Das könnte Sony jetzt tun, um nicht von Microsoft abgehängt zu werden

Dennis fasst die aktuelle Lage für Sony nach der angekündigten Microsoft-Akquise rund um Activision Blizzard zusammen und nennt mögliche Szenarien, wie eine PlayStation-Reaktion aussehen könnte.

von Dennis Michel,
22.01.2022 12:00 Uhr

Dennis geht in seiner Kolumne auf fünf Szenarien ein, die Sony langfristig auf Erfolgskurs halten könnten. Dennis geht in seiner Kolumne auf fünf Szenarien ein, die Sony langfristig auf Erfolgskurs halten könnten.

Eine turbulente Woche liegt hinter uns. Eine Woche, die durch die geplante Akquise Microsofts von Publisher und Entwickler Activision Blizzard für 68,7 Milliarden US-Dollar die Gaming-Branche und speziell das Kräfteverhältnis im Konsolenbereich langfristig verändern wird. Bei dieser Veränderung steht auch Sony PlayStation unfreiwillig im Fokus, deren Aktienkurs nach Bekanntgabe kurzzeitig gut 10 Prozentpunkte verlor, sich mittlerweile aber erholt hat.

Während Reaktionen an der Börse mal schnell verpuffen, können die Auswirkungen für Sony ab 2023 weit drastischer sein. Bereits seit dem Kauf von Bethesda und der Forcierung des Game Pass zum "besten Deal im Gaming" kippt die Waage immer mehr in Richtung Microsoft und Xbox, die sich mittlerweile mit Giganten wie Disney, Amazon oder Facebook vergleichen. Warum Sony früher oder später zum strategischen Umdenken gezwungen sein könnte und welche Szenarien dafür in Frage kommen, das schauen wir uns doch einfach mal genauer an.   

Warum Sony PlayStation überhaupt aktiv werden muss

Wer sich die vergangenen fünf Jahre nur wenig mit der Gaming-Branche beschäftigt hat, für den müssen die ersten Zeilen dieses Artikels surreal wirken. Hatte Sony mit der PS4 im direkten Vergleich mit Microsoft und der Xbox One doch in vielen Bereichen die Nase vorn. Diese Zeiten gehören immer mehr der Vergangenheit an. 

PlayStation-Konsolen galten und gelten als Powerhouse für erstklassige Exklusivspiele wie God of War, The Last of Us oder Horizon Zero Dawn, die für viele Spieler*innen Kaufargument Nr. 1 für eine PS4 bzw. PS5 sind. Jedoch wird dieser Vorteil durch die Akquise von Bethesda und Activision Blizzard stark aufgeweicht. 

Sonys großer Trumpf sind Exklusivspiele wie das im Februar erscheinende Horizon Forbidden West. Doch der Exklusivspiele-Vorteil im Vergleich zu Microsoft kann in den kommenden Jahren kippen. Sonys großer Trumpf sind Exklusivspiele wie das im Februar erscheinende Horizon Forbidden West. Doch der Exklusivspiele-Vorteil im Vergleich zu Microsoft kann in den kommenden Jahren kippen.

Mit Blockbustern wie The Elder Scrolls 6 oder Marken wie Diablo, World of Warcraft oder Doom kippt dieser Exclusive-Vorteil immer mehr in Richtung Microsoft. Hinzu kommt, dass einstige PlayStation 1-Maskottchen wie Spyro, Crash Bandicoot oder auch die Tony Hawk-Spiele mit dem geplanten Abschluss des Deals in Microsofts Fiskaljahr 2023 künftig für Xbox die Werbetrommel rühren.  

Damit aber nicht genug, auch die Zukunft vieler Multiplattform-Titel ist auf PlayStation-Konsolen nicht mehr automatisch gewährleistet, sie können zeitverzögert oder mit Vorteilen für Spieler*innen auf Xbox erscheinen. Dazu zählen Reihen wie Overwatch, Diablo aber auch ein Mega-Franchise wie Call of Duty. Im Fall von CoD gibt es zwar – nach der jüngsten Aussage von Microsoft Gaming-CEO Phil Spencer – leichte Entwarnung, ob ein Call of Duty in drei Jahren aber noch für PS5 erscheint, das bleibt abzuwarten.

Verliert Sony neben seinem im direkten Vergleich herausstechenden Exclusive-Merkmal noch weitere Kaufargumente pro PS5, werden sie handeln müssen, wollen sie der Xbox-Sparte auf Dauer die Stirn bieten. 

Über den Autor: Dennis sieht den von Microsoft unter Phil Spencer eingeschlagenen Weg der vergangenen Jahre samt Fokus auf den Game Pass überaus positiv, ist mit seiner Xbox Series X bislang sehr zufrieden. Er hat jedoch auch die Befürchtung, dass Exklusivdeals und eine zunehmende Monopolisierung am Ende einen großen Verlierer hervorbringen: uns als Spieler*innen. Starke Konkurrenz belebt schließlich das Geschäft. Er hofft daher, dass Sony und Microsoft noch lange auf Augenhöhe agieren.

So könnte eine PlayStation-Offensive aussehen

Da ich mir in diesem Artikel nicht anmaße einen Satz wie “das muss Sony jetzt tun” zu schreiben, sprechen wir lieber gemeinsam über Gedankenspiele, wie eine solche PlayStation-Offensive aussehen könnte. Und hier fallen mir fünf überaus interessante Szenarien ein.

Sony kauft einen Branchen-Riesen wie Square Enix, Bandai Namco und Co.

Im Vergleich zu Microsoft hat Sony in der Vergangenheit eher “kleine” Entwicklerstudios aufgekauft, so zuletzt geschehen mit den Returnal-Machern von Housemarque. Bildet Microsoft mit Bethesda, Activision Blizzard und womöglich EA (?) aber Team America, könnte Sony den asiatischen Markt ins Visier nehmen. Möglich wäre der Kauf eines mehr PlayStation zugewandten Publishers wie Square Enix, der aus der Historie durch Marken wie Final Fantasy mehr PlayStation-Konsolen zugeordnet wird. Auch Konami mit Silent Hill und Metal Gear Solid wäre eine denkbare Option.

Marken von Square Enix wie Final Fantasy haben ihre Legacy auf der PlayStation. Ein Kauf des Publishers wäre eine denkbare Option. Marken von Square Enix wie Final Fantasy haben ihre Legacy auf der PlayStation. Ein Kauf des Publishers wäre eine denkbare Option.

Der Anime-Weg: Durch den Kauf von Streaming-Anbieter Crunchyroll investiert Sony bereits seit längerem in eine stärkere Anbindung in den Anime-Bereich. Will man diesen Weg auch im Spielesektor weiterführen, wäre Publisher Bandai Namco mit Lizensrechten an Dragon Ball oder One Piece die Option. Der Fokus auf AAA-Anime-Spiele, wie sie sich viele (mich eingeschlossen) so sehr wünschen, könnte Fans in das PlayStation-Ökosystem locken.

Der Hardcore-Weg: Das noch recht junge Soulslike-Genre erfreut sich seit dem vergangenen Jahrzehnt einer immer größer werdenden Beliebtheit. Spiele die fordern sind zunehmend im Trend, wie Dark Souls und Co beweisen. Will Sony diesen Bereich, den sie mit Bloodborne und Demon’s Souls bereits eingeschlagen haben, weiter vorantreiben, ein Kauf von FromSoftware würde gewiss hohe Wellen schlagen. 

Abseits des asiatischen Markts gibt es aber noch einen weiteren Publisher und Entwickler, der seit 2020 zunehmend mit negativen Schlagzeilen in puncto Arbeitsklima aufgefallen ist, dem es laut eigener Aussage schwer fällt neue Talente für sich zu gewinnen. Die Rede ist von Ubisoft, die gleich Sony mit Marken wie Assassin’s Creed, Watch Dogs oder Immortals viel wert auf Third Person-Action-Adventures legen. Was mit einem wankenden Giganten geschieht, haben wir erst diese Woche erlebt. Hier sei jedoch angeführt, dass Ubisoft mit seinen jüngsten Blockbustern wie Valhalla weit erfolgreicher ist als ein Activision Blizzard, die mit Warcraft Reforged oder CoD Vanguard entweder für massiv negative Schlagzeilen oder mit vergleichsweise schlechten Verkaufszahlen im Gespräch waren.  

Sony schafft den PlayStation-Game Pass

Die Zusammenlegung von PS Plus und PS Now zu einem kombinierten Abo-Modell steht wohl kurz bevor. Nachdem Sony den großen Erfolg des Game Pass lange "ignoriert" hat, ist ein konkurrierendes Produkt samt Day 1-Releases im Service und einer großen Spielebibliothek jetzt durchaus möglich. 

Diese Theorie kommt jedoch aus meiner Sicht mit zwei nicht allzu kleinen Haken. Zum einen müsste Sony bei einem direkten Konkurrenzprodukt sofort in die Vollen gehen. Bietet der Game Pass aktuell 440 Spiele, wird der Dienst durch den Kauf von Activision Blizzard nochmal einen enormen Schub bekommen. Hier müsste Sony recht schnell in Sachen Quantität und Qualität nachziehen. Ob das jedoch machbar ist, Sony nicht bereits zu lange in diesem Bereich dem Xbox-Erfolg zugesehen hat, steht durchaus im Raum. 

Eine Fusion von PS Plus und PS Now steht wohl kurz bevor. Eine Fusion von PS Plus und PS Now steht wohl kurz bevor.

Zum anderen müsste Sony – mögliche große Publisher- und Entwicklerkäufe ausgenommen –  enorm auf exklusive Deals mit Third Party-Anbietern setzen, um einen PlayStation-Game Pass schmackhaft zu machen. Allein kleinere Titel und wenige jährlich erscheinende PlayStation-Exclusives zu integrieren und mit reichlich Verspätung solch ein Abo-Modell anzubieten, erschließt sich mir nicht als gute Strategie. 

Sony integriert den Xbox Game Pass auf PS4 und PS5

Schon lange verfolgt Microsoft die Strategie den Game Pass als eigenständige Plattform zu etablieren. Sei es via Cloud Gaming oder durch die autarke Integration auf Smart TVs. Auch wenn mir beim bloßen Gedanken aufgrund der Historie im Konsolenbreich ein wenig schwindelig wird, der Xbox Game Pass auf PlayStation wäre ein mögliches Szenario, um Spiele von Bethesda und Activision Blizzard auf Sony-Konsolen zu bringen. Für Microsoft wäre es die Möglichkeit seinen “besten Gaming-Deal” noch weiter zu verbreiten, Sony hätte den Verlust von Marken wie The Elder Scrolls und Co. ein großes Stück weit kompensiert.

Und spätestens an diesem Punkt sollte euch bewusst sein, dass wir in sehr spannenden Gaming-Zeiten leben, die auch für uns Spieler*innen neben enormen Nachteilen, wie einer gefühlt zunehmenden Monopolisierung, gewiss auch Vorteile bergen. 

Sony PlayStation geht den Nintendo-Weg

Kommen wir zu einem weiteren Szenario, das ich zumindest erwähnt haben möchte. Auch der Einordnung halber, warum ich hier die ganze Zeit von Microsoft und Sony, nicht aber von Nintendo spreche. 

Nintendo, das wisst ihr sicher, ist seit mittlerweile Jahrzehnten eine kleine Insel im Pazifik, die vom bunten Treiben um sich herum nur Bruchstücke mitbekommt. Um es konkreter zu formulieren: Nintendo genießt durch exklusive Marken wie Mario, Zelda oder Pokémon, die sich auch an eine jüngere Zielgruppe richten, eine Sonderstellung im Gaming. Während wir uns bei jüngst erfolgreichen PS-Exclusives wie Ghost of Tsushima oder Days Gone in Sachen Verkaufszahlen bei ca. 10 Millionen Exemplaren bewegen, knacken erfolgreiche Nintendo-Exklusivspiele locker die 20 Millionen-Grenze – von Mario Kart 8 Deluxe wurden mittlerweile unglaubliche 38 Millionen Kopien verkauft, von Animal Crossing: New Horizons binnen eineinhalb Jahren fast 35 Millionen Einheiten. 

Spiele wie Mario haben über Jahrzehnte einen großen kulturellen Fußabdruck hinterlassen und sind weit zugänglicher als beispielsweise ein The Last of Us. Spiele wie Mario haben über Jahrzehnte einen großen kulturellen Fußabdruck hinterlassen und sind weit zugänglicher als beispielsweise ein The Last of Us.

Auch Sony könnte versuchen, einen noch stärkeren Fokus auf seine AAA-Exclusives zu legen. Im Vergleich zu Nintendo ist die grundlegende Zugänglichkeit von Nintendo-Spielen allerdings weit höher, da aufgrund der Thematik per se größere (Casual-)Zielgruppen angesprochen werden. Dass Nintendo-Spiele mittlerweile seit Jahrzehnten gewachsen und eine Institution sind, die einen großen kulturellen Fußabdruck hinterlassen hat, kommt noch erschwerend hinzu. Daher halte ich dieses Szenario für sehr, sehr unwahrscheinlich. 

Sony macht VR im Konsolenbereich zum Mainstream-Produkt

Abschließend gehe ich noch auf ein Szenario ein, das für Sony langfristig ein Ass im Ärmel sein könnte. Eines, auf das sie jedoch im Großen und Ganzen zu wenig eigenen Einfluss haben, um als Antwort auf Microsofts Expansion zu gelten: Der Virtual Reality-Bereich.

Während Microsoft der Xbox Series-Konsolengeneration in Sachen Virtual Reality eine klare Absage erteilt hat, will Sony den Erfolg der PSVR mit der PSVR 2 weiter ausbauen. Der Fokus der Gaming-Branche auf den VR-Bereich ist mittlerweile keine kurz aufkommende und dann abebbende Wellenbewegung mehr. 

Mit der PSVR ist Sony PlayStation ins Virtual Reality-Geschäft eingestiegen, will den Weg mit der PSVR 2 weitergehen. Mit der PSVR ist Sony PlayStation ins Virtual Reality-Geschäft eingestiegen, will den Weg mit der PSVR 2 weitergehen.

Spätestens seit dem enormen Erfolg von Meta mit der Oculus Quest 2 ist die virtuelle Realität Teil unserer Zukunft – sei es im Gaming, im Business oder im Sozialen. Google will laut jüngsten Meldungen den AR-Sektor weiter vorantreiben und mit Apple lauert der größte Riese noch im Verborgenen. Sony ist Microsoft einen Schritt voraus und zumindest auf dem Konsolenmarkt der VR-Branchen-Primus. Ein zunehmender Fokus könnte aktuelle und künftige PlayStation-Generationen interessanter machen.   

Welchen Weg könnt ihr euch am ehesten vorstellen?

Wie auch immer die Zukunft von Sony PlayStation aussieht, ohne Reaktion auf den offensiven Kaufrausch von Microsoft werden sie die aktuelle Führungsposition im direkten Vergleich nur schwer aufrecht halten können. Die Gaming-Branche und auch der Konsolenmarkt befindet sich im Wandel und die Meldung vom vergangenen Dienstag wird nicht folgenlos bleiben. 

Daher die Frage an euch, welches Szenario könnt ihr euch für PlayStation vorstellen?

Da es sich verständlicherweise um ein hitziges Thema handelt, bitte ich euch dennoch in den Kommentaren sachlich zu bleiben. Wir können über alles diskutieren, jedoch in einem freundlichen Ton.

Also dann, lasst mal hören, wie wird sich die Branche aus eurer Sicht verändern und welches Szenario könnt ihr euch für Sony vorstellen? Habt ihr noch weitere Ideen? Oder meint ihr, alles bleibt beim Alten? 

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