“Bloodborne ist so bescheuert.” “Bloodborne sieht ganz furchtbar aus.” Diese Aussagen werden mir noch heute im Freundeskreis vorgehalten. Und ja, womöglich habe ich sie vor elf Jahren tatsächlich so oder so ähnlich getätigt. Schande über mein Haupt. Erst ein Jahr später bin ich dank FromSoftwares nächstem Souls-Spiel Dark Souls 3 reumütig nach Yharnam zurückgehuscht und habe realisiert, was mir da entgangen ist.
Bloodborne und ich haben auf dem falschen Fuß angefangen
2015 haben wir uns eine PS4 mit drei Spielen gekauft und eines davon war Bloodborne. Dank der kosmischen Horror-Prämisse und des hochgelobten Kampfsystems war ich neugierig auf den FromSoftware-Hit – wenn auch gleichzeitig eine gewisse Skepsis da war, weil der Titel als sauschwer galt.
Was das genau bedeutet, erlebte ich dann zunächst nur mit, als ich meinem Partner beim Zocken über die Schulter schaute. Für ihn war es ebenfalls das erste Souls-Spiel und er prügelte sich mit der Axt als Startwaffe (statt beispielsweise dem wesentlich mächtigeren Sägehackbeil) und ohne Guides durch Yharnam.
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Bloodborne - Story-Trailer mit vielen neuen Gameplay-Szenen - Story-Trailer mit vielen neuen Gameplay-Szenen
Entsprechend bekam er immer wieder ordentlich auf die Mütze, wie es sich für unerfahrene Souls-Neulinge gebührt; auch wenn er sich dafür gar nicht schlecht gemacht hat. Er landete nur eben zum Beispiel aufgrund der unterschiedlichen möglichen Pfade schon ziemlich früh bei Father Gascoigne, dem ersten echten “Skillcheck”-Boss.
Und während er dabei feierte, dass es belohnt wird, Boss-Bewegungsmuster zu verinnerlichen und mir erklärte, dass Sterben nun mal dazugehört, schrie alles in mir: “NEIN!” Ich war damals beim Zocken chronisch ungeduldig und wollte am liebsten einfach nur stumpf draufknüppeln oder draufballern und alles umnieten.
Erwartungsgemäß schnell war ich frustriert, als ich dann mal für kurze Zeit selbst das Pad in die Hand genommen habe. Bereits nach einem kurzen Abstecher in die ersten Gassen hatte ich die Schnauze gestrichen voll.
Dazu kam nämlich auch noch, dass mich das Setting enttäuschte. Durch FromSoftwares kryptisches Storytelling war für mich überhaupt nicht greifbar, was in Yharnam eigentlich vor sich geht. Für mich war das einfach nur eine seltsame, lärmende, in lila gehüllte Stadt, in der mich ein Nilpferdmensch zermatscht, wenn ich gerade mühevoll einem Mob entkommen bin.
Erst Dark Souls 3 hat mir die Augen geöffnet
Rund ein Jahr später erschien Dark Souls 3 und nach dieser Erfahrung wollte ich logischerweise erst mal gar nichts von dem Spiel wissen. Dann habe ich mich aber mit dem Charakter-Editor ködern lassen.
Der hat nämlich extrem viele Schieberegler und als ich sah, wie Zocker*innen trotzdem oder gerade deshalb daran scheiterten, halbwegs ansehnliche Charaktere zu erstellen, war mein Ehrgeiz geweckt.
Ich habe es dann zwar auch nicht hinbekommen, eine Figur nach meinen Vorstellungen zu kreieren, aber nachdem ich richtig viel Zeit investiert hatte, wollte ich mich mit ihr zumindest mal am ersten Boss versuchen.
Und da hat es mich auf einmal gepackt; ohne dass ich sagen kann warum. Ich will nicht lügen: Ich war grottig, obwohl Iudex Gundyr zu den leichtesten Bossen gehört, die das Genre zu bieten hat. Wieder und wieder rannte ich in die Arena, bis er schließlich den Löffel abgegeben hat.
Bei diesem Sieg hat die Souls-Magie endgültig ihre Wirkung entfaltet. Ich war im siebten Himmel und die Motivation hat so lange angehalten, dass ich das ganze Spiel nicht nur einmal, sondern gleich mehrmals hintereinander gezockt habe.
Danach war ich bereit, Bloodborne eine zweite Chance zu geben – und als im Herbst 2026 der erste Nebel aufzog, war der richtige Zeitpunkt gekommen. Ich hatte mich nicht nur spielerisch verbessert, sondern brachte auch ein ganz anderes Mindset mit.
Das flotte Tempo und der Fakt, dass aggressives Spielen belohnt wird, kam mir derart entgegen, dass mir der Souls-Titel dieses Mal sogar vergleichsweise leicht viel. Einige Bosse konnte ich nun First Try bezwingen.
Außerdem bin ich voll und ganz in der düster-ranzigen, surrealen Spielwelt und Story aufgegangen, die immer noch zu meinen liebsten überhaupt zählt. Inzwischen hatte ich nämlich begriffen, dass ich mich bei FromSoftware einfach mehr reinknien muss, um die Geschichte zu erfassen. Etwas, das ich heutzutage sogar richtig genieße.
Mit all den Details und belohnenden Momenten hat Bloodborne einen festen Platz in meinem Herzen, noch über Dark Souls 3, erobert. Und jedes Jahr, wenn wieder Herbstnebel aufzieht, bekomme ich Lust, nach Yharnam zurückzukehren.
Gibt es bei euch auch so ein Spiel, bei dem es Liebe auf den zweiten Blick war oder das ihr vielleicht erst mal liegenlassen musstet, bis ihr euch spielerisch weiterentwickelt habt?
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