The Last of Us 2: Im Permadeath-Modus bin ich selbst mein größter Feind

Linda hat sich in den Permadeath-Modus von The Last of Us Part 2 gewagt und erlebt das Action-Adventure dadurch noch einmal auf eine komplett neue Art und Weise.

von Linda Sprenger,
19.08.2020 18:33 Uhr

The Last of Us 2 lässt Linda im Permadeath-Modus kaum durchatmen. The Last of Us 2 lässt Linda im Permadeath-Modus kaum durchatmen.

Knapp zwei Monate nach dem Release von The Last of Us Part 2 bietet das aktuelle Update 1.05 mit dem Permadeath-Modus alias "Endgültiger Tod" vielen Fans einen neuen Anreiz für einen weiteren Spieldurchlauf. Auch ich tobe mich gerade mit dem unverzeihlichen Feature aus und stehe damit vor einer riesigen, ungeahnten Herausforderung, die mich das Abenteuer auf eine komplett neue Art und Weise erleben lässt.

So funktioniert der Modus "endgültiger Tod" in The Last of Us 2

Ich spiele The Last of Us 2 im Permadeath-Modus auf dem normalen Schwierigkeitsgrad und habe die Checkpoints pro Akt eingestellt. Sterbe ich beispielsweise in Seattle Tag 2, muss ich den Akt Seattle Tag 2 wieder von vorne beginnen.

Stellt es ein, wie ihr wollt: Ihr könnt den Modus einfacher gestalten, indem ihr den Permadeath nur für die Kapitel innerhalb eines Aktes aktiviert, sodass euch wesentlich mehr Checkpoints den Rücken freihalten. Es geht aber auch eine Nummer härter: Der "endgültige Tod" lässt sich ebenfalls für das gesamte Spiel aktivieren. Hier habt ihr also wirklich nur ein einziges virtuelles Leben, an das ihr euch klammern müsst. Verliert ihr es - ganz egal an welcher Stelle des Spiels - müsst ihr noch einmal komplett von vorn beginnen.

Die Schwierigkeit für den Permadeath-Modus lässt sich übrigens frei wählen. Wenn ihr wollt, könnt ihr euch der Herausforderung sogar auf dem neuen, besonders harten Schwierigkeitsgrad "Erbarmungslos" aka "Grounded" stellen, bei dem ihr euch komplett ohne Anzeige für Lebensenergie und Magazinkapazität mit wesentlich aufmerksameren und stärkeren Feinden herumschlagen müsst.

Linda Sprenger
@lindalomaniac

Linda hat The Last of Us Part 2 bereits dreimal beendet. Nachdem sie mittlerweile jede Ecke Seattles im Schlaf nachzeichnen kann, kommt der Permadeath-Modus für sie wie gerufen: Dank des Features muss sich Linda einer komplett neuen Herausforderung stellen, die The Last of Us 2 auf spielerischer Ebene für sie wieder spannend macht.

Warum der Permadeath-Modus so herausfordernd ist

Ich bin ganz froh darüber, dass ich mich für den goldenen Mittelweg entschieden habe. Einfach ist The Last of Us 2 im Permadeath-Modus auf "normal" für mich damit aber trotzdem nicht, obwohl Kämpfe moderat ausfallen und ich stets genügend Materialien für Medi-Kits und Molotows finde. Denn kein Clicker, kein Shambler, kein Mitglied der militaristischen WLF-Gruppierung macht den Permadeath-Modus für mich so herausfordernd, sondern ein ganz anderer Feind: ich selbst.

Oder um es genauer zu sagen: meine verdammte Angst, zu scheitern. Auf dem Spiel steht schließlich nicht nur Ellies (oder Abbys) Leben, sondern auch meine wertvolle Zeit, die mit jedem Biss ins Gras verloren geht. Kostet mich ein Bildschirmtod im normalen Spielverlauf nur wenige Minuten, verliere ich hier im schlimmsten Fall mehrere Stunden.

So würde vermutlich jeder reagieren, wenn er aufgrund eines doofen Fehlers noch einmal bei Null anfangen muss. So würde vermutlich jeder reagieren, wenn er aufgrund eines doofen Fehlers noch einmal bei Null anfangen muss.

Die ständige Sorge im Hinterkopf, dass ich vorzeitig den Löffel abgebe und ich alle zuvor gemeisterten Aufgaben und Kämpfe damit erneut bestreiten muss, macht mich schließlich nervös und anfällig für Fehler. Je weiter ich im Akt voranschreite, desto angespannter werde ich. Im herkömmlichen Spielmodus so simple Stealth-Abschnitte wie im U-Bahn-Tunnel am Ende von "Seattle Tag 1" werden so zu einer nervenaufreibenden Achterbahnfahrt.

Wenn meine Tarnung nach einem unüberlegten Deckungswechsel auffliegt und mich eine Gruppe schwer bewaffneter WLF-Mitglieder verfolgt, bebt mein Herz und meine Hände zittern. Eine Gegend, in der ich mich nach mehrmaligen Beenden der Story eigentlich gut zurechtfinden müsste, verschwimmt in meiner Aufregung plötzlich zu einem undurchsichtigen Wirrwarr aus Gängen und U-Bahn-Wagons. Auf einmal weiß ich nicht mehr, wo ich hin flüchten soll, wo der Ausgang aus dem Tunnel ist.

Die Anspannung steigt, wenn ich auf der Flucht beinahe plötzlich in die Arme eines Clickers laufe. Ich selbst kann mich kaum gegen ihn wehren, weil ich dank meiner schwitzigen Finger von den Analogsticks abrutsche und damit sogar aus nächster Nähe daneben schieße.

The Last of Us 2 spielt sich umso schwerer, je nervöser und aufgeregter ich bin. Orte wie der U-Bahn-Tunnel können so zur Todesfalle werden. The Last of Us 2 spielt sich umso schwerer, je nervöser und aufgeregter ich bin. Orte wie der U-Bahn-Tunnel können so zur Todesfalle werden.

Kampf gegen alte Routinen

Im Permadeath-Modus muss ich schließlich nicht nur die vielen Gefahren des Spiels, sondern eben auch meine Nervosität eindämmen. Das stellt mich vor eine Herausforderung, die komplett neu für mich ist und das neue Feature letztendlich so reizvoll und spaßig macht.

Ich habe die Story von The Last of Us 2 im Standard-Spielmodus bislang dreimal beendet, der letzte Durchlauf glich allerdings eher einem routinierten Spaziergang. Die Aufregung, die ich beim ersten Mal verspürte, war komplett verflogen, weil ich für jede Auseinandersetzung bereits eine Herangehensweise verinnerlicht hatte und deshalb stellenweise zur Leichtsinnigkeit neigte.

Wer im Permadeath-Modus leichtsinnig spielt und eine Gruppe Infizierter aufscheucht, zieht hier schnell den Kürzeren. Wer im Permadeath-Modus leichtsinnig spielt und eine Gruppe Infizierter aufscheucht, zieht hier schnell den Kürzeren.

In meiner letzten Spielsession arteten einige Stealth-Passagen beispielsweise in wilde Schießereien aus, weil ich irgendwann die Geduld verlor und nur noch schnell vorankommen wollte. Wenn ich hier starb, war's ja nicht schlimm. Am nächsten Checkpoint startete ich eben einen erneuten Versuch. Darauf kann ich mich nun aber nicht mehr gelassen.

Jetzt ist sehr wohl Geduld gefragt, wenn ich mich nicht unnötig in Gefahr begeben will. Die Situation im U-Bahn-Tunnel hätte ich beispielsweise eleganter und unaufgeregter lösen können, wenn ich taktischer vorgegangen wäre. Wenn ich meine Feinde und deren Routen genau beobachtet hätte, anstatt vorschnell von Deckung zu Deckung zu huschen.

Ein Spiel mit der Geduld und mit dem Risiko

Kein Dämon ist im Permadeath-Modus so hardnäckig wie der eigene im Inneren. Kein Dämon ist im Permadeath-Modus so hardnäckig wie der eigene im Inneren.

Im Permadeath-Modus muss ich spielerisch umdenken, eben weil mich jeder Bildschirmtod jetzt viel härter trifft als zuvor. Ständig muss ich mich zur Konzentration, zum Durchatmen zwingen. Jeder einzelne Schritt, jeder Schuss und jeder Backsteinwurf muss akribisch geplant werden, denn jeder einzelne Schritt, jeder Schuss und jeder Backsteinwurf könnte mein letzter sein.

Somit wird jede Auseinandersetzung zu einer unvergleichlich intensiven Erfahrung. Klar steht hier viel auf dem Spiel, und klar frustriert es mich zuweilen, wenn ich nach einem Bildschirmtod einen kompletten Tag in Seattle aufholen und dieselben Wege wieder und wieder abklappern muss.

Doch meine Freude über meine Erfolgserlebnisse überwiegt. Jeder gewonnene Kampf fühlt sich im Permadeath-Modus furchtbar belohnend an. Denn jedes Mal, wenn ich einen Clicker überliste, dann ringe ich gleichzeitig meinen eigenen inneren Dämonen nieder. Den wohl härtesten Feind, dem ich in The Last of Us 2 je gegenüberstand.

Was sind eure Erfahrungen mit dem Permadeath-Modus von The Last of Us 2?

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