"Größter F**k You-Moment meiner Karriere": Ex-Overwatch-Chef erklärt, warum er Blizzard verlassen hat

Der ehemalige Overwatch-Chef Jeff Kaplan hatte Blizzard nach über 20 Jahren verlassen. Den Grund dafür nennt er jetzt erstmals öffentlich.

Jeff Kaplan war wohl alles andere als glücklich, als er Blizzard verließ. Jeff Kaplan war wohl alles andere als glücklich, als er Blizzard verließ.

In einem neuen, sehr ausführlichen Interview berichtet der ehemalige Chef des Overwatch-Teams von Blizzard, wie es mit der Entwicklung des legendären Hero-Shooters bergab ging. Er zeichnet dabei ein erschreckendes Bild und verrät den Grund für sein Ausscheiden.

Darum hat der Ex-Overwatch-Chef Jeff Kaplan Blizzard verlassen

Jeff Kaplan zählt zu den einflussreichsten Spiele-Entwicklern, die es gibt. Er hat an Spielen wie World of Warcraft und Overwatch mitgewirkt – beides Titel, die jeweils einen ganz eigenen Hype ausgelöst und unzählige Nachahmer auf den Plan gerufen haben. 2021 kündigte er dann aber an, dass er Blizzard verlässt.

Eigentlich war er lange Zeit glücklich bei Blizzard und dachte, er würde von dort aus in Rente gehen, wie er jetzt in einem ausführlichen Interview mit Lex Fridman erklärt.

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Dann hat Jeff Kaplan das Entwicklerstudio aber doch verlassen und der Grund dafür ist wohl leider wie so oft Geld. Beziehungsweise immenser Druck von oben und die Vorgabe, schneller mehr Gewinn zu machen. Ein ganz spezielles Meeting mit einem CFO von Activision Blizzard bezeichnet der Ex-Overwatch-Chef als "größten F**k You-Moment" seiner Karriere.

"Was mich und meine Blizzard-Karriere letzten Endes gebrochen hat, war in das Büro eines CFOs gerufen zu werden. Er setzt mich hin und er sagt ... er gibt mir ein Datum, was zu der Zeit 2020 war und das auf 2021 verschoben wurde, aber zu der Zeit war es 2020 – und er hat gesagt: 'Overwatch muss in 2020 [zensiert] Dollar machen und dann jedes Jahr danach braucht es einen wiederkehrenden Umsatz von [zensiert]'.

Und dann sagt er zu mir: 'Wenn es keine [zensiert] Dollar macht, werden wir 1.000 Leute entlassen und das wird deine Schuld sein.' Und das war einfach der größte F**** You-Moment, den ich in meiner Karriere hatte. Es hat sich surreal angefühlt, in diesem Zustand zu sein."

Hinweis: Die genauen Dollar-Werte wurden im Interview zensiert, damit Keplan ein NDA (Non-Disclosure Agreement) nicht bricht.

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Jeff Kaplan habe seine Arbeit bei Blizzard eigentlich geliebt und gedacht, bis zu seinem Ruhestand nirgendwo anders zu arbeiten. Aber das sei einfach zu viel und der Grund dafür gewesen, dass er ein Jahr später gegangen sei.

Mit Overwatch ging es wohl schon vorher bergab, wie Jeff Kaplan berichtet

Der Anfang vom Ende sei die Overwatch League gewesen, eine eSports-Liga. Er habe zwar daran geglaubt, aber die Aufregung rund um das Projekt sei zu groß gewesen. Durch übertriebenes Marketing und große Versprechungen wurden zu hohe Erwartungen geschürt, die die Overwatch League nicht erfüllen konnte.

Unter anderem sei beispielsweise behauptet worden, die Overwatch-Liga könnte populärer als die NFL werden. Das habe einige Milliardäre als Investoren auf den Plan gerufen, die dann letzten Endes enttäuscht wurden. Der Fokus auf die Overwatch League habe Ressourcen davon abgezogen, was Jeff Kaplan eigentlich mit Overwatch machen wollte, was sich dann später wiederum gerächt haben soll.

"Also flogen all unsere Pläne an diesem Punkt mehr oder weniger aus dem Fenster. Du arbeitest nicht an World-Events, du bist nicht einmal richtig auf Overwatch 2 fokussiert, du hälst dich nur über Wasser.

Ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll, dass es nicht so verurteilend klingt, aber es gab einen zu großen Fokus auf 'lasst uns richtig schnell sehr viel Geld machen'."

Dadurch hätten dem Team dann nicht nur die Activision- und Blizzard-Executives, sondern auch noch diverse Investoren im Nacken gesessen. Als dann klar wurde, dass Overwatch doch nicht so groß wie die NFL wird, gab es noch mehr Druck auf das Team, mit Overwatch auf andere Art und Weise Geld zu verdienen.

Im Laufe der Zeit hätten sich Overwatch 2 und die Overwatch League dadurch von etwas ursprünglich Gutem zu Dingen entwickelt, die das zugrundeliegende Spiel letztlich ruiniert haben. Ohne den finanziellen Druck von außen hätte das Overwatch-Team vielleicht einfach damit weitermachen können, das Spiel so erfolgreich wie davor auszubauen, zu pflegen und zu erweitern.

Was sagt ihr zu Jeff Kaplans Interview-Aussagen? Habt ihr so etwas schon vermutet?


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