Red Dead Redemption 2 erzählt eine ganz eigene Geschichte, die im fiktiven US-Bundesstaat New Hanover angesiedelt ist. Dabei nimmt sich die Story aber viele historische Gegebenheiten zum Vorbild und flechtet zahlreiche gesellschaftliche Konflikte mit ein. Das macht der Rockstar-Epos in vielen Punkten gut, befindet der Historiker Tore C. Olsson. Aber eine Sache passt so gar nicht: die Jahreszahl.
RDR2 orientiert sich an Ereignissen, die wesentlich früher stattfanden
Womöglich habt ihr von Tore C. Olsson schon mal gehört. Der College-Professor hat einen kompletten Kurs über die geschichtlichen Ereignisse in Red Dead Redemption 2 abgehalten, bei dem teilweise sogar im Unterricht gezockt wurde, wenn sich keine passenden Beispiele auf YouTube finden ließen.
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Red Dead Redemption 2 - Video: 20 wahnsinnige Details, die niemand vermisst hätte - Video: 20 wahnsinnige Details, die niemand vermisst hätte
Seine Analyse hat Olsson auch im Buch "Red Dead History" festgehalten und darin finden sich jede Menge interessante Punkte rund um die Western-Story und -welt – wobei "Western" eigentlich auch gar kein ganz korrekter Begriff ist, aber das führt hier zu weit.
Spannend ist aber Folgendes: Olsson stellt heraus, dass die Geschichte eigentlich früher spielen müsste, weil viele der Geschehnisse, von denen sie inspiriert ist, rund um die 1870er passiert sind. Im Jahr 1899, in dem Red Dead 2 angesiedelt ist, gehörten diese Dinge schon der Vergangenheit an.
Dafür gibt es gleich mehrere Beispiele. Unter anderem wäre da die reale Gang rund um Jesse James, die Olsson klar als Vorbild für Dutchs Bande sieht – mit einem wichtigen Unterschied. Wie der Historiker festhält, sind die Gangster in RDR2 trotz ihrer Taten zum Großteil durchaus sympathisch gezeichnet, während es sich bei den Vorbildern um brutale und Verbrecher handelte, die beispielsweise auch mit dem Ku-Klux-Klan gemeinsame Sache machten.
Da wären wir auch schon beim nächsten Punkt: Auch die Ereignisse rund um diese Gruppierung passt laut Olsson besser in ein früheres Jahrzehnt. Genauso steht es um die Kämpfe, die sich die Natives mit den Soldaten liefern, um für ihre Rechte und ihr Land einzustehen.
Hier lassen sich ebenfalls reale Gefechte und Anführer festmachen, die Inspiration für Rain Falls und Eagle Flies gewesen sein dürften. Unter anderem dürfte dazu der Krieger und Unterhäuptling Sitting Bear gehört haben, der bereits 1871 verstorben ist.
Dass Rockstar die Spielhandlung aber viel später angesetzt hat, dürfte dem Prequel-Konzept geschuldet sein. Rund 30 Jahre früher war John Marston gerade mal ein Krabbelkind. Trotzdem wollte der Entwickler offensichtlich möglichst viele aufgeladene gesellschaftliche Konflikte im Spiel abbilden.
Aber schließlich geht es in Spielen, gerade in großen Mainstream-Titeln auch nicht darum, ein möglichst akkurates historisches Bild zu zeichnen. Darum nehmen wir Rockstar diesen Kompromiss auch nicht übel. Spannend ist der Vergleich mit der Realität aber allemal.
Habt ihr euch mal mit den historischen Gegebenheiten beschäftigt? Und würdet ihr gerne an einer Vorlesung von Tore C. Olsson teilnehmen?

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