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Battlefield 5 - Wie Frauen im zweiten Weltkrieg wirklich gekämpft haben

Mit dem Releasetrailer von Battlefield 5 wurden Beschwerden über fehlenden Realismus laut, unter anderem wegen Frauen an der Front. Sind die Beschwerden berechtigt? Wir haben die Fakten zusammengetragen.

von Ann-Kathrin Kuhls, Rae Grimm,
26.05.2018 12:56 Uhr

Battlefield 5 - Reveal-Trailer zeigt immense Action und Gameplay 2:34 Battlefield 5 - Reveal-Trailer zeigt immense Action und Gameplay

Der Releasetrailer von Battlefield 5 hat bei einigen Fans für Entrüstung gesorgt. Farbige Gesichtsbemalung, Lederjacken mit Gangmotiven und eine Soldatin, die ihre Waffe mit einer Armprothese hält seien einfach zu unrealistisch.

Dabei störten sich viele sowohl an der Prothese als auch an der Soldatin selbst. Frauen haben auf den Schlachtfeldern des zweiten Weltkriegs nichts zu suchen, weil sie in der Realität nie an den Kämpfen teilgenommen haben, so viele Kommentare unter dem Trailer und den sozialen Medien.

Während einem Großteil der Kommentierenden egal war, ob ihre Figur nun männlich oder weiblich war, beschwert sich der kleinere Teil seit Ankündigungs-Event lautstark. Bei so viel Aufruhr stellt sich natürlich die Frage, ob die Beschwerden berechtigt sind. Wie realistisch ist das Setting von Battlefield 5? Gab es Frauen an der Front? Und welche War Stories könnten sie tatsächlich erzählen?

Welche War Stories wird Battlefield 5 erzählen?Welche War Stories wird Battlefield 5 erzählen?

Wir haben für euch zusammengetragen, welche Rollen Frauen im Heer des zweiten Weltkriegs eingenommen haben. Dabei konzentrieren wir uns vor allem auf das britische und sowjetische Militär. Zum einen, weil dort genaue Zahlen und Fälle festgehalten wurden. Zum anderen, weil der Trailer vor allem britische Truppen zeigt und wir uns so genau wie möglich mit der exakten Kritik auseinandersetzen wollten.

Heimatfront oder Frontlinie?

Zunächst einmal: Weibliche Soldatinnen waren in der Tat nicht gerade in der Überzahl. Ein Großteil war nicht an der Kriegsfront, sondern an der Heimatfront zugegen. Der Mangel an Männern machte Frauen auch in damals traditionell männlichen Jobs unentbehrlich unter anderem in Munitionsfabriken, beim Transport von Ressourcen wie Kohle und Munition auf Schiffen und bei administrativen Aufgaben im gehobenen Dienst.

Außerdem nahmen sie Stellen in der Hilfsfeuerwehr, der Hilfspolizei und der Luftangriffvorsorge ein (Auxiliary Fire Service, Women's Auxiliary Police Corps und Air Raid Precautions services). Diese Frauen waren trotzdem auch weiterhin Hausfrauen und Mütter, wodurch es zu einer Doppelbelastung kam. Allerdings verdienten die Arbeiterinnen bei gleicher Arbeit sehr viel weniger Geld als ihre männlichen Kollegen, was ihren Alltag zusätzlich erschwerte.

Propagandaplakate, hier mit dem berühmten "Rosie the Riveter"-Motiv, sollten Frauen motivieren, in die Industrie einzusteigen und die Soldaten von zu Hause aus zu unterstützen.Propagandaplakate, hier mit dem berühmten "Rosie the Riveter"-Motiv, sollten Frauen motivieren, in die Industrie einzusteigen und die Soldaten von zu Hause aus zu unterstützen.

Doch Arbeiterinnen wurden gebraucht: Der Industrie mangelte es durch den Krieg an Fachkäften, weswegen die Anzahl der in der Industrie beschäftigten Frauen von 1938 bis 1945 von 19.75 auf 27 Prozent stieg.

Neue Chancen in den Vierzigern

Durch die großen Verluste an der Front fehlten 1942 jedoch 1,5 Millionen Menschen im Militär und militärischen Einrichtungen. Ab 1941 dehnte Großbritannien darum zum ersten Mal in seiner Geschichte die Wehrpflicht auch auf Frauen aus. Diese dienten dann im Women's Royal Naval Service, der Women's Auxiliary Air Force und dem Air Transport. Aber auch der Army, der Royal Air Force und der Royal Navy.

  • 640.000 der eingezogenen Frauen arbeiteten für die Streitkräfte
  • 55.000 waren im Bereich Luftraumverteidigung beschäftigt
  • 80.000 dienten in der Landarmee

Von den eingeschriebenen Frauen hatten siebzig Prozent der Beschäftigten weitestgehend weiblich konnotierte Berufe wie Sekretärin, Büroassistentinnen und Postsortiererinnen inne. Allerdings waren viele auch im medizinischen Bereich aktiv, vor allem dem Royal Army Medical Corps und dem Corps der Navy.

Während von ihnen überall im Militär die gleiche Leistung erwartet wurde wie von ihren männlichen Kameraden und sich auch die Grundausbildung der Geschlechter nicht groß unterschied, gab es trotzdem einige Bereiche, in denen Frauen normalerweise nicht vertreten waren.

Britische Frauen an der Front

Britinnen wurden nicht in Kampfeinheiten eingesetzt. Allerdings arbeiteten sie als Mechanikerinnen, Rüstungsspezialistinnen und stellten einen großen Teil der Anti-Luftwaffen-Abteilung, die deutsche Flugzeuge und V1-Raketen aus der Luft schießen sollte.

Die Suchscheinwerfer der Abteilung waren eine sehr beliebte Stelle. Zum Beispiel waren sämtliche Mitglieder des 93ten Regiments, die die Suchscheinwerfer bemannten, weiblich. Es gab aber auch gemischte Bataillone und Regimenter, in denen die Soldatinnen einen sehr guten Ruf unter jungen Kameraden genossen. Alte und konservative Soldaten standen dem Ganzen jedoch skeptisch gegenüber und begegneten den Frauen mit Ressentiments.

Ein gemischtes Battallion in der Luftabwehr war nicht unüblich - die hier gezeigten Outfits wären es für die Anti-Luftwaffen-Abteilung aber schon.Ein gemischtes Battallion in der Luftabwehr war nicht unüblich - die hier gezeigten Outfits wären es für die Anti-Luftwaffen-Abteilung aber schon.

Geheimagentinnen und der britische Nachrichtendienst

Aber nur, weil Frauen nicht offiziell an vorderster Front kämpfen durften, hieß das noch lange nicht, dass sie sich auch daran hielten. Die weiblichen Mitglieder des SOE (Special Operations Executive) des britischen Nachrichtendienstes wurden als Geheimagentinnen eingesetzt, die unter anderem im besetzten Frankreich landeten, dort Sabotageaktionen durchführten und lokale Widerstandstruppen unterstützen.

Dabei begaben sie sich meist weit hinter feindliche Linien und riskierten, gefangen, gefoltert und getötet zu werden. Die Einsätze waren hart, doch die Frauen sehr erfolgreich: Die SOE wurde zum Vorbild für den MI6, der sehr viele ihrer Techniken und Vorgehensweisen übernahm.

Die weiße Maus

Ein Beispiel ist Nancy Wake, die höchstdekorierte weibliche Agentin des Britischen Militärs. Als Fluchthelferin und Mitglied der Résistance rettete sie Widerständler und notgelandete alliierte Piloten aus dem Feindesland und führte die Nazis den gesamten Krieg lang an der Nase herum.

Studioportrait von Nancy Wake, ca. 1945.Studioportrait von Nancy Wake, ca. 1945.

Das brachte ihr den trügerischen Spitznamen "Weiße Maus" ein. Er ist vor allem irreführend, weil sie unter anderem komplette Militärangriffe steuerte, das Hinterland für den D-Day vorbereitete und den Angriff auf die Gestapoleitstelle in Montluçon anführte. Sie war bewandert in Überlebenstraining, Nachrichtenübermittlung, lautlosem Töten und dem Umgang mit Plastiksprengstoff.

Nancy Wake erhielt für ihren Dienst mehrere Auszeichnungen, unter anderem die George Medal, die Médaille de la Résistance, das Offizierskreuz der Ehrenlegion, das Croix de Guerre und die Medal of Freedom des US-Präsidenten.

La Miss

Auch Susan Travers nahm aktiv am Kampfgeschehen teil, allerdings nicht im britischen Militär, sondern der Fremdenlegion, die der französischen Regierung Zeitsoldaten aus über 150 Nationen zur Verfügung stellte. Als einziges offizielles weibliches Mitglied kämpfte die Londonerin sowohl im zweiten Weltkrieg als auch im Indochinakrieg.

Als bei der Schlacht von Bir Hakeim in Nordafrika alle Frauen evakuiert wurden, harrte "La Miss" zusammen mit ihren Kameraden 15 Tage lang aus und führte anschließend einen LKW-Konvoi an, der über 2500 eingekesselten Franzosen das Leben rettete.

Anders als ihre Kolleginnen, die von britischen Militär nicht in Frontkämpfe involviert wurden und deswegen auch keine Medaillen bekamen, wurde sie von der Französischen Regierung für ihre Arbeit ausgezeichnet. Sie erhielt in ihrer aktiven Zeit die Ehrenlegion, das Croix de Guerre und die Médaillie Millitaire.

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