Shadow of the Tomb Raider - Was steckt hinter den Menschenopfern der Maya?

Im ersten Trailer zu Shadow of the Tomb Raider rettet Lara in letzter Sekunde ein Kind vor dem Opfertod. Hätte so etwas zu den Hochzeiten der Maya-Kultur wirklich passieren können?

von Ann-Kathrin Kuhls,
30.04.2018 15:45 Uhr

Shadow of the Tomb Raider - Story-Trailer zeigt Szenen in aztekischen Tempeln und Dschungel 2:52 Shadow of the Tomb Raider - Story-Trailer zeigt Szenen in aztekischen Tempeln und Dschungel

Bei einem Termin in London konnten wir Shadow of the Tomb Raider zum ersten Mal anspielen. Dort haben wir auch als erste einen Blick auf den neuen Trailer werfen können, der unter anderem zeigt, wie Lara mitten in eine Opferzeremonie der alten Maya stürmt und ein Kind vor einem anscheinend grausigen Tod rettet.

Aber auch, wenn Lara mit ihren Handlungen in den ersten Spielminuten von Shadow of the Tomb Raider aus Versehen die Apokalypse auslöst und die Maya-Ältesten zu extremen Mitteln greifen müssen, um verheerende Naturkatastrophen zu verhindern: Hätten ihre Bräuche es überhaupt erfordert, ein Kind zu opfern?

Achtung: Wir behandeln in diesem Artikel religiöse Praktiken der Maya-Hochkultur vom ersten dokumentierten Tempel 900 vor Christus an bis zum Kollaps der Maya-Zentren im 9. Jahrhundert. Mit "Maya-Kutur" sind also immer die Maya zwischen 900 v.Chr. und 9 n.Chr. gemeint, nicht ihre heutigen Nachfahren.

In Shadow of the Tomb Raider begegnet Lara der alten Maya-Kultur.In Shadow of the Tomb Raider begegnet Lara der alten Maya-Kultur.

Die Maya haben Menschen geopfert

Ja und Nein. Auf der einen Seite haben Maya wirklich Menschen geopfert. Ausgrabungen der Uni Bonn in der frühen Maya-Stadt Uxul in Mexiko haben erst 2013 noch eine Höhle freigelegt, in der die Skelette von 24 Menschen lagen.

Laut Nicolaus Seefeld, einem Archäologen, der 2013 an der Uni Bonn beschäftigt und an der Ausgrabung beteiligt war, gab es jedoch eine Auffälligkeit, die nicht für einen natürlichen Tod sprach.

"Abgesehen von der großen Anzahl der bestatteten Individuen fiel bereits während der Aufgrabung auf, dass sich die Skelette nicht mehr in ihrem ursprünglichen anatomischen Verbund befanden."

Die Knochen lagen also kreuz und quer. Nicht nur, dass die Schädel auf einem großen Haufen in der Mitte des Raumes lagen - viele der Köpfe waren ohne ihre Unterkiefer bestattet. Hände und Füße waren jedoch vollständig erhalten.

Das überzeugte die Forscher, dass es sich hier nicht um eine so genannte Sekundärbestattung handelt. Aus religiösen Gründen kann es nämlich durchaus vorkommen, dass die Knochenreste der Verstorbenen anders angeordnet oder an anderen Orten niedergelegt werden. Die Körper hier waren jedoch an den Extremitäten unversehrt.

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Inhalte des Season Pass von Shadow of the Tomb Raider

Tödliches Spiel oder grausamer Mord?

Ein weiteres Indiz für einen gewaltsamen Tod sind die Beilspuren an den Halswirbeln der Verstorbenen. Diese finden sich auch an in der Ruinen-Stadt Chichèn Itzá gefundenen Überresten. Zusätzlich zu den Enthauptungen wurden die Knochen hier geröstet und abgeschabt.

Ebenfalls weit verbreitet ist die Theorie, die Opfer hätten sich in manchen Städten in einer Art Ballspiel beweisen müssen. Der Verlierer wurde geköpft und sein Kopf als Dekoration am Spielfeldrand aufgestellt.

Die blaue Farbe auf dem Körper des zu opfernden Kindes gab es auch in den "echten" Opferzeremonien. Die blaue Farbe auf dem Körper des zu opfernden Kindes gab es auch in den "echten" Opferzeremonien.

Auch der Mythos, laut denen die Maya ihren Opfern das Herz bei lebendigem Leibe herausgerissen haben sollen, lässt sich beweisen. Auch die blaue Farbe, mit der das Kind im Trailer angemalt ist, ist wissenschaftlich belegt. Das so genannte Maya-Blau ist eine Mischung aus drei heilenden Substanzen, die die Kraft des Regens symbolisieren.

Das ist direkt doppelt ironisch: Zum einen, weil der Geopferte nicht geheilt wird, sondern stirbt. Zum anderen, weil direkt zu Beginn der von uns gespielten Tomb Raider-Demo ein ganzes Dorf durch einen Tsunami ausgelöscht wird.

Noch feiern die Dorfbewohner ausgelassen den Tag der Toten. Der Tsunami wird sie unvorbereitet treffen. Noch feiern die Dorfbewohner ausgelassen den Tag der Toten. Der Tsunami wird sie unvorbereitet treffen.

Ein widerlegter Mythos

Eine Sache, die man sich über die Maya erzählt, stimmt jedoch nicht: Die Maya haben nicht ausschließlich Kinder und Jungfrauen geopfert. Von den Überresten in Uxul zum Beispiel würden 15 der 14 Individuen identifiziert, dabei handelte es sich um 13 Männer und zwei Frauen, allesamt zwischen 18 und 42 Jahren. Nach Maßstäben der damaligen Zeit war dort also niemand Kind oder junge Frau.

Vielmehr vermuten die Forscher, dass es sich hier um Kriegsgefangene handelt, da die Schädel auf Opfer aus allen Gesellschaftsschichten hinweisen. Von Anzeichen für Mangelernährung bis hin zu Zahneinlagen aus Jade weisen die Knochen auf ein breites Spektrum an Opfern hin.

Das Wissen um die Menschenopfer-Zeremonien der Maya ist weit verbreitet. Viel weniger bekannt ist jedoch der Grund. Die Religion zur Hochzeit der Maya-Kultur ging von mehreren Göttern aus, die Menschen- oder Tierform annehmen konnten und sterblich waren. Das bedeutete, sie mussten irgendwie am Leben gehalten werden. Dazu opferte jeder sein eigenes Blut, das ihr Leben erhalten sollte.

Blut ist ein wichtiger Bestandteil in den Zeremonien zu Zeiten der Maya-Hochkultur. Es symbolisiert das Leben. Blut ist ein wichtiger Bestandteil in den Zeremonien zu Zeiten der Maya-Hochkultur. Es symbolisiert das Leben.

Während die Kriegsgefangenen also geopfert wurden, steuerten auch Bürger in den Städten ihr Blut bei, indem sie Lippe und Zunge durchstießen. Das Blut wurde auf Papierstreifen aufgefangen und anschließend verbrannt, damit es die rauchförmige Seele erreichte.

Ob die Maya wie die Azteken Kriege führten, um an Opfer für ihre Rituale zu kommen, ist nicht belegt. Die Hochzeit der Maya war bereits vorbei, als die spanischen Eroberer das Land erreichten. Die Theorie des Ballspiels mit anschließender Opferung jedoch wurde überliefert und anhand von Knochenfunden belegt.

Während diese Art der Spiele auf den ersten Blick übermäßig brutal erscheint, dürfen wir nicht vergessen, dass andere Völker, beispielsweise die Römer, gleiche Praktiken ausführten. Dort erlangten die Gladiatoren zwar erheblichen Ruhm, ein Großteil von ihnen starb jedoch auch im Sand der Arena.

Der Priester im Trailer zieht gegen Lara den Kürzeren. Der Priester im Trailer zieht gegen Lara den Kürzeren.

Zusammenfassend können wir also sagen, dass es sehr wohl sein kann, dass Lara auf sehr viel mehr Hinweise zu Menschenopfern stoßen wird. Allerdings wäre es anhand der Funde wahrscheinlicher, dass sie als Fremde in Gefahr gerät, geopfert zu werden, als das Kind aus dem Trailer.

Heute opfert natürlich niemand mehr Menschen im Namen der Götter. Die rund 6,1 Millionen Maya, die in Mexiko, Belize, Guatemala, El Salvador und Honduras leben, folgen einer Mischreligion aus Christentum und alten Maya-Traditionen.

Den Göttern wird immer noch gehuldigt, allerdings landen mittlerweile Kerzen, Gewürze und manchmal auch Hühner auf dem Gabentisch. Die meisten Maya leben vom Maisanbau oder dem Tourismus in den einzelnen Ländern. Der einzige autonome Mayastamm (die Tzotzil) lebt im mexikanischen Bundesstaat Chiapas.

Wie in Shadow of the Tomb Raider die Kultur der Maya, die Vertreibung der Stämme durch die spanischen Konquistadoren und die heutigen Nachfahren der Maya repräsentiert werden, ist noch nicht klar. Wir halten euch aber auf dem Laufenden.


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