Es ist 2021 und wir können nicht als Zelda spielen – ihr Feiglinge!

In keinem Spiel aus der Legend of Zelda-Hauptreihe können wir die Rolle der Titelheldin übernehmen. Es wird Zeit, die Legende von Zelda aus Sicht von Zelda selbst zu erleben.

von Lukas Elstermann,
09.08.2021 16:00 Uhr

Dieser Artikel erscheint im Rahmen der Held*innen-Themenwochen. Dieser Artikel erscheint im Rahmen der Held*innen-Themenwochen.

Die Legende von Zelda wird nun schon seit 35 Jahren erzählt, doch in keinem der Spiele aus der Hauptreihe können wir die Rolle der - immerhin - Titelheldin übernehmen. Warum eigentlich nicht? Handelt die Geschichte nicht eigentlich von ihr, der Prinzessin von Hyrule, der Nachfahrin der Göttin Hylia? Da wäre es doch langsam an der Zeit, die Geschichte auch aus ihrer Perspektive zu erleben!

Auf die Frage, warum seine Geschichten immer weibliche Hauptfiguren haben, antwortete der amerikanische Comiczeichner Terry Moore schlicht: Warum nicht? Tolkien hat ja auch keiner gefragt, warum die Gefährten alle Männer sind. Also, mal ganz ehrlich, warum nicht Zelda? Hier sind ein paar Argumente, die man immer wieder zu hören bekommt - und was man darauf antworten kann.

Lukas Elstermann
@thatlukaselster

Lukas hat sich als Kind in der Welt von Hyrule verirrt. Ocarina of Time bleibt seine große Liebe und der Grund, warum er sich bei jedem Waldspaziergang einen Stock schnappt und auf unsichtbare Skulltullas eindrischt. Nur er, ein Schwert und die unbekannte Weite, das ist The Legend of Zelda, das ist Abenteuer! Und jetzt bitte alles auf die Switch packen, danke!

Weil das schon immer so war!

Erinnern wir uns an Skyward Sword. Ein netter Ableger der Hauptreihe, der jedoch so sehr an Traditionen und der Zelda-Formel hängt (und diese streng abarbeitet), dass er Innovationen á la Breath of the Wild unumgänglich macht. Das war schon immer so? Tja, Dungeons gab es auch schon immer, genau wie quasselnde Sidekicks, lineare Handlungsverläufe und begrenzte Areale. Das alles aus dem Fenster zu werfen, war das Beste, was der Reihe passieren konnte.

Es ist endlich mal Zeit für Zelda als spielbare Hauptfigur! Es ist endlich mal Zeit für Zelda als spielbare Hauptfigur!

Ich liebe The Legend of Zelda, ganz ehrlich, die Spiele haben mich geprägt wie keine anderen. Manchmal träume ich sogar von der Hylianischen Steppe aus Ocarina of Time. Aber Link ist keine "gute" Figur im literarischen Sinn. Er ist ein Avatar, bewusst blass gehalten, um Spieler*innen die Verbindung zur Spielwelt, den buchstäblichen Link, zu erleichtern.

Wir stolpern durch den Kokiri-Wald, verlassen Präludien unter Tränen - es ist doch eigentlich unsere Reise. Die Spiele leben von ihrer Atmosphäre, vom Charme ihrer Welt, nicht von der Tiefe ihrer Hauptfigur. Dieser Avatar ließe sich also problemlos auch durch eine weibliche Figur - eben Zelda - ersetzen.

Weibliche Gamer identifizieren sich seit Jahren völlig problemlos mit Link, das geht also auch andersrum. Ganz bestimmt. Jungs, ich glaub an euch.

Eine Identifikation mit Zelda wäre vermutlich kein großes Problem. Eine Identifikation mit Zelda wäre vermutlich kein großes Problem.

Weil Zelda keine Kämpferin ist!

Die Mythologie von The Legend of Zelda macht Spaß, weil sie so offen und variantenreich ist. Mal ist Hyrule überflutet, dann liegt es zwischen den Wolken, ist von Zugstrecken durchzogen, ist mal europäisch, mal asiatisch angehaucht. Wir spielen ja auch nicht immer denselben Link, sondern fast immer eine andere Figur. Wir starten unser Abenteuer als Lehrling, als einfacher Ritterschüler, als Großmutters Liebling, und werden erst nach und nach zum legendären Helden.

Ist es da so unmöglich, dass auch Zelda eine solche Entwicklung durchmacht? In einer Fantasy-Welt ohne feste Regeln, in der Fischwesen mal ebenso zu Vogelmenschen werden, kann eine junge Frau nicht selbst zum Schwert greifen? Zumal Zelda in der Geschichte der Reihe immer mal wieder bewiesen hat, dass sie nicht zimperlich ist und ein mutiges Herz hat.

Man wünscht sich von Nintendo mehr Mut, mit altbewährten Traditionen zu brechen. Ein "Das war schon immer so" bringt niemanden voran - ein "Das könnte auch so sein" dagegen schon - und wäre zudem eine tolle Entscheidung, die beweisen würde, dass sie eben keine Feiglinge sind.

Um es kurz zu machen: Wenn ihr euch das nächste Mal fragt, warum wir in The Legend of Zelda als, nunja, Zelda spielen sollten, fragt euch doch einfach stattdessen "Warum nicht?"

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