Playstation VR - Meinung: Tschüss Gewehr, hallo Bastelschere!

Klassische Shooter und Action-Bombasten müssen den Sprung in die virtuelle Realität eigentlich gar nicht mehr schaffen — denn die Titel, die uns basteln und erkunden lassen, nutzen die Möglichkeiten der neuen Technologie am besten. Ihnen gehört die VR-Zukunft, hofft Dom.

von Dom Schott,
18.10.2016 12:30 Uhr

PlayStation VR: Alle Antworten im FAQ - Termin, Preis, Kamera, Spiele, PS4 Pro-Unterstützung & mehr 6:00 PlayStation VR: Alle Antworten im FAQ - Termin, Preis, Kamera, Spiele, PS4 Pro-Unterstützung & mehr

Ja, die Brillengläser unter dem Headset beschlagen hin und wieder. Und früher oder später bekomme ich von der vergleichsweise niedrigen Auflösung der Playstation VR Kopfschmerzen – aber trotzdem habe ich seit vergangenem Freitag in der virtuellen Realität den Spaß meines Lebens. Die bisher größte Überraschung für mich: Spiele, die mich normalerweise schneller langweilen würden, als ich »Kilimandscharo« rufen kann, gehören nun zu meinen liebsten VR-Titeln!

Dom Schott (@R3nDom):
Ich muss zugeben, ich war skeptisch, als ich fast 500€ für das PS VR-Headset, die Kamera und Motion-Controller in die Hand nehmen musste — noch dazu, da vielfach rumort wurde, dass bisher noch die eine große Killer-App fehlt, die der absolute Kaufgrund für das teure Gerät ist. Nun, eine Woche nach Release, bin ich ein wenig schlauer als vorher und kann euch versichern: Diese Killer-App braucht es auch gar nicht, schon das Launch-Angebot der PS VR steckt voller kleiner Wunder und Aha-Effekte, die euch das Potential der neuen Technologie wortwörtlich vor Augen führen.

Das unschlagbare Mittendrin-Gefühl

Da wäre beispielsweise das außergewöhnliche Musikspiel Harmonix Music VR, das mich in ganz unterschiedlichen Modi mit vorgefertigten Playlists oder meiner eigenen Lieblingsmusik auf eine Weise spielen lässt, wie ich es noch nie erlebt habe. Besonders fasziniert hat mich das »Open-World-Feature«: An einem weitläufigen Strand, der leicht überzeichnet ist und an einen knallbunten Zeichentrickfilm erinnert, höre ich aus jeder Richtung »Astronaut« von Amanda Palmer. Fixiere ich nun mit meinen Augen bestimmte Trigger-Objekte wie Pflanzen, Lampen und Felsen, so beeinflusse ich damit die Musik selbst, setze Akzente oder verändere vorübergehend die Tonart. Gleichzeitigpulsieren verschiedene Farbverläufe am Horizont im rhythmischen Einklang mit der Musik und begleiten jeden Stimmungswechsel im Lied mit den passenden Farbgebungen.

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Habe ich an einem Strandabschnitt alle Trigger-Objekte zur Genüge ausprobiert, kann ich auf Knopfdruck meine Position ändern und neue Gegenstände und ihre Auswirkungen auf die Musik erkunden. Mit etwas Übung komponiere ich ein ganz neues Lied, während ich über den virtuellen Strand husche und tanzenden Steinen, Lampen und Pflanzen zusehe. Es ist wie ein bunter, surrealer aber faszinierender Drogenrausch - nur ohne die unangenehmen und störenden körperlichen Nebenwirkungen.

Spaß haben und Tee trinken

So verbrachte ich mein Wochenende neben den Harmonix-Orgien auch begeistert damit, im VR-Adventure Loading Human einen virtuellen Garten zu durchstreifen, Zutaten für einen Tee zu pflücken und diesen dann auch noch zuzubereiten. Tätigkeiten, die ich in einem klassischen Titel als mühsames Dehnen der Spielzeit beschreiben würde, machen mir dank VR-Brille auf dem Kopf völlig unverhältnismäßig viel Spaß und ändern die Feature-Liste in meinem Kopf ganz grundlegend, die ich von einem guten Spiel erwarte. In euren Ohren klingt diese Tee-Zeremonie vermutlich noch immer recht unspannend, doch der Aha-Effekt stellt sich ein, sobald ihr die Brille aufgesetzt und euch das erste Mal staunend komplett im Kreis gedreht habt.

In Loading Human werden die banalsten Alltagsdinge zu faszinierenden Spielmomenten. In Loading Human werden die banalsten Alltagsdinge zu faszinierenden Spielmomenten.

Während ich mich so durch das Line Up der ersten VR-Spiele schlage, stelle ich mehr und mehr fest, dass ich klassische Gameplay-Elemente wie gewaltig inszenierte Action-Sequenzen kein bisschen vermisse. Spiele hingegen, in denen ich viel mit meiner Umgebung interagiere, die mich zum Beispiel Gegenstände durch den Raum bewegen lassen, können die Stärken der Move-Controller und des virtuellen Raums am besten ausnutzen. Und auch nach mittlerweile weit über zehn Spielstunden hat die Faszination an dieser neuen Dimension, in der ich bastle, koche und Lampenständer auf NPCs werfe, noch immer nicht nachgelassen. Ich freue mich auf die Zukunft, die im virtuellen Raum gerne substanzlose Railgun-Schießereien & Co. ignorieren darf – denn die bekommt die PS4 auch ohne VR-Headset schon ganz gut hin.

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