The Sinking City 2 im Test: Resi-Fans, das ist was für euch

Dennis hat sich dem Lovecraft-Horror gestellt und dabei ganz schön nasse Füße bekommen. Dafür bringt er aber überwiegend positive Neuigkeiten von seinem Survival-Trip mit.

Dennis hat The Sinking City 2 für euch getestet. Dennis hat The Sinking City 2 für euch getestet.

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Bevor wir starten, eine kleine Bitte an euch: Vergesst bitte vieles, was ihr über The Sinking City wisst. Also, hinfort mit der Open World. Charles Reed und seine Detektivarbeit lasst ihr bitte auch in Oakmont City zurück. Was ihr euch stattdessen ins Gedächtnis rufen solltet, ist klassischer Survival-Horror. 

Denkt an Resident Evil 2 oder Silent Hill 2! Die modernen Actionhelden wie Leon, James und Co. lasst ihr allerdings auch zu Hause. Stattdessen schlüpft ihr in euren Leder-Trenchcoat, setzt euch einen schicken Stetson auf und erwacht im Jahr 1929 – und zwar in der größtenteils überfluteten US-Großstadt namens Arkham, die von allerhand ekligen Tentakelmonstern und Zombies überrannt ist.  

Senkt ihr jetzt noch eure Erwartungshaltung, was die Präsentation, allen voran die Cutscenes anbelangt, dann wisst ihr grob, was euch mit The Sinking City 2 erwartet: nämlich ein gutes und überaus atmosphärisches Survival-Horrorspiel, das sich spielerisch allerhand von Capcom und Konami abgeschaut hat. 

Das kommt allerdings verglichen mit den Vorbildern durch ein deutlich kleineres Budget mit so mancher Ecke und Kante daher.

Dieses okkulte Abenteuer haben sich die beiden selbst eingebrockt

Bevor ich euch verrate, ob in The Sinking City 2 eine spannende Geschichte schlummert, noch eine Sache vorab: Ihr benötigt kein Wissen aus dem Vorgänger. Die Parallelen beschränken sich auf das Setting im fiktiven Amerika der 1920er-Jahre und das schaurige Universum des klassischen SciFi-Gruselautors H.P. Lovecraft.

Ihr spielt Calvin, der zusammen mit seiner Liebschaft Faye einen folgenschweren Fehler begeht. Anstatt aus dem überfluteten Arkham zu fliehen, schnüffeln die beiden mystischen Gegenständen hinterher und praktizieren okkulte Rituale. 

Blöd nur, wenn eines davon mächtig in die Hose geht und die Abenteurerin in einen ewigen Schlaf versetzt, aus dem Faye nur durch ein weiteres Ritual wieder aufwachen kann. Da Calvin das allerdings nicht kennt, geht’s mit dem kleinen Motorboot durch verwinkelte Wasserstraßen zur nächsten Bibliothek und dann mal schauen, was die verbotene Abteilung so im Angebot hat.   

Video starten 2:34 The Sinking City 2 zeigt sich in voller Unreal-Engine-5-Pracht und erscheint noch diesen Sommer

Die gut 13 Stunden dauernde Rettungsmission wird immer wieder durch kurze Cutscenes und so manch skurrile Nebenfigur aufgelockert. Ohne hier zu sehr ins Detail zu gehen, kann Calvin dank einer okkulten Maske im späteren Verlauf des Abenteuers auch mit seiner großen Liebe sprechen. 

Das schadet zu keinem Zeitpunkt der generell hervorragenden, durchweg beklemmenden Survival-Atmosphäre von The Sinking City 2 und fügt dem Ganzen vielmehr noch eine coole erzählerische Ebene hinzu. Und keine Sorge, Faye plappert auch nicht permanent dazwischen und nimmt euch Lösungswege vorweg.

So steht’s um die Technik

Ich hatte keinerlei Probleme mit Bugs. Auch die Performance auf der PS5 Pro ist für mich tiptop. Gespielt hab ich im Leistungs-Modus mit 60 fps. Lediglich grafisch müsst ihr hier und da Abstriche machen. Die Gesichter und auch einige der größeren Monster sehen nicht allzu dolle animiert aus und auch am leicht krisseligen Wasser seht ihr, dass ihr hier ein AA-Spiel vor euch habt. 

Davon ab schaut The Sinking City 2 mit seinen überfluteten Straßen, seinem 20er-Jahre Charme und seinen schaurigen, durchaus detaillierten Locations aber richtig schön stimmig aus. 

Hier noch einige Infos zur Barrierefreiheit für euch:

  • keine komplett freie Tastenbelegung
  • sehr gute englische Vertonung mit deutschen Untertiteln
  • vier Schwierigkeitsgrade (inklusive Modus, der euch unverwundbar macht)
  • optionale Zielhilfe und automatisches Nachladen
  • Motion Blur lässt sich deaktivieren
  • beim Zielen, Rennen und auch bei QTEs könnt ihr optional die jeweilige Taste kurz drücken, anstatt sie dauerhaft zu halten
  • keine komplett freie Tastenbelegung

Gerade in Cutscenes merkt ihr, dass ihr hier ein AA-Spiel bekommt. Gerade in Cutscenes merkt ihr, dass ihr hier ein AA-Spiel bekommt.

Sehr vertrauter Survival-Horror

Notorischer Platzmangel im Inventar. Manuelles Speichern in Schutzräumen, in denen auch eine Lagertruhe steht. Das Craften von Heilung und Munition. Mein Jubelschrei, wenn ich die Schrotflinte, die Maschinenpistole oder das Jagdgewehr entdecke – oder mindestens genauso wichtig: eine Inventarerweiterung!

Zwei weitere Parallelen gebe ich euch noch:

Eine super übersichtliche Map, die mir genau anzeigt, wo Wege verschlossen, Rätsel ungelöst und noch Items herumliegen. Und dank der ich stets einen kleinen Endorphinschub bekomme, wenn die Raumfarbe auf der Karte von rot zu blau switcht und mir das Spiel sagt “alles erledigt”. Und natürlich gibt’s auch mehrere nervige Verfolger, die mich in einem Areal immer schön auf Trab halten.

Atmo Die Lovecraft-Atmo und Arkham als in den Fluten versunkener Schauplatz sind hervorragend umgesetzt.

Karte Die Karte ist super übersichtlich gestaltet und zeigt von Rätseln, Items über verschlossene Türen alles Wichtige an.

Entwickler Frogwares halten sich rein vom Survival-Gameplay sehr penibel an das, was uns in Spielen wie Resident Evil und Co. seit Jahren bei Laune hält. Und das auf einem durchweg spaßigen Niveau. Sei es bei den Kämpfen gegen schlurfende Zombies oder kleine, flinke Tentakel-Monster, die mich aus 5 Metern Entfernung anspringen, nur um dann wieder aus dem Sichtfeld zu sprinten. Diese kleinen Mistviecher, diese  …

Falls ihr an der Stelle eine großen, einzigartigen Gameplay-Twist sucht, muss ich euch allerdings enttäuschen. Auf der Haben-Seite wäre da am ehesten noch ein recht schlichtes Upgrade-System zu erwähnen. 

Ihr tauscht dabei eine seltene okkulte Ressource gegen sockelbare Perks ein. Das sorgt dafür, dass ihr beispielsweise bei ausgeschaltetem Taschenlampenlicht mehr Schaden mit der Pistole macht oder mehr Gesundheit durch Heilmittel wiederhergestellt wird.

In eine okkulte Maske könnt ihr bis zu vier Perks sockeln. Das System ist recht überschaubar, erfüllt aber seinen motivierenden Zweck. In eine okkulte Maske könnt ihr bis zu vier Perks sockeln. Das System ist recht überschaubar, erfüllt aber seinen motivierenden Zweck.

Aber das war es auch schon mit den Besonderheiten – und nehmt das bitte nicht negativer auf, als es ist. Sich mit wenig Munition durch beklemmende, durchaus schicke Locations wie eine Heilanstalt oder einen ekligen Fischmarkt zu schießen und in feinster Resi-Manier zu rätseln, das macht Laune. Erst recht, da alle Systeme gut ineinander greifen.

An diesen Stellen müsst ihr Abstriche machen 

  • Im gesamten Spiel tummeln sich lediglich drei Standardgegner, was gemessen an der Spielzeit deutlich zu wenig ist. Zudem geht das Miniboss-Recycling gerade im letzten Spieldrittel eine Spur zu weit.
  • Die zum Glück überschaubaren Bosskämpfe sind der spielerische Tiefpunkt. Leider eine Krankheit vieler Survial-Horrorspiele. 
  • Ganz konnten sich Frogware vom Detektiv-Ansatz des Vorgängers nicht trennen und haben ein optionales Hinweis-System zum Lösen der Rätsel ins Menü gebaut. Hier könnt ihr Hinweise platzieren, sie verketten und erhaltet dafür eine Ressource, um Talente bzw. Perks freizuschalten. Das Feature wurde allerdings recht lieblos und frickelig implementiert, wodurch es mehr wie ein Überbleibsel vergangener Zeiten wirkt.
  • Der Gore-Faktor ist deutlich geringer als in den jüngeren Resident Evils. Es gibt durchaus eklige Bilder, auf klaffende Unterkiefer oder abgetrennte Gliedmaßen müsst ihr aber verzichten.

Das ist mir hingegen noch positiv aufgefallen 

  • Calvin begegnet im Verlauf des Spiels zwar nur eine Handvoll an NPCs, die sind dafür in feinster Lovecraft-Manier aber gleich doppelt skurril 
  • Es gibt einen optionalen Rätselmodus, der Hinweise in Texten nicht mehr farblich hervorhebt.  
  • Ich hatte auf dem normalen Schwierigkeitsgrad nie zu viel, aber auch niemals zu wenig Munition über. The Sinking City 2 gelingt hier eine sehr gute Balance zwischen Nervenkitzel und Aufatmen.

Dass ich den Test mit positiven Worten beende, hat durchaus seinen Grund. Wie Eingangs erwähnt, hat The Sinking City 2 seine ganz offensichtlichen Ecken und Kanten. Mit denen konnte ich allerdings gut leben. Genauso wie mit dem Shift vom Open World-Detektivspiel hin zu Survival-Horror – und das, obwohl ich die freie Erkundung aus dem Vorgänger wirklich sehr gemocht habe. 

Ihr bekommt hier ein technisch sauberes und spielerisch weitestgehend spaßiges Lovecraft-Spiel, das zum Ende hin nochmal ordentlich aufdreht. 

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