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Sega Astro City: Test zur Retrokonsole im Spielautomaten-Look

Kleine Konsole zum großen Preis: Segas Astro City Mini soll mit zahlreichen Arcade-Klassikern bestückt die Spielhalle ins Wohnzimmer bringen.

von Kai Schmidt,
24.07.2021 14:00 Uhr

Sega Astro City Mini im Test Sega Astro City Mini im Test

Hersteller: Segatoys
Preis: 190 Euro
Termin: 2. Juli .2021

Testgerät
Der deutsche Vertrieb Worldwide Distribution hat uns für diesen Test freundlicherweise ein Exemplar des Sega Astro City Mini inklusive eines Joypads zur Verfügung gestellt. Wer sich die Konsole zulegen möchte, kann das über die Website www.worldwidedistribution.de tun.

Huch, was ist denn bitteschön ein Astro City? Na, eine neue Minikonsole natürlich! Die klassischen 8- und 16-Bit-Konsolen haben wir mittlerweile so gut wie alle durch. Was also tun, um den beliebten Markt der "Minis" weiter zu bedienen? Klar, die 32-Bit- und 64-Bit-Konsolen stehen noch aus, doch Sega besinnt sich statt auf einen Saturn- oder Dreamcast-Mini auf seine Arcade-Wurzeln. Der etwas merkwürdig anmutende Name Astro City geht auf eine in Japan weit verbreitete Art von generischen Arcade-Automaten zurück, die Spielhallenbetreiber mit den neuesten Spielen ausstatten konnten.

Hommage an einen Arcade-Klassiker: Das Astro City Mini ist gut verarbeitet und fühlt sich wertig an. Hommage an einen Arcade-Klassiker: Das Astro City Mini ist gut verarbeitet und fühlt sich wertig an.

So war es prinzipiell nur nötig, das entsprechende Board zu kaufen, statt gleich einen teuren neuen Automaten im Design der Spiele anzuschaffen. Ein im weitesten Sinne ähnliches Konzept wie bei SNKs NeoGeo, das ebenfalls bereits einige mehr oder weniger gute Mini-Veröffentlichungen erlebte.

Im Westen waren die Astro-City-Automaten weniger verbreitet, weshalb der Anblick des akribisch nachgebildeten Miniaturgehäuses beim europäischen Durchschnittsspieler wenig Nostalgie aufflammen lassen dürfte. Bei dieser Minikonsole geht es also primär um den Inhalt, und der fällt mit 37 Spielen auf den ersten Blick beinahe ebenso üppig aus wie der Preis von knapp 190 Euro. Dem gegenüber stehen etwa 110 Euro inklusive Einfuhrabgaben, wenn ihr die Konsole etwa beim japanischen Amazon bestellt. Schauen wir uns also an, wie die hohen Anschaffungskosten in Relation zum gebotenen Spielspaß stehen.

Controller und Arcade Stick
Den zusätzlichen Controller haben wir im Test für gut befunden: Das Steuerkreuz funktioniert präzise, und die Aktionstasten reagieren ohne Verzögerungen. Wenn ihr mit dem Astro City Mini am TV spielen wollt, sind ein oder zwei dieser zusätzlichen Controller ein Muss. Der Preis ist mit knapp 70 Euro allerdings happig. Noch happiger wird's, wenn ihr die Spielhallenerfahrung stilgerecht mit einem Stick und Tasten zum Draufhauen erleben wollt. Der Arcade Stick, den wir für unseren Test nicht zur Verfügung hatten, schlägt mit 200 Euro zu Buche.

Astro City Mini Controller Der separat erhältliche USB-Controller liegt gut in der Hand und funktioniert tadellos.

Astro City Mini Arcadestick Dieser wuchtige Arcade Stick kostet mehr als die Konsole.

Was ist in der Box?

Das Astro City Mini kommt in einem beinahe unscheinbaren, kleinen Karton, der recht unspektakulär Produktbilder, technische Daten und die Liste der enthaltenen Spiele präsentiert. Auf letzterer wurde allerdings Thunderforce AC vergessen und stattdessen zweimal Scramble Spirits aufgelistet. Klar, die Verpackung ist etwas größer als beispielsweise die Boxen von NES oder SNES Mini, aber das darf man von einem voll funktionsfähigen Spielhallenautomaten im Kleinformat natürlich auch erwarten.

Die 37 Spiele wählt ihr über ein schickes Menü mit nervtötender Hintergrundmusik aus. Die 37 Spiele wählt ihr über ein schickes Menü mit nervtötender Hintergrundmusik aus.

Im Karton selbst befinden sich eng gepackt zwei weitere Kartons mit HDMI- sowie USB-Kabel und Anleitung, das Astro City Mini selbst ist in einem Schutzbeutel sicher dazwischen eingeklemmt. Hier wackelt und rappelt absolut nichts, Transportschäden dürfen also ausgeschlossen werden. Ein ordentliches Netzteil fehlt wieder mal, lediglich das passende USB-Kabel für den Stromanschluss ist in der Verpackung enthalten. Aber einen entsprechenden Adapter dürfte sowieso jeder zuhause haben.

Die Minikonsole selbst macht beim ersten Inspizieren einen schön robusten Eindruck. Das weiße Plastik des Gehäuses fühlt sich massiv und wertig an. Man weiß sofort, dass man für sein Geld keine Billigware aus China bekommen hat. Sozusagen das Center Piece des Astro City Mini ist der kleine LCD-Screen, der laut Verpackung eine Auflösung von 480p schafft.

Da auf dem kleinen Gehäuse natürlich anders als beim Original kein Platz für zwei Bedienfelder ist, müsst ihr wie beim NeoGeo Mini mit lediglich einem aufmontierten Stick plus sechs Aktionstasten Vorlieb nehmen. Wollt ihr zu zweit loslegen, steht der Kauf eines zusätzlichen Joypads (70 Euro) oder Arcade Sticks (200 Euro) an, die sich in die USB-Ports auf der Rückseite einstöpseln lassen. Und darum werdet ihr auch kaum herumkommen, denn im Test hat sich gezeigt, dass das Astro City Mini äußerst wählerisch ist und sich nicht mit dem gängigen USB-Zubehör von Retrobit und Co. verträgt.

Golden Axe: The Revenge of Death Adder
Der Fantasy-Schnetzler Golden Axe ist einer der ganz großen Brawler-Klassiker und schlug sowohl in der Spielhalle als auch auf dem Mega Drive ein wie eine Bombe. Sega bedachte das Spiel auf der Heimkonsole mit zwei halbgaren Fortsetzungen, die jedoch nichts mit dem »echten« Sequel aus der Spielhalle zu tun haben. The Revenge of Death Adder aus dem Jahr 1992 ist ein farbenprächtiger Prügler mit tollen Effekten und hervorragender Spielbarkeit, den es nun erstmals in einer Umsetzung für zuhause gibt. Warum dieses Spiel nie zuvor umgesetzt wurde, etwa für den Sega Saturn, ist eine Frage, die wohl nicht einmal Sega schlüssig beantworten kann.

Die Fortsetzung Golden Axe: The Revenge of Death Adder war bisher spielhallenexklusiv. Die Fortsetzung Golden Axe: The Revenge of Death Adder war bisher spielhallenexklusiv.

Diese Spiele sind enthalten
Hier listen wir euch alle 37 enthaltenen Spiele alphabetisch sortiert mit Genreangabe sowie einer kurzen Einschätzung von einem bis drei Sternen auf.

  • Alex Kidd: The Lost Stars (1986) - Jump&Run - *
  • Alien Storm (1990) - Brawler - **
  • Alien Syndrome (1987) - Action - **
  • Altered Beast (1988) - Brawler - *
  • Arabian Fight (1992) - Brawler - **
  • Bonanza Bros (1990) - Action - **
  • Columns (1990) - Puzzle - ***
  • Columns 2 (1990) - Puzzle - **
  • Cotton (1991) - Shoot'em up - ***
  • Crack Down (1989) - Action - **
  • Cyber Police ESWAT (1989) - Action - **
  • Dark Edge (1993) - Kampfspiel - *
  • Dottori Kun (1990) - Geschicklichkeit - *
  • Fantasy Zone (1986) - Shoot'em up - ***
  • Flicky (1984) - Jump&Run - *
  • Gain Ground (1988) - Action-Strategie - **
  • Golden Axe (1989) - Brawler - ***
  • Golden Axe: The Revenge of Death Adder (1992) - Brawler - ***
  • Ninja Princess (1985) - Run&Gun - *
  • Puyo Puyo (1992) - Puzzle - ***
  • Puyo Puyo 2 (1994) - Puzzle ***
  • Puzzle & Action: Ichidant-R (1994) - Puzzle - **
  • Puzzle & Action: Tant-R (1993) - Puzzle - **
  • Quartet 2 (1986) - Run&Gun - *
  • Rad Mobile (1990) - Rennspiel - ***
  • Scramble Spirits (1988) - Shoot'em up - **
  • My Hero (1985) - Brawler - *
  • Shadow Dancer (1989) - Action - ***
  • Shinobi (1987) - Action - ***
  • Sonic Boom (1987) - Shoot'em up - **
  • Space Harrier (1985) - Action - ***
  • Stack Columns (1994) - Puzzle - *
  • Thunder Force AC (1990) - Shoot'em up - ***
  • Virtua Fighter (1993) - Kampfspiel - **
  • Wonder Boy (1986) - Jump&Run - *
  • Wonder Boy in Monster Land (1987) - Action-Adventure - **
  • Wonder Boy III: Monster Lair (1988) - Jump&Shoot&Run - ***

Merkwürdige Formatwahl

Aber es wird Zeit, das Gerät endlich einzuschalten. Ihr braucht dazu wohlgemerkt einen Stromanschluss - entweder über den USB-Port eures Fernsehers oder über ein Handy-Netzteil. Obwohl die Astro-City-Konsole durchaus für den mobilen Einsatz abseits des Fernsehers gedacht ist, hat Sega sich einen Akku oder ein Batteriefach gespart. Über dem Screen leuchtet ein grüner LED-Balken auf, die Konsole erwacht mit typisch japanisch-schriller Menümusik zum Leben.

Auf der Rückseite findet ihr von links nach rechts: Ein-/Ausschalter, HDMI, zwei USB-Ports für Controller, Kopfhöreranschluss und Mini-USB für die Stromversorgung. Auf der Rückseite findet ihr von links nach rechts: Ein-/Ausschalter, HDMI, zwei USB-Ports für Controller, Kopfhöreranschluss und Mini-USB für die Stromversorgung.

Das Getriller aus den durchaus kraftvollen Stereolautsprechern der Konsole kann beim Scrollen durch die Auswahlliste schnell ziemlich auf die Nerven gehen, eine Option zum Abschalten gibt es allerdings nicht. In den Optionen findet sich nur eine generelle Lautstärkeregelung für das komplette System. Unverständliches Detail: Einige Spiele wie Space Harrier oder Virtua Fighter bieten in der Liste zwar die Möglichkeit an, deren Hintergrundmusik abzuspielen, doch sobald wir zum nächsten Titel springen, bricht der Soundtrack ab, und das Gute-Laune-Gedudel geht wieder los.

Der Bildschirm selbst hat ein klares Bild und eine gute Helligkeit, die sich über das Optionsmenü noch anpassen lässt. Bei der Benutzung sind uns keine Verwischeffekte oder ähnliche Probleme aufgefallen. Allerdings müssen wir uns über die Wahl des verbauten 16:9-Screens wundern, denn kein einziges der installierten Spiele nutzt die gesamte Breite. Lediglich das Auswahlmenü erstreckt sich über die ganze Fläche.

Darf natürlich nicht fehlen: Segas Sprite-Scaler-Ballerei Space Harrier. Darf natürlich nicht fehlen: Segas Sprite-Scaler-Ballerei Space Harrier.

Sobald ihr ein Spiel startet, wird an den Rändern entweder eins der wählbaren Wallpaper angezeigt, um den Screen auszufüllen, oder ihr könnt simpel auf schwarze Balken umschalten, um beim Zocken nicht abgelenkt zu werden. Warum Sega für das Astro City Mini keinen 4:3-Bildschirm verwendet hat, wie SNK es beim NeoGeo Mini tat, ist etwas verwunderlich. Zumal die Aussparung im Gehäuse (bei der Minikonsole ebenso wie beim Originalautomaten) eindeutig für einen 4:3-Screen gedacht ist.

Gute Spielbarkeit mit Einschränkungen

Doch 16:9 hin, 4:3 her, es zählt am Ende doch bloß, wie gut die Konsole funktioniert und ob das Zocken damit Spaß macht. Die meisten Klassiker lassen sich auf dem kleinen Bildschirm gut spielen. Das klare Bild sorgt dafür, dass ihr auch bei Spielen, die schnelle Reaktionen verlangen, immer alles im Blick habt. Egal ob Space Harrier, Shinobi oder andere Actiontitel, hier werden keine Projektile oder Gegner durch Schlieren und dergleichen unkenntlich gemacht.

Die Spiele funktionieren auf dem kleinen Bildschirm bis auf Ausnahmen tadellos. Die Spiele funktionieren auf dem kleinen Bildschirm bis auf Ausnahmen tadellos.

Zudem werden die Eingaben des präzisen Mikroschalter-Sticks (nur echt mit Klicken bei jeder Bewegung) und der Aktionstasten ohne wahrnehmbare Verzögerung umgesetzt. Passt dabei aber auf, dass das Astro City Mini sicher platziert ist, denn wenn ihr im Eifer des Gefechts mal ordentlich am Stick rüttelt oder in die Tasten haut, können die kleinen Gummifüße an der Unterseite nicht auf jeder Oberfläche einen guten Halt garantieren. Ausgerechnet Virtua Fighter, das hier erstmals in Spielhallenqualität enthalten sein sollte, tanzt in Sachen Spielbarkeit aus der Reihe.

Die Emulation sieht auf den ersten Blick fantastisch aus, doch merkt man beim Spielen schnell, dass die Bildrate im Vergleich zum Original schwankt. Noch deutlicher wird das beim Anschluss an einen Fernseher. Präzise getimte Kommandos und Reaktionen in Sekundenbruchteilen wie beim Automaten werden so schwieriger bis unmöglich. Zum unbedarften Anspielen reicht es zwar, doch Virtua-Fighter-Profis werden sich wegen des Lags und der verlorenen Frames wohl die Haare raufen.

Die Emulation von Virtua Fighter sieht zwar toll aus, hat aber mit Framedrops zu kämpfen. Die Emulation von Virtua Fighter sieht zwar toll aus, hat aber mit Framedrops zu kämpfen.

Weitere Sorgenkinder sind die Vertikal-Shooter Scramble Spirits und Sonic Boom, in denen ihr mit eurem Flugzeug von unten nach oben über das Schlachtfeld fliegt und dabei ballert, was die Feuertaste hergibt: Durch die in der Spielhalle auf der Seite stehenden 4:3-Monitore der Originale spielt sich die Action lediglich auf einem schmalen Streifen in der Mitte des Bildschirms ab. Wegen der winzigen Sprites und stecknadelkopfgroßen Geschosse verliert man hier schnell die Übersicht, wenn mal die Post abgeht.

Nein, das macht auf dem kleinen Screen absolut keinen Spaß. Übrigens: Das kommende Taito Egret 2 Mini (erscheint im März 2022 mit 40 vorinstallierten Taito-Klassikern) verfolgt ein ähnliches Konzept wie Segas Miniaturautomat, hat jedoch ein drehbares 4:3-Display für genau solche Fälle - und wird auch noch eine Spur teurer als Segas Miniautomat ausfallen.

Bei den Vertikal-Shootern Scramble Spirits (Bild) und Sonic Boom geht auf dem internen Bildschirm schnell die Übersicht verloren. Bei den Vertikal-Shootern Scramble Spirits (Bild) und Sonic Boom geht auf dem internen Bildschirm schnell die Übersicht verloren.

Und dann ist da noch der Sonderfall Quartet 2, das durch einen Emulationsfehler mit einem Gamebreaking-Bug zu kämpfen hat und somit quasi unbrauchbar wird. Der Rest der Astro-City-Spiele läuft aber sauber.

Größer ist besser

Aber es gibt ja zum Glück auch noch die Möglichkeit, das Astro City Mini per HDMI-Kabel an den Fernseher anzuschließen und die Spiele "in groß" zu genießen - was wir auf jeden Fall ausdrücklich empfehlen. Hängt die Konsole am TV, könnt ihr entweder weiterhin über die eingebauten Bedien­elemente steuern, was zumindest uns im Dauerbetrieb etwas krampfig erschien, oder einen der separat erhältlichen Controller anschließen. Mit dem teuren, aber guten Zubehör wird dann schon eher eine vergnügliche Retroreise in alte Spielhallenzeiten draus.

Das Bedienfeld des Astro City Mini funktioniert auch in Verbindung mit dem TV-Modus gut. Das Bedienfeld des Astro City Mini funktioniert auch in Verbindung mit dem TV-Modus gut.

Das vom Astro City Mini ausgegebene 720p-Signal ist knackig-scharf (wir erinnern uns mit Grausen an das verhunzte HDMI-Signal des NeoGeo Mini). Die auf der Konsole emulierte Version von Virtua Fighter wird dadurch zwar nicht besser, aber zumindest die Actiontitel, die vorher etwas unter der kleinen Bildschirmgröße litten, machen so eindeutig mehr Spaß. Und auch der Rest des Programms profitiert deutlich.

Doch auch auf dem TV gibt es eine Einschränkung, die allerdings nur echte Retro-Freaks enttäuschen dürfte: Sega hat es versäumt, dem Astro City Mini eine ordentliche Scanlines-Option zu spendieren. Zwar könnt ihr im Optionsmenü eine spezielle Bild­schirmeinstellung auswählen, die einen Röhrenmonitor simulieren soll, doch beim Anblick dessen, was die Sega-Techniker da fabriziert haben, rollen sich jedem echten Retrofan die Fußnägel auf.

Mit Scanlines, die einfach zu einem Röhrenmonitor dazugehören, haben die Schlieren, die über den Bildschirm gelegt werden, nichts zu tun. Dieser Modus funktioniert weder auf dem kleinen internen Bildschirm noch auf dem großen Fernseher auch nur annähernd gut. Schade, denn der an sich perfekt emulierten, "nackten" Pixelgrafik fehlt so im wahrsten Sinne des Wortes der letzte Schliff.

Putziges Zubehör
Schon beim Mega Drive Mini hat Sega es - zumindest für den japanischen Markt - nicht bei der nackten Konsole bewenden lassen und veröffentlichte (funktionslose) Zubehörteile wie Mega-CD und 32X. Auch für das Astro City Mini gibt es solches Zubehör in Form des Game Center Kits (Podest für die Konsole, ein Hocker und ein Aufsatz für Spielewerbung). Hocker? Steht man denn nicht beim Spielen? Das ist schon korrekt: Anders als gängige Spielautomaten waren die Sega-Gehäuse dazu gedacht, im Sitzen zu spielen. Die Zubehörteile sind allerdings nur in Japan erhältlich und werden auf Ebay derzeit für wahnwitzige 150 Euro aufwärts gehandelt.

Game Center Kit Mit diesem Plastikzubehör wird das Astro City Mini ...

Astro City mit Upgrade ... zum voll funktionsfähigen Automaten für die Puppenstube.

Durchwachsene Spieleauswahl

Auf dem Astro City Mini sind insgesamt 37 Spiele aus mehreren Arcade-Epochen (1984 bis 1994) vorinstalliert. Eins davon, das Labyrinthspiel Dottori Kun, ist jedoch nur ein primitiver, interner Hardware-Test der Automatenplatinen und kaum einen Blick wert. Die Palette reicht von hoffnungslos veralteten Titeln wie Ninja Princess (auch bekannt als Sega Ninja) über bekanntere Sachen wie Space Harrier, Shinobi, Alien Storm, ESWAT oder Golden Axe bis hin zum »neuesten« Spiel der Sammlung, Virtua Fighter.

In der Spieleliste finden sich einige Perlen wie etwa der Jump&Run-Shooter-Hybrid Wonderboy 3. In der Spieleliste finden sich einige Perlen wie etwa der Jump&Run-Shooter-Hybrid Wonderboy 3.

Die Auswahl der Titel erscheint uns allerdings etwas merkwürdig: Warum braucht es beispielsweise drei Columns-Spiele und zwei Puyo Puyos, während Klassiker wie Afterburner oder Out Run offenbar vergessen wurden? Gut, das kann natürlich auch damit zu tun haben, dass die genannten Spiele nie auf Astro-City-Automaten liefen, sondern aufwendige eigene Gehäuse hatten. Doch wenn man die Sammlung genau betrachtet, fällt auf, dass der Großteil der integrierten Spiele eher auf den Vorgängern des Astro City (dessen Markteinführung 1993 war) zuhause waren: City (ab 1986) und Aero City (ab 1988). Und auch das enthaltene Rennspiel Rad Mobile, Segas erster 32-Bit-Titel, hatte ursprünglich ein Spezialgehäuse mit Cockpit.

Columns ist zwar ein nettes Knobelspiel, doch braucht es wirklich drei Teile davon? Columns ist zwar ein nettes Knobelspiel, doch braucht es wirklich drei Teile davon?

Weitere Spiele hinzuzufügen ist nicht möglich, auch eine Update-Möglichkeit, etwa zum Ausbessern von Bugs wie bei Virtua Fighter oder fürs Hinzufügen vernünftiger Scanlines, scheint zu fehlen. Auch ein Update mit den englischen Versionen der Spiele dürfte damit unmöglich sein - bei ausnahmslos allen Spielen des Astro City Mini handelt es sich um japanische Versionen mit japanischen Schriftzeichen, was das Spielen von etwa Wonder Boy in Monster Land oder Tant-R erheblich erschwert.

Da es sich bei den emulierten Titeln um Automatenspiele handelt, müsst ihr per Select-Taste »Münzen« einwerfen, um spielen zu können. Eurem virtuellen Budget sind dabei glücklicherweise keine Grenzen gesetzt. Und wer mag, kann für jedes Spiel bis zu drei Speicherstände anlegen, um etwa sofort in die letzte Stage springen zu können oder Highscores festzuhalten.

Der Brawler Arabian Fight beeindruckt mit schönen 2D-Effekten und war bisher nicht außerhalb der Spielhalle verfügbar. Der Brawler Arabian Fight beeindruckt mit schönen 2D-Effekten und war bisher nicht außerhalb der Spielhalle verfügbar.

Was wir uns im Zusammenhang mit den Spielen noch gewünscht hätten, ist ein Menü für die sogenannten Dip-Switches der Automaten. Darüber konnten Automatenaufsteller früher etwa die Anzahl der Leben oder den Schwierigkeitsgrad sowie andere Details einstellen. Bei der Capcom Home Arcade wurden diese Dip-Switches immerhin per Update nachgeliefert, doch das Astro City Mini scheint keine Möglichkeit dafür zu bieten.

Sega Astro City Mini
Pro&Contra
+ schicker Miniaturautomat
+ 37 Spiele enthalten
+ überwiegend gute Emulation
- einige Spiele mit Problemen
- etwas lieblose Umsetzung
- hoher Preis für Konsole/Zubehör
- 16:9-Display fragwürdig

"Mit etwas mehr Liebe und Sorgfalt hätte aus dieser Minikonsole ein Knaller werden können. So reicht es nur zum überteuerten Liebhaberstück."

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