EA FC 24 im Test: Neuer Name, alte Probleme

EA Sports FC 24 ist das erste Spiel einer neuen Serie. Zumindest in der Theorie, denn der Titel ist kaum mehr als FIFA 24 mit anderem Namen. Das Gameplay macht allerdings so viel Spaß wie lange nicht mehr.

EA Sports FC 24 im Test. EA Sports FC 24 im Test.

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EA und die FIFA gehen seit Beginn dieses Jahres getrennte Wege. Der Grund: Eine Milliarde US-Dollar wollte der Fußballverband für eine vierjährige Verlängerung der Lizenz haben. Zu viel für den Publisher, der laut eigener Aussage für das Geld lediglich "vier Buchstaben auf einer Box" bekam. Ein FIFA 24 wird es (zumindest von EA) also nicht geben. Der inoffizielle Nachfolger heißt EA Sports FC 24.

Zu dem vermeintlichen Neuanfang passt es, dass es mit Haaland einen frischen Cover-Star gibt, der Kylian Mbappé ablöst, dessen Image unter anderem wegen seiner flatterhaften Flirts mit Real Madrid gelitten hat. Nach all den Ab- und Zugängen stellt EA Sports also ein runderneuertes Team auf den Rasen. Und in diesem Test bewerten wir die Performance in Jahr Eins nach dem Ende der FIFA-Reihe.

Versionen
Für unseren Test spielten wir ausschließlich die PS5-Version von EA Sports FC 24. Der Titel erscheint auch auf PS4 und Xbox One, diese Fassungen sind aber denen auf der Current Gen unterlegen. Die Switch-Version bekommt in diesem Jahr erstmals die Frostbite-Engine. Ob sich FC 24 deswegen auch für die Switch lohnt, beleuchten wir zu einem späteren Zeitpunkt in einem separaten Artikel.

Schickere Verpackung

Nach den obligatorischen Lizenzbildschirmen landen wir in einem übersichtlichen Menü. Auf der linken Seite werden die Spielmodi aufgelistet (der zuletzt gespielte Modus rutscht immer nach oben), während auf der rechten Seite Haaland ein paar Schüsse und Tricks vollführt. Das Design ist – wie im ganzen Spiel – aufgeräumt und funktional. Es gibt keine nervigen Kacheln oder redundanten Informationen.

Optisch macht EA Sport FC 24 einen Schritt nach vorne. Optisch macht EA Sport FC 24 einen Schritt nach vorne.

In den Partien setzt sich der positive Eindruck fort. Die Frostbite-Engine wurde noch einmal überarbeitet. Alle Animationen wirken flüssiger, Trikots werfen Falten und die verbesserte Beleuchtung unterstreicht die ohnehin geniale Stadionatmosphäre. Die Gesichter sehen zum Glück deutlich realistischer aus als das Gruselkabinett auf dem Cover der Ultimate Edition und kommen den echten Stars ziemlich nahe.

Ein besonderes Highlight sind die neuen Zwischensequenzen vor und nach einem Spiel sowie während der Halbzeitpausen, die einen Blick hinter die Kulissen erlauben. Unter anderem dürfen wir in der Kabine Mäuschen spielen und eine rasante Kamerafahrt von den Rängen bis in den Spielertunnel genießen.

Auch auf dem Feld gibt es neue Szenen wie Rudelbildungen nach einem harten Foul oder eine rote Karte aus der Ego-Perspektive.

Perfekt ist die Präsentation von EA Sports FC 24 aber nicht. Wie schon in den FIFA-Ablegern der letzten Jahre kann es (wenn auch deutlich seltener) zu merkwürdigen Animationen, Audio-Aussetzern und ungewollt komischen Kollisionen kommen. Besonders ärgerlich ist ein Bug, der immer wieder die Einstellungen in den Optionen zurücksetzt. Dass uns dieser bereits seit FIFA 22 plagt, wirft kein gutes Licht auf die Entwicklung.

Einen knappen Monat nach EA Sports FC 24 kommen auch Taktikfüchse auf ihre Kosten Video starten 1:08 Einen knappen Monat nach EA Sports FC 24 kommen auch Taktikfüchse auf ihre Kosten

Altbekannte Inhalte

Leider kommt beim Eintauchen in die Spielmodi, die fast deckungsgleich mit FIFA 23 sind, schnell die große Ernüchterung. Egal welchen ihr bevorzugt, die Neuerung sind wieder einmal nur marginal und müssen mit der Lupe gesucht werden.

Ultimate Team

Die größte Änderung in UT (vormals FUT) sind Spielerinnen. Frauen gab es zwar bereits in FIFA 23, doch jetzt dürfen sie mit den Männern in einem Team spielen. Abseits davon hat sich nur wenig geändert.

Interessant ist noch, dass Karten modifiziert und verbessert werden können. Wer bestimmte Kriterien erfüllt, hat die Möglichkeit, die Werte oder andere Parameter wie den schwachen Fuß oder die Eignung einer Karte für eine bestimmte Position aufzuleveln

Natürlich sind auch die Pay2Win-Mechaniken wieder mit an Bord. Auf den vermeintlichen Druck der FIFA oder die hohen Kosten für deren Lizenz kann EA diese nun nicht mehr schieben.

Die Atmosphäre stimmt – nicht nur im Westfalenstadion. Die Atmosphäre stimmt – nicht nur im Westfalenstadion.

Clubs

Wer mit anderen einen Verein aufbauen möchte, hat nun deutlich mehr Optionen. Unter anderem dürfen Saisons im Ligasystem mit Playoffs gespielt und der Bekanntheitsgrad gesteigert werden. Je beliebter der eigene Club wird, desto mehr Einnahmen fließen und desto größer kann auch das Stadion werden.

Volta

Die Straßenfußball-Variante bietet wieder kurzweilige Partien und spaßige Minispiele, ist aber noch immer kein adäquater Ersatz für einen Hallen-Modus.

Spielerkarriere

Als Profi könnt ihr euch jetzt einen Agenten an die Seite holen, der euch bei Langzeitzielen unterstützt und dafür sorgen kann, dass euer Wunschverein auf euch aufmerksam wird.

Trainerkarriere

Wer als Manager spielen möchte, muss sich nun einen ganzen Trainerstab aufbauen. Die Eignung der Übungsleiter orientiert sich am übergeordneten Taktikkonzept. Hier kann aus sieben Varianten gewählt werden (Standard, Tiki-Taka, Gegenpressing, Flügelspiel, Konterspiel, Kick and Rush, Park the Bus). Jeder Trainer hat 1-5 Sterne in den Kategorien Angriff, Mittelfeld, Abwehr und Torwart.

Je mehr Sterne eure Mannschaft in einer Kategorie hat, desto besser entwickeln sich eure Spieler in diesem Bereich. Trainingseinheiten wurden bis auf eine einzige Übung direkt vor einem Match gestrichen. Mit dieser wird ein spezieller Wert wie Dribbling, Schießen oder Kopfbälle für das anstehende Spiel gesteigert.

Die neue Trainer-Kamera versetzt euch auf die Bank. Die neue Trainer-Kamera versetzt euch auf die Bank.

Auf diese Weise können Schwächen des Gegners ausgenutzt oder Stärken negiert werden. Fitness und Bissigkeit werden hingegen über einen Regler beeinflusst. Eine sehr gute Entscheidung, die viel Zeit spart.

Weitere Optimierungen beinhalten Kontermöglichkeiten bei erfolgreichen Abwehraktionen in der Highlight-Simulation sowie die Möglichkeit, ein Spiel von der Trainerbank aus zu verfolgen. Aber warum können wir den Verein, jedoch nicht die Nationalmannschaft wählen, die wir trainieren wollen? Wer Deutschland zu altem Glanz verhelfen möchte, muss auf den Anruf von Rudi warten.

Crossplay für alles

Eine sehr gute Nachricht ist, dass Crossplay in diesem Jahr von Beginn an und für alle Multiplayer-Modi verfügbar ist. Allerdings müssen die "Generationen" unter sich bleiben. PS5, Xbox Series X/S und PC sowie PS4 und Xbox One spielen jeweils zusammen. Die Switch geht leer aus. Auf Grund der eklatanten Unterschiede zwischen den Versionen ist das aber verständlich.

Ebenfalls positiv: Fast alle Lizenzen bleiben erhalten. Lediglich eine FIFA Weltmeisterschaft wird es nicht mehr geben. Weiterhin fehlen Trainer aus der Bundesliga (außer Edin Terzic) und eine Hand voll italienischer Vereine.

Neu hinzu kommen hingegen einige Frauen-Teams und -Wettbewerbe. Darunter die Google Pixel Frauen-Bundesliga, die amerikanische NWSL, die spanische Liga F, die englische Woman Super League und die französische D1 Arkema.

Die Champions League ist auch ohne FIFA-Lizenz dabei. Die Champions League ist auch ohne FIFA-Lizenz dabei.

Gute Idee, mäßiger Abschluss

Bis hierhin ist EA Sports FC 24 eine relative Enttäuschung, ein FIFA 23.5 mit neuem Make-Up. Allerdings kann die Fußballsimulation überraschend beim Gameplay punkten – zumindest teilweise. Hypermotion V, die neueste Iteration von EAs Animationstechnologie, macht sich durchaus bemerkbar. Bälle werden unterlaufen, Pässe im Sprint mit dem Außenrist mitgenommen, Schüsse sehen realistisch aus und jede Grätsche ist ein Risiko mit unbekanntem Ausgang.

Zudem unterscheiden sich vor allem die Stars noch mehr durch ihre Bewegungsabläufe. Zum Beispiel befindet sich Haalands Scherenkick aus der Champions League-Partie gegen den BVB im Spiel. Kurz: Der Fußball ist etwas weniger berechenbar und somit realistischer.

Hintergrundwissen zu Hypermotion
Exklusiv für die damaligen "Next Gen"-Konsolen wurde erstmals in FIFA 22 die neue Technologie für verbesserte Animationen eingeführt. Mehr über das Feature erfahrt ihr im verlinkten Artikel.

An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass ich vor der Testversion die Beta gespielt und für diese Stelle schon ein Loblied komponiert hatte, das ich leider etwas umändern musste. In der Vorabversion war das Spiel noch langsamer, Pässe waren noch schwerer an den Mann oder die Frau zu bringen und planloses Zurennen auf die Abwehr führte zu einem Abprallen an den Defensiv-Hünen.

Das alles trifft mit Einschränkungen noch zu, aber das Gameplay fühlt sich in der fertigen Version deutlich arcade-lastiger an. Stellt euch also darauf ein, in Online-Matches regelmäßig von Messis und Mbappés überrannt zu werden.

Mit Hypermotion V macht es einen Unterschied, ob Lewandowski, Haaland oder Kane abziehen. Mit Hypermotion V macht es einen Unterschied, ob Lewandowski, Haaland oder Kane abziehen.

Trotzdem ist EA Sports FC 24 Stand jetzt ein besseres Fußballspiel als FIFA 23. Ich konnte eine Reihe von – zugegeben teils subtilen – Optimierungen ausmachen:

  • Diffiziles Dribbling mit L1/LB und R1/RB ist langsamer und weniger effektiv.
  • Geschwindigkeit ist immer noch zu wichtig, hat im Vergleich zum Vorgänger aber an Bedeutung verloren.
  • Verschiedene Spielstile wie Flanken oder Mauern führen eher zum Erfolg.
  • Die Laufwege der KI sind offensiv wie defensiv verbessert.
  • Präzisionspässe mit R1/RB belohnen echte FIFA-Profis, indem sie wirklich in die Richtung gehen, in die ihr den Stick drückt.
  • Es wurden weitere Antrittsarten hinzugefügt.

Das Gameplay-Highlight von EA FC 24

Die Hauptattraktion beim Gameplay sind jedoch die neuen Playstyles. Diese ersetzen die bisherigen Eigenschaften und machen einen tatsächlichen Unterschied. Es gibt 34 Playstyles (die jeweils noch eine Plus-Variante haben) und fast alle bekannten Stars besitzen mehrere dieser vom Kontext abhängigen Spezialattribute.

Erling Haaland hat zum Beispiel einen Power-Kopfball und einen Power-Schuss. Seine Abschlüsse landen also mit hoher Wahrscheinlichkeit im Netz. Insgesamt macht es im Gegensatz zu FIFA einen deutlich größeren Unterschied, ob man zum Beispiel gegen Bayern München oder 1860 München antritt.

Die Revolution bleibt aber ganz klar aus, und am Ende steht erneut ein Vollpreistitel mit minimalen Änderungen und viel PR-Geblubber. Dabei zeigte EA Sports mit der Beta selbst, wie es besser gehen kann. Fußball ist nur interessant, wenn er unberechenbar ist.

Leider scheint das nicht gewollt zu sein und viele Gameplay-Verbesserungen wurden vor dem Launch wieder zurückgenommen – vermutlich aus Angst, einen Teil des Massenpublikums zu vergraulen. Dabei kann ich mir vorstellen, dass sich viele nach tiefgreifenderen Veränderungen sehnen.

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