Der Dragon Ball-Anime ist viel besser als Dragon Ball Z

Oliver hat damals beide Anime-Serien geschaut und geliebt. Doch im direkten Vergleich war das originale Dragon Ball einfach besser, denn hier gab es noch echte Abenteuer zu erleben.

von Oliver Strosetzki,
29.04.2020 18:00 Uhr

Dragon Ball steht oft im Schatten von DBZ - zu Unrecht. Dragon Ball steht oft im Schatten von DBZ - zu Unrecht.

Dragon Ball war für mich, vielleicht sogar für eine ganze Generation, der Urknall im deutschen Anime-Universum. Ich konnte es damals noch nicht ahnen, aber ein Jahr sollte es dauern, ehe die Abenteuer rund um den sympathischen, bärenstarken und etwas begriffsstutzigen Jungen Son Goku in Dragon Ball Z weitergehen würden. Es ging weiter, doch sagen wir mal so: Alles war anders.

Zauberstab erscheine!

Mit Dragon Ball lieferte Erfinder Akira Toriyama nicht nur eine astreine Abenteuer-Geschichte ab, die vor fantastischen Elementen nur so strotzt, sondern wob in deren Handlung auch chinesische und japanische Erzähltraditionen ein. So basiert der Hauptcharakter Son Goku tatsächlich auf der Figur des "König der Affen" Sun Wukong. Das ist eine chinesische Sagengestalt und ein Volksheld, der bereits im 16. Jahrhundert im Roman "Die Reise nach Westen" Abenteuer erlebte.

Er trotzt mit Hilfe seines Zauberstabs, einer fliegenden Zauberwolke sowie einer gehörigen Prise Kampfkunst allen dämonischen Widrigkeiten und tritt mit himmlischen Mächten in Kontakt. Diese Erzählkniffe haben schon vor fünfhundert Jahren funktioniert und schaffen es mit ihrer Zeitlosigkeit bis heute in Dragon Ball zu begeistern.

Die Jagd nach den Dragon Balls war genauso wichtig wie alle Kämpfe, die Son Goku als Kind bestreiten musste. Die Jagd nach den Dragon Balls war genauso wichtig wie alle Kämpfe, die Son Goku als Kind bestreiten musste.

Ein heimliches Kamehameha

Von all diesen Querverweisen und Anspielungen hatte ich als zwölfjähriger Junge natürlich gar keine Ahnung. Die Frage, was man sich vom Zauberdrachen Shenlong wünschen würde, der erscheint, wenn man alle sieben Dragon Balls gefunden hat, sorgte dafür im Kinderzimmer für so manche hitzige Diskussion. Der immer frohe Son Goku, der zusammen mit seiner Zauberwolke Jindujun, dem magischen Zauberstab und der smarten Bulma das Dragon Ball-Universum erkundete, war die nachmittägliche Eintrittskarte in eine Welt, in der alles möglich war.

Anfängliche Feinde wie der Ganove Yamchu oder der grantige, dreiäugige Tenshinhan mit seinem ungesund aussehenden Begleiter Chaozu wurden nach spektakulären Kämpfen und Abenteuern im Laufe der Serie zu unzertrennlichen Wegbegleitern. Und auch wenn es mit Prinz Pilaw, der Red-Ribbon-Armee, dem finsteren Tao Pai Pai bis zum dämonischen Oberteufel Piccolo immer mächtigere Gegenspielern gab, so war die Handlung doch immer um die Suche nach den Dragon Balls gestrickt.

Over 9000!

Die Z-Kämpfer waren anfangs noch gleichgestellt, doch am Ende ging es nur noch um die Macht der Saiyajins. Die Z-Kämpfer waren anfangs noch gleichgestellt, doch am Ende ging es nur noch um die Macht der Saiyajins.

Auch wenn der Dragon Ball-Anime im Jahr 2000 vorerst zu Ende war, so ging die Handlung mit dem Dragon Ball Z nahtlos weiter. Aber die Welt stand plötzlich Kopf! Son Goku ein Außerirdischer, der ursprünglich ausgesandt wurde, um die Erde zu versklaven? Die Dragon Balls eine Erfindung der Bevölkerung vom Planeten Namek, dem auch Piccolo und sein göttlicher Gegenspieler entstammen? Und warum zum (Ober-)Teufel wird nun jeder Verstorbene im Akkord wiedererweckt?

Stand in Dragon Ball noch die Suche nach dem Zauberdrachen Shenlong und den daraus entstehenden, fantastischen Abenteuern in einer mythologischen Welt im Vordergrund, verliert sich Dragon Ball Z in einer technoiden Erklärungswut, die keinen Raum mehr für Wunder und Abenteuer lässt. Die chinesische und japanische Sagengeschichte, die Akira Toriyama in Dragon Ball noch begeistert zelebriert hatte und die dem Storytelling einen zeitlosen Unterbau gegeben hat, fehlt in Dragon Ball Z nahezu komplett.

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Besonders die liebevollen und abgedrehten Charaktere wie der Rinderteufel oder der Herr der Schildkröten, rücken zunehmend in den Hintergrund. Zwar zehrt Dragon Ball Z bis zum Schluss von den Banden, die in Dragon Ball geknüpft wurden, wagt es aber nicht mehr die Protagonisten in neue Konstellationen zu besetzen, die abseits vom unausweichlichen Hau-Drauf einen Mehrwert bieten könnten. Und die Dragon Balls? Die verkommen zur einfallslosen Deus-Ex-Machina, um so manchen, aus dramaturgischen Gründen gesetzten Tod wieder rückgängig zu machen.

Die Cell-Saga ist unterhaltsam, folgt aber einer sehr simplen Formel. Die Cell-Saga ist unterhaltsam, folgt aber einer sehr simplen Formel.

Auch die durchaus faszinierenden Gegenspieler, wie der im Labor gezüchtete Cell oder der intergalaktische Dämon Boo, folgen nun nur noch gebetsmühlenartig dem Ziel, die Erde oder gleich das ganze Universum zu zerstören. Ist dem einen Widersacher das Handwerk gelegt, kommt die nächste galaktische Bedrohung, die es mit einer der unzähligen Super-Saiyajin- Ausuferungen (es sind drei!) zu bekämpfen gilt.

Natürlich gab es auch im originalen Dragon Ball spektakuläre Kämpfe, auf die die Handlung lange hinarbeitete, allerdings stellt Dragon Ball Z die körperliche Auseinandersetzung endgültig in den Mittelpunkt.

Finde die sieben Dragon Balls!

Ich bin ehrlich, auch ich habe Dragon Ball Z damals begeistert aufgenommen. Die unzähligen Antworten, auch auf Fragen, die ich so vielleicht nie gestellt hätte, habe ich begierig in mich aufgesogen - sogar die gigantomanischen, immer wahnwitzigeren Kämpfe habe ich fasziniert verfolgt. Aber das Prinzip "höher, schneller, weiter" geht für mich rückblickend mit Dragon Ball Z nicht auf. Der ursprüngliche Witz, die charmante Absurdität gepaart mit fantastischen Abenteuern fehlen hier.

Dragon Ball Z hat den eigentlichen Kern, nämlich eine gute und zeitlose erzählte Geschichte, aus den Augen verloren. Am Anfang seiner langen Geschichte versprüht das Dragon Ball-Universum nämlich noch am meisten Fantasie sowie Erzählwitz und lädt bis heute immer wieder zum Staunen und Schmunzeln ein. Sorry, Mister Satan - Herr der Schildkröten, ich komme!

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