden Blick und beiden wird nachgesagt, zu "modelmäßig" auszusehen, um einen "authentischen Wikinger" - oder eine "Wikingerin" in Eivors Fall - darzustellen, was auch immer das heißen soll. Haarfarbe, Frisur, Bart, Körpergröße, Statur und Tätowierungen beider Nordmänner sind nahezu identisch, wenn man Eivors männliches Abbild auf den Standardeinstellungen stehen lässt. Besonders ähnlich sind außerdem Mimik und Gestik in zahlreichen Situationen.

Doch nicht nur äußere Überschneidungen fallen auf. Sowohl Eivor als auch Ragnar sind Nachkommen/Reinkarnationen/Günstlinge Odins und gelegentlich in Begleitung eines Rabens zu sehen. Auch die Hintergrundstory, vom Aufstieg des einfachen Bauerns zum Machthaber, ähneln sich.

Streitigkeiten unter Geschwistern

Eivor und Adoptivbruder Sigurd geraten oft aneinander. Sollte Eivor mit Sigurds Ehefrau Randvi anbändeln, wird es noch schwieriger. Eivor und Adoptivbruder Sigurd geraten oft aneinander. Sollte Eivor mit Sigurds Ehefrau Randvi anbändeln, wird es noch schwieriger.

Ragnars Verhältnis zu seinem Bruder Rollo als angespannt zu bezeichnen, wäre wohl noch untertrieben. Der Berserker scheint stets in Ragnars Schatten zu stehen und darunter zu leiden. Ähnlich verhält es sich mit Eivor und Ziehbruder Sigurd, denn auch letzterer meint permanent, das Geschwisterteil wolle ihm den Rang streitig machen.

Beide Hauptfiguren gehen im Grunde ähnlich mit dem Bruderneid um, nur dass Eivor kein Geheimnis daraus macht, dass er sich ein gesundes Verhältnis zu Sigurd wünscht. Ragnar hingegen versucht seine Gefühle lieber vor Rollo zu verbergen, wohl auch aus falschem Stolz. Dank Ragnar entgeht Rollo sogar einer Hinrichtung, jedoch verrät Ragnar niemandem aus dem Klan, dass er den Mann, der den Willen der Götter lesen soll, bestochen hat, um Rollo zu retten.

If I had a heart I could love you

Über vier Staffeln Vikings hinweg hat Ragnar Lodbrok bewiesen, dass er niemanden außer sich selbst lieben kann. Selbst die vermeintliche Liebe zu seinen Söhnen basiert auf dem Wunsch, das eigene Vermächtnis in Form von Erbgut fortbestehen zu lassen, was einer Eigenwürdigung gleichkommt.

Eivor hingegen liebt, und zwar aufrichtig. Damit gemeint sind nicht nur optionale, romantische Verwicklungen, sondern auch die Liebe zum Rabenclan. Jedes einzelne Mitglied wird gesehen, angehört und ernst genommen.

Eivor sucht vollwertige Bindungen zu anderen, die Gegenseitigkeit und Verständnis voraussetzen und keine impulsgetriebenen und berechneten wie Ragnar, der immer in irgendeiner Form aus seinem Gegenüber profitieren muss. Menschen, die Ragnar nichts mehr bringen, so wie Lagertha oder irgendwann auch Aslaug, werden einfach ersetzt. Wenn er etwas bereut, dann um seinetwillen und nicht, weil er anderen Schmerz zugefügt hat. Wenn Eivor liebt, dann mit allem Drum und Dran, auch wenn dies verletzbar macht.

Nele Wobker
@ElenRekbow

Gebt mir ein nordisches Setting, epische Schlachten und möglichst queere Wikinger*innen und ich bin happy. Dann ist mir auch egal, ob die Story über ein Videospiel, eine Fernsehserie oder einen Roman transportiert wird. In Bezug auf Eivor finde ich, dass sich Ubisoft, ob sie es nun offen zugeben wollen oder nicht, genau die richtigen Eigenschaften von Ragnar geklaut haben: Charisma, Verbindung zu Odin und Optik. Auf viele der anderen Charaktermerkmale Ragnars kann ich ohnehin verzichten, obwohl ich Vikings bis zu Ragnars Tod sehr gerne gesehen habe.

Lernbereitschaft ist der Schlüssel

"Blicke nie zurück. Das ist nicht der Weg, den du gehen wirst." sagte Ragnar einst zu seinem ältesten Sohn Björn und scheint selbst auch unter dieser Prämisse zu leben. Doch was ist daran problematisch? Warum ist es wichtig, auch die Vergangenheit im Blick zu behalten?

Einerseits bindet uns die Vergangenheit emotional an Personen, Dinge und Erlebnisse, die unseren Charakter mit formen können.

Andererseits sollten wir aus der Vergangenheit lernen. Dies geht jedoch nur, wenn wir sie uns auch merken. Wer also ausschließlich an die Zukunft denkt, ist dazu verdammt, Fehler aus der Vergangenheit immer und immer zu wiederholen. Genau dieses Problem begleitet Ragnar aus Vikings bis zu seinem qualvollen Tod, dem er mit etwas mehr Lernbereitschaft hätte entgehen können. Wer seine Vergangenheit ignoriert, läuft Gefahr, in der Gegenwart zu stagnieren.

Der männliche Eivor hat zwar Ähnlichkeit mit Ragnar aus "Vikings", ist zum Glück aber nicht genau so. Der männliche Eivor hat zwar Ähnlichkeit mit Ragnar aus "Vikings", ist zum Glück aber nicht genau so.

Sowohl in Assassin's Creed: Valhalla als auch in Vikings gibt es in den Dörfern Personen, die Eivor und Ragnar spirituell beraten. Das unterschiedliche Verständnis von Vergangenheit und Zukunft wird auch in den Gesprächen mit diesen deutlich: Eivor will am liebsten gar nichts über die große Bestimmung, die Seherin Valka erkennt, hören. Ragnar hingegen sucht den Seher mit einer regelrecht fordernden Art auf, immer wieder begierig zu hören, welches tragende Schicksal die Götter für ihn vorherbestimmt haben. Er mutiert hier sogar gelegentlich zu einem egomanischen Choleriker, der selbst den Seher und die Götter beschuldigt, wenn ihm die Weissagungen nicht zusagen.

Alles Zufall?

Wohl kaum: Einer der Komponisten aus Vikings wurde auch mit der Musik für Valhalla betraut. Dies war eine bewusste Entscheidung, die sich nicht abstreiten lässt. Die Musik hat keinen unerheblichen Einfluss auf die Stimmung im Spiel, die der in Vikings gleicht. Alles dreht sich um den Protagonisten oder die Protagonistin, so wie es in der Serie um Ragnar und sein "Flair" geht. Im Interview mit Games-Magazin VG247 hält sich Assistant-Level-Design-Director Laurence Letalien auf die Frage nach möglicher Inspiration aus Vikings bedeckt, sie sagte:

"Nun, wir haben uns viel von Fernsehsendungen und Filmen inspirieren lassen. Die Wikinger-Ära ist eine super coole Ära. Wir haben viele Recherchen durchgeführt, die wir auf Papier hatten, und wir hatten auch einen Historiker, der uns bei der Konzeption des Spiels begleitete."

Auch wenn Eivor und Ragnar nicht ein und die selbe Person darstellen sollen, so lässt sich nicht von der Hand weisen, dass die Kreativköpfe hinter ACV sich eine mächtige Portion Ragnar Lodbrok und Vikings für das Spiel abgeguckt haben.

Schon beinahe um zu unterstreichen, dass Ragnar und Eivor unterschiedliche Personen verkörpern, wird Ragnar im Spiel immer wieder thematisiert. Fast all seine Söhne schwirren in der Welt verteilt umher und sind wichtige Questgeber sowie Teil der Hauptgeschichte des Spiels. Zudem kann man sich mit Ragnars Drengirn herumschlagen und sein Grab aufsuchen.

Ich für meinen Teil bin froh, dass sich Ubisoft nicht alles einfach nur von Vikings abgeguckt hat. Dass Eivor auch weiblich sein kann, ist hier beispielsweise ein wichtiger Punkt. Außerdem ist Eivor nicht destruktiv und auf sich selbst fixiert, so wie Ragnar Lodbrok es ist, oder missbraucht andere für die persönlichen Zwecke. Eivor ist ein vielschichtiger, liebevoller sowie sozialer Charakter und schon alleine deshalb mag ich ihn/sie lieber als Ragnar.

Was ich in Eivor noch mag, habe ich schon einmal in meinem persönlichen Ranking mit allen Hauptfiguren aus AC geschildert. Valhalla wäre ein nur halb so gutes Spiel, wenn es Eivor nicht hätte, genau so wie die Serie Vikings mit Ragnars Tod all ihren Charme verloren hat.

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