Baldur’s Gate 3 zeigt, wie ein guter Spielanfang geht – im Vergleich zu Starfield und Hogwarts Legacy

Baldur’s Gate 3 hat Samara ab der ersten Spielminute in die Handlung reingezogen. Den Beginn findet sie gerade im Vergleich mit anderen RPGs extrem gelungen.

Unser Companion Gale freut sich: Der Spielanfang von Baldurs Gate 3 ist wirklich packend. Unser Companion Gale freut sich: Der Spielanfang von Baldur's Gate 3 ist wirklich packend.

Ich bin eigentlich kein großer Fan von High Fantasy, aber Baldur’s Gate 3 hat mich ab der ersten Spielminute in seinen Bann gezogen. Sofort muss ich einer Bedrohung entkommen und habe eine große, wichtige Aufgabe im Blick, von der das Überleben meines Charakters abhängt. 

Zwar kann ich mir auf meiner Reise durch Faerun an sämtlichen Ecken richtig viel Zeit nehmen, am Anfang geht aber alles direkt Schlag auf Schlag; ohne dass ich das Gefühl habe, mich erst mal durch zähes Vorgeplänkel quälen zu müssen – und das finde ich richtig erfrischend, gerade im Vergleich zu anderen aktuellen Spielen wie Starfield. 

Spoiler-Warnung: Wir verraten hier, wie die Story der genannten Spiele beginnt, gehen aber nicht zu sehr ins Detail und verraten nichts über den Anfang hinaus.

Auftakt mit spektakulärer Tentakel-Action

Bevor ich das Steuer übernehme, wird’s für meine selbst erstellte Figur Batoidea erst mal eklig: Der Drow-Charakter wird auf einem fleischigen Flugschiff gefangen gehalten und bekommt von Gedankenschindern einen fiesen Parasiten hinters Auge gepflanzt. Doch als das Transportmittel der tentakligen Invasoren attackiert wird und abstürzt, ist das meine Chance, zu entkommen. 

Dabei treffe ich sofort auf meine erste Begleiterin, die Githyanki Lae’zel und obwohl sie nicht mein größter Fan ist, macht uns die Not zu Verbündeten. Schön finde ich, dass mich das RPG bei meiner Flucht nur bis zu einem gewissen Grad führt: Es macht mir mit der eingeblendeten Missions-Anweisung beispielsweise klar, dass ich die harten Gegner, auf die ich im Schiff treffe, nicht bekämpfen muss, sondern stattdessen schnell fliehen kann.

Hier trifft Samaras Spielcharakter auf Laezel und den beiden ist klar, dass etwas Unugtes in ihren Köpfen vorgeht. Hier trifft Samaras Spielcharakter auf Lae'zel und den beiden ist klar, dass etwas Unugtes in ihren Köpfen vorgeht.

Trotzdem wird mir längst nicht alles vorgekaut. Wie ich zum Beispiel mit einem anderen Entführungsopfer umgehe, dessen Schädeldecke geöffnet ist, bleibt völlig mir überlassen. Oder besser gesagt: wie ich mit seinem Gehirn umgehe, das womöglicfh ein Eigenleben entwickelt hat. Bereits an dieser Stelle kann die Geschichte unterschiedlich verlaufen und ist kein super lineares Tutorial, das mich wie auf Schienen von A nach B schickt.

Das weckt wunderbare Erinnerungen an Baldur’s Gate 2

Ein weiterer Pluspunkt: Diese Ausgangslage weckt in mir nostalgische Vertrautheit. Baldur’s Gate 2, mein erster Berührungspunkt mit der Reihe vor etwa 20 Jahren, beginnt mit einem Szenario, das sich ganz ähnlich anfühlt.

Hier war mein Charakter in einem gruseligen Kerker gefangen, ebenfalls, weil eine mächtige Person Schindluder mit ihm treiben wollte. Befreit wurde die Hauptfigur in Baldur’s Gate 2 von ihrer Halbschwester Imoen, die – genau wie Lae’zel - in Baldur’s Gate 3, später zum Gruppenmitglied werden kann. Für mich fühlt sich das wie ein netter Wink an, ohne ein Abklatsch zu sein.

Samara Summer
Samara Summer

Samara faszinierte Baldur’s Gate 2 damals so sehr, dass sie kaum vom PC wegzukriegen war. Das lag nicht nur an der düsteren Stimmung, sondern vor allem daran, dass sie vorher noch kein Videospiel erlebt hatte, das so stark auf die Handlungen ihres Charakters reagiert. 

Als sie beim Aufnehmen der “falschen” Person in ihre Gruppe von Begleitern zuerst gewarnt und dann verlassen wurde, war das ein echtes Aha-Erlebnis. Genau wie zu sehen, dass es möglich ist, einen bösen Pfad einzuschlagen. Gleichzeitig machte sie damals auch ihre ersten Schritte in P&P-Abenteuern.

Es ist immer was los

Während ich dann noch die Füße in die Hand nehme, um den Gedankenschindern zu entkommen, treffe ich auch schon die nächsten Companions und habe ruckzuck eine lustige Truppe zusammen. Ich kann beim ersten Erkunden von Faerun auch direkt wählen, wer an meiner Seite sein soll, auf wen ich keinen Bock habe oder wer im Camp warten muss. 

Schnell deutet sich außerdem an, dass diese Begleiter*innen alle ihre eigenen Geheimnisse haben, die mich neugierig machen. Gale hat beispielsweise ordentlich Hunger auf magische Artefakte, während Schattenherz einen mysteriösen Gegenstand bei sich trägt, über den sie selbst laut eigener Aussage kaum was weiß.

Schnell sind einige Companions beisammen, zu denen auch Astarion gehört, der sich hier vorstellt. Schnell sind einige Companions beisammen, zu denen auch Astarion gehört, der sich hier vorstellt.

Baldur’s Gate 3 will, dass ich mich mit den Mechaniken beschäftige und kreative Lösungen für Probleme finde. Anfangs kann das ganz schön fordernd sein, wenn ich noch gar nicht weiß, wie ich am besten tricksen kann, um mir große Kämpfe zu erleichtern – indem ich zum Beispiel eine Horde Oger für mich anheuere.

Auch beim Inventar und den vielen Fähigkeiten fühle ich mich anfangs dann doch ein bisschen überfordert. Schließlich ist mein Abenteuer in Baldur’s Gate 2 wirklich lange her. Für mich gilt trotzdem: Lieber etwas ins kalte Wasser geworfen werden, anstelle mir alles vorkauen zu lassen. 

Eine Story, die perfekt zu meiner Figur passt

Auch die Geschichte ist von Anfang an stimmig, gerade mit meinem gewählten Volk, den Drow. Statt mich gleich in der Spielwelt und Nebenaufgaben zu verlieren, ist nämlich mein Ziel, die verdammten Larven loszuwerden, die in meinem Hirn herumkrabbeln und mich auf seltsame Art mit anderen Personen verbinden.

Unsere Hauptfigur spürt am Anfang, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Die Parasiten der Gedankenschinder gilt es ganz schnell wieder loszuwerden. Unsere Hauptfigur spürt am Anfang, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Die Parasiten der Gedankenschinder gilt es ganz schnell wieder loszuwerden.

Um das zu erreichen, gehe ich Zweckgemeinschaften ein und greife auch mal anderen unter die Arme. Meine große Hoffnung ist, dass mich der Druide Halsin heilen kann – doch der ist dummerweise bei einem Goblin-Angriff verschollen. 

Das ist für meinen Drow-Charakter eine glaubwürdige Motivation. Herumrennen und nur aus purer Nächstenliebe Nebenaufgaben zu absolvieren, würde wohl kaum zu diesem Volk passen.

Hier steht die Party, bestehend aus dem Spielercharaker, Schattenherz und Astarion, vor einem halb toten Gedankenschinder. Eine Entscheidung steht an. Hier steht die Party, bestehend aus dem Spielercharaker, Schattenherz und Astarion, vor einem halb toten Gedankenschinder. Eine Entscheidung steht an.

Das bekommen längst nicht alle RPGs so hin

Ich kann den Einstieg in Baldur’s Gate 3 vor allem so stark wertschätzen, weil andere große und aktuelle Rollenspiele mich mit ihrem Auftakt gar nicht abholen konnten. Für mich gab es in diesem Jahr schon zwei sehr prominente Beispiele dafür, nämlich Starfield und Hogwarts Legacy.

Der Einstieg in das Zauber-RPG war für mich einfach nur zäh. Ich werde von einem Professor persönlich abgeholt, der mich aus irgendeinem Grund fördern will, und zwar zu den wichtigsten Personen zählt, trotzdem aber gerade am Anfang für mich wenig interessant ist. 

In Hogwarts Legacy dauert es erst mal, bis wir überhaupt die Zauberschule erreichen. In Hogwarts Legacy dauert es erst mal, bis wir überhaupt die Zauberschule erreichen.

Okay, dann gibt es eine Zwischensequenz mit Drachenaction und dem Absturz der Flugkutsche, danach folgt aber ein Abschnitt, in dem ich mir erst mal dem Professor folgen und mir meinen Weg zur Schule suchen muss. Es wird zwar auch ein wenig gekämpft, aber mein Weg ist dabei sehr strikt vorgegeben und die Interaktionen zwischen meiner Figur und ihrem Begleiter haben mich nicht gepackt.

Ich wollte nur endlich in die Zauberschule und meine Klassenkamerad*innen kennenlernen. In den Schulstunden, die dann folgen, hätte ich auch gut alles lernen können, was mir auf dem Weg dorthin beigebracht wurde. 

Mit Starfields aktueller RPG-Konkurrenz geht es mir ähnlich

Auch in Starfield ist das Anfangstempo gemächlich und die Handlung ziemlich linear. Es geht damit los, dass ich als einfache Minenarbeiterin Mineralien abbauen muss. Wirklich alles, was es darüber zu wissen gibt, erzählt mir mein Supervisor. Nur, dass mich das gar nicht interessiert, weil ich ja motiviert bin, unbekannte Welten zu entdecken und meine Zeit nicht im Bergwerk fristen will.

Auch Starfield lässt sich Zeit, um in Gang zu kommen. Auch Starfield lässt sich Zeit, um in Gang zu kommen.

Die ersten Spielminuten bestehen hier ebenfalls sehr stark aus langsamem Hinterherlaufen und Zuhören, zwischendurch geht’s dann in den Charakter Editor, was ich bei Baldur’s Gate bereits vorab erledige – ebenfalls eine Entscheidung, die mir besser gefällt, um mit einer klaren Vorstellung von meinem Charakter zu starten und mich nicht zwischendrin wieder rauszureißen. 

Danach muss ich wieder viel zuhören. Das wird zwar mal durch eine kleine Baller-Einlage aufgelockert, aber generell würde ich immer noch gerne alles beschleunigen. Auch der Sprung in der Story vom Neuling in der Mine zu einer der wichtigsten Personen im Universum fühlt sich etwas zu plötzlich an. 

Sein ganzes Potenzial, das versichern mir immer wieder Kolleg*innen, entfaltet Starfield erst später und das glaube ich ihnen auch. Bis ich dort ankomme, muss das Weltall aber erst mal auf mich warten - und gerade aktuell stecke ich die freie Spielzeit daher lieber erst mal in Baldur’s Gate 3.

Wie hat euch der Einstieg in Baldur's Gate 3 gefallen? Hat er euch auch sofort gepackt?

zu den Kommentaren (33)

Kommentare(28)
Kommentar-Regeln von GamePro
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.

Baldur's Gate 3

Genre: Rollenspiel

Release: 03.08.2023 (PC), 06.09.2023 (PS5), 07.12.2023 (Xbox Series X/S)