Paper Mario hat meine heitere Nintendo-Welt für immer zerstört

Ohne schlimme Vorahnung hat Dennis Paper Mario: The Origami King gespielt und dabei einen tragischen Moment erlebt, mit dem er nicht im Traum gerechnet hätte.

von Dennis Michel,
22.08.2020 12:00 Uhr

In Paper Mario: The Origami King hat Dennis den bislang emotionalsten Videospiel-Moment des Jahres erlebt. In Paper Mario: The Origami King hat Dennis den bislang emotionalsten Videospiel-Moment des Jahres erlebt.

Oftmals berühren uns die Momente im Leben am meisten, die einen komplett unvorbereitet treffen. Der Schlag in die Magengrube, den wir nicht haben kommen sehen. Rechnen wir noch in der einen Sekunden mit nichts Bösem, müssen wir in einer anderen tief Luft holen, um das Erlebte zu verarbeiten. Und dass ich solch einen emotionalen Moment einmal in einer Kolumne über Paper Mario beschreibe, das war für mich vor wenigen Wochen noch unvorstellbar. Hättet ihr mir das gesagt, ich hätte mindestens eine Augenbraue im The Rock-Stil skeptisch nach oben gezogen. Doch bekanntlich täuscht man sich im Leben nicht nur einmal.

Und an dieser Stelle an alle langjährigen Paper Mario-Fans eine kleine Info vorab: Der neue Ableger für die Switch war mein erster Ausflug ins Papierkönigreich. Erst später habe ich erfahren, dass die Prise Tragik und Drama für die Rollenspiel-Ausflüge des Falt-Klempners nichts ungewöhnliches sind.

Meine heile, bunte Nintendo-Welt

Als ich Anfang der 90er - damals auf dem NES - zum ersten Mal in Nintendos Spielewelten eintauchte, hatte sich ein klares Bild in meinem Kopf zementiert: Nintendo-Spiele sind überwiegend bunt, leichtherzig und für alle Altersgruppen ein riesiger Spaß. Mario, Kirby, Donkey Kong, Pokémon und die heroischen Abenteuer von Link, mit diesen Reihen bin ich aufgewachsen.

Natürlich kann es hier und da in einem Zelda oder einem Metroid auch mal düster zugehen, ohne Frage, die Spiele mit dem schnauzbärtigen, kleinen Italiener in der Hauptrolle standen für mich jedoch immer für sorgenfreie Unterhaltung.

Yoshi's Crafted World ist mein Paradebeispiel eines leichtherzigen und kunterbunten Nintendo-Spiels. Yoshi's Crafted World ist mein Paradebeispiel eines leichtherzigen und kunterbunten Nintendo-Spiels.

Ein Anfang der täuscht: Und The Origami King gibt mir in den ersten Spielstunden exakt das: Eine farbenfrohe Optik, ganz viel Humor und die gewohnt seichte Geschichte. Ein fieser Falt-Schurke hat die Bewohner des Pilzkönigreichs in üble Origami-Schergen verwandelt, die Prinzessin gekidnappt, das Schloss gemopst und Mario muss erneut als Retter zur Tat schreiten. Doch was dann kommt und in welches unerwartete Gefühlschaos ich geworfen wurde, aufgepasst.

Spoiler-Warnung! Das Folgende beschreibt einen großen Story-Spoiler aus den ersten zehn Stunden des Spiels. Auf spätere Inhalte werde ich nicht eingehen.

Mein bombiger, kleiner Freund

Recht früh im Spiel treffen Mario und seine Origami-Begleitung Olivia auf Bob-omb, der sein Gedächtnis verloren hat und sich fortan mit dem Duo ins Abenteuer stürzt um seine Erinnerung zurückzubekommen. Was mir schon bei der ersten Begegnung aufgefallen ist: der kleinen Bombe fehlt die Zündschnur. Was es damit auf sich hat, bleibt lange unklar. Bis zu einem Moment, in dem wir als Gruppe vor einem riesigen Stein stehen, an dem wir einfach nicht vorbeikommen. Der Weg ist versperrt.

Wer an dieser Stelle übrigens denkt "na logo, Zündschnur suchen, die Bombe zum explodieren bringen, weiter geht's", der trifft hier zwar voll ins Schwarze - das habe ich mir auch gedacht - was das aber für Konsequenzen hat und welche Geschichte dahinter steckt, damit hätte ich nie im Leben gerechnet.

Die erste Begegnung mit der kleinen Bombe. Die erste Begegnung mit der kleinen Bombe.

Unser lieber Bob-omb hat nämlich bei einem Schiffskampf gegen einen Kraken seine eigene Zündschnur verloren, über all die Jahre aber die eines verstorbenen Freundes in einer Schatulle als Erinnerung aufbewahrt. Die Reise führt uns also zurück zu besagtem Schiff, der Kraken wird besiegt und wir kehren mit der Zündschnur zum Stein zurück - und es folgt einer der bewegendsten Monologe, die ich je in einem Videospiel gehört habe.

Bob-omb bedankt sich rührselig bei Mario und Olivia für die tolle Zeit und sagt, dass er alles erreicht hat, was ein Bob-omb erreichen kann. Er hat es geschafft, etwas zum Guten zu verändern, Einfluss auf die Welt zu haben. Und jetzt stellt euch das Gesagte bitte bei leiser, trauriger Musik vor und dem Fakt, dass die kleine Bombe zugibt, gerade unglaublich nervös zu sein. Die Szene endet mit: Danke, Mario. Danke für alles!

Bob-omb explodiert und stirbt.

Stille

Das ist doch jetzt nicht euer Ernst!

Die letzten Worte von Bob-omb. Die letzten Worte von Bob-omb.

Leute, ich konnte nicht mehr, was war hier gerade bitte passiert!? Die ersten Sekunden habe ich felsenfest damit gerechnet, dass die kleine Bombe in einer humorvollen Cutscene wieder neben Mario und Olivia steht. Aber nichts passierte. Bob-omb hat sich aufgeopfert und wird auch nicht mehr von den Toten auferstehen. Niemals hätte ich hier mit solch einer Szene gerechnet und daher hat sie mich wirklich komplett umgehauen. Traurige Szenen in einem The Last of Us, logisch. Grauenvolle und rührende Tode in Telltales The Walking Dead, die müssen da vorkommen. Aber hier!?

Fortan bin ich jedenfalls mental gewappnet, wenn ich zukünftig mit dem italienischen Klempner auf Reisen in Papierwelten gehe. Anscheinend ist hier trotz humorvoller Stimmung und Knuddel-Look mehr Drama möglich als gedacht.

Wir habt ihr die Stelle erlebt und hättet ihr mit solch einem Ausgang gerechnet?

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