Adventskalender 2019

Avada Kedatenschutz - Wizards Unite sammelt mehr Daten als gedacht

Mit den von Wizards Unite gesammelten Daten lassen sich Rückschlüsse auf eure Arbeit, eure Essgewohnheiten und sogar Gesundheit ziehen.

von Ann-Kathrin Kuhls,
17.10.2019 17:30 Uhr

Datenmagie: Die Informationen aus Wizards Unite sagen erstaunlich viel über euch aus. Datenmagie: Die Informationen aus Wizards Unite sagen erstaunlich viel über euch aus.

In Harry Potter Wizards Unite, dem neuen AR-Spiel der Pokémon Go-Macher, werden noch mehr Daten gesammelt als in seinem Poké-Pendant. Das enthüllte jetzt die Analyse von Nutzerdaten. Bis zu 13 Mal in der Minute fragt die App unseren Standort ab - und erfährt dadurch sehr viel mehr über uns, als vielen lieb sein dürfte.

Woher kommen die Informationen? Der Report stammt von der amerikanischen Gamingseite Kotaku, die für ihren Bericht die Nutzerdaten von Wizards Unite-Spielern analysiert hat, die diese im Rahmen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union von Niantic angefordert hatten. Dabei kamen die Journalisten zu einigen interessanten Ergebnissen.

Mehr Tracking als Pokémon Go

Zum einen wurde es offensichtlich, dass Wizards Unite den Standort einer Person 13 Mal pro Minute abruft - doppelt so oft wie Pokémon Go. Dadurch können, wie in einem Fall, über 2300 Standortinformationen in nur fünf Spieltagen zusammenkommen.

Hätte Harry Potter Wizards Unite, wüssten wir vielleicht, wo Hogwarts liegt. Die neuen Smartphones sind bestimmt nicht nur Wasser- sondern auch Zauberbannfest. Hätte Harry Potter Wizards Unite, wüssten wir vielleicht, wo Hogwarts liegt. Die neuen Smartphones sind bestimmt nicht nur Wasser- sondern auch Zauberbannfest.

Und je mehr Daten über eine Person vorliegen, desto genauer können sich alle mit Zugriff auf diese Informationen ein Bild von ihm oder ihr machen. Beispielsweise, wo deren Arbeit oder Schule liegt, wo die eigene Wohnung und wo die Wohnung eines Partners, dass die Spieler sehr wahrscheinlich einen Hund haben und vieles mehr

In einem Fall haben die Analysten sogar erkannt, dass sich einer der Spieler erkältet hatte: Er war von seiner normalen Abendroute abgewichen und hatte einige Zeit in einer Apotheke verbracht. Ein anderer besuchte regelmäßig das gleiche Fast Food Restaurant. Aber da mit den gelaufenen Kilometern auch verbrannte Kalorien eingeschätzt werden können, hätten sie ihm wahrscheinlich auch sagen können, ob sich Weg und Wegzehrung gegenseitig ausgleichen.

Immer an deiner Seite

Ein anderer Datensatz zeigte ein sehr beunruhigendes Ergebnis: Es gab beinahe zu jeder Stunde des Tages GPS-Standorte. Da der betreffende Spieler jedoch nicht immer gezaubert, sondern zwischendurch auch geschlafen haben musste, hat Wizards Unite diese Daten gesammelt, als das Spiel gar nicht geöffnet war.

Harry Potter: Wizards Unite - Wie viel RPG steckt im Pokémon GO für Zauberer? 8:05 Harry Potter: Wizards Unite - Wie viel RPG steckt im Pokémon GO für Zauberer?

Auf das Tracking angesprochen erklärte Entwickler Niantic, dass die App eigentlich keine Daten sammle, wenn sie nicht aktiv gespielt würde. Doch später stellte sich heraus, dass die Android-Version des Klienten-Codes wohl einen Fehler enthielt, der die Sammlung ermöglichte. Der Fehler sei bereits behoben, aber der Fakt bleibt, dass er bestand. Und da Kotaku nur die Daten von zehn Spielern analysiert hat, ist es nicht möglich zu sagen, wie häufig dieser Bug auftrat.

Es sind nicht nur die Zauberer

Natürlich ist Niantic mit seiner Sammlung nicht allein. Viele andere Apps sammeln ebenfalls Standortdaten über uns, bei Programmen wie Instagram geben User bisweilen sogar noch das genaue Restaurant samt Adresse an, nur weil es dort besonders leckere Gyoza gibt (angefügt ist ein Beispiel der Autorin).

View this post on Instagram

Mein Bauch ist voller Glück.

A post shared by Ann Kathrin (@casual_kuhls) on

Ebenfalls wichtig: Niantic gibt diese Daten nicht eins zu eins an Dritte weiter. Vielmehr werden sie zusammengenommen und belaufen sich auf generelle Aussagen.

Andere Firmen geben jedoch genauer Auskunft. Und auch, wenn Daten wie diese nur anonymisiert weitergegeben werden, heißt das nicht, dass sie wirklich anonym sind. Manchmal genügen nicht mehr als vier getrackte Standorte, um eine Person zu identifizieren. Kreditkartenfirmen, Versicherungen oder Supermarktketten zahlen für diese Informationspakete sehr viel Geld.

Hier ein Mitarbeiter eines Kreditinstitutes aus der Welt der Hexen und Zauberer. Hier ein Mitarbeiter eines Kreditinstitutes aus der Welt der Hexen und Zauberer.

Natürlich sind nicht alle diese Informationen komplett neu. Trotzdem ist es spannend, sie sich immer mal wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Macht ihr euch Gedanken um die Daten, die ihr teilt?


Kommentare(1)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.

Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen oder schließen