Einen alten Klassiker als gelungenes Remake umzusetzen ist gar nicht so einfach. Der Ton des Originals muss stimmen, aber viele Retro-Spiele haben eben auch ihre Schwächen, die ausgebessert werden können. Entwickler Alkimia hat dabei mit Gothic in meinen Augen ein gutes Händchen bewiesen und die vier Freunde Diego, Lester, Gorn und Milten sind ein gutes Beispiel dafür.
Endlich echte Freunde
Schon im Original hat sich abgezeichnet, dass die Gruppe sich untereinander gut kennt und innerhalb der Barriere viel gemeinsam erlebt hat. Das wurde allerdings hauptsächlich über wenige Dialoge vermittelt, die etliche Fragen offen ließen.
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Diesen Gedanken hatte wohl auch das Team von Alkimia, denn ich habe mich beim Spielen der Neuauflage mehrfach sehr darüber gefreut, dass alle vier Freunde deutlich besser ausgearbeitet wurden.
Nehmen wir beispielsweise Milten: Der junge Feuermagier taucht nicht nur häufiger in Quests und Zwischensequenzen auf und hat damit mehr "Screentime". Zusätzlich vermittelt die neue Interpretation seiner Figur ein viel besseres Gefühl für einen schusseligen Novizen, der aufgrund seiner Unerfahrenheit oft ängstlich ist – aber trotzdem das Herz am rechten Fleck hat und bereit ist, das Richtige zu tun.
Wenn es hart auf hart kommt, etwa bei der Suche nach Fokussteinen oder illegalen Experimenten hinter dem Rücken der Wassermagier, ist Milten zur Stelle.
Das wurde im Original zwar auch leicht angedeutet, wirklich ausgearbeitet waren seine Charaktereigenschaften aber nicht und dementsprechend wirkte er früher deutlich austauschbarer. Im Remake fällt es mir deswegen nun leichter ihn zu mögen und als echte Persönlichkeit wahrzunehmen.
Einer für alle, alle für einen
Ähnlich verhält es sich mit den anderen Figuren, aber auch als Gruppe tauchen die vier Gefangenen deutlich häufiger auf und verbringen Zeit mit meinem Helden. Im Laufe des Spiels gibt es mehrere Treffen der Bande, in denen die nächsten Schritte besprochen werden und jeder seinen Teil beiträgt.
Dass es diese Treffen gibt, wurde im Original zwar in Gesprächen erwähnt, im Spiel selbst blieb es aber bei der bloßen Nennung, etwa in Kapitel 4.
Nach einer wichtigen Storywendung warnt Diego den Helden vor dem Alten Lager und bitte ihn darum, Milten, Gorn und Lester Bescheid zu geben, dass sich die Gruppe “wie immer am verabredeten Platz" trifft.
Wirklich sehen oder spüren konnte ich die Beziehung der Charaktere allerdings nicht. Teilnehmen oder Beobachten des Meetings war ebenfalls nicht möglich und lange gab es viele Theorien in der Community dazu, wo dieser mysteriöse Treffpunkt sein könnte. Auch diese Frage wird im Remake beantwortet.
Vor allem mit Blick auf die gesamte Reihe finde ich das Ausarbeiten der Gruppe eine richtig gute Idee. Immerhin begleiten mich die Vier durch alle Abenteuer hinweg und stehen mir auch in Gothic 2 und Gothic 3 stets zur Seite.
Umso schöner, dass alle jetzt ein bisschen mehr Aufmerksamkeit bekommen und ihre Rolle als gute Freunde des Helden noch besser ausfüllen können.
Falls es ein Gothic 2 Remake von Alkimia geben wird – und zumindest stehen die Zeichen dafür nicht schlecht – hoffe ich jedenfalls, dass dieser Ansatz auch in der Fortsetzung wieder genauso zur Geltung kommt.
Was denkt ihr: Seid ihr mit der Umsetzung der Freundesgruppe zufrieden oder hättet ihr es euch im Remake anders gewünscht?
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