Dungeons & Dragons: Dark Alliance im Test - Enttäuschendes Goblin-Gemetzel

Das Reboot des Klassikers Dark Alliance als D&D-Superhelden-Brawler bietet gute Action und eine schicke Inszenierung, aber frustriert mit schlechter Gegner-KI und nervigen Bugs.

von Manuel Fritsch,
25.06.2021 12:45 Uhr

Dungeons & Dragons: Dark Alliance sieht gut aus, spielt sich aber nur unterdurchschnittlich. Dungeons & Dragons: Dark Alliance sieht gut aus, spielt sich aber nur unterdurchschnittlich.

Mit Dungeons & Dragons: Dark Alliance möchte das kanadische Studio Tuque Games einen spirituellen Nachfolger zu den alten Dark-Alliance-Spielen anbieten. Diese gelten seit ihrem Release Anfang der 2000er Jahre als unterhaltsame Couch-Koop-Highlights und brauchbare Diablo-Alternative auf den Konsolen.

Wie bei den Vorbildern ziehen wir mit bis zu drei Freunden in die Schlacht gegen das Böse. Statt am Baldur's Gate sind wir diesmal im eisigen Norden des Eiswindtals unterwegs, um der namensgebenden dunklen Allianz dort den Garaus zu machen. Außerdem schauen wir nicht mehr von schräg oben auf das Schlachtfeld, sondern blicken in der 3rd-Person-Perspektive über die Schulter der Figuren.

Sind Feinde rot umrandet, lässt sich ihre Attacke nicht blocken. Das Signaling funktioniert und starke Elitegegner sind klar erkennbar. Sind Feinde rot umrandet, lässt sich ihre Attacke nicht blocken. Das Signaling funktioniert und starke Elitegegner sind klar erkennbar.

Wenig verändert hat sich der Gameplay-Loop, der auch weiterhin schwerpunktmäßig aus geballter Haudrauf-Action besteht und durch Erkundungspassagen und kleinen Rätseleinlagen aufgelockert wird. Zwischen der Monsterklopperei rüsten wir gefundene Ausrüstung aus, verteilen gewonnene Attributspunkte und erwerben neue Angriffe und passive Skills.

Klingt nach einem spaßigen Titel für die lockere Feierabend-Runde mit Freunden - wären da nicht eine Vielzahl an frustrierenden Bugs und die enttäuschende Gegner-KI. Doch der Reihe nach.

Die Avengers der Fantasy-Welt

Zu Beginn wählt ihr aus vier festen Charakteren mit unterschiedlichen Kampfstilen. Der Dunkelelf Drizzt Do'Urden setzt auf Geschwindigkeit und hinterlistige Schleichangriffe und kann einen magischen schwarzen Panther beschwören. Der Zwerg Bruenor Heldenhammer ist der klassische Tank mit Schild, der ordentlich einstecken kann.

Die hochwertig produzierten Zwischensequenzen sind ein kleines Highlight und transportieren die Atmosphäre der reichhaltigen D&D-Fantasy-Welt gut. Die hochwertig produzierten Zwischensequenzen sind ein kleines Highlight und transportieren die Atmosphäre der reichhaltigen D&D-Fantasy-Welt gut.

Die Vorlage
Die Figuren und Handlung von Dark Alliance basieren auf der Romanreihe des Fantasy-Autors Robert Anthony Salvatore rund um den Dunkelelf Drizzt Do'Urden. Das erste Buch der Trilogie »Der gesprungene Kristall« erschien im November 1991 und ist bereits in der 10. Auflage gedruckt. R.A. Salvatore hat Drizzt und seiner Gefolgschaft bereits über 30 Romanen spendiert, ein Ende ist noch nicht in Sicht.

Die magiebegabte Bogenschützin Catti-brie hält sich als Fernkämpferin die Feinde auf Abstand und kann mit Zaubern die gesamte Gruppe stärken. Der muskulöse Barbar Wulfgar räumt mit seinem zweihändigen Kriegshammer und einer beeindruckenden Wirbelattacke ordentlich auf, schleicht ansonsten allerdings eher gemächlich durch die Dungeons.

Dark Alliance ist klar auf den kooperativen Multiplayer ausgelegt. Wer aber lieber allein spielt, kann die komplette Kampagne mit allen vier Figuren auch solo abschließen. Lediglich auf Wiederbelebungen müsst ihr dann verzichten, was einige Bosskämpfe geringfügig schwer werden lässt. Da die Charakterprogression übergreifend ist, könnt ihr mit euren Helden nahtlos zwischen Online- und Offline-Modus wechseln.

Catti-brie hält sich als Fernkämpferin die Feinde auf sicherer Entfernung. Die schlechte Gegner-KI sorgt dafür, dass diese das kommentarlos über sich ergehen lassen Catti-brie hält sich als Fernkämpferin die Feinde auf sicherer Entfernung. Die schlechte Gegner-KI sorgt dafür, dass diese das kommentarlos über sich ergehen lassen

Mit steigender Gruppengröße skalieren die Feinde mit, außerdem stehen sechs Schwierigkeitsgrade zur Auswahl, die bei erfolgreichem Abschluss mit hochwertigeren Belohnungen locken.

Wer nicht rastet, der lootet

Die Chance auf besseres Loot lässt sich auch während einer laufenden Mission steigern, wenn die Gruppe an dafür vorgesehenen Orten kein Lagerfeuer entzündet. Bei einer Rast werden alle verfügbaren Heilungs- und Stärkungstränke aufgefüllt und die Lebensenergie und Ausdauer komplett aufgefrischt. Die Lagerstelle dient außerdem als Speicherpunkt, an dem ihr neu starten dürft, solltet ihr im Kampf sterben. Ein nicht gesetzter Rücksetzpunkt bedeutet nur einen längeren Laufweg, bereits gefundene Schlüssel und Schätze behaltet ihr.

Loot und Schätze erhalten wir erst zuhause im Hubbereich gesammelt in der Beutetruhe. Dies verhindert, dass wir die Action ständig unterbrechen müssen. Loot und Schätze erhalten wir erst zuhause im Hubbereich gesammelt in der Beutetruhe. Dies verhindert, dass wir die Action ständig unterbrechen müssen.

Eine Mission muss komplett abgeschlossen werden, erst dann steht das begehrte Loot in einer speziellen Beutekiste zur genaueren Untersuchung bereit. Dies sorgt dafür, dass die Action innerhalb der Mission dauerhaft hoch bleibt und nicht nach jedem gefallenen Gegner die Beute inspiziert wird und Zwangspausen beim Anlegen einer neuen Beinschiene entstehen.

Gutes Kampfsystem, langweilige Skill Trees

Das Kampfsystem orientiert sich an Souls-like-Spielen. Jede Figur verfügt über einen leichten und schweren Angriff, die zu Kombos verknüpft werden können. Eine Ausdauerleiste limitiert, wie oft sich mächtige Attacken und Blocks ausführen lassen. Wenn ihr gegnerische Schläge im richtigen Moment pariert, unterbricht das die Bewegung und öffnet ein Fenster für den Konterangriff.

Insgesamt verfügt jeder Held über drei uninspirierte Talentbäume, die der Figur mal zehn Prozent mehr Lebensenergie oder fünf Prozent auf die kritische Trefferchance für jeden investierten Talentpunkt einbringt. Interessanter sind da die sogenannten Kampfoptionen, die dem Helden neue Angriffsmuster und Schlagkombinationen gegen Abgabe von Münzen spendieren.

Die drei Talentbäume sind recht unspektakulär und geben meist nur prozentuale Steigerungen auf kritischen Schaden oder mehr Lebensenergie. Neue Skills lassen sich über Gold in den Kampfoptionen erwerben. Die drei Talentbäume sind recht unspektakulär und geben meist nur prozentuale Steigerungen auf kritischen Schaden oder mehr Lebensenergie. Neue Skills lassen sich über Gold in den Kampfoptionen erwerben.

Zu den zwei Standardangriffen können für jede Klasse bis zu vier weitere, einzigartige Spezialfähigkeiten erworben werden, von denen ihr euch zwei vor Missionsbeginn aussucht. Bis ihr diese einsetzen könnt, stehen etliche Stunden Fleißarbeit an, in denen ihr die gleichen Level immer wieder und wieder spielt, um die benötigten Erfahrungspunkte und das nötige Kleingeld zu sammeln.

Durch Levelaufstiege und Nebenquests erhaltene Attributspunkte lassen sich außerdem rollenspieltypisch in Charakterwerte wie Stärke, Geschicklichkeit, Weisheit oder Charisma stecken, um die Grundwerte für Verteidigung oder Lebensenergie der Spielfigur anzuheben.

Unbefriedigenes Gegnerverhalten und kaputte Bossfights

Die Action macht dank der sehr unterschiedlichen Spezialisierungen der Recken und den abwechslungsreichen Gegnern auf den ersten Eindruck viel her. Einige Feinde wie der Frostriese sind so groß, dass wir im Nahkampf nur die Stiefel sehen, Kultisten teleportieren sich über das Feld und erzeugen magische Schutzschilde und eklige Verbeegs kotzen giftigen Schleim über uns.

Drei Heilungstränke können maximal genutzt werden. Daran sollte man denken, bevor man eingefroren wird und sich kurzzeitig nicht mehr bewegen kann. Drei Heilungstränke können maximal genutzt werden. Daran sollte man denken, bevor man eingefroren wird und sich kurzzeitig nicht mehr bewegen kann.

Doch die Hektik im Kampf kann die miserable Gegner-KI nur teilweise überdecken. Auf die Fernkämpferin reagieren die Feinde in aller Regel gar nicht und lassen sich ohne Gegenwehr ausschalten, weswegen wir nur dringend davon abraten können, mit Catti-brie im Alleingang zu spielen.

Auch im Nahkampf sorgt das Verhalten oft für Frustmomente, wenn Feinde regungslos auf unseren Angriff warten, nach einem Treffer einfach hinter uns auftauchen oder unmotiviert in Eisfallen treten und Schaden nehmen. Richtig enttäuschend sind vor allem die interessant gestalteten Bosse. Im Koop-Modus lassen sich die meisten von ihnen in eine Ecke drängen und mit wildem Dauerfeuer und Spezialattacken in wenigen Minuten erledigen.

Stellt man den Schwierigkeitsgrad daraufhin höher, stellt man frustriert fest, dass dann auch normale Standard-Gegner den Helden oft beim ersten Schlag die komplette Lebensenergie abziehen. Und: Seltsames Ragdoll-Verhalten und fehlende Trefferanimationen sind an der Konsole nicht ganz so stark ausgeprägt wie in der PC-Version, waren aber auch in der getesteten Xbox-Version zusammen mit einigen Performance-Problemen zu beobachten.

Die Lieblingsausrüstung lässt sich mit gefundenen Kristallen aufbessern. Wie in Diablo können wir auch hochwertigere Kristalle durch Abgabe weniger wertvoller herstellen. Die Lieblingsausrüstung lässt sich mit gefundenen Kristallen aufbessern. Wie in Diablo können wir auch hochwertigere Kristalle durch Abgabe weniger wertvoller herstellen.

Fade Erzählung ohne Schwung

Eine weitere Enttäuschung: Die schlagkräftige Einsatztruppe ist in der Dungeons-&-Dragons-Welt bekannt als »Helden der Halle«. Obwohl Setting, Charaktere und die Geschichte direkt an die immens erfolgreichen Fantasy-Romanen von Robert Anthony Salvatore anknüpfen, gelingt es der Erzählung zu keinem Zeitpunkt, zu fesseln oder mit interessanten Wendungen Spannung zu erzeugen.

DLC-Pläne
Fans der Bücher werden eventuell den fünften Charakter der »Helden der Halle« vermissen: Regis, der Halbling. Pläne für einen kommenden Inhalts-DLC mit dem Namen Echoes of the Blood War sind bereits bestätigt. Eventuell wird die Erweiterung nicht nur neue Missionen, Waffen und Gegner, sondern vielleicht auch Regis als spielbaren fünften Charakter beinhalten.

Jedes Level lässt sich in sechs Schwierigkeitsgraden neu spielen und lockt mit besseren Belohnungen. Jedes Level lässt sich in sechs Schwierigkeitsgraden neu spielen und lockt mit besseren Belohnungen.

Bis auf die hübsch animierten Zwischensequenzen bleibt die Jagd nach dem magischen Splitter lediglich eine ungenutzte Kulisse. Die enge, familiäre Bindung der beliebten Serienfiguren untereinander wird überhaupt nicht thematisiert.

Was bleibt, ist ein durchschnittlicher Brawler, mit dem man trotz der vielen Kritikpunkte durchaus ein paar Stunden Spaß haben kann. Für eine höhere Wertungen fehlt dem Titel schlicht Feinschliff, Abwechslung nach Abschluss der Kampagne und vor allem eine deutlich bessere Gegner-KI.

Dungeons & Dragons: Dark Alliance ist am 22. Juni für PlayStation 5, PlayStation 4, Xbox One, Xbox Series X/S und den PC erschienen und erlaubt Crossplay innerhalb der Konsolenfamilien.

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