Ich habe über 5.000 Stunden im Multiplayer von Gears of War versenkt - und könnte mir um E-Day kaum mehr Sorgen machen

Chris zockt seit fast 20 Jahren sämtliche Gears of War-Spiele im Multiplayer. Der neueste Ableger will bei ihm bislang allerdings noch nicht zünden.

Meine ersten Ausflüge in den E-Day-Multiplayer haben mich ein wenig grimmig gestimmt. Meine ersten Ausflüge in den E-Day-Multiplayer haben mich ein wenig grimmig gestimmt.

Gears of War spielt schon immer eine besondere Rolle in meinem Gamer-Leben. Das Xbox 360-Debüt hatte den ersten Multiplayer-Modus, den ich über einen richtig langen Zeitraum gezockt habe. Viele Bekanntschaften von damals pflege ich bis heute und es war auch für mich der Einstieg in den semi-professionellen eSport – sprich: ein bisschen Handgeld gab es hin und wieder für Training und Turniere.

So tief drin wie im ersten Gears of War war ich dann zwar nie wieder, aber ich habe auch danach noch einige tausend Stunden mit der Reihe im Multiplayer verbracht. Umso gespannter bin ich daher auch auf E-Day, das einige neue Mechaniken in den ohnehin sehr komplexen Bewegungsapparat des Spiels bringen soll. Völlig überzeugt haben sie mich aber noch nicht.

Das sind die wichtigsten Neuerungen im Gears of War-Multiplayer

Während eines Preview-Events konnte ich drei Stunden im Versus-Multiplayer von Gears of War: E-Day verbringen. Spielbar waren zwei Karten:

  • Market – Ein Marktplatz im nächtlichen Kalona (dem Schauplatz von E-Day in der Kampagne) mit einem entgleisten Hochbahnwagon in der Mitte und einer offenen Einkaufshalle.

Ingame Bei solch einer Dunkelheit kann es hin und wieder passieren, dass ein versteckter Locust übersehen wird. Zumindest setze ich gerade darauf!

Map Market ist im Grunde komplett symmetrisch aufgebaut, mit einem Gut Puncher-Granatwerfer auf einer Seite und einem Flammengewehr auf der anderen.

  • Outpost – Ein sandiger und halb zerstörter Militäraußenposten mit einer stählernen Brücke in der Mitte.

Ingame Auf Outpost wechseln sich Bunker mit viel Dreck und einer großen Brücke in der Mitte ab.

Map Auch die Map ist vollständig symmetrisch, auch wenn sich beide Seiten optisch sehr unterscheiden. Auf der KOR-Seite geht es raus zur Natur, während die Locust nahe grauer Betongebäude starten.

Zur Auswahl standen jeweils Team-Deathmatch und Conquest als Spielmodi. Letzteres ist eine Abwandlung von King of the Hill, in der eine markierte Zone über eine bestimmte Zeitdauer gehalten werden muss, um einen Punkt zu ergattern.

Der Kern von Gears of War hat sich dabei nicht geändert: Ich starte mit einer Pistole, einer Rauchgranate, dem legendären Lancer-Gewehr mit Kettensägenbayonett und natürlich der laut scheppernden Gnasher-Shotgun.

An den Standardwaffen hat sich nichts getan – die meisten Kills werden noch immer mit der Gnasher-Pumpgun gemacht. An den Standardwaffen hat sich nichts getan – die meisten Kills werden noch immer mit der Gnasher-Pumpgun gemacht.

Vier Spieler*innen treten für das KOR-Militär an, vier für die reptilienartigen Locust. Dabei spratzt ihr euch gegenseitig über den Haufen und kampelt euch um starke Power-Waffen wie ein Scharfschützengewehr, eine Gatling Gun oder auch Handgranaten.

Zum Arsenal gesellen sich zudem ein Flammen speiendes Gewehr und ein immens starker Granatwerfer, der mehrere Projektile im Magazin halten kann und damit sogar noch effektiver als der berüchtigte Boomshot-Raketenwerfer ist.

Mit dem richtigen Timing richtet der Gut-Puncher massiven Schaden an. Haltet ihr den Abzug gedrückt, könnt ihr selbst bestimmen, wann das Projektil detoniert. Mit dem richtigen Timing richtet der Gut-Puncher massiven Schaden an. Haltet ihr den Abzug gedrückt, könnt ihr selbst bestimmen, wann das Projektil detoniert.

Beide neuen Knarren fühlen sich mächtig an und sind damit begehrte Ziele, um die regelmäßig gekämpft wird. Bei der Bewaffnung handelt es sich aber eher um kleinere Änderungen am Gameplay, die viel Wichtigere ist das komplett neu gestaltete Bewegungssystem.

Marcus Fenix bekommt neue Moves spendiert – er sollte sie aber noch galanter umsetzen

Wie ihr vielleicht schon im ersten Video zum Spiel gesehen habt, können die virtuellen Soldaten jetzt springen, klettern und über den Boden schlittern.

Die Bedienung funktioniert dabei auch sehr intuitiv: Mit der A-Taste werden horizontale Aktionen wie Ausweichrollen ausgelöst, mit der Y-Taste hingegen vertikale Aktionen wie Sprünge. Je nachdem, ob die Taste länger gedrückt gehalten wird, werden zusätzliche Bewegungen wie Slides ausgeführt.

Sämtliche neuen Bewegungen erweitern das zuvor sehr horizontal strukturierte Gameplay sinnvoll, verpassen Gears of War mehr Dynamik und geben viel Spielraum für coole Aktionen wie Sprünge über Balustraden oder Schlitterangriffe um Deckungen herum.

Hier könnt ihr euch einen kurzen Zusammenschnitt meiner Matches anschauen:

Video starten 5:15 Chris hat sich drei Stunden durch den Versus-Multiplayer von E-Day gefetzt – so spielt sich der Shooter

Hinweis zur Framerate: Ich habe die E-Day-Preview in 120 fps ohne wahrnehmbare Ruckler auf der Xbox Series X gespielt und das Spiel sah dabei auch sehr gut aus. Bei der Aufnahme kam es jedoch zu einem Konvertierungsfehler, weshalb sich einige Framedrops eingeschlichen haben. Die sind nicht repräsentativ für die eigentlich flüssig laufende Technik.

Allerdings hat das neue Animationssystem auch seine Nachteile, an denen ich mich als langjähriger Fan gestoßen habe:

  • Schüsse aus der Hüfte haben eine spürbare Verzögerung, was vor allem bei der Shotgun nervt.
  • Ich bin nicht immer in die Deckung gegangen, in die eigentlich wollte.
  • Aktionen wie das Herausbewegen aus der Deckung dauern verglichen mit den Vorgängern sehr lang.
  • Bei vielen Animationen (wie Slides über den Boden) muss erst ein Animations-Cooldown vor der nächsten Bewegung abgewartet werden.

In der Kampagne werden mich die Kritikpunkte wahrscheinlich nicht großartig stören, genau wie im Horde-Modus, da die trägeren Aktionen zur wuchtigen Statur der muskelbepackten Gears und Locust passen. Aber ganz ehrlich: Im Versus-Multiplayer erwarte ich mehr Direktheit und Tempo.

Zudem wirkte der Mehrspieler-Modus in dem mir vorliegenden Pre-Release-Build noch nicht voll ausbalanciert und vor allem glattpoliert:

  • Schüsse mit der Gnasher-Shotgun landen häufig im Nichts, obwohl mir Gegner vor der Nase durchs Visier latschen.
  • Einige Power-Waffen wie der Granatwerfer wirken noch viel zu stark, entweder durch zu große Magazine oder hohe Reichweiten.
  • Aus der Hüfte zu feuern dauert länger als die Waffe zum Zielen anzulegen.
  • Schüsse aus der Deckung lösen sich mal schnell, mal sehr langsam.
  • Rauchgranaten sind im Hügelmodus nicht wirklich effektiv, weshalb es sehr schwer ist, das gegnerische Team herauszubekommen.
  • Respawn-Timer fallen zum Teil enorm hoch aus, pro Hügel gibt es nur wenige Versuche für einen Angriff.
  • Animationen wirken von außen betrachtet zum Teil sehr anders als aus der jeweiligen Spieler*innenperspektive.

Dadurch fühlt sich der Multiplayer für mich als langjährigen Fan noch sehr roh und inkonsistent an. Ein konstantes Spielgefühl ist für mich als Vielspieler aber elementar wichtig, da ich logisch anhand der Spielsituationen nachvollziehen möchte, wieso ich Kämpfe gewinne oder verliere. Aktuell scheint mir das Gameplay aber noch zu viel dem Zufall zu überlassen und das macht es für mich dann frustig.

Chris Werian
Chris Werian

Chris hat in seiner Jugend und als junger Erwachsener für einige eSport-Teams auf der Konsole gespielt, allen voran auf der Xbox 360 in Halo, Call of Duty und natürlich Gears of War 1 bis 3. Vor einigen Jahren hat ihn aber auch Gears of War 4 noch einmal so richtig gepackt und auch, wenn er da schon einige Alterserscheinungen spürte – Meine Güte, reagieren die Teens heutzutage schnell! – hat sich der Titel bei ihm als der absolute Goldstandard in Sachen Third Person-Gameplay eingebrannt. Und dieses Level erreicht E-Day bislang nicht.

Eine gute Nachricht gibt es aber für Neulinge: Einige versteckte und schwer erlernbare Spezialmechaniken der Reihe – wie das blitzschnelle Hechten von Deckung zu Deckung (sogenanntes Wallbouncing) oder das Ballern um Ecken herum – funktionieren in E-Day meiner Einschätzung nach nicht mehr so effektiv oder sind aufgrund der Animationsänderungen gänzlich überflüssig geworden. Der Wissensvorsprung von Veteranen ist also nicht mehr so groß wie es zum Launch von Gears of War 4, Gears 5 oder Gears of War: Reloaded der Fall war.

Das ist für mich zwar erstmal ein wenig ärgerlich, da ich mir diese Techniken jahrelang aneignen musste, aber ich freue mich auch schon darauf, zu sehen, welche neuen Mechaniken sich als "Meta-Game" herauskristallisieren werden.

Am 6. Oktober erscheint E-Day auf der Xbox Series X|S und dem PC, bestellt ihr den Shooter vor oder fischt ihn euch aus dem Ultimate-Game Pass, könnt ihr bereits fünf Tage früher loslegen. PlayStation-Spieler*innen gehen hingegen leer aus, was ich für einen großen Nachteil halte:

Ob ihr mich dann auf den virtuellen Schlachtfeldern finden werdet, kann ich noch nicht abschätzen, da die genannten Probleme mir zumindest aktuell den Multiplayer versalzen. Ich hoffe jedoch, dass The Coalition die kommenden Monate nutzen wird, um am Versus-Modus zu schrauben und Feinjustierungen vorzunehmen. Der hat mit seinem frischen Bewegungssystem nämlich genug Potenzial, um mich erneut für hunderte Stunden zu fesseln!

Freut ihr euch schon auf E-Day? Oder ging die Gears of War-Reihe bisher eher an euch vorbei?


Kommentare(0)
Kommentar-Regeln von GamePro
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.